Gleichwertigkeitsprüfung Für Ausländische Ärzte

Gleichwertigkeitsprüfung für ausländische Ärzte – Grundlagen, Inhalt, Links

Anerkennung der Approbation: Grundlagen

Um in Deutschland als Arzt arbeiten zu können, muss man über eine Approbation verfügen. Die Approbation ist die staatliche Zulassung zur Berufsausübung als Arzt.

Man bekommt die Approbation erteilt, sofern man folgende Voraussetzungen erfüllt:

  • Erfolgreiche Absolvierung der vorgeschriebenen Ausbildung
  • Bestandene Prüfung der Ausbildung
  • Gesundheitliche Eignung zur Ausübung des Arztberufes
  • Ausreichend deutsche Sprachkenntnisse
  • Kein Fehlverhalten, das Unwürdigkeit des Berufes darstellt

Das Regelwerk zur Approbation ist die Approbationsordnung, die bundeseinheitlich die Ausbildung für den Arztberuf regelt. Dazu gehören Mindestdauer, Ablauf, Pflichtinhalte und Bedingungen für die Prüfungen. Zu finden ist das Regelwerk auch online beim Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz.

Die Erteilung erfolgt im jeweiligen Bundesland, an der die Abschlussprüfung durchgeführt wird und wird in Form einer Approbationsurkunde übergeben.

Approbation für ausländische Ärzte

Für Personen, die im Ausland studiert haben und in Deutschland als Arzt tätig werden möchten, wird in einem Großteil der Fälle eine Approbation / Zulassung in Deutschland nicht direkt anerkannt. Grund hierfür sind die verschiedenen Studieninhalte, die nicht deckungsgleich sind mit der bundeseinheitlichen Approbationsordnung und somit nicht gewährleistet ist, dass für Deutschland essentielle Inhalte und Wissen während der Ausbildung vermittelt wurden. Für die Annerkennung der Approbation gibt es die Gleichwertigkeitsprüfung für ausländische Ärzte – auch Äquivalenztest oder equivalency review genannt.

Zusätzlich können nicht vorhandene Sprachkenntnisse eine Rolle spielen bei der Anerkennung als Arzt. Über Institute wie das Goethe Institut können Sprachkurse und Sprachtest absolviert werden, die für eine Anerkennung notwendig sind.

Anerkennung der Approbation: Gleichwertigkeitsprüfung für ausländische Ärzte

Für die Gleichwertigkeitsprüfung gelten für verschiedene Herkunftsländer unterschiedliche Regelungen. So unterscheiden wir zwischen Ärzten aus der EU, EWR (Europäischer Wirtschaftsraum) und der Schweiz und Ärzten aus Drittländern, also aus Nicht-EU- oder Nicht-EWR-Staaten.

Approbation für ausländische Ärzte aus der EU/EWR/Schweiz

Wenn ein Arzt seinen Abschluss in einem Mitgliedstaat der EU, EWR oder der Schweiz erworben hat, gilt für ihn in der Regel das Verfahren der automatischen Anerkennung nach der Richtlinie 2005/36/EG.

Seine Approbation als Arzt wird in Deutschland damit nach einem Anerkennungsverfahren, und sofern er über genügend Deutschkenntnisse verfügt, anerkannt. Die Deutschkenntnisse können mit einem B2 Sprachzertifikat für allgemeine Sprache und einem C1 Fachsprachkenntnis Zertifikat für Medizin nachgewiesen werden.

Ausführliche Informationen in verschiedenen Sprachen:

https://www.anerkennung-in-deutschland.de/html/en/downloads.php

Approbation für ausländische Ärzte aus Drittländern (Nicht-EU-/EWR-Staaten)

Ausländische Ärzte aus Drittländern können mit einer Gleichwertigkeitsprüfung ihres Studiums direkt die Approbation als Arzt erlangen oder von einem zuständigen Landesprüfungsamt für Medizinische Heilberufe (LPA) ihren Abschluss individuell prüfen lassen.

Der reguläre Weg für die Gleichwertigkeitsprüfung für ausländische Ärzte läuft über das Infoportal der Bundesregierung. Über www.anerkennung-in-deutschland.de (Englisch) kann die Berufsbezeichnung (Beispiel: „Medical Specialst (m/f) Internal Medicine“) ausgewählt werden und der Beantragende erhält Schritt für Schritt Unterstützung.

Oftmals erfüllen Bewerber aus Nicht-EU-/EWR-Staaten die Anforderungen hierfür jedoch nicht, auch ihr Facharztabschluss wird dann nicht anerkannt. Alternativ kann daher der Abschluss auch von dem zuständigen Landesprüfungsamt für Medizinische Heilberufe (LPA) des Bundeslandes, in dem sie als Arzt tätig werden wollen, individuell überprüft werden.

Liste von und Links zu den LPA der verschiedenen Bundesländer:

Sprachkenntnisse für die Anerkennung der Approbation für ausländische Ärzte

Wie beschrieben kann ein Arzt nur in Deutschland tätig sein, wenn er über ausreichend Sprachkenntnisse verfügt. Aktuell müssen ein B2 Sprachzertifikat für allgemeine Sprache und ein C1 Fachsprachkenntnis Zertifikat für Medizin nachgewiesen werden.

Sprachkurse und Sprachtests gibt es beim Goethe Institut. Auf der Seite des Goethe Instituts gibt es eine Liste über weltweite Deutschkurse. So werden beispielsweise für Interessierte in Marokko kostenfreie Übungsmöglichkeiten online angeboten und alle Inhalte und Möglichkeiten für Prüfungen aufgezeigt. Eine „B2 allgemeine Sprache“ Prüfung kostet beispielsweise umgerechnet etwa 180 Euro. Dreiwöchige Vollzeit-Kurse starten ebenfalls bei etwa 200 Euro in Marokko.

Weitere Möglichkeiten für Gastärzte

Neben der Gleichwertigkeitsprüfung und die Anerkennung der Approbation für ausländische Ärzte gibt es gerade für Gastärzte auch die Möglichkeit von einer Berufserlaubnis und einer Arbeitsgenehmigung mit Aufenthaltsgenehmigung durch einen Gastarztvertrag.

Alles darüber gibt es im Info-Artikel: Was ist ein Gastarzt und wie kann man als ausländischer Arzt in Deutschland eine Stelle finden?

31.01.2017

4 Kommentare

  1. Andreas Staufer 07.04.2017 um 1:26 - Antworten

    Selbst wenn Ärzte aus anderen Ländern keine gleichwertige Hochschulausbildung genossen haben, haben sie aufgrund „lebenslangen Lernens“ – also durch Berufserfahrung – eine Chance auf Gleichwertigkeit und damit auf eine Approbation ohne ergänzende Prüfung. Ich finde dies noch einen interessanten Hinweis.

  2. Simon Sutra Dhar 21.05.2019 um 13:41 - Antworten

    Hall an alle,

    kann jemand mir sagen, wie geht es mit dem Gutachter in Hessen ?
    Gibt es Möglichkeit um Gleichwertigkeit ohne Prüfung in Hessen zu haben?

    Danke im Voraus.

    LG
    Simon

  3. Isabelle 26.05.2019 um 21:40 - Antworten

    Guten Abend zusammen,
    wir stehen bereits mit dem DAAD in Mexiko in Kontakt, kommen jedoch an keine klare Auskunft.

    Mein Freund hat in Mexiko (mexikanischer Staatsbürger) Medizin studiert (M.D. und M.Sc.); im Sommer 2021 wird er seine Dissertation beenden und seinen Ph.D. erhalten.

    Er wird dann zurück nach Deutschland ziehen, mit dem Ziel später eine eigene Praxis zu eröffnen.

    Wie verläuft es in Deutschland weiter:
    ist eine anschließende Facharztausbildung als Allgemeinmediziner für die Eröffnung einer Praxis erforderlich?
    Oder muss „lediglich“ die Gleichwertigkeitsprüfung bzw. Anerkennung der Approbation erfolgreich absolviert werden?
    Oder macht es Sinn zuerst die Berufserlaubnis mit einer Arbeitsgenehmigung zu erlangen?

    Vielen Dank + viele Grüße,
    I.N.

  4. Mario Mayer 10.07.2019 um 20:12 - Antworten

    @Isabelle
    Da sich bisher niemand gemeldet hat, antworte ich als Nicht-Arzt aber als Angehöriger einer lateinamerikanischen Ärztin im Anerkennungsverfahren in Baden-Württemberg gemäß meiner subjektiven Erfahrung.
    Da Dein Freund ein Nicht-EU-Diplom hat muss er das übliche Anerkennungsverfahren durchlaufen: 1. ein Bundesland aussuchen (zumindest in BaWü: mit Begründung warum gerade hier? [zB Familie, Freunde, Job der Frau etc]); 2. alle notwendigen Unterlagen an die im Bundesland verantwortliche Behörde senden (als amtl. beglaubigte Kopien deutscher Übersetzungen der spanischen Originale – Achtung: nicht irgendeinen Übersetzer! Sollte am besten von der dt. Botschaft akzeptiert sein oder gleich in Deutschland/CH/Ö sitzen [dann aber teuer]; manchmal kann man gleich auch bei der dt. Botschaft Kopien machen für lau. Sonst: in D Bürgerbüros oder Notare; weiter: an die Apostillen denken!); 3. eine Fachsprachenprüfung B2/C1 (dazu Voraussetzung: mindestens Deutsch Level B2) bestehen u ein-/nachreichen (Baden-Württemberg: Landesärztekammer „lädt“ zur Prüfung ein, nachdem die anderen Dokumente geprüft wurden – also zur Zeit erst nach Monaten); 4. sich entscheiden, ob man Kenntnisprüfung macht oder den Gutachterweg versuchen möchte (Übersetzungen+Kopien werden >1000 EUR kosten wg. Curriculum. Erfolg lt. BaWü Regierungspräsidium: nur 20-30% – der Rest muss trotzdem in die (volle) Kenntnisprüfung u hat weitere Monate u EUR verplempert; keine Ahnung hinsichtlich anderer Bundesländer); 5. (Falls) Kenntnisprüfung: Erfolgsquote lt. RegPräs Stuttgart: ca. 80% in 2018, ca. 84% in 2017 – allerdings ohne Aufschlüsselung, ob Kurse gemacht wurden oder nicht. Solche Kurse kosten Tausende EUR und sie versprechen Erfolgsquoten um 90%. Oder man bereitet sich irgendwie selbst vor; Orientierung: mündl. Teil des 2. Staatsexamens; bisher habe ich keine Informationen welche Bücher/Vorbereitungen am besten sind etc, wie sehr sich die Kenntnispr. vom mündl. Staatsexamen unterscheidet etc (alles sehr intransparent; man wird fast genötigt sich Kursen anzuvertrauen; scheint Big Business für Kursveranstalter, oder auch für sog. „Gutachter“, Anwälte etc zu sein; jeder erzählt einem etwas anderes). —
    Falls alles erfolgreich war: Anerkennung des Diploms, Arbeit als (vollwertiger) Assistenzarzt möglich. Gültig für ganz D; CH: wohl keine automatische Anerkennung der deutschen Entscheidung, aber in der Praxis geht’s wohl recht easy. —- Facharztanerkennung ist was anderes. Dies kann nach dem oben genannten Prozess beantragt werden, dafür sind die Ärztekammern zuständig. Nach der Anerkennung des Diploms ist man Assistenzarzt in Weiterbildung. Falls sehr vieles vom Heimatland (bezügl. Facharzt) anerkannt werden kann, kann diese Zeit wohl abgekürzt werden. Nur als anerkannter Facharzt kann man selbständig mit Patienten (also ohne Aufsicht) arbeiten. Also: Praxis eröffnen geht nur nach Facharztprüfung nach einer m.o.w. langen Assistenzarztzeit meist im Spital oder als AA in einer (bestehenden) Praxis.—
    Berufserlaubnis: in BaWü: extra Antrag, in anderen Bundesländern evtl. einfacher (Google!); meiner Ansicht nach macht das Sinn für Ärzte ohne Erfahrung in deutschsprachigen Krankenhäusern (ist der Normalfall) bzw überhaupt mit Patienten (wenn man mit frisch bestandenem Arztdiplom ohne je als Arzt gearbeitet zu haben nach D kommt) oder wenn man aus finanziellen Gründen arbeiten muss (aber: Entlohnung geringer als Assistenzarzt; Berufserlaubnis ist auf max. 2 Jahre befristet und berechtigt in BaWü NICHT dazu, als (vollwertiger) AA zu arbeiten) – eines muss man berücksichtigen: die Vorbereitung auf die Kenntnisprüfung ist – Kurs hin oder her – SEHR zeitaufwändig! Nebenher arbeiten wird schwierig. Da man 3 Versuche hat, kann mans aber ja mal probieren… Generelles Problem (in BaWü): kein Spital scheint Ärzte einzustellen, die nur eine Berufserlaubnis haben. Evtl. Alternative: sich doch an einen Kurs andocken, der als festen Bestandteil der Vorbereitung auf die Kenntnisprüfung ein „Praktikum“ im Klinikum vorsieht (Googlen!).
    — NOCHMAL ZUSAMMENGEFASST: Facharztausbildung nach Anerkennung nötig für PraxisERÖFFNUNG? JA. Nach Anerkennung des Arztdiploms bist Du Assistenzarzt. Da kannst Du in einer Praxis unter Aufsicht arbeiten aber keine eigene eröffnen. Gleichwertigkeits-/Kenntnisprüfung nötig im Falle Deines Freundes? Wahrscheinlich JA (Gutachterweg eher nicht erfolgreich [BaWü]). Wartezeiten [BaWü] von Antrag bis Approbationsanerkennung: 1-1.5 Jahre (lt. Regierungspräsidium Stuttgart). Laut Gerüchten dauert es aber in BaWü besonders lange, woanders geht’s vielleicht schneller. —
    ALLGEMEINES: Es gibt/gab eine Online Petition zu dem Thema Wartezeit auf die Kenntnisprüfung in BaWü; angeblich würden gerade über 400 Leute auf einen Termin warten, es aber viel zu wenige Termine an den Unikliniken in BaWü gäbe. Außerdem war es bis vor ein paar Wochen Praxis, dass die Wartenden mit einer Email vom Reg.präs. Stuttgart „überrascht“ wurden, in der alle Termine als Liste für die nächsten ca 4 Monate drinstanden. Wer am schnellsten diese Email beantwortet hat (und den „richtigen“ Termin gewählt hat) hat einen Termin bekommen. Die anderen gingen leer aus, unabhängig davon, wie lange sie schon gewartet hatten. Lt. der letzten Mail aus Stuttgart wurde dieses Procedere jetzt (endlich) zugunsten einer Warteliste geändert. Welchen Listenplatz man gerade innehat, wurde allerdings immer noch nicht kommuniziert. Auch nicht, wie lange vorher man den Prüfungstermin gesagt bekommt, sprich: wie lange man Zeit hat, sich auf die Prüfung vorzubereiten.
    —-
    Ich hoffe, etwas Licht in den Prozess gebracht zu haben, auch für andere. Sicher gibts den einen oder anderen Fehler oder Fehleinschätzung, aber da wir uns schon seit Jahren mit dem Anerkennungsprocedere beschäftigen, sollte das meiste OK sein. Vieles gilt aber vor allem für BaWü.
    DESHALB:
    BITTE KOMMENTARE VON LEUTEN MIT MEHR ERFAHRUNG ZU DIESEM THEMA !!

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