
Menschen helfen und kaufmännisches Geschick beweisen, das lässt sich als Kauffrau und Kaufmann im Gesundheitswesen unter einen Hut bringen. Denn Kaufleute im Gesundheitswesen sind die Schnittstelle zwischen Ärzten, Patienten, Krankenkassen, Versicherungen und weiteren Einrichtungen des Gesundheitswesens. Sie sorgen dafür, dass das Zusammenspiel reibungslos funktioniert. Wie man sein kaufmännisches Know-how im medizinischen Bereich einbringen kann, beleuchten wir hier. Zur besseren Lesbarkeit verwenden wir Kauffrau, Kaufmann und Kaufleute, meinen damit aber immer alle im Beruf tätigen Personen.
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste in Kürze
- Voraussetzungen: Rechtlich kein Abschluss vorgeschrieben, empfohlen ist mindestens mittlere Reife; wichtig sind gute Deutsch-/Englisch- und Mathekenntnisse sowie Diskretion, Kommunikations- und Serviceorientierung, Organisationstalent und Verantwortungsbewusstsein.
- Ausbildung: 3 Jahre im dualen System (Berufsschule + Betrieb, z. B. Krankenhaus, Krankenkasse, MVZ, Pflegeeinrichtung, Arztpraxis); Inhalte u. a. Gesundheitsmarkt, Recht/Marketing, Abrechnung, Qualitätsmanagement; bei sehr guten Leistungen ist eine Ausbildungsverkürzung möglich.
- Ausbildungsvergütung: Im öffentlichen Dienst nach TVAöD, je nach Lehrjahr etwa 1.018–1.114 € brutto/Monat; außerhalb des Tarifvertrags wird die Vergütung individuell vereinbart.
- Aufgaben & Einsatzorte: Verwaltung von Patientendaten, Kostenkalkulation, Leistungsabrechnung, QM, Planung/Organisation, Kunden- und Patientenbetreuung;
- Arbeitgeber: Einsatz u. a. in Kliniken, Praxen, MVZ, Heimen, Reha-/Vorsorgeeinrichtungen, sozialen Trägern, Krankenkassen, Versicherungen, Laboren und Sanitätshäusern; meist geregelte Bürozeiten ohne Schichtdienst.
- Gehalt im Beruf: durchschnittlich ca. 2.900 bis 3.300 € brutto/Monat (regional und je nach Träger stark variabel); im TVÖD meist EG 6–8, Einstieg rund 2.700 €, mit Erfahrung bis etwa 3.600 €
Kauffrau/-mann im Gesundheitswesen – Voraussetzungen
Für den anerkannten Ausbildungsberuf ist rechtlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben, empfohlen wird jedoch mindestens ein mittlerer Bildungsabschluss. Gute Hauptschüler, Realschulabsolventen und Abiturienten haben theoretisch gleichberechtigt die Möglichkeit, diesen Beruf zu erlernen. In der Praxis stellen Betriebe allerdings vorwiegend Ausbildungsanfänger mit mittlerem Bildungsabschluss oder Hochschulreife ein.
Auf gute Noten in den Fächern Deutsch und Englisch (in Wort und Schrift) und Mathematik wird insbesondere geachtet. Zu den persönlichen Qualifikationen zählen Interesse an medizinischen und kaufmännischen Vorgängen, Teamfähigkeit, Organisationstalent, Freundlichkeit und Verantwortungsbewusstsein. Darüber hinaus sollten Bewerber diskret und vertrauenswürdig sein, denn auch als Kauffrau im Gesundheitswesen gilt es die Schweigepflicht beim Umgang mit Patienten und deren Daten zu beachten.
Körperliche Anforderungen wie ein gutes Nahsehvermögen, gute feinmotorische Fähigkeiten sowie körperliche und psychische Belastbarkeit spielen hingegen keine Rolle bei der Auswahl der Bewerber mehr. Stattdessen stehen Kommunikationsfähigkeit und Serviceorientierung im Vordergrund.
Kauffrau/-mann im Gesundheitswesen Ausbildung – Dauer
Die Ausbildung als Kaufmann im Gesundheitswesen dauert drei Jahre. Gelernt wird im dualen System. Das bedeutet, dass es zwei Lernorte gibt: die Berufsschule und den Betrieb.
Ausbildungsbetriebe sind zum Beispiel Krankenhäuser, Krankenkassen, medizinische Versorgungszentren, Pflegeeinrichtungen oder Arztpraxen. In der Berufsschule erfolgt der Unterricht in Teilzeit.
Kauffrau/-mann im Gesundheitswesen Ausbildung – Inhalte
In der Berufsschule werden den angehenden Kaufleuten die Grundlagen des Gesundheitswesens vermittelt. Dazu zählen unter anderem Marktanalysen, Marketinginstrumente, rechtliche Vorschriften beim Anbieten und Vermarkten von Gesundheitsdienstleistungen, die Zusammenhänge zwischen Kundenzufriedenheit und Qualität sowie Detailwissen zu Entgeltformen und Gebührenordnungen der Versicherer.
Zudem erlernen Azubis Verfahren zur Preisbildung im Gesundheitswesen, das Ausführen und Prüfen von Abrechnungen sowie Verfahren zur Qualitätskontrolle ihrer Arbeit. Daneben gibt es allgemeinbildende Fächer wie Deutsch, Sozialkunde und Wirtschaft.
Im Betrieb kann das erworbene Wissen in die Praxis umgesetzt werden. Dort lernen Auszubildende etwa, Patientenakten zu verwalten, Kosten zu kalkulieren, Angebote zu erstellen oder Verträge mit Leistungsträgern vorzubereiten. Wer besonders gute Leistungen in der Ausbildung als Kauffrau im Gesundheitswesen demonstriert, kann mit Genehmigung der zuständigen Industrie- und Handelskammer eine Ausbildungsverkürzung erreichen und dadurch schneller in den Joballtag starten.
Kauffrau/-mann im Gesundheitswesen Ausbildung – Gehalt
Als angehender Kaufmann im Gesundheitswesen lernt man in der Regel im Krankenhaus, aber auch in anderen Einrichtungen ist die Ausbildung möglich. Die Ausbildungsvergütung ist nicht in allen Betrieben gleich. Im öffentlichen Dienst richtet sie sich nach dem Tarifvertrag für Auszubildende (TVAöD) und kann von Jahr zu Jahr angepasst werden.
Azubis bekommen im ersten Ausbildungsjahr etwa 1.0119 Euro brutto pro Monat, im zweiten Jahr der Ausbildung etwa 1.260 Euro und im dritten Ausbildungsjahr etwa 1.360 Euro. Wird die Ausbildung bei einem Arbeitgeber absolviert, der nicht nach Tarifvertrag zahlt, muss das Ausbildungsgehalt individuell verhandelt werden.
| Ausbildungsjahr | Gehalt (Brutto Monat) |
| 1. Ausbildungsjahr | 1.018 Euro |
| 2. Ausbildungsjahr | 1.068 Euro |
| 3. Ausbildungsjahr | 1.114 Euro |
Berufsalltag – Aufgaben und Tätigkeiten
Als ausgebildete Kauffrau im Gesundheitswesen gibt es mehrere Einsatzmöglichkeiten. Meist arbeitet man innerhalb des Gesundheitswesens in der Dokumentation, im Finanz- und Rechnungswesen, in der Leistungsabrechnung oder in der Personalwirtschaft. In all diesen Verwaltungsbereichen führt man kaufmännische Tätigkeiten aus. Im Einzelnen kann dies unter anderem bedeuten:
- Betreuen und informieren von Kunden und Patienten
- Erfassen und verwalten von Patientendaten
- Planen und organisieren von Dienstleistungen, Geschäftsprozesse und Verwaltungsvorgängen
- Durchführen des betrieblichen Qualitätsmanagements
- Abrechnen der Leistungen mit diversen Kostenträgern
- Weitere allgemeine kaufmännische Tätigkeiten
Kaufleute im Gesundheitswesen arbeiten dabei in folgenden Einsatzgebieten:
- Krankenhäuser
- Medizinischen Versorgungszentren (MVZ)
- Arztpraxen
- Altenpflegeheime
- Rehabilitations- und Vorsorgeeinrichtungen
- Soziale Einrichtungen und Organisationen des Gesundheitswesens
- Krankenkassen
- Versicherungen
- medizinische Labore
- Sanitätshäuser und andere Unternehmen im Gesundheitsmarkt
Der Job als Kaufmann im Gesundheitswesen folgt geregelten Arbeitszeiten. Das bedeutet, man hat in der Regel eine 40-Stunden-Woche und arbeitet von Montag bis Freitag während der üblichen Bürozeiten. Schichtdienst und Wochenendarbeit, wie sie in der Medizin oft gängig sind, sind für Kaufleute im Gesundheitswesen unüblich.
Kauffrau/-mann im Gesundheitswesen – Gehalt
Als Kaufmann im Gesundheitswesen liegt das Durchschnittsgehalt bei etwa 2.900 bis 3.300 Euro brutto pro Monat, was einem Jahresgehalt von rund 34.000 bis 40.000 Euro entspricht. Die Gehaltsspanne ist jedoch besonders groß und hängt ab von Branche, Bundesland, Tarifgebundenheit, Unternehmenstyp (öffentlich, kirchlich, privat) und Unternehmensgröße (klein, mittel, groß). Besonders hoch ist die Vergütung in Hessen, Baden-Württemberg und Hamburg. In den östlichen Bundesländern kann das Gehalt niedriger als der Durchschnitt ausfallen.
Im öffentlichen Dienst wird man als Kauffrau im Gesundheitswesen Tarifvertrag TVÖD bezahlt. Hier wird man in der Regel in die Entgeltgruppe 6 bis 8 eingeordnet. Hier liegt das Einstiegsgehalt für den Beruf bei r und 2.700 Euro. Mit der Berufserfahrung steigt das Gehalt schrittweise bis auf 3.600 Euro an.
Die folgende Tabelle zeigt eine Übersicht der Verdienstmöglichkeiten pro Arbeitgeber (Brutto pro Monat).
| Arbeitgeber | Gehalt von | Gehalt bis |
|---|---|---|
| Öffentlich | 2.700 Euro | 3.600 Euro |
| Kirchlich | 2.600 Euro | 3.400 Euro |
| Privat | 2.100 Euro | 3.800 Euro |
Liegt kein Tarifvertrag vor, muss das Gehalt individuell ausgehandelt werden. Auch dann sollte man sich als ausgebildete Kauffrau im Gesundheitswesen an der Vergütung nach Tarifvertrag richten. Durch eine Weiterbildung im Bereich Gesundheitswesen gibt es die Möglichkeit, den Tätigkeitsbereich auszubauen und das Gehalt aufzustocken.
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