
Längst ist die Digitalisierung in der Medizin angekommen und mit ihr Berufe wie der Medizininformatiker. eHealth ist ein modisches Schlagwort, das für eine Vielzahl elektronischer Anwendungen im Bereich Gesundheitsversorgung und medizinische Behandlung steht. Sie reichen von Krankenhaus- und Krankenkasseninformationssystemen über bildgebende Therapie- und Diagnoseverfahren bis hin zu computerunterstützten Operationen oder wissensbasierten Systemen. Um Entwicklung, Betreuung und Betrieb solcher Anwendungen kümmern sich Medizininformatiker.
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste in Kürze
- Ausbildung & Einstiegswege: Meist Studium Medizininformatik als Bachelor/Master (Uni/FH), auch dual oder berufsbegleitend/Fernstudium möglich; alternativ Informatik-Studium mit Schwerpunkt Medizininformatik
- Inhalte: Informatik, Software Engineering, Datenbanken, Mathematik, BWL plus Medizin/medizinische Informatik (u. a. Informationssysteme, Bild-/Signalverarbeitung, IT-Sicherheit, Prozess- und IT-Management im Gesundheitswesen)
- Zugang: Uni; i. d. R. Abitur/fachgebundene Hochschulreife; FH: mit Fachhochschulreife
- Finanzierung: Keine Ausbildungsvergütung; Förderungen: BAföG, KfW-Studienkredit/-Bildungskredit, Stipendien
- Tätigkeitsfelder: Einsatz in Kliniken, IT-Dienstleistern, Krankenkassen, Pharma/MedTech, Beratung; Aufgaben von Systementwicklung über Interoperabilität/Datenschutz bis KI-Anwendungen
- Gehalt: Einstieg ca. 4.400 €/Monat; Bandbreiten: öffentliche Träger ~4.012 bis 6.834 €, kirchlich: ~3.968 bis 6.961 €, privat ~4.923 bis 7.119 €; mit Erfahrung mehr als 70.000 €/Jahr möglich
Ausbildung Medizininformatiker – Voraussetzungen, Inhalt und Dauer
Die Arbeit im Bereich Medizininformatik benötigt umfassendes und anspruchsvolles Wissen, das üblicherweise in einem Studium erworben wird. Seit 1972 gibt es in Deutschland ein Studienangebot für Medizinische Informatik. Die Uni Heidelberg war – in Zusammenarbeit mit der Heilbronner Hochschule – die erste deutsche Universität, die einen entsprechenden Diplom-Studiengang einrichtete. Etliche weitere Hochschulen und Fachhochschulen folgten diesem Beispiel. Heute schließt man das Medizininformatik-Studium nicht mehr mit dem Diplom, sondern als Bachelor oder Master ab. Es ist auch möglich, sich mit einem allgemeinen Informatik-Studium für eine spätere Tätigkeit als Medizininformatiker zu qualifizieren – insbesondere dann, wenn im Studium Medizininformatik als Schwerpunkt gewählt wird.
Rund zwei Dutzend deutsche Hochschulen – ganz überwiegend in staatlicher Trägerschaft – bieten ein Medizininformatik-Studium an. Es gibt berufsbegleitende (duale) Studiengänge und Studiengänge in Vollzeit. Auch ein Fernstudium – in der Regel berufsbegleitend – ist möglich. Beispielhaft soll hier das Studium “Medizinische Informatik” an der Uni Heidelberg vorgestellt werden. Es steht stellvertretend für ähnlich aufgebaute Studiengänge an anderen Hochschulen.
Das Bachelor-Studium in Heidelberg ist auf sechs Semester angelegt und besteht aus insgesamt 21 Modulen. Die Lehrinhalte umfassen Informatik, Medizin, Medizinische Informatik, Software Engineering, Mathematik und Betriebswirtschaftslehre. Im sechsten Semester erfolgt eine Vertiefung durch ein Wahlpflichtmodul, das aus drei Modulangeboten ausgewählt werden kann. Zusätzlich ist eine Bachelor-Arbeit zu erstellen, die selbständig ein Thema der Medizinischen Informatik bearbeitet und dabei aktuelle Verfahren und Methoden anwendet.
Inhalte des Studiums
Folgend ist beispielhat das Modulhandbuch der Universität Heidelberg dargestellt:
| Modulnummer | Modul | Inhalt | ECTS |
| 1. Semester | |||
| B1 | Informatik 1 | Arbeitstechniken Programmieren 1 Software Engineering 1 | 15 |
| B2 | Medizin 1 | Einführung in die Biomedizinische Informatik Medizin 1 | 5 |
| B3 | Mathematik 1 | Analysis 1 Diskrete Mathematik | 10 |
| 2. Semester | |||
| B4 | Informatik 2 | Programmieren 2 Algortihmen und Datenstrukturen | 11 |
| B5 | Medizin 2 | Medizin 2 Praktikum Einrichtungen des Gesundheitswesen | 5 |
| B6 | Mathematik 2 | Analysis 2 Lineare Algebra | 12 |
| B7 | Technische Informatik | Technische Informatik | 2 |
| 3. Semester | |||
| B8 | Informatik 3 | Software Engineering 2 Software Labor 1 Einführung in C++ | 7 |
| B9 | Datenbanken | Datenbanken 1 | 5 |
| B10 | Medizinische Informatik 1 | Grundlagen der Medizinischen Informatik Grundlagen der Medizinischen Dokumentation | 6 |
| B7 | Technische Informatik | Rechnerstrukturen Rechnernetze Praktikum Technische Informatik | 8 |
| B11 | Medizinische Physik | Medizinische Physik Elektrotechnik und Messwertanalyse | 4 |
| 4. Semester | |||
| B12 | Informatik 4 | Grundlagen der Mensch-Computer-Interaktion Software Labor 2 Verteilte Systeme | 12 |
| B9 | Datenbanken | Datenbanken 2 | 3 |
| B13 | Theoretische Informatik | Theoretische Informatik | 5 |
| B14 | Methoden empirischer Wissenschaft | Stochastik | 4 |
| B11 | Medizinische Physik | Praktikum Elektrotechnik und Messwertanalyse | 3 |
| B15 | Informationssicherheit und Betriebssysteme | Kryptographie | 2 |
| B16 | IT und Gesellschaft | IT und Gesellschaft | 2 |
| 5. Semester | |||
| B17 | Medizinische Informatik 2 | Informationssysteme desGesundheitswesens Anwendungsbezogene Medizinische Informatik | 8 |
| B18 | Medizinische Bild & Signalverarbeitung 1 | Grundlagen der Medizinischen Bildverarbeitung Grundlagen der Medizinischen Signalverarbeitung | 4 |
| B19 | Wahlpflicht 1 | Auswahl aus B23 | 3 |
| B14 | Methoden empirischer Wissenschaft | Biometrie & Epidemiologie | 3 |
| B15 | Informationssicherheit und Betriebssysteme | Informationssicherheit Betriebssysteme Systemprogrammierung | 6 |
| B16 | IT und Gesellschaft | Ökonomie des Gesundheitswesens Recht in der IT | 5 |
| 6. Semester | |||
| B20 | Profile | Fächer aus B23, die mindestens ein Profil bilden: Diagnose & Therapiesysteme IT Management im Gesundheitswesen Software-Entwicklung | 9 |
| B21 | Wahlpflicht 2 | Auswahl aus B23 | 9 |
| B22 | Bachelorarbeit | Bachelorarbeit | 12 |
Zu den Fächern aus dem Bereich B23, aus denen Inhalte für die Wahlpflichtmodule ausgewählt werden können, zählen folgende:
- Diagnose-Systeme 1
- Therapieplanung 1
- Assistenz-Systeme 1
- DTS-Labor
- IT-Governance
- Prozessmanagement im Gesundheitswesen
- Krankenhausinformationssysteme
- Interoperability und Process Labor
- Grundlagen der sicheren Software-Entwicklung
- Praktikum der sicheren Software-Entwicklung
- Komponentenbasierte Softwareentwicklung
- Vertiefung statistische Methoden
- Elektro- und Sensortechnik Messwertanalyse 2
- Physiologische und technische Grundlagen der Biosignale
- Grundlagen der KI
- Visualisierung und C-Grafik
- Multimediatechnologie
- Höhere Programmiertechnik
Der Abschluss erfolgt als Bachelor of Science. Darauf aufbauend ist ein viersemestriges Master-Studium möglich. Es umfasst sieben Pflicht- sowie vier Wahlpflichtmodule, von denen im dritten Semester zwei auszuwählen sind. Das vierte Semester ist der Masterarbeit vorbehalten. Das Studium schließt mit dem Master of Science ab.
Für ein Medizininformatik-Studium an einer Universität wird die allgemeine Hochschulreife (Abitur) oder eine fachgebundene Hochschulreife benötigt. Bei FH-Studiengängen genügt die Fachhochschulreife.
Medizininformatiker Ausbildung – Gehalt
Die Ausbildung zum medizinischen Informatiker wird nicht vergütet. Das Studium muss aus eigener Kraft finanziert werden. Kosten entstehen vor allem für Lebenshaltung, Unterkunft bzw. Fahrten von und zum Studienort, Lehrmittel und (in der Regel überschaubare) Studiengebühren. Wer das Studium neben dem Beruf absolviert, verfügt meist über eine ausreichende finanzielle Basis. Bei Vollzeit-Studenten ist das häufig anders. Hier kann öffentliche Förderung bei der Studienfinanzierung unterstützen:
- BAföG: Förderung nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz richtet sich an Studenten aus einkommensschwächeren Familien; bei Erfüllung der Voraussetzungen erfolgt die Förderung als Mix aus Zuschüssen und Darlehen
- KfW-Studienkredit: bietet zinsgünstige Darlehen für Studenten (Höchstalter 44 Jahre) mit monatlicher Auszahlung bis zu 650 Euro
- KfW-Bildungskredit: besonders niedrig verzinstes Darlehen zur Finanzierung der Schlussphase eines Studiums oder eines Aufbaustudiums (Master); Höchstbezugsalter: 35 Jahren; monatliche Auszahlungen von 100 Euro, 200 Euro der 300 Euro möglich
Eine weitere Möglichkeit der Studienfinanzierung sind Stipendien – in der Regel nicht rückzahlbare Zuschüsse. Sie werden von zahlreichen Einrichtungen angeboten. Voraussetzung ist eine erfolgreiche Bewerbung und Identifizierung mit den Zielen des jeweiligen Stipendienstifters.
Der Beruf Medizininformatiker – Aufgaben und Tätigkeiten
Medizininformatikern eröffnet sich ein vielfältiges Tätigkeitsspektrum mit einer großen Bandbreite an Arbeitgebern. Stellen bieten:
- IT-Dienstleister, insbesondere Software-Anbieter und Firmen im Bereich Datenbank-Services
- Einrichtungen des Gesundheitswesens (Krankenhäuser, medizinische Versorgungseinrichtungen, Krankenkassen, Gesundheitsbehörden usw.)
- Pharmaunternehmen und Hersteller medizinischer Geräte
- Unternehmensberatungen, Firmen mit medizinischem FuE-Schwerpunkt
Mit einer guten Qualifikation und berufspraktischer Erfahrung bieten sich auch Chancen für berufliche Selbständigkeit.
Medizininformatik bildet eine wichtige Schnittstelle zwischen Medizin und Informationstechnologie. Im digitalen Zeitalter werden Prozesse im Gesundheitswesen und in der Medizin immer stärker durch elektronische Anwendungen unterstützt. Sie reichen von der Kommunikation der verschiedenen Institutionen des Gesundheitswesens über den Schutz sensibler medizinischer Daten bis zur Simulation von operativen Eingriffen oder zu bildgebenden Verfahren bei Diagnosen.
Auch für Künstliche Intelligenz finden sich interessante Einsatzfelder. Medizinische Anwendungs- und Dokumentationssysteme stehen im Mittelpunkt der Tätigkeit eines Medizininformatikers. Dabei geht es vor allem um Entwicklung, Ausbau, Vernetzung und Pflege von Systemen und Anwendungen. Die Tätigkeit muss sich aber nicht darauf beschränken. Auch im Marketing oder im Vertrieb von Medizininformatik-Lösungen finden sich Aufgaben. Höhere Qualifikationen (Master, ggf. Promotion) bieten Aussicht auf Übernahme von Führungsfunktionen in Unternehmen.
Medizininformatiker – Gehalt im weiteren Berufsleben
Mit einem Medizininformatik-Studium ist man beruflich gut aufgestellt. Es bieten sich vielfältige Einstiegsmöglichkeiten in einem sicheren Job mit Perspektiven und einem guten Verdienst. IT-Fachleute sind allgemein begehrt. In einem Spezialgebiet wie der Medizininformatik, wo noch viel zu tun ist, gilt dies allemal. Die Nachfrage nach entsprechend qualifizierten Fachkräften ist größer als das Angebot – für Berufsstarter eine komfortable Situation. Wer mit einem exzellenten Abschluss punkten kann, hat fast die Qual der Wahl.
Der enge Markt spiegelt sich auch in den Gehältern wider. Vor allem bei längerer Berufspraxis und bei Tätigkeit in der freien Wirtschaft in verantwortlicher Position ist ein deutlich überdurchschnittlicher Verdienst möglich. Stellen finden sich vor allem in größeren Städten und Ballungsräumen, wo die meisten Arbeitgeber ansässig sind.
Die Einstiegsgehälter liegen bei etwa 4.400 Euro pro Monat. Der akademische Grad, bereits vorhandene Berufspraxis, aber auch der Arbeitgeber spielen beim Verdienst eine Rolle. Bei Behörden oder sozialen Trägern kommen in der Regel die jeweils relevanten Tarifverträge (TVöD, BAT, kirchliche Tarifverträge) zur Anwendung. In Unternehmen – gerade in etablierten – wird oft mehr und auch “außerhalb Tarif” bezahlt. Die genannten Einstiegsgehälter sind nur Orientierungswerte. Ein Jahresgehalt von 70.000 Euro und mehr ist für einen medizinischen Informatiker durchaus keine Utopie. Als Leiter von anspruchsvollen IT-Projekten oder Führungskraft im Management bestehen auch Verdienstchancen, die darüber hinaus reichen.
| Arbeitgeber | Gehalt |
| Öffentlich | 4.012 Euro bis 6.834 Euro |
| Kirchlich | 3.968 Euro bis 6.961 Euro |
| Privat | 4.923 Euro bis 7.119 Euro |
Interesse an anderen Berufen im Gesundheitswesen? Alle Ausbildungsberufe gibt es als Übersicht auf der Seite medizinische Berufe.
Häufige Fragen zur Tätigkeit als Medizininformatiker
- Brauche ich zwingend ein spezielles Medizininformatik-Studium?
- Welche Skills sind besonders wichtig für Studium und Job als Medizininformatiker?
- Wie sind die Jobaussichten für Medizininformatiker und wo steige ich ein?
Nein, ein Informatik-Studium mit Schwerpunkt/Modulen in Medizininformatik ist ebenfalls ein gängiger Weg. Spezialisierte Bachelor-/Master-Programme bieten jedoch früheren Praxisbezug zu Klinik-IT, Standards und Prozessen.
Skills, die ein Medizininformatiker braucht sind: solide Programmierkenntnisse und Software Engineering, Datenbanken, Mathematik/Statistik, IT-Sicherheit sowie Grundwissen in Medizin/Prozessen des Gesundheitswesens. Später: Informationssysteme im Gesundheitswesen, Bild-/Signalverarbeitung, Prozess- und IT-Management.
Die Jobchancen für Medizininformatiker sind sehr gut, denn es gibt eine hohe Nachfrage durch Digitalisierung im Gesundheitswesen. Typische Einstiege: Klinik-IT (KIS/PACS), Software-/Datenanbieter, Krankenkassen, MedTech/Pharma, Beratung.
