Medizintechniker

Medizintechniker/in – Ausbildung, Beruf, Gehalt

Ohne Technik ist die moderne Medizin nicht vorstellbar. Bei Untersuchungen, Diagnostik, OP’s und Therapien kommen heute komplizierte Geräte, Instrumente und Apparaturen zum Einsatz. Die Digitalisierung eröffnet der Medizintechnik ganz neue Perspektiven. Ein/e Medizintechniker/in verfügt über ingenieurwissenschaftliches Know How und medizinisches Wissen gleichermaßen. Er kombiniert beides für die Entwicklung und Anwendung von Medizintechnik. Ein Beruf mit Zukunft, denn der technische Fortschritt wird weitergehen und immer wieder neue Möglichkeiten für Innovationen eröffnen.

Inhalt

Ausbildung Medizintechniker/in – Voraussetzungen, Inhalt, Dauer

Es gibt grundsätzlich zwei Wege, um Medizintechniker/in zu werden:

  1. eine Weiterbildung mit dem Abschluss „staatlich geprüfter Techniker, (Fachrichtung) Medizintechnik“, die auf einer Berufsausbildung im Metall- oder Elektrobereich aufsetzt;
  2. ein medizintechnisches Studium. Dafür besteht inzwischen ein breites Angebot an Studiengängen mit unterschiedlichen Bezeichnungen (Medizintechnik, Biomedizintechnik, biomedizinische Technologie oder Medical Engineering). Zum Teil kann auch im Rahmen eines Elektrotechnikstudiums ein medizintechnischer Schwerpunkt gewählt werden.

Eine medizintechnische Weiterbildung setzt eine bereits erfolgreich abgeschlossene einschlägige Berufsausbildung – zum Beispiel als Mechatroniker, Metallbauer, Elektrotechniker usw. – und eine mindestens einjährige Berufspraxis voraus. Entsprechende Weiterbildungsangebote findet man an technisch ausgerichteten Berufsfachschulen und Fachakademien. Die Weiterbildung ist in Vollzeit auf zwei Jahre angelegt. In Teilzeit dauert sie bis zu vier Jahre. Sie besteht aus theoretischem Unterricht und Praktika. Auf dem Lehrplan stehen neben allgemeinbildenden Fächern spezielle (medizin)technische Fächer, zum Beispiel Medizingerätetechnik, Gerätesicherheitstechnik, Krankenhaus-Betriebstechnik, Labortechnik usw.. Die Weiterbildung wird mit einer staatlichen Prüfung (schriftlich und praktisch) abgeschlossen. Unter bestimmten Bedingungen kann sogar die Fachhochschulreife oder die fachgebundene Hochschulreife erworben werden – Voraussetzung für ein Medizintechnik-Studium.

Es gibt derzeit Dutzende medizintechnische Studiengänge an deutschen Hochschulen – sowohl an öffentlichen als auch an privaten. Studenten haben die Qual der Wahl. Ein Studium ist an Fachhochschulen oder an Universitäten möglich und in der Regel als Bachelor-Studiengang angelegt, mit der Option ein Master-Studium anzuschließen. Die meisten Studienangebote beziehen sich auf ein Vollzeitstudium, vereinzelt besteht auch die Möglichkeit eines Fernstudiums. Die Regelstudienzeit beträgt beim Bachelor-Studium üblicherweise sechs Semester, beim Master-Studium vier Semester. Studieninhalte sind medizinische Physik, medizinische Informatik, biomedizinische Technik, Klinik-Ingenieurwesen, Gesundheitsökonomie und Ethik. Der Abschluss erfolgt als Bachelor bzw. Master of Science, seltener als Bachelor bzw. Master of Engineering.

Abgesehen von den formalen Voraussetzungen für eine Weiterbildung oder ein Studium (erste Berufsausbildung, Praxis, (Fach)hochschulreife) sollten angehende medizinische Techniker auf jeden Fall ein hohes technisches Interesse gepaart mit medizinischem Verständnis mitbringen. Gute bis sehr gute Kenntnisse in Naturwissenschaften und Mathematik sind unerlässlich. Im Zeitalter der Digitalisierung ebenfalls nötig ist ein fundiertes IKT-Know How.

Medizintechniker/in Ausbildung Gehalt

Ob Weiterbildung oder Studium – eine eigene „Ausbildungsvergütung“ für die medizintechnische Qualifizierung ist nicht vorgesehen. Im Gegenteil: angehende Medizintechniker/innen müssen in der Regel selbst für entstehende Kosten aufkommen. An öffentlichen Bildungseinrichtungen wird zwar kein Schulgeld erhoben. Es fallen aber Studien- und Prüfungsgebühren an, Lernmittel sind zu bezahlen, je nachdem entstehen auch Fahrtkosten, Kosten für Unterkunft und Lebensführung. Wenn die Qualifizierung nicht berufsbegleitend erfolgt, steht in der Schul- bzw. Studienzeit auch kein Verdienst zur Verfügung.

Für die Finanzierung kann bei Erfüllung der jeweiligen Voraussetzungen öffentliche Förderung genutzt werden. Bei Weiterbildungslehrgängen kommt eine Förderung im Rahmen des sogenannten Meister-BAföG in Betracht. Studierende an Fachhochschulen und Universitäten können BAföG-Förderung in Anspruch nehmen, wenn die Einkommens- und Vermögensgrenzen nicht überschritten werden. Weitere Möglichkeiten zur Studienfinanzierung sind der KfW-Studienkredit und der KfW-Bildungskredit. Mit einem Stipendium ist eine Zuschussförderung möglich. Darum muss man sich allerdings zunächst einmal erfolgreich bewerben.

Der Beruf Medizintechniker/in – Aufgaben und Tätigkeiten

Absolvierten Medizintechnikern/innen eröffnet sich ein breites berufliches Spektrum. Potentielle Arbeitgeber sind u.a. Hersteller medizintechnischer Geräte, Pharmaunternehmen, Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen, Krankenhäuser, Gesundheits-, Pflege- und Reha-Einrichtungen, Facharztpraxen und medizinische Versorgungszentren. Die Liste ist nicht abschließend. Es sind grundsätzlich immer dort medizintechnische Arbeitsfelder vorhanden, wo Geräte zum Einsatz kommen und Medizintechnik zu prüfen, zu entwickeln oder zu warten ist.

Dieser Vielfalt entsprechend kann es auch keine allgemeine Arbeitsplatzbeschreibung geben. Nichtstudierte Techniker sind eher im Technikbetrieb und in der Wartung tätig, studierte Kräfte befassen sich häufiger mit der Entwicklung von Geräten und neuen Anwendungen. Die Grenzen sind dabei aber fließend. Es ist auch nicht gesagt, dass Medizintechnikern ein Berufsleben ausschließlich im technischen Kontext beschert ist. Chancen bestehen auch im Kundendienst, in der Kundenberatung, im Vertrieb, im Einkauf und bei Aus- und Weiterbildung. Es existiert eine Vielzahl von Entwicklungspfaden. Dazu gehört auch die Übernahme von Führungsfunktionen in Unternehmen. Ein Techniker kann dann zum Beispiel für die Planung, Entwicklung und Herstellung neuer medizinischer Geräte zuständig sein und entsprechende Teams leiten.

Ebenfalls nicht ausgeschlossen ist berufliche Selbständigkeit. Mit einem eigenen Medizintechnik-Service oder eigenen medizintechnischen Produkten lässt sich erfolgreich ein Unternehmen aufbauen. Der Markt ist da – notwendig sind der „richtige Riecher“ und der Mut zum Risiko.

Medizintechniker/in Gehalt

Angesichts der großen Vielfalt an möglichen Einsatzfeldern und Positionen ist es nicht einfach, allgemeingültige Angaben zum Gehalt zu machen. Aufgrund der hohen Qualifikation und des starken Bedarfs an Medizintechnikern sind die Gehaltsperspektiven sicher überdurchschnittlich. Ein bekanntes Gehaltsvergleichsportal gibt eine übliche Bandbreite von 3.250 Euro bis 5.500 Euro im Monat an. 3.250 Euro Verdienst im Monat ist eine gute Orientierungsgröße für das Einstiegsgehalt von studierten Medizintechnikern, ausgebildete Kräfte steigen niedriger ein. Gehälter um die 5.000 Euro erfordern in der Regel eine langjährige Berufserfahrung. Bei Übernahme von Führungspositionen sind auch noch deutlich höhere Gehälter möglich, ebenso bei Selbständigkeit mit einem erfolgreichen Geschäftsmodell.

Bei der konkreten Gehaltshöhe spielen unterschiedliche Faktoren eine Rolle: die jeweilige Ausbildung – studierte Techniker werden besser vergütet als „weitergebildete“ – und Berufserfahrung, der Arbeitgeber, der Standort, die konkrete Verantwortung und Tätigkeit, oft auch die Größe des Unternehmens. Ob eine Bezahlung nach Tarif erfolgt und welcher Tarifvertrag gilt, hängt vom jeweiligen Arbeitgeber bzw. der Branche ab. Bei höheren Positionen erfolgt häufig eine AT-Vergütung. Bei Tätigkeit im Vertrieb wird oft zusätzlich eine erfolgsabhängige Vergütung gewährt. Grundsätzlich gilt: wer seinen medizintechnischen Weg gemacht hat, muss sich um seine finanzielle Existenz keine Sorgen machen.

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