
Das PJ-Barometer 2025 zeigt schonungslos, wie das Praktische Jahr vielerorts wirklich ankommt: hohe Arbeitslast, Dienste, zu wenig Anleitung und ein Aufgabenmix, der Ausbildung oft zur Nebensache macht. Das ist mehr als ein Stimmungsbild, denn am Ende des Medizinstudiums entstehen hier Motivation, Bindung und auch Patientensicherheit. Brisant ist vor allem die Konsequenz: Ein relevanter Teil des ärztlichen Nachwuchses zweifelt bereits vor dem Berufsstart an der kurativen Medizin. Was steckt hinter den Zahlen, wo liegen die größten Bruchstellen im Alltag und welche Verbesserungen können Lehrkliniken sofort umsetzen? Genau darum geht es im Folgenden.
Inhaltsverzeichnis
- Stichprobe und PJ-Realität: Wo die meisten landen und warum
- Arbeitszeit und Dienste: Hohe Belastung bleibt der Normalzustand
- Anleitung, Mentoring, Aufgabenmix: Wenn Ausbildung zur Nebensache wird
- Regelwerk und Realität: Was die Approbationsordnung eigentlich verlangt
- Lernzeit, Studientage, 30 Fehltage: Der nächste Reibungspunkt
- Finanzen und Vorbereitung: Für viele bleibt es knapp und nur „befriedigend“
- Karriereeffekt: Ein Drittel denkt an Ausstieg trotz Weiterbildungsabsicht
- Was Lehrkliniken sofort verbessern können
Überblick: PJ-Barometer 2025
- Befragt wurden bundesweit rund 1.800 PJler und junge Ärzte (PJ ≤ 3 Jahre zurück), Erhebung Nov/Dez 2025.
- 55 % arbeiten im ersten Tertial 40–50 Stunden/Woche; 42 % leisten Nacht‑/Wochenenddienste – meist ohne Extra-Vergütung.
- 39 % haben im ersten Tertial keine verlässlichen Ansprechpartner; gleichzeitig berichten viele von eigenständiger Arbeit ohne Supervision.
- 72 % geben an, ärztliche Kernaufgaben (z.B. Anamnese, Diagnostik, Aufklärung) ohne Anleitung/Aufsicht übernommen zu haben.
- Rund ein Drittel denkt bereits am Studienende über einen Ausstieg aus der kurativen Medizin nach.
Stichprobe und PJ-Realität: Wo die meisten landen und warum
Das PJ-Barometer 2025 bildet verschiedene PJ-Settings ab. Mehr als die Hälfte absolvierte das erste Tertial in einem akademischen Lehrkrankenhaus, gut ein Drittel an einem Universitätsklinikum, ein kleiner Anteil absolviert das PJ im Ausland. Für die Standortwahl ist am häufigsten die Nähe zum Wohnort/Familie entscheidend, danach folgen Erfahrungsberichte und Online-Bewertungen.
Das ist ein klarer Hinweis für Lehrkliniken: Lehrqualität wird zunehmend vergleichbar – und damit auch ein Wettbewerbsfaktor.
Arbeitszeit und Dienste: Hohe Belastung bleibt der Normalzustand
Bei den Arbeitszeiten zeigt das PJ-Barometer 2025 wenig Entlastung: Die Mehrheit liegt im ersten Tertial bei 40 bis 50 Stunden pro Woche, ein großer Teil darunter – aber insgesamt auf einem seit Jahren hohen Niveau. Nacht- und Wochenenddienste sind für viele PJler weiterhin Realität; die meisten erhalten dafür keine zusätzliche Vergütung außerhalb der Aufwandsentschädigung.
Für Ausbilder ist das mehr als eine „Arbeitszeitdebatte“: Übermüdung und fehlende Anleitung sind ein Risikomix – für Lernkurve und Versorgung.
Anleitung, Mentoring, Aufgabenmix: Wenn Ausbildung zur Nebensache wird
Ein Kernbefund des PJ-Barometer 2025 betrifft die Betreuung. Rund 39 % berichten, im ersten Tertial ohne feste Ansprechpartner wie Mentor oder Lehrbeauftragten auszukommen.
Gleichzeitig verschiebt sich der Aufgabenmix: Fast alle nennen delegationsfähige Tätigkeiten (z.B. Blutentnahmen, Verbandswechsel), sehr viele zusätzlich nichtmedizinische Aufgaben. Brisant ist der Anteil, der ärztliche Kernaufgaben eigenständig ohne Anleitung/Aufsicht übernommen hat – darunter Anamnese, Diagnosestellung und Aufklärung.
Das ist nicht nur eine Frage von „Vertrauen“ in den PJler, sondern von Supervisionskultur und klarer Verantwortungszuordnung. Was ein PJler darf und was nicht, ließt Du hier:
Regelwerk und Realität: Was die Approbationsordnung eigentlich verlangt
Die Approbationsordnung setzt den Rahmen klar: Das PJ gliedert sich in drei Ausbildungsabschnitte à 16 Wochen (Innere Medizin, Chirurgie und Allgemeinmedizin/anderes klinisch-praktisches Fach).
Noch wichtiger für den Alltag: PJler sollen ärztliche Verrichtungen entsprechend ihrem Ausbildungsstand unter Anleitung, Aufsicht und Verantwortung des ausbildenden Arztes durchführen. Außerdem gilt explizit: PJler dürfen nicht zu Tätigkeiten herangezogen werden, die ihre Ausbildung nicht fördern.
Wenn das PJ-Barometer 2025 eine hohe Quote unbegleiteter Kernaufgaben und ausbildungsfremder Tätigkeiten zeigt, entsteht damit eine messbare Lücke zwischen Norm und Routine.
Lernzeit, Studientage, 30 Fehltage: Der nächste Reibungspunkt
Zwei Drittel der Befragten geben an, neben der praktischen Tätigkeit nicht ausreichend zum Selbststudium zu kommen. Im Zeitvergleich sinkt der Anteil mit „genug Lernzeit“ weiter.
Zusätzlicher Konflikt: Die Approbationsordnung rechnet Fehlzeiten bis insgesamt 30 Ausbildungstage an (max. 20 pro Abschnitt). Im PJ-Barometer 2025 kritisieren viele, dass Krankheitstage damit faktisch Urlaub und Lernzeit „auffressen“. Auch politisch ist das Thema seit Längerem auf der Agenda: Im Bundestag wurde u.a. gefordert, Krankheits- und Fehltage zu trennen und Lernzeit verbindlicher zu machen.
Finanzen und Vorbereitung: Für viele bleibt es knapp und nur „befriedigend“
Die finanzielle Lage bleibt angespannt: Die Aufwandsentschädigung im PJ liegt häufig unter existenzsichernden Schwellen, viele PJler sind weiter auf familiäre Unterstützung angewiesen.
Auch die Selbsteinschätzung zur Berufsvorbereitung ist verhalten: Ein relevanter Anteil fühlt sich unbefriedigend oder schlecht vorbereitet, während die Lehrqualität als solche insgesamt eher stabil bewertet wird.
Karriereeffekt: Ein Drittel denkt an Ausstieg trotz Weiterbildungsabsicht
Neu erhoben wurde im PJ-Barometer 2025 die Frage nach Abwanderungsgedanken aus der kurativen Medizin. Rund ein Drittel bejaht das, während die Mehrheit nach dem PJ dennoch zunächst die Facharztweiterbildung in der stationären Versorgung anstrebt.
Das Bild ist damit nicht „PJler wollen nicht mehr arbeiten“, sondern: Viele wollen Arzt bleiben – aber nicht unter den Rahmenbedingungen, die sie im PJ erlebt haben.
Was Lehrkliniken sofort verbessern können
Das PJ-Barometer 2025 zeigt Stellschrauben, die nicht auf eine Bundesreform warten müssen. Drei Hebel sind für die Praxis besonders wirksam, weil sie Struktur schaffen und Supervision messbar machen.
- Feste Zuständigkeit: Mentor je Tertial, definierte tägliche Ansprechpartner, klarer Ablauf für Visite, Aufnahme, Aufklärung und Entlassmanagement.
- Lernzeit schützen: planbare Studientage/Lernfenster, plus kurze Skills-Formate (Sonographie-Basics, Röntgen-Check, Aufklärungstraining).
- Tätigkeiten sinnvoll bündeln: delegationsfähige Aufgaben strukturieren (z.B. Blutentnahme‑Slots), damit Kernkompetenzen unter Supervision geübt werden – genau so, wie es die ÄAppO intendiert.
Häufige Fragen
- Was misst das PJ-Barometer 2025 genau?
- Warum ist das PJ-Barometer 2025 für Kliniken versorgungsrelevant?
- Welche konkreten Forderungen leitet das PJ-Barometer 2025 ab?
Das PJ-Barometer 2025 misst, wie PJler Arbeitszeit, Dienste, Anleitung, Aufgabenmix, Lernzeit, Lehre und finanzielle Situation im PJ erleben.
Das PJ-Barometer 2025 ist versorgungsrelevant, weil es Hinweise auf strukturelle Supervisionsdefizite, hohe Belastung und Abwanderungsrisiken liefert und damit direkt auf Nachwuchsbindung und Patientensicherheit einzahlt.
Das PJ-Barometer 2025 zeigt besonders klar den Bedarf nach festen Mentoren, verlässlicher Zuständigkeit, realer Lernzeit/Studientagen und einer Fehltage‑Regelung, die Krankheit nicht gegen Erholung und Prüfungsvorbereitung ausspielt.





