Medizincontroller

Medizincontroller/in – Ausbildung, Beruf, Gehalt

Als „Gesundheitsfabrik“ muss ein Krankenhaus gute medizinische Leistungen erbringen, sich als Betrieb aber auch rechnen. Darum kümmert sich das Medizincontrolling – ein relativ neuer Gesundheitsberuf.

Medizincontroller vereinen in sich medizinisches Wissen und betriebswirtschaftliches Know How. Sie nehmen wichtige Schnittstellen-Aufgaben im laufenden Klinikbetrieb wahr. Das Medizincontrolling steuert die medizinischen Leistungserstellungsprozesse im Krankenhaus. Wir stellen hier die Tätigkeit und Ausbildung als Medizincontroller näher vor.

Inhalt

Ausbildung Medizincontroller – Voraussetzungen, Inhalt und Dauer

Eine einheitliche Ausbildung „Medizincontroller/in“ existiert bisher nicht, ebenso wenig eine gesetzlich geschützte Berufsbezeichnung. Es gibt unterschiedliche Zugangswege zum Beruf. Einige wenige private Fachhochschulen bieten eigene Studiengänge im Bereich Medizincontrolling an. Es sind aber auch Ausbildungen und Seminare diverser Bildungsanbieter zu finden – in der Regel als Weiterbildung bzw. Zusatzqualifikation zu bestehenden Abschlüssen angelegt. Oft besteht eine medizinische Grundqualifikation, die mit betriebswirtschaftlichem Zusatzwissen erweitert werden kann.

Ein Beispiel für ein eigenständiges Medizincontrolling-Studium ist der Bachelor-Studiengang „Medical Controlling and Management“ an der Medical School Berlin. Das Studium ist auf sechs Semester angelegt und umfasst insgesamt 24 Module. Vermittelt werden allgemeine Management-Kompetenzen, medizinisches Grundlagenwissen, spezielles Know How in den Bereichen Medizincontrolling, Medizin- und Krankenhausrecht, medizinisches Qualitäts- und Prozessmanagement, aber auch übergreifende Inhalte – zum Beispiel medizinische Ethik. Das Studium schließt mit dem Bachelor of Science ab.

Wer bereits über einen akademischen Gesundheitsabschluss verfügt, kann sich auch mit einem MBA-Studium für eine Tätigkeit im Medizincontrolling qualifizieren. Der Master of Business Administration (MBA) ist ein postgraduales Management-Studium, das alle wesentlichen Managementfunktionen abdeckt. Das Angebot erfolgt über Business Schools. Das Studium ist vielfach auf 12 Monate konzipiert. Es gibt auch Fernstudienangebote. Die Zusatzqualifikation kann dann gut neben dem Beruf erworben werden.

Seminare und andere Weiterbildungsangebote richten sich in erster Linie an Personen, die keine akademische Grundausbildung besitzen, sich aber im Medizincontrolling weiter qualifizieren möchten – zum Beispiel an Kräfte mit qualifizierter Pflegeausbildung. Ein Beispiel ist das Seminarangebot „Medizincontrolling“ der Universität Heidelberg in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Medizincontrolling e.V.. Das Angebot zielt auf die Vermittlung von Fähigkeiten in der medizinischen Datenaufbereitung und -analyse und die Kompetenz zur Leitung von Kodierabteilungen. Es gibt ähnliche Angebote von anderen privaten Einrichtungen.

Medizincontroller Ausbildung Gehalt

Wer sich im Medizincontrolling (weiter)qualifiziert, muss dies aus eigener Tasche finanzieren. Eine Vergütung für die Ausbildung ist nicht vorgesehen. Im Gegenteil: es fallen Studien- und Teilnahmegebühren an. Das Bachelor-Studium an der Medical School Berlin kostet zum Beispiel 590 Euro Studiengebühr im Monat, bis zum Studienabschluss kommen einige Tausend Euro zusammen. Andere Qualifikationsmaßnahmen sind nicht so kostspielig, doch auch hier muss man zunächst finanziell investieren. Zu den Gebühren fallen ggf. noch Kosten für An- und Abreisen, Unterkunft, Lehrmittel und Lebensunterhalt an.

Da die Qualifikation meist aus oder neben dem Beruf angestrebt wird, ist oft bereits eine gute finanzielle Basis vorhanden, um eine Finanzierung zu ermöglichen. Es gibt auch öffentliche Förderung, die in Anspruch genommen werden kann:

  • BAföG-Leistungen, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind;
  • der KfW-Studienkredit (unabhängig von Einkommen und Vermögen, bis zum 44. Lebensjahr) für Studierende (auch bei postgradualem Studium und Aufbaustudiengängen möglich);
  • der KfW-Bildungskredit (unabhängig von Einkommen und Vermögen, bis zum 35. Lebensjahr, auch für nicht-akademische Ausbildungen).

Inwieweit Arbeitgeber die Weiterqualifikation im Bereich Medizincontrolling finanziell unterstützen, hängt vom jeweiligen Krankenhaus ab.

Der Beruf Medizincontroller – Aufgaben und Tätigkeiten

Personell ist das Medizincontrolling zumeist direkt bei der Krankenhausleitung angesiedelt. Die Controller-Tätigkeit stellt überwiegend eine Stabsfunktion dar. Leitungsaufgaben können im Hinblick auf die Kodierkräfte wahrgenommen werden. Das Medizincontrolling bildet die Schnittstelle zwischen Leistungserbringern (Ärzte, Pflege, Therapeuten) im Krankenhaus und dem Management. Mit seinem breit gefächerten Tätigkeitsprofil verbindet es Medizin und Betriebswirtschaft im Klinikbetrieb. Die Controller wirken dabei eng mit den Kodierfachkräften zusammen.

Der Controller arbeitet der Geschäftsführung und auch anderen Fachabteilungen zu und berät sie. Er unterstützt die Krankenhausleitung dabei, als wirtschaftlich effizientes Unternehmen zu arbeiten. Das Medizincontrolling überwacht zudem die krankenhausbezogenen Strukturen, Prozesse und Ergebnisse und entwickelt diese weiter. Ein wichtiger Aufgabenbereich ist daneben die Erlössicherung. Dazu gehört die Sicherstellung optimaler Kodierung, ausreichender Dokumentation und eines qualifizierten MDK-Managements für eine reibungslose Abrechnung mit den Krankenkassen. Auf der anderen Seite übernimmt der Controller auch die Kostenkontrolle, er analysiert aufgetretene Kostenabweichungen und macht Vorschläge zur Kostenoptimierung.

Das Medizincontrolling analysiert außerdem das medizinische Leistungsspektrum und entwickelt Vorschläge zur Verbesserung der betriebswirtschaftlichen Performance des Krankenhauses. Die dafür erforderliche Daten- und Leistungstransparenz basiert auf einem umfassenden Berichtswesen. Das Medizincontrolling zeichnet dafür verantwortlich und leitet daraus seine Reports und Antworten zu speziellen Fragestellungen ab. Es muss dafür sorgen, dass alle relevanten Daten aktuell und zeitnah verfügbar sind und realistische Kalkulationen bei der Wirtschafts- und Budgetplanung sowie bei Entgeltverhandlungen ermöglichen.

Naturgemäß ergeben sich Beschäftigungsmöglichkeiten ganz überwiegend in Krankenhäusern. Hier dürften deutlich über 90 Prozent der Stellenangebote zu finden sein. Arbeitgeber sind in der Regel größere Krankenhäuser ab 200 bis 300 Betten. Darunter „rechnet“ sich Medizincontrolling als eigene Stelle nicht. Weitere potentielle Arbeitsfelder ergeben sich bei Unternehmensberatungen (im Rahmen der Krankenhausberatung), bei Krankenkassen (Prüfung von Abrechnungen und Abrechnungssystemen) oder bei Medizincontrolling-Dienstleistern. Der Beruf ist nicht so einseitig auf Kliniken als Arbeitgeber zugeschnitten wie es scheint.

Medizincontroller Gehalt

Medizincontrolling ist eine hochqualifizierte Tätigkeit, die entsprechend vergütet wird. Bei Medizincontrollern mit akademischer (Zusatz-)ausbildung sind die Verdienstmöglichkeiten besser als bei Controllern, die „nur“ Weiterbildungsseminare und Lehrgänge besucht haben. Das ergibt sich aus unterschiedlichen Anforderungen, Funktionen und Verantwortlichkeiten.

Die Einstiegsgehälter variieren in einer Bandbreite von 2.000 bis 4.000 Euro im Monat. Bei Kliniken in öffentlicher Trägerschaft erfolgt die Einstufung nach dem TVöD, bei kirchlichen Einrichtungen nach den entsprechenden Tarifverträgen. In Spitzenpositionen sind Gehaltsstufen wie für einen leitenden Oberarztes erreichbar – das heißt ein Jahresgehalt von deutlich über 100.000 Euro. Im statistischen Schnitt liegt das Gehalt bei rund 4.800 Euro im Monat – mit erheblichen Abweichungen nach oben und unten. Bei der Gehaltshöhe spielen neben der Qualifikation, dem Verantwortungsbereich und der Berufserfahrung auch noch weitere Faktoren eine Rolle: die Größe des Krankenhauses, die Region, der jeweilige Standort und Träger.

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