
Die glomeruläre Filtrationsrate (GFR) ist eine der wichtigsten Kenngrößen zur Beurteilung der Nierenfunktion. Nierenerkrankungen betreffen einen erheblichen Teil der Bevölkerung und bleiben häufig lange unentdeckt. Wird eine eingeschränkte Nierenfunktion jedoch frühzeitig erkannt, lässt sich eine weitere Verschlechterung oft verhindern. Zur Einschätzung des Nierenzustands werden verschiedene Laborwerte herangezogen, wobei die glomeruläre Filtrationsrate zu den aussagekräftigsten zählt. Was die GFR aussagt, wie sie berechnet wird und ab welchen Werten sie kritisch wird, zeigt der folgende Überblick.
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste zur GFR in Kürze
- Die glomeruläre Filtrationsrate (GFR) beschreibt, wie gut die Nieren das Blut filtern
- Sie gibt an, wie viel Blut pro Minute in den Nierenkörperchen (Glomeruli) gereinigt wird
- Die GFR wird meist aus dem Kreatininwert im Blut mithilfe von Rechenformeln (z. B. CKD-EPI) berechnet
- Normalwerte liegen ungefähr bei 90-120 ml/min/1,73 m² bei jungen Erwachsenen
- Zu niedrige Werte können auf eine eingeschränkte Nierenfunktion hinweisen; zu hohe Werte treten selten auf und können z. B. bei bestimmten körperlichen Belastungen oder nach Gabe bestimmter Medikamente vorübergehend steigen
- Veränderungen der GFR helfen, Nierenerkrankungen frühzeitig zu erkennen, noch bevor Beschwerden auftreten
Was ist Glumeruläre Filtrationsrate (GFR)?
Die glomeruläre Filtrationsrate (GFR) ist ein zentraler Parameter zur Beurteilung der Nierenfunktion. Sie beschreibt, wie effektiv die Nieren das Blut von frei filtrierbaren Substanzen reinigen, die anschließend über den Urin ausgeschieden werden. Die GFR gibt an, welches Blutvolumen pro Minute in den Nierenkörperchen filtriert wird, und erlaubt damit eine Einschätzung des funktionellen Zustands der Nieren. Auf dieser Grundlage lässt sich das Stadium einer Nierenerkrankung bestimmen. Da die GFR kein direkt messbarer Blutwert ist, wird sie in der klinischen Praxis meist aus dem gemessenen Kreatinin mithilfe etablierter Rechenformeln wie der CKD-EPI-Formel abgeschätzt. Diese berücksichtigt neben dem Kreatinin – einem Abbauprodukt des Muskelstoffwechsels – auch Faktoren wie Alter und Geschlecht, um die Nierenfunktion möglichst realistisch abzubilden.
Der GFR-Wert gibt genauere Angaben über die Filtrationsfunktion der Nieren als der üblich verwendete reine Kreatininwert. Kreatinin steigt erst ab einem Funktionsverlust von etwa 50 Prozent im Blut an, die GFR hingegen erkennt schon deutlich geringere Abweichungen. Jedoch ist das Verfahren zur Bestimmung der glumerulären Filtrationsrate zeitaufwendiger und auch kostspieliger, sodass die Vorerkrankungen und das Krankheitsbild des Patienten darüber entscheiden, ob der Wert berechnet wird. Die Chance, eine chronisch werdende Nierenschwäche früh zu erkennen, steigt aber dadurch. Frühe Stadien einer Nierenerkrankung sind nämlich meist klinisch stumm und können nur durch diesen Filtrationsmarker diagnostiziert werden.
Woher kommt der Begriff „glomeruläre Filtrationsrate“?
Wann wird Glumeruläre Filtrationsrate bestimmt?
Die Glumeruläre Filtrationsrate (GFR) wird bei chronischen Nierenerkrankungen mit einem starken Funktionsverlust der Niere ermittelt sowie bei Krankheiten, die Risikofaktoren für Nierenerkrankungen sind und im Verlauf zu Nierenschäden führen können, wie etwa Diabetes mellitus. Die glumeruläre Filtrationsrate wird auch herangezogen, wenn man den therapeutischen Erfolg einer funktionserhaltenden Therapie bewerten möchte, die Einwirkung von Medikamenten (besonders bei einem dauernden Schmerzmittelgebrauch) untersuchen will und, um abzuschätzen, wann der richtige Zeitpunkt für eine Dialyse-Behandlung ist.
Wie wird Glumerläre Filtrationsrate bestimmt?
Zur Bestimmung der GFR gibt es zwei Ansätze: mit exogenen und endogenen Filtrationsmarkern. Die Messung mit exogenen Markern (mGFR) gilt als Goldstandard, weil sie besonders zuverlässig ist. Sie ist jedoch zeitaufwendig, kostenintensiv und wird nur in spezialisierten Laboren durchgeführt. Daher wird in der Praxis meist die geschätzte GFR (eGFR) verwendet. Die eGFR wird mithilfe mathematischer Formeln berechnet, die den Kreatininwert und Cystatin C im Blut berücksichtigen – körpereigene Substanzen, die fast vollständig in den Nierenkörperchen gefiltert werden. Zusätzlich fließen Faktoren wie Alter, Geschlecht und teilweise Gewicht oder Blut-Harnstoff-Stickstoff in die Berechnung ein. Sinkt die GFR, steigt der Spiegel von Kreatinin und Cystatin C im Blut, was auf eine eingeschränkte Nierenfunktion hinweist.
Glomeruläre Filtrationsrate (GFR) – Normwerte nach Alter
Die glumeruläre Filtrationsrate nimmt mit steigendem Alter ab. Den Gipfel erreicht sie bei Ende des Wachstums mit etwa 20 Jahren. Die folgende Tabelle gibt den Durchschnittswert in den entsprechenden Altersstufen an, die Einheit ml/min steht für Milliliter pro Minute.
| Alter | GFR |
| 20 – 29 | 116 ml/min |
| 30 – 39 | 107 ml/min |
| 40 – 49 | 99 ml/min |
| 50 – 59 | 93 ml/min |
| 60 – 69 | 85 ml/min |
| > 70 | 75 ml/min |
Die GFR ist keine konstante Größe und kann im Laufe des Tages schwanken.
Glomeruläre Filtrationsrate (GFR) – Wann zu hoch?
Zu Beginn einer Nierenschädigung kann die GFR vorübergehend erhöht sein. Die Nieren versuchen, die Filterleistung zu steigern, um den Verlust geschädigter Bereiche auszugleichen. Dieses Phänomen wird als Hyperfiltration bezeichnet und kann langfristig die Nieren zusätzlich belasten.
Glomeruläre Filtrationsrate (GFR) – Wann zu niedrig?
Die häufigste Ursache für eine verminderte GFR ist eine chronische Nierenschwäche (chronische Niereninsuffizienz). Daneben kann eine sinkende GFR auch durch einen dauerhaft erhöhten Blutzuckerspiegel bei schlecht eingestelltem Diabetes, andauernden hohen Blutdruck, bestimmte Medikamente oder entzündliche Prozesse in den Nieren ausgelöst werden. Auch andere Erkrankungen, die die Nierenfunktion belasten, wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Harnwegsverengungen, können zu einer Abnahme der GFR führen.
Glumeruläre Filtrationsrate (GFR) und Stadien der Nierenschwäche
Die amerikanische Nierenstiftung (National Kidney Foundation) hat im Jahre 2002 die chronische Nierenschwäche in fünf Stadien eingeteilt. Diese sind mittlerweile weltweit zum Standard bei der Bestimmung der Nierenfunktion geworden.
| Stadium | GFR-Wert / Beschreibung |
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Glumeruläre Filtrationsrate (GFR) – Was tun bei Abweichungen?
Bei verminderten GFR-Werten wird zunächst das Stadium der Nierenerkrankung bestimmt. Anschließend richtet sich die Behandlung nach der Ursache und dem Schweregrad der Nierenfunktionsstörung. Liegt eine chronische Nierenschwäche vor, wird die zugrunde liegende Erkrankung, wie Diabetes, Bluthochdruck oder eine Nierenentzündung, gezielt behandelt. Gleichzeitig sollen die Folgen der Nierenschwäche, beispielsweise Blutarmut, Ödeme oder erhöhte Kaliumwerte, gemindert werden. Früh erkannte Nierenschwächen lassen sich häufig durch medikamentöse Therapie und eine angepasste Lebensweise kontrollieren. Bei fortgeschrittenem Nierenversagen sind Dialyseverfahren oder in schweren Fällen sogar eine Nierentransplantation erforderlich.
Good to know: Interessante Informationen für Ärzte und Medizinstudenten
- Die GFR ist dynamisch und kann kurzzeitig um 20–50 Prozent schwanken, z. bei körperlicher Aktivität, Proteinaufnahme oder Hydration.
- Frauen haben tendenziell eine etwas niedrigere absolute GFR, weshalb die Korrektur auf die Körperoberfläche wichtig ist.
- Bestimmte genetische Varianten beeinflussen die Serumkreatinin-Produktion und damit auch die eGFR, ohne dass die echte Nierenfunktion verändert ist.
- Cystatin C kann als Alternative zu Kreatinin genutzt werden, besonders bei Muskelschwund oder Extremsituationen, wo der Kreatininwert oft verfälscht ist.
- Bei der Dosisanpassung vieler Medikamente (z. Antibiotika, Chemotherapeutika) wird die eGFR zur Berechnung der sicheren Dosierung herangezogen.
Häufige Fragen zu GFR
- Was ist die glomeruläre Filtrationsrate (GFR) und warum ist sie wichtig?
- Wie wird die GFR berechnet und welche Normalwerte gelten?
- Ab welchen GFR-Werten wird eine Nierenerkrankung kritisch?
Die GFR gibt an, wie effektiv die Nieren das Blut filtern und Substanzen ausscheiden. Sie erkennt Nierenschäden frühzeitig, oft bevor Symptome auftreten, und hilft, Stadien einer chronischen Nierenschwäche zu bestimmen – entscheidend für präventive Therapie bei Risikofaktoren wie Diabetes oder Bluthochdruck.
Die GFR wird meist geschätzt (eGFR) aus Blut-Kreatinin (z. B. CKD-EPI-Formel) unter Einbeziehung von Alter und Geschlecht. Normwerte: 90-120 ml/min/1,73 m² bei Jungen; sie sinkt altersbedingt (z. B. 75 ml/min ab 70 Jahren). Exakte Messung (mGFR) ist selten, da aufwendig.
Unter 60 ml/min (Stadium 2-5) deutet auf Nierenschaden hin: Ab 30-59 ml/min treten Symptome wie Müdigkeit auf, unter 15 ml/min ist Dialyse nötig. Hohe Werte (Hyperfiltration) können vorübergehend auftreten, niedrige durch Bluthochdruck, Diabetes oder Medikamente – Ursache klären und behandeln!
Mehr zu Nierenwerten
1. Piper, W.: Innere Medizin, Springer Medizin Verlag, 1. Auflage, 2007
2. Kuhlmann, U., Böhler, J., Luft, F. C., Kunzendorf, U., Alscher, M. D., Nephrologie: Pathophysiologie – Klinik – Nierenersatzverfahren, Georg Thieme Verlag, 6. Auflage, 2015
3. Dellenna, F.: Der Nephrologe, Zeitschrift für Nephrologie und Hypertensiologie, Springer Medizin Verlag, 2012
4. Estimated Glomerular Filtration Rate (eGFR), https://www.kidney.org/... (Abrufdatum: 15.04.2026)
5. About Glomerular Filtration Rate (GFR), https://www.upmc.com/... (Abrufdatum: 15.04.2026)




