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praktischArzt Magazin Duzen im Recruiting bzw. in Stellenanzeigen – Ja oder nein?

Duzen im Recruiting bzw. in Stellenanzeigen – Ja oder nein?

Duzen Stellenanzeigen Recruiting
Zuletzt aktualisiert: 17.11.2023
Themen: Recruiting
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Die Frage, ob im Recruiting im Gesundheitswesen das Duzen oder Siezen angemessen ist, wirft wichtige Überlegungen hinsichtlich Professionalität, Respekt und Kommunikation auf. Die Wahl zwischen diesen beiden Anredeformen kann erhebliche Auswirkungen auf den Bewerbungsprozess und das Arbeitsumfeld im Gesundheitssektor haben.

Dieser Artikel untersucht die Vor- und Nachteile des Duzens im Recruiting-Prozess im Gesundheitswesen, um ein besseres Verständnis dafür zu gewinnen, wie diese Praxis die Medizinbranche beeinflusst. Dabei werden sowohl die Argumente, die für das Duzen sprechen, als auch die Argumente dagegen beleuchtet, um Arbeitgebern/-innen im Gesundheitswesen und Bewerbern/-innen dabei zu helfen, informierte Entscheidungen zu treffen und die besten Praktiken zu entwickeln.

Vorteile und Nachteile des Duzens im Recruiting

Die Entscheidung, ob im Recruiting-Prozess für Arbeitgeber/innen im Gesundheitswesen das Duzen eine gute oder schlechte Idee ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Zu den Vorteilen des Duzens im Recruiting-Prozess gehört z.B., dass es sofort Lockerheit und Nähe schafft. Das Duzen kann eine informellere und persönlichere Atmosphäre schaffen, die Bewerber/innen dazu ermutigen kann, sich entspannter und authentischer zu zeigen. Dies ist v.a. in legeren Arbeitsumgebungen oder in jungen medizinischen Teams von Vorteil. Das Duzen kann außerdem die Kommunikation beschleunigen, da formelle Anreden oft mehr Worte erfordern. Vor allem im Krankenhaus kann übermäßig „Sprechzeit draufgehen“, wenn man Herrn Professor Doktor Müller oder Frau Professorin Doktorin Schmidt im Vorstellungsgespräch stets korrekt adressieren möchte. Auch zur Anziehung jüngerer Talente ist eine lockere Gesprächsart im Vorstellungsgespräch besser: Jüngere Generationen neigen dazu, das Duzen in beruflichen Kontexten zu bevorzugen, und Krankenhäuser, die dies unterstützen, können attraktiver für junge Talente sein.

Duzen in Stellenanzeigen finde ich ...

Angaben in Prozent

Quelle: Umfrage jobs.de

Das Duzen bringt jedoch auch einige Nachteile im Recruiting-Prozess mit sich. In einigen konservativen Krankenhäusern oder Pflegeinrichtungen (meist kirchlicher oder universitärer Prägung) kann das Duzen z.B. als unprofessionell angesehen oder sogar als respektlos empfunden werden, insbesondere gegenüber älteren oder hierarchisch höher gestellten Personen. Und wenn die Krankenhauskultur nicht eindeutig festlegt, wann das Duzen angemessen ist, kann dies zu Verwirrung und Missverständnissen führen.

Klare Regeln im Recruiting: Du oder Sie?

Um die richtige Entscheidung für das eigene Krankenhaus zu treffen, sollten Arbeitgeber/innen im Gesundheitswesen die Krankenhauskultur, die Erwartungen der Bewerber/innen und das eigene Umfeld berücksichtigen. In vielen jungen Start-ups ist z.B. das Duzen sogar allgemein üblich und wird oft als sympathisch und zugänglich angesehen. Im Umfeld traditionellerer oder formellerer Branchen wie dem Gesundheitswesen ist das Siezen jedoch meist noch die Norm. In Kinderkrankenhäusern ist daher das Duzen vielleicht generell besser, während es z.B. in Altenpflegeheimen oder Universitätskliniken als problematisch betrachtet werden kann.

Es ist wichtig, dass Arbeitgeber/innen im Gesundheitswesen klare Richtlinien für die Kommunikation im Recruiting-Prozess festlegen und sicherstellen, dass Bewerber/innen sich in der Interaktion mit dem Krankenhaus oder der Pflegeeinrichtung wohl und sicher fühlen. Dies könnte z.B. im Recruiting-Prozess bedeuten, dass man das Duzen im Vorstellungsgespräch als Option anbietet, es aber den Bewerbern/-innen überlässt, ob sie es verwenden möchten. Die Schlüsselkomponente ist die Konsistenz, um Verwirrung zu vermeiden.

Spezialfall Gesundheitswesen: Was Arbeitgeber/innen festlegen sollten

Die Frage, ob im Recruiting-Prozess im Gesundheitswesen das Siezen oder Duzen angemessener ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab und kann in medizinischen Einrichtungen variieren.

Zu den größten Vorteilen des Siezens im Vorstellungsprozess gehört v.a. im Gesundheitsbereich die medizinische Professionalität. Das Siezen wird oft mit einer höheren Form der Achtung und des Respekts in Verbindung gebracht. Und v.a. in medizinischen Umgebungen, in denen Leben auf dem Spiel stehen können, ist ein gewisses Maß an Formalität und Respekt wichtig. Außerdem kann das Siezen dazu beitragen, die hierarchischen Strukturen in medizinischen Teams klarer zu definieren.

Die Vorteile des Duzens im Recruiting-Prozess liegen jedoch im Gesundheitswesen genauso auf der Hand, denn es schafft Nähe und Vertrauen. Das familiäre Duzen bereits im Vorstellungsgespräch kann dazu beitragen, eine engere und vertrauensvollere Beziehung zwischen den einzelnen Teammitgliedern aufzubauen und damit das Team stärken. Zusammengehörigkeitsgefühl und flache Hierarchien (zumindest in der Weise der persönlichen Ansprache) sind v.a. auf Stationen und in Notaufnahmen unverzichtbar. Diese Art der Adressierung kann die Kommunikation in stressigen Situationen verbessern, was im medizinischen Kontext wichtig ist. In Situationen, in denen schnelle und klare Kommunikation erforderlich ist, kann das Duzen daher deutlich effizienter sein.

Sollten Arbeitgeber/innen im Gesundheitswesen in Stellenanzeigen das Du oder Sie verwenden?

In Stellenanzeigen im Gesundheitswesen ist es allgemein üblich und empfohlen, die formelle Anredeform „Sie“ zu verwenden. Dies liegt an den speziellen Anforderungen und Erwartungen in dieser Branche. Das Gesundheitswesen ist eine hochprofessionelle Branche, in der das Wohl der Patienten/-innen oberste Priorität hat. Die Verwendung der formellen Anrede in Stellenanzeigen unterstreicht die Professionalität des Krankenhauses oder Pflegeheimes und signalisiert potenziellen Bewerbern/-innen, dass sie in einem seriösen und respektvollen Umfeld arbeiten werden.

Die formelle Anrede ist außerdem ein Zeichen des Respekts, insbesondere gegenüber den Bewerbern/-innen. Sie zeigt, dass das Krankenhaus die Wichtigkeit seiner professionellen Rolle im Gesundheitswesen anerkennt und sich verantwortungsbewusst verhält. Stellenanzeigen sollten außerdem klar und verständlich sein, und die Verwendung der formellen Anrede trägt dazu bei, Missverständnisse zu vermeiden und die Anzeigen für eine breite Zielgruppe zugänglich zu machen.

Obwohl die Verwendung der formellen Anrede in Stellenanzeigen im Gesundheitswesen üblich ist, sollten Arbeitgeber/innen dennoch sicherstellen, dass die Anzeigen insgesamt freundlich und einladend formuliert sind, um potenzielle Bewerber/innen anzusprechen. Warme Formulierungen wie z.B. „Wir freuen uns darauf, von Ihnen zu hören“ sollten also unbedingt vorkommen.

Ausnahmen bestätigen die Regel

Keine Regel ohne Ausnahme, und das gilt auch für die zuvor genannte Empfehlung des Siezens in Stellenanzeigen im Gesundheitswesen. Handelt es sich z.B. bei der zu besetzenden Stelle um einen Ausbildungsplatz oder eine Stelle speziell für junge Berufseinsteiger/innen in einem Klinikum, kann das Duzen durchaus angemessener sein als das Siezen. Auch in Kinderkrankenhäusern oder ähnlichen Einrichtungen wie z.B. Pflegeheimen für Jugendliche wird meist generell ein etwas lockerer Ton gepflegt. Da ist es gut, wenn Arbeitgeber/innen dies bereits in der Stellenanzeige gebührend vermitteln.

Aber egal wie sich Arbeitgeber/innen im Gesundheitswesen entscheiden: In jedem Fall ist es wichtig, klare Kommunikationsrichtlinien festzulegen und sicherzustellen, dass alle Bewerber/innen und Recruiter/innen die Erwartungen verstehen. Die Wahl zwischen Siezen und Duzen sollte letztendlich dazu beitragen, eine positive und effektive Umgebung im Krankenhaus oder der Pflegeinrichtung zu schaffen und das Vorstellungsgespräch so angenehm wie möglich zu gestalten.

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