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praktischArzt Magazin Barmer Krankenhausreport 2020

Barmer Krankenhausreport 2020

Barmer Krankenhausreport 2020
Zuletzt aktualisiert: 06.10.2020
Themen: News
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Im September 2020 stellte die Barmer Krankenkasse ihren 16. Report Krankenhausreport vor. Die Auswertung geht nicht nur auf die Entwicklung der Fallzahlen, Krankenhaustage, Verweildauer und GKV-Ausgaben für Krankenhausaufenthalte ein, sondern widmet sich jedes Jahr auch einem Schwerpunktthema. 2020 liegt der Fokus auf dem sogenannten Volume-Outcome, dem Zusammenhang zwischen der Behandlungsqualität und steigenden Fallzahlen.

Zusammenhang zwischen Fallzahl und Behandlungsqualität?

Jedes Jahr werden rund 1,3 Millionen Versicherungsnehmer der Barmer Krankenkasse im Krankenhaus behandelt. Dabei wünschen sie sich selbstverständlich eine möglichst gute Versorgungsqualität. Pro Jahr sterben in Deutschland allerdings rund 100.000 Menschen nach einer Operation. Laut Barmer wären viele dieser Todesfälle vermeidbar gewesen, wenn die Eingriffe in einer Klinik mit mehr Erfahrung stattgefunden hätten.

Häufig wird davon ausgegangen, dass die Behandlungsqualität im Krankenhaus mit steigender Fallzahl zunimmt. Ein Plus an Erfahrung soll demnach zu mehr Routine führen und das Know-how des medizinischen Personals verbessern. In Folge würden weniger Komplikationen auftreten. Verschiedene Studien haben bereits auf einen derartigen Zusammenhang hingewiesen, der als “Volume-Outcome” bezeichnet wird. Der Barmer Krankenhausreport 2020 widmet sich genau diesem Volume-Output als Schwerpunktthema.

Basis für die Analyse bildet die Daten von rund 9,2 Millionen Barmer-Versicherten. Das entspricht rund elf Prozent der Gesamtbevölkerung Deutschlands. Erhoben wurden die Daten in einem Zeitraum von 2006 bis 2019.

Erneuter Zuwachs von Krankenhausfällen

Unter anderem analysiert der Barmer Krankenhausreport die Entwicklung der Fallzahlen gesehen auf 1.000 Versichertenjahre.

Von 2006 bis 2014 stieg die Zahl der Krankenhausfälle von 188 auf 217 an, was einem Zuwachs von durchschnittlich 1,8 Prozent im Jahr entspricht. Bis zum Jahr 2016 blieb die Zahl der Krankenhausfälle relativ konstant. Von 2016 bis 2018 ist ein leichter Rückgang zu verzeichnen. 2019 liegt die Zahl der Krankenhausfälle bei 215 je 1.000 Versichertenjahre.

In der Somatik nahm die Zahl der Krankenhausfälle von 175 im Jahr 2006 auf 200 im Jahr 2019 zu. Die Zahl der Krankenhausfälle aufgrund psychischer Erkrankungen stieg im selben Zeitraum von 13 auf 14 je 1.000 Versichertenjahre.

Differenziert nach Geschlecht, zeigen sich vor allem bei den somatischen Krankenhausfällen deutliche Unterschiede. Frauen zwischen 15 und 44 Jahren weisen mehr Fälle auf als Männer. Ab einem Alter von 50 Jahren verschiebt sich dieses Verhältnis. Wenig überraschend entfällt ein Großteil der vollstationären Krankenhausfälle auf ältere Menschen, vor allem auf Patienten über 70.

Entwicklung der Krankenhaustage

Die Zahl der Krankenhaustage liegt 2006 und 2019 auf einem ähnlichen Niveau. Für 2006 ermittelt der Barmer Krankenhausreport 1.596 Krankenhaustage auf 1.000 Versichertenjahre, für 2019 sind es 1.599.

Zwischen den Endpunkten zeigen sich allerdings einige Schwankungen. In der Somatik stieg die Zahl der Krankenhaustage von 2006 bis 2009 zunächst an, ab 2010 gestaltete sich die Tendenz sinkend. Im Jahr 2019 entfallen auf somatische Fälle 1.240 Krankenhaustage je 1.000 Versichertenjahre. Im Vergleich zu den 1.312 Krankenhaustagen von 2006 entspricht dies einem jährlichen Rückgang von durchschnittlich 0,4 Prozent bzw. einem Gesamtrückgang von 5,8 Prozent.

Bei den psychischen Krankheiten stieg die Zahl der Krankenhaustage dagegen von 284 im Jahr 2006 auf 359 im Jahr 2019, ein Plus von 26,6 Prozent.

Sinkende Verweildauer in der Somatik

Wer aufgrund körperlicher Beschwerden ins Krankenhaus kommt, kann die Klinik heute im Durchschnitt schneller wieder verlassen als noch 2006. Die durchschnittliche Verweildauer bei somatischen Erkrankungen ist von 7,5 Tagen auf 6,2 Tagen im Jahr 2019 gesunken, ein Rückgang von 17,6 Prozent.

Genau umgekehrt sieht es dagegen bei den psychischen Erkrankungen aus. Die Verweildauer stieg von 22,2 Tagen im Jahr 2006 auf 24,9 Tagen in 2019, was einem Anstieg von 12,4 Prozent entspricht.

Regionale Unterschiede bei den Fallzahlen

Bei den Fallzahlen werden deutliche regionale Unterschiede erkennbar. Die höchsten Fallzahlen im Jahr 2019 haben das Saarland mit 235 Fällen und Nordrhein-Westfalen mit 233 Fällen je 1.000 Versichertenjahre. Die niedrigsten Fallzahlen weist Baden-Württemberg auf, mit 178 Fällen je 1.000 Versichertenjahre.

In der Somatik liegen ebenfalls das Saarland und Nordrhein-Westfalen vorn, mit 219 bzw. 218 Krankenhausfällen, gefolgt von Thüringen mit 213 Fällen. Die geringsten Fallzahlen verzeichnen Baden-Württemberg mit 166 und Bremen mit 167 Fällen je 1.000 Versichertenjahre.

Bei den psychischen Erkrankungen weist Bremen mit 17 Fällen je 1.000 Versichertenjahre die höchsten Fallzahlen auf, Schlusslicht bildet Baden-Württemberg mit 12 Fällen.

Entwicklung der GKV-Ausgaben

Die Ausgaben der GKV für vollstationäre Krankenhausbehandlungen je Versichertenjahr stiegen von 593 Euro in 2006 auf 978 in 2019. Das entspricht einem Plus von 65 Prozent, durchschnittlich 3,9 Prozent pro Jahr. Die höchsten Kosten entfallen dabei auf Männer über 85 Jahre. Aufgeschlüsselt nach Krankheiten verursachen Erkrankungen des Kreislaufssystems die höchsten Ausgaben.

Volume-Outcome: Höhere Fallzahlen führen zu sichereren Operationen

Für die Analyse des Schwerpunktthemas Volume-Outcome untersuchten die Autoren exemplarisch fünf Indikatoren:

  • die bariartrische Chirurgie (Adipositas-Chirurgie)
  • Operationen an der Wirbelsäule
  • Eingriffe bei Bauchaortenaneurysmen
  • Darmkrebs
  • Pankreaskrebs

Um die Vergleichbarkeit der Ergebnisse sicherzustellen, wurden für alle Indikatoren dieselben Analyseparamter zugrunde gelegt, darunter die 30-Tage-Sterblichkeit, die Häufigkeit von Komplikationen und die Wiedereinweisungsraten. Weiterhin wurde der Anfahrtsweg zu den Kliniken ausgewertet.

Höhere Fallzahlen könnten Todesfälle verringern

Im Ergebnis zeigt sich, dass Operationen in Häusern mit höheren Fallzahlen in der Regel tatsächlich sicherer sind. Allein bei Eingriffen zur Darmkrebs- und Pankreaskrebsbehandlung könnten laut Barmer in zehn Jahren etwa 3.800 Todesfälle vermieden werden, wenn sie an Kliniken mit doppelt so hohen Fallzahlen durchgeführt würden. Die Rate an behandlungsspezifischen Komplikationen verringerte sich an Kliniken mit doppelt so hohen Fallzahlen um zwei Prozentpunkte.

Wie der Barmer Krankenhausreport zeigt, muss der Großteil der Bevölkerung nicht einmal einen langen Anfahrtsweg in Kauf nehmen, um sich in einem Krankenhaus mit hohen Fallzahlen behandeln zu lassen. Die Mehrheit der Bevölkerung könne ein solches Krankenhaus innerhalb von 60 Minuten erreichen, heißt es in der Auswertung.

Dr. Christoph Straub, Vorsitzender der Barmer, wies bei der Vorstellung des Krankenhausreports allerdings darauf hin, dass hohe Fallzahlen allein noch keine Menschenleben retten. Wichtig für einen guten Volume-Outcome sei zudem eine hohe Prozess- und Strukturqualität.

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Veröffentlicht am: 07.10.2020
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