
Die Digitalisierung in der Medizin ändert auch das Arzt-Patienten-Verhältnis. In Zukunft soll die Kommunikation mit Patientinnen und Patienten auch hybrid als Digitale Medizin funktionieren können. Die Erhebung der Krankengeschichte per Smart Watch bis hin zur Videosprechstunde können sowohl Chancen aber auch Risiken mit sich bringen. Wissenswertes zu dem Thema im folgenden Artikel.
Digitalisierung in der Medizin
Die Digitalisierung in der Medizin habe laut Prof. Dr. Christoph Schöbel, Leiter des Zentrums für Schlaf- und Telemedizin am Universitätsklinikum Essen, einen großen Einfluss auf die Arzt-Patienten-Beziehung. Auf der 128. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) hob er hervor, dass sich die Kommunikation durch die Digitalisierung nicht nur verändert, sondern vor allem auch verbessern lässt.
Die Anwendung digitaler Therapeutika und digitaler Gesundheitsanwendungen durch Patienten/-innen könnte Ressourcen für die Arzt-Patienten-Interaktion frei machen: „Zeit, die wir zuvor nicht hatten, weil wir vielleicht nebenbei in den PC geschaut und die Akte befüllt haben, ohne dem Patienten in die Augen zu schauen“ so Schöbel.
Eine kontinuierliche digitale Überwachung, wie beispielsweise die Smart Watch, die Hinweise auf Ein- und Durchschlafstörungen, Tagesmüdigkeit und Ähnliches geben kann, indem sie zu wenig Tiefschlaf registriert, könnte noch vor einem Arztkontakt einiges vorab klären. So könnten Potenziale und Gelder für die Patientenversorgung frei werden.
Grenzen und Chancen der digitalen Kommunikation in der Medizin
Die Grenzen der digitalen Kommunikation in der Medizin sollten sich trotz allem bewusst werden. Entscheidend sei hierbei der Kontext der Kommunikation:
- Handelt es sich um ein Erstkontakt? Ist der Patient/die Patientin bereits bekannt?
- Handelt es sich um eine Verlaufsuntersuchung oder eine Befundbesprechung oder soll lediglich ein Termin vereinbart werden?
Darüber hinaus ist es nachvollziehbar, dass die Konsultation des Arztes/der Ärztin für bestimmte Untersuchungen notwendig ist und Patienten/-innen dann in die Praxis erscheinen müssen.
Durch die Digitalisierung in der Medizin habe die Ärzteschaft zunehmend mit informierten Patienten/-innen zu tun: Für Informationen zu Gesundheitsthemen scheinen nicht länger Ärzte/-innen und Apotheker/innen die erste Anlaufstelle zu sein, sondern das Internet.
Der repräsentativen Studie „Informationsverhalten bei Gesundheitsthemen“ zufolge gaben 70 Prozent der Befragten an, das Internet für Gesundheitsthemen genutzt zu haben, eine leicht geringere Anzahl fragte den Arzt/die Ärztin. „Surfende“ Patienten/-innen können durch das Googlen irgendwelcher Symptome unnötige Ängste entwickeln, die genommen werden müssen. An dieser Stelle sei die menschliche Komponente der Ärzteschaft gefordert, indem sie aufklären müssen.
Digitale Gesundheitsinformationen können einerseits von Vorteil sein, da sie eine Hilfestellung zum Selbstmanagement des Patienten sein können und zur „partizipativen Entscheidungsfindung“ zwischen Arzt und Patient beitragen. Andererseits können sie aber auch zur Verwirrung beitragen, da aus Patientensicht der Wahrheitsgehalt und die Seriosität von digitalen Gesundheitsinformationen schwer einzuschätzen sind.
Die digitalen Kompetenzen sind sowohl auf der ärztlichen Seite als auch auf der Patientenseite zu stärken. Zudem müssten insbesondere ältere Patienten/-innen stärker eingebunden und ihre Selbstwirksamkeit gestärkt werden. Es empfiehlt sich, zunächst zum Beispiel mit der Einrichtung einer Videosprechstunde zu beginnen und zu prüfen, ob dies für die Praxis und Patientenschaft geeignet ist und vor allem, ob die Patienten/-innen für dieses Angebot offen sind.
Medizin und Informatik: Kommt bald der Facharzt für digitale Medizin?
Prof. Dr. Christoph Schöbel zufolge müssen Ärztinnen und Ärzte am digitalen Wandel auf allen Ebenen aktiv beteiligt sein. Deshalb ist seiner Meinung nach eine Facharztweiterbildung für digitale Medizin nötig. Die fachlichen Voraussetzungen seien in dieser Hinsicht anspruchsvoll. Dazu zählen unter anderem: Videosprechstunden, das Ausstellen von eRezepten, die Nutzung von DiGA-Daten, die IT-Sicherheit in Klinik und Praxis, das Implementieren von Krankenhausinformationssystemen oder das Programmieren bzw. Verstehen von Algorithmen, die Auswertung von Patientendaten sowie Therapievorschläge etc.
Da sich die Kommunikation zwischen Informatik und Medizin als schwierig gestaltete bzw. fehlten, fordert Prof. Dr. Christoph Schöbel, dass es Ärzte/-innen gibt, „die das machen und die das können“. Für den digitalen Wandel müsse es Ärzte/-innen geben, die sich vertiefte Informatikkenntnisse aneignen, da das sogenannte „Learning by doing“ unzureichend im Hinblick der komplexen Herausforderungen sei.
Neuer Studiengang: Digitale Medizin
Um den Einstieg in die Digitale Medizin zu vereinfachen, könnte es nützlich sein, wenn „Medizininformatik“ ein Teil des Medizinstudiums werden würde – ein Fach, wie Chemie, Biochemie und Physik, das als Hilfswissenschaft fest verankert im Medizinstudium zu betrachten ist, so Schöbel.
Aber auch der Masterstudiengang „Digitale Medizin“ oder „Digital Health Management“ ermöglicht einen Berufseinstieg in das „neue“ Gesundheitswesen: Digitalisierung können dort vorangetrieben werden, wo Informatik, Medizin, Gesundheitswissenschaften und Management aufeinandertreffen. Es handelt sich um einen zukunftsorientierten Studiengang, der technische Grundlagen mit medizinischen und betriebswissenschaftlichen Inhalten kombiniert und auf ein abgeschlossenes Bachelor- oder Diplomstudium im Gesundheitsbereich aufbaut.
Zur Auswahl stehen drei Studienschwerpunkte:
- Medical Data Science: Der Studienschwerpunkt konzentriert sich auf das Erlernen von Methoden und Algorithmen für eine digitale Medizin, wie zum Beispiel der Einsatz von künstlicher Intelligenz
- Angewandte Medizinische Wissenschaften: Der Schwerpunkt konzentriert sich auf neue präventive, diagnostische und therapeutische Möglichkeiten der Digitalisierung.
- Regulatory Affairs Management: Mit diesem Schwerpunkt qualifiziert man sich für den gesamten Prozess der Entwicklung und Zulassung medizinischer Produkte in einem Unternehmen.
Die Regelstudienzeit beträgt vier Semester und das Studium schließt mit dem akademischen Grad Master of Science (M.Sc.) ab.













