
Nordrhein-Westfalen steht vor einem Meilenstein in der Professionalisierung der Pflege: Die Pflegekammer NRW hat eine großangelegte Informationskampagne gestartet, um alle Arbeitgeber mit Pflegepersonal auf ihre gesetzliche Pflicht zur Anmeldung bei der Pflegekammer hinzuweisen. Krankenhäuser, Pflegeheime, ambulante Pflegedienste, Hospize, Dialysezentren und Zeitarbeitsfirmen – rund 12.000 Einrichtungen in NRW sind betroffen und müssen ihre Pflegefachpersonen zeitnah bei der Kammer registrieren.
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Gesetzliche Grundlage: Heilberufsgesetz NRW verpflichtet Arbeitgeber zur Anmeldung bei der Pflegekammer
Die Meldepflicht ergibt sich aus dem Heilberufsgesetz NRW (§ 2 Abs. 1 HeilBerG NRW). Arbeitgeber sind gesetzlich verpflichtet, ihre angestellten Pflegefachpersonen bei der Kammer zu registrieren. Das betrifft examiniertes Personal aus der Gesundheits- und Krankenpflege, Altenpflege und Kinderkrankenpflege. Ziel ist der Aufbau einer verlässlichen Datenbasis für die künftige Beitragsstruktur und die berufsständische Organisation.
„Wir setzen auf Kooperation und Transparenz“, betont Kevin Galuszka, Vorstandsmitglied der Pflegekammer NRW. Neben Informationsschreiben setzt die Kampagne auf Broschüren, eine Online-Plattform sowie Informationsveranstaltungen, die sowohl in Präsenz als auch digital stattfinden.
Warum die Meldung jetzt wichtig ist
Ab dem Jahr 2026 soll die Pflegekammer NRW finanziell unabhängig vom Land arbeiten. Bislang wird sie noch durch Landesmittel angeschoben. Künftig ist ein Mitgliedsbeitrag von voraussichtlich 1,60 Euro monatlich pro Pflegekraft vorgesehen – ein im Bundesvergleich moderater Beitrag. Die geplante Beitragsordnung soll Ende 2025 verabschiedet werden.
Dafür braucht es eine vollständige Registrierung: Der Anmeldeprozess erfolgt in zwei Schritten. Zunächst müssen die Arbeitgeber die Pflegekräfte bei der Kammer melden. Anschließend müssen die Pflegekräfte selbst ihre Daten vervollständigen und Dokumente wie Berufsurkunden oder Weiterbildungsnachweise einreichen.
Konsequenzen bei Verstößen: Bußgelder möglich
Die Pflegekammer weist darauf hin, dass bei Nichterfüllung der Meldepflicht empfindliche Bußgelder von bis zu 200.000 Euro drohen – insbesondere bei vorsätzlicher Verweigerung. „Diese Maßnahmen sind gesetzlich vorgesehen, aber wir setzen in erster Linie auf Kooperation“, so Galuszka. „Unser Ziel ist es, die Einrichtungen eng zu begleiten und ihnen den Prozess so einfach wie möglich zu machen.“
Laut einer ersten Auswertung stammen 49 Prozent der bisherigen Rückmeldungen aus der stationären Langzeitpflege, 31 Prozent von ambulanten Diensten, 5 Prozent von Kliniken und 15 Prozent von weiteren Einrichtungen wie Hospizen oder Zeitarbeitsfirmen. Diese Zahlen zeigen, dass insbesondere die Krankenhäuser bei der Umsetzung noch nachziehen müssen.
Pflegekammern bundesweit: Uneinheitliche Lage
Im Bundesvergleich zeigt sich ein heterogenes Bild: Pflegekammern bestehen derzeit nur in Rheinland-Pfalz, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen. Während in Rheinland-Pfalz die Kammer seit 2016 aktiv ist, steht Schleswig-Holstein vor einem möglichen Neustart nach einem gescheiterten Versuch 2021.
In Niedersachsen wurde die Pflegekammer nach erheblichem Widerstand und einem Mitgliederentscheid 2021 wieder aufgelöst – ein Beispiel, das in der öffentlichen Debatte häufig zitiert wird. In Baden-Württemberg, Bayern und Hessen gibt es bislang keine Kammer, sondern freiwillige Berufsverbände oder alternative Modelle zur beruflichen Selbstverwaltung. Berlin prüft derzeit die Einführung einer Kammer, während Sachsen und Brandenburg entsprechende Initiativen kürzlich gestoppt haben.
Für Arbeitgeber in NRW bedeutet das: Die Pflicht zur Anmeldung ist bindend – anders als in vielen anderen Bundesländern, in denen es (noch) keine vergleichbare Regelung gibt.
Bedeutung für Arbeitgeber: Mehr als nur Bürokratie
Die Registrierung ist mehr als eine lästige Pflicht: Sie schafft die Voraussetzung für eine stärkere berufspolitische Vertretung der Pflege – und damit langfristig auch für eine höhere Attraktivität des Berufs. Für Arbeitgeber kann dies ein Argument im Wettbewerb um Fachkräfte sein. Eine starke Kammer könnte sich etwa in Fragen der Fortbildung, der Qualitätssicherung oder der Fachkräftesicherung künftig als wertvoller Partner etablieren.









