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praktischArzt Magazin Doping im Medizinstudium

Doping im Medizinstudium

Doping Medizinstudium
Zuletzt aktualisiert: 16.04.2025
Themen: Selbstorga und Mental Health
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Mit Doping zum Examen. Nicht nur im Wettbewerbssport hört und liest man von dem unerlaubten Gebrauch von Dopingmitteln. Denn das Medizinstudium ist auch eine Art Wettbewerbssport, wo es heißt, nicht unter zu gehen, mit dem Strom zu schwimmen und sich durchzubeißen. So ist Doping im Medizinstudium längst keine Seltenheit mehr. Wie weit geht man für gute Leistungen im Medizinstudium? Was ist, wenn Kaffee nicht ausreicht und man zu illegalen Hilfsmitteln greift?

Mit Doping im Medizinstudium gegen Leistungsdruck

„Mit dem Medizinstudium kam die Panik“ – eine Aussage, die nicht selten, insbesondere von Studienanfänger/innen, getätigt wird. Der stetige Leistungsdruck, unter dem viele Studierenden leiden, ist nicht zu verharmlosen. Ein Beispiel: vier Klausuren in zwei Wochen, das Anfertigen von zwei Hausarbeiten und die Vorbereitung für ein Referat – keine Seltenheit! Die Versagensängste sind groß.

Ein Tag, der nun einmal (leider) nur 24 Stunden hat, scheint in diesem Fall definitiv zu kurz zu sein. Und egal, wie gut man sich zeitlich organisiert hat, ist Zeit oft der Faktor, der fehlt: In kurzer Zeit Leistungen zu vollbringen, die eigentlich nicht umzusetzen sind. In diesem Fall sind Konzentration, ein gutes Gedächtnis, gute Merkfähigkeit und kluge Denkanstöße wünschenswert.

Wenn der Leistungsdruck an der Universität so groß wird, greifen Einige zu Hilfsmitteln, um mit diesem Leistungsdruck fertig zu werden. Eine Studie der Universität Mainz, aus dem Jahr 2013 bei dem 2600 Studenten der Universität teilgenommen haben, hat ergeben, dass Doping im Medizinstudium weit verbreitet ist. So hat jeder fünfte Student bereits Gebrauch von Hirndoping gemacht und sich „gepusht“, um bessere Ergebnisse zu erzielen. Dem Deutschen Studentenwerk zufolge, haben 59 Prozent der Studenten – bedingt durch die Belastung der Universität – ständig das Gefühl, gestresst und nervös zu sein. Mehr als die Hälfte ist aufgrund dessen in der Lebensqualität beeinträchtigt.

Doping im Medizinstudium: Drogenkonsum und Dosisempfehlungen

Einer Studie der DAK Krankenkasse zufolge, sind Präparate, die leistungssteigernde Wirkungen aufweisen, in der deutschen Bevölkerung von bereits sieben Prozent der Erwachsenen eingenommen worden. Man könnte vermuten, dass insbesondere Studierende der Humanmedizin, sprich angehende Ärztinnen und Ärzte es besser wissen sollten und vor einem leichtsinnigen Umgang mit illegalen „Aufputschmitteln“ zurückschrecken bzw. meiden. Dem ist aber leider nicht so.

Auf unterschiedlichsten Wegen gelangen die Studierenden an Medikamente: Der Griff in die Medikamentenschränke des Krankenhauses oder die illegale Bestellung über das Internet sind hierbei keine Seltenheit. Auch nutzen Studierende die Gelegenheit aus, wenn ein Arzt in der eigenen Familie vorhanden ist oder ein verständnisvoller Hausarzt da ist, der doch ein Rezept ausstellt. Ebenfalls bietet sich die Partyszene an, um an diverse Mittel zu gelangen.

In Internetforen für Medizinstudenten werden dann Erfahrungen ausgetauscht und Dosisempfehlungen gemacht. Zu den bekanntesten Mitteln, zu denen gegriffen wird, gehören unter anderem Ritalin, auch bekannt als Methylphenidat. Der Effekt: Das künstliche „Pushen“ des Körpers, um kognitive Fähigkeiten zu steigern, obwohl keine Funktionsstörung oder Erkrankung vorliegt. Der Wirkstoff Methylphenidat wird eigentlich zur Therapie von Aufmerksamkeitsstörungen, kurz ADHS, bei Kindern und Erwachsenen verschrieben.

Folgende unerwünschte Wirkungen können unter anderem auftreten, welche zudem auch auf weitere rezeptpflichtige Arzneimittel, die das Gehirn „dopen“ zutreffen:

  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Herzrhythmusstörungen
  • Persönlichkeitsveränderungen
  • schwere Psychosen
  • Abhängigkeit

Weitere gängige Phamaka sind Betablocker, um den Puls zu beruhigen oder Antidepressiva sowie Benzodiazepine gegen Ängste vor Prüfungen oder bei Schlafstörungen. Ein gesunder Mensch, der nicht unter diagnostizierter ADHS, Depressionen oder Schlafproblemen leidet, sollte die oben genannten Arzneimittel nicht einnehmen. Der Umgang mit Stress muss gelernt sein und kann nicht mit synthetisch hergestellten Präparaten behandelt werden, denn diese stellen keinesfalls die Lösung des eigentlichen Problems dar.

Wenn Kommilitonen auffallen – Tipps und Ratschläge

Wenn Kommilitonen auffallen und der Verdacht besteht, dass sie zu illegalen Hilfsmitteln greifen, sind folgende Tipps zu empfehlen:

  • ein Vier-Augen-Gespräch in einer angenehmen Atmosphäre führen und vorsichtig darauf ansprechen
  • den Betroffenen nicht verurteilen oder drohen, es zu melden, sondern die Freundschaft bekräftigen und Hilfe anbieten
  • keine Aufgaben übernehmen, die den Betroffenen in einer vermeintlichen Abhängigkeit unterstützen (Stichwort: Co-Abhängigkeit)
  • den Betroffenen nicht als Patienten betrachten, sondern nach wie vor wie einen Freund, sprich: nicht versuchen, zu therapieren!
  • Rat von Suchtberatern, psychologischen Beratungsstellen etc. einholen

Doping im Medizinstudium – Die Selbsterkenntnis

Die schnelllebige, hektische Gesellschaft scheint nur noch auf Erfolg und Effizienz getrimmt zu sein, geprägt von Optimierung und Selbstoptimierung. Studierende der Humanmedizin stehen unter einem stetigen Leistungsdruck und damit leider auch verbundenen Leidensdruck. Von allen Seiten wird geistige Spitzenleistung erwartet, Schwächen und Fehler seien hier fehl am Platz.

Seit Jahren ist bekannt, dass die Suizidrate unter Medizinern und die Selbstmordrate unter Medizinstudenten im Vergleich zu Nicht-Medizinern erhöht ist. Aus diesem Grund sollte man im Studium lernen, wie mit Druck und Belastung richtig umzugehen ist. Der Suchtexperte Prof. Mundle stellt in diesem Zusammenhang die Forderung: „Auch ein Arzt muss in der Lage sein, zu sagen, dass er überfordert ist“.

Wer vielleicht selbst schon einmal in einer Situation war und mit dem Gedanken gespielt hat, zu Hilfsmitteln zu greifen, um die Klausurphase zu bestreiten, sollte sich Hilfe suchen – Anlaufstellen sind zum Beispiel psychologische Beratungsstellen der jeweiligen Universität. Sich Schwächen einzugestehen ist nämlich die wahre Stärke.

Selbsttest: Drogenkonsum

Mit folgendem Selbsttest, bei dem es gilt, ehrlich auf Fragen Antwort zu geben, können Hinweise geliefert werden, ob unter Umständen ein Problem besteht. (Der Begriff „Drogen“ steht hierbei für illegale Drogen, Alkohol und Arzneimittel, die nicht indiziert sind, aber trotzdem eingenommen werden):

  • Überlegst du zu illegalen Hilfsmitteln zu greifen, um den Anforderungen im Studium gerecht zu werden?
  • Bist du vom Gedanken nach Drogen besessen?
  • Hast du jemals Drogen genommen, um leistungsstärker und konzentrierter zu sein?
  • Hast du jemals mehr Drogen genommen als zuvor geplant?
  • Wie fühlst du dich nach dem Drogenkonsum? Schuldig, niedergeschlagen oder beschämt?
  • Leidest du wegen Drogen unter Finanznot?
  • Denkst du an Drogen, selbst wenn du bei Freunden oder einem geliebten Menschen bist?
  • Steigerst du die Dosis für den gleichen Effekt? (Toleranzentwicklung)
  • Hast du bereits versucht, aufzuhören, Drogen einzunehmen, das aber leider ohne Erfolg?
  • Wurdest du bereits auf dein Drogenproblem angesprochen?
  • Versuchst du zu vertuschen oder leugnest du, dass du Drogen einnimmst?
  • Wirkt sich dein Drogenkonsum auf dein Umfeld negativ aus?
  • Bestehen Drogenkonflikte?

Mit jeder Frage, die mit „Ja“ beantwortet worden ist, ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Substanzmissbrauch besteht und womöglich schon eine Abhängigkeit vorliegt, größer. In diesem Fall ist es wichtig, sich unbedingt professionelle Hilfe zu suchen.

Drogenkonsum: Aufklärung ist wichtig

Es ist von großer Wichtigkeit, ausführliche Aufklärungsarbeit zu leisten und über die Nebenwirkungen zu unterrichten. Diese Themen könnten zum Beispiel in Fächern wie Pharmakologie oder Psychologie behandelt werden und Gegenstand des Medizinstudiums sein. Außerdem kann auch eine gesunde „Work-Life-Balance“ positive Eigenschaften haben: Regelmäßige und intensive Bewegung, bei der das Stresshormon Adrenalin abgebaut werden kann, wird unter anderem empfohlen. Auch können Entspannungsübungen, wie Meditation, Yoga und Autogenes Training zum Tragen kommen.

Pflanzliche Arzneien wie Baldrian oder Johanniskraut können bei Stress und Schlafstörungen Linderung verschaffen. Auf Kosten der Gesundheit zu leistungssteigernden Mitteln zu greifen, ohne dabei eigene Arbeitsprozesse zu verändern, ist ein problematischer Umgang mit Leistungsdruck. Auch oder insbesondere im leistungsorientierten Medizinstudium.

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Redaktion
Judith Ehresmann
Judith Ehresmann
Ärztin
Veröffentlicht am: 02.10.2020
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