
In den Monaten nach einer Krankenhausbehandlung aufgrund von COVID-19 fehlen Beschäftigte überdurchschnittlich häufig am Arbeitsplatz. In einem Zeitraum von neun Monaten nach dem Krankenhausaufenthalt betragen die Fehlzeiten im Durchschnitt zwei Monate. Das geht aus einer Analyse hervor, die das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) im Juli 2021 veröffentlicht hat.
Krankenhausbehandlung: Fehlzeiten von durchschnittlich zwei Monaten
Für den Report hat das WIdO die Krankmeldungen der 14,7 Millionen AOK-Versicherten analysiert. Insgesamt erhielten im Auswertungszeitraum von März 2020 bis März 2021 mehr als 241.000 AOK-Versicherte eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung aufgrund einer nachgewiesenen Infektion mit SARS-CoV-2. Das entspricht 1,6 Prozent aller AOK-Versicherten. Knapp 21.000 Personen (8,7 Prozent aller Versicherten) wurden aufgrund eines besonders schweren Verlaufs ihrer Erkrankung im Krankenhaus behandelt.
Auch nach dem Krankenhausaufenthalt treten bei einer Vielzahl der Beschäftigten noch gesundheitliche Beeinträchtigungen auf. Die Autoren untersuchten die Fehlzeiten für die Zeiträume von drei Monaten, sechs Monaten und neun Monaten nach der Behandlung im Krankenhaus. Für den Zeitraum von drei Monaten konnten die Daten von mehr als 12.000 Betroffenen einbezogen werden, für den Zeitraum von sechs Monaten von knapp 5.000 und für den Zeitraum von neun Monaten von rund 2.600 Personen. Für alle Gruppen zeigt sich, dass Beschäftigte nach einer stationären Corona-Behandlung längere Fehlzeiten aufweisen als der Durchschnitt der AOK-versicherten Erwerbstätigen.
Im dreimonatigen Beobachtungszeitraum fehlten die Beschäftigten im Durchschnitt 31 Tage am Arbeitsplatz. Unter allen Versicherten werden dagegen nur durchschnittlich 5,1 Fehltage verzeichnet. Im sechsmonatigen Beobachtungszeitraum lag die Anzahl der Fehltage nach einer Corona-Behandlung bei 45,9 Tagen. Der Durchschnitt unter allen Beschäftigten beträgt nur 10,1 Tage. Innerhalb eines Beobachtungszeitraums von neun Monaten nach dem Krankenhausaufenthalt kommen die Betroffenen auf 6,14 Fehltage, haben also etwas mehr als zwei Monate an ihrem Arbeitsplatz gefehlt. Der Durchschnitt der Erwerbstätigen fehlt im selben Zeitraum nur 15 Tage. Laut den Autoren zeigen die Ergebnisse, dass eine schwere COVID-19-Erkrankung auch mittel- und langfristige Auswirkungen auf die Gesundheit der Versicherten haben kann, was unter anderem dazu führt, dass sie überdurchschnittlich lange ihrer Arbeit nicht nachgehen können.
Atemwegserkrankungen häufigste Ursache für Fehltage nach Corona-Erkrankung
Die häufigste Ursache für eine Krankschreibung nach einer stationären Corona-Behandlung sind Atemwegserkrankungen, mit durchschnittlich 27,1 Fehltagen innerhalb des neunmonatigen Beobachtungszeitraums. In der Vergleichsgruppe aller AOK-Versicherten, die innerhalb dieses Zeitraums mindestens einmal krankgeschrieben waren, entfallen lediglich 5,0 Fehltage auf Atemwegserkrankungen.
Weitere häufige Ursachen für Fehltage nach einer Corona-Behandlung im Krankenhaus sind:
- infektiöse und parasitäre Krankheiten: 9,6 Fehltage
- Herz- und Kreislauferkrankungen: 9,5 Fehltage
- psychische Erkrankungen: 7,7 Fehltage
- Erkrankungen des Nervensystems: 6,8 Fehltage
- Stoffwechselerkrankungen: 5,6 Fehltage
- Erkrankungen des Verdauungssystems: 3,3 Fehltage
Für alle Diagnosegruppen liegt die Anzahl der Fehltage deutlich über dem Wert der Vergleichsgruppe.
Eine weitere Auffälligkeit: Beschäftigte, die sich 2020 einer Krankenhausbehandlung aufgrund von COVID-19 unterziehen mussten, haben auch schon vor der Pandemie überdurchschnittlich häufig am Arbeitsplatz gefehlt. Im Jahr 2019 kommt diese Gruppe auf durchschnittlich 24,5 Fehltage und liegt damit über dem Durchschnitt für alle AOK-versicherten Erwerbstätigen mit 20,1 Fehltagen. Den Autoren zufolge bestätigt dies die Vermutung, dass Personen mit Vorerkrankungen anfälliger für einen schweren COVID-19-Verlauf sind.













