Eine Promotion in der Medizin kann spannend, aber auch herausfordernd sein. Genau hier kommen Dr. Florian Brandt und PD Dr. Christian Keinki mit DocDad ins Spiel. Mit ihrem Angebot unterstützen sie Medizinstudierende bei allen Phasen der Doktorarbeit – von der Themenwahl bis zum professionellen Feedback vor der Abgabe.
Im Interview mit praktischArzt erklären die beiden, welche Stolpersteine auf dem Weg zum Doktortitel lauern, wie man Motivation und Fokus trotz langer Promotionsphasen hält und warum ein Doktortitel in der Medizin weit mehr ist als ein Statussymbol.
Hallo ihr beiden. Würdet Ihr Euch bitte eingangs kurz vorstellen und beschreiben, was DocDad genau ist?
Dr. Florian Brandt: Ich bin studierter Ökonom und promovierter Mediziner. Zusammen mit meinem ehemaligen Projektpartner Christian haben wir DocDad gegründet, ein Unternehmen, das Medizinstudierende bei ihrer Doktorarbeit unterstützt. Wir bieten verschiedene Leistungen an: Sprechstunden, um individuelle Fragen zur Doktorarbeit zu klären, Coachings über einen längeren Zeitraum sowie Webinare zu den verschiedenen Phasen der medizinischen Promotion. Auch wenn eine Doktorarbeit bereits fertig geschrieben, aber noch nicht abgegeben ist, unterstützen wir: Studierende können ihr Manuskript bei uns einreichen, um ein professionelles Feedback zu erhalten und sich vor der Einreichung noch einmal Sicherheit zu verschaffen.
Dr. Christian Keinki: Ich bin Facharzt für Innere Medizin und habilitiert an der Universitätsklinik Jena. Bei DocDad ist uns wichtig, auf Augenhöhe zu kommunizieren und die Studierenden genau dort abzuholen, wo sie Unterstützung benötigen. Wir betonen von Anfang an, dass wir keine Ghostwriter sind. Unser Ziel ist es, fachlich und menschlich zu unterstützen.
Welches sind die größten Herausforderungen auf dem Weg zur Promotion?
Dr. Florian Brandt: Die wesentliche Herausforderung ist, dass man im Rahmen eines Promotionsvorhabens vieles das erste Mal in seinem Leben macht. Man muss sich strategisch überlegen: Welches Thema passt zu mir und meiner persönlichen beruflichen Situation? Wie dokumentiere ich meine Ergebnisse, damit ich später auch statistisch damit arbeiten kann? Wie kann ich meine Ergebnisse in entsprechenden Fachmedien publizieren? Wie hole ich ein Ethikvotum ein, wenn das notwendig ist? Und vieles mehr.
Unser Vorteil ist, dass wir uns diese Fragen nicht zum ersten Mal stellen, sondern über jahrelange Erfahrung verfügen. Und diese wollen wir an Studierende weitergeben, die am Anfang ihrer Promotion stehen.
Dr. Christian Keinki: Neben den von Florian genannten Aspekten, ist das eigene Mindset, aus meiner Sicht, einer der größeren Stolpersteine. Der Promotionsprozess nimmt mehrere Monate und teilweise sogar Jahre in Anspruch. Da gilt es, so viele Klippen zu umschiffen und es kann schwierig werden, die nötige Motivation dauerhaft aufrechtzuerhalten.
Wie seid Ihr dazu gekommen, DocDad ins Leben zu rufen? Was waren Eure Ziele?
Dr. Christian Keinki: Wir haben bereits wissenschaftlich zusammengearbeitet und festgestellt, dass wir nicht nur fachlich, sondern auch menschlich gut harmonieren. Daraus entstand der Gedanke, unsere Erfahrung anderen Studierenden zugänglich zu machen. Gleichzeitig haben wir im persönlichen Umfeld gesehen, dass viele Doktorarbeiten abgebrochen werden, was uns den Bedarf vor Augen geführt hat.
Dr. Florian Brandt: Für mich war außerdem wichtig, dass ich solche Aspekte einer Karriereoption „Professur“, die mir Spaß machen – wie die Betreuung von Abschlussarbeiten oder Forschungsprojekten – realisieren kann, ohne unattraktiven Ballast tragen zu müssen, der mit einer solchen Position einhergeht. DocDad war die Lösung, um uns auf unsere Stärken zu fokussieren, diese zu bündeln und anderen zu helfen.
Viele Doktorarbeiten werden abgebrochen. Wo seht Ihr mögliche Stolpersteine auf dem Weg zum Doktortitel?
Dr. Christian Keinki: Stolpersteine lauern auf jedem Schritt des Weges. Von der Themenwahl über die Art der Promotion – Laborarbeit oder retrospektive Studie – bis hin zu statistischer Auswertung, Interpretation der Daten und der schriftlichen Umsetzung. Schreibblockaden treten häufig auf, wenn noch wenig Erfahrung vorhanden ist. Unser Ansatz ist, an jedem Punkt kompetente Beratung anzubieten.
Dr. Florian Brandt: Besonders wichtig ist die Themenwahl. Man sollte ein Thema wählen, das zu den eigenen Stärken passt, zum Beispiel quantitative oder qualitative Methoden. Idealerweise sollte es sowohl inhaltlich spannend sein als auch zur beruflichen Tätigkeit harmonieren – etwa indem innerhalb der Studie mit solchen Patientengruppen arbeitet, mit denen man im Berufsalltag ohnehin zu tun hat. Das erleichtert die Datenerhebung und fördert die Motivation.
Welche Unterstützung bietet DocDad bei möglichen Problemen an?
Dr. Florian Brandt: Wir unterstützen Studierende von der Themensuche bis zur Disputation. Ein Problem ist oft, dass Studierende mehr Fokus auf ihre Arbeit haben als die betreuenden Personen, die noch andere Projekte, Patientenversorgung oder Klinikmanagement verantworten. Das kann zu langen Wartezeiten führen. Hier greifen wir ein, indem wir gezielt Rat geben, schnelle Rückmeldungen liefern und die Promotionsarbeit unserer Kunden fokussiert begleiten.
Dr. Christian Keinki: Es ist wichtig, dass wir schnell erreichbar sind und auf die jeweilige Situation reagieren können. Methodische Fertigkeiten, wie Literaturrecherche oder Datenmanagement, werden dabei ebenso vermittelt wie Managementfähigkeiten, die auch im späteren Berufsleben nützlich sind.
Wie wichtig ist ein Doktortitel? Wo seht Ihr mögliche Vorteile – und gibt es ggf. sogar Nachteile?
Dr. Christian Keinki: Ein Doktortitel in der Medizin ist nicht zwingend erforderlich, um ein hervorragender Arzt zu sein, aber er belegt wissenschaftliche Kompetenz und zahlt auch nach wie vor in einigen Bereichen auf den Status ein. Für Karrierewege wie Oberarzt oder Professor ist eine Promotion oft essenziell, ebenso wenn man in Forschung, Pharmaindustrie oder anderen wissenschaftlichen Organisationen arbeiten möchte.
Dr. Florian Brandt: Neben dem Titel selbst vermittelt die Promotion vielfältige Fähigkeiten: analytische Kompetenz, Kommunikation, Management und Projektorganisation. Nachteile entstehen nur, wenn der Promotionsprozess negative Erfahrungen erzeugt und mental belastend wird. Durch den Titel selbst entstehen keine Nachteile. Grundsätzlich ist eine Promotion für alle medizinischen Fachrichtungen sinnvoll, insbesondere wenn man Forschung oder leitende Aufgaben anstrebt.
Wie viel Prozent der Medizinstudenten machen denn ihre Promotion schon während des Studiums?
Dr. Christian Keinki: Aus unserer Erfahrung beginnen mehr als die Hälfte der Studierenden während des klinischen Abschnitts des Studiums. Häufig ist die Promotion bis zur Approbation noch nicht abgeschlossen, was eine zusätzliche Belastung darstellt. Viele brechen ab, weil der Fokus dann auf der Patientenversorgung liegt, während wissenschaftliche Aufgaben liegen bleiben. Das ist schade, weil wertvolle Daten in diesem Fall ungenutzt bleiben.
Haltet Ihr es für sinnvoller früher oder später zu promovieren und warum?
Dr. Florian Brandt: Es gibt keinen universellen Ratschlag, wann man promovieren sollte. Es hängt von der individuellen Situation ab. Man sollte sich frühzeitig überlegen, ob eine Promotion für den angestrebten Karriereweg sinnvoll ist, und dann die Augen offen halten nach Promotionsgelegenheiten, die den eigenen Stärken entsprechen.
Wie geht Ihr mit der beruflichen Belastung um? Wie bringt Ihr Euren Job, DocDad und das Privatleben unter einen Hut?
Dr. Christian Keinki: Wir haben unsere wissenschaftliche Arbeit in DocDad gebündelt, die wir ohnehin leisten. Insofern ist keine zusätzliche Belastung, sondern eine Professionalisierung unserer bisherigen Arbeit, um unsere Expertise auch anderen zugänglich zu machen.
Dr. Florian Brandt: Genauso ist es. Ich würde gerne noch ergänzen, wie wichtig es ist, Aufgaben zu priorisieren und strukturiert abzuarbeiten. Wenn neue Aufgaben reinkommen, sollte man sie zeitnah bearbeiten, sofern Kapazitäten frei sind und nach Möglichkeit nicht in „Aufschieberitis“ verfallen. Das steigert die Motivation und verhindert langfristig Überforderung.
Persönlich
Dr. rer. med. Florian Brandt, M.Sc. beschäftigt sich als Health Innovation Manager bei der IKK Südwest mit der Entwicklung, Umsetzung und Bewertung neuartiger Ansätze zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung. PD Dr. med. habil. Christian Keinki, M.Sc. leitet für die Deutsche Krebsgesellschaft verschiedene Forschungs- und Praxisprojekte. Gemeinsam haben sie DocDad gegründet.




