Physiotherapeut Gehalt Verdienst

Physiotherapeut Gehalt – was verdient ein Physiotherapeut?

Der Physiotherapeut hilft Menschen nach Unfällen und Krankheiten ihre Selbstständigkeit und Unabhängigkeit wieder zurückzugewinnen und ist daher ein wertvoller Teil des Gesundheitswesens.

Als Physiotherapeut hat man nach der Physiotherapie Ausbildung die Möglichkeit im öffentlichen Dienst oder einer privaten Praxis als Angestellter zu arbeiten oder sich selbstständig zu machen. Doch wo verdient man was? Wir geben den Überblick über Ausbildungs-, Einstiegs- und Durchschnittsgehälter.

Physiotherapeut Ausbildung Gehalt

Als Physiotherapeut im Training absolviert man eine schulische Ausbildung, bei der es in der Regel kein Gehalt oder eine Vergütung gibt.

Der Besuch einer öffentlichen Berufsfachschule ist meist kostenlos, staatlich anerkannte Schulen in privater Trägerschaft erheben hingegen Ausbildungsgebühren.

Alle Infos zur Ausbildung gibt es im Artikel Physiotherapeut Ausbildung.

Physiotherapeut Gehalt

Leider gehören Physiotherapeuten zu den Heilmittelerbringern, die oftmals am unteren Ende der Gehaltsskala angesiedelt sind. Gründe hierfür werden am Ende des Artikels aufgeführt.

Das Physiotherapeut Gehalt beträgt pro Monat etwa 2.000 bis 2.630 Euro. Dies entspricht einem Jahresgehalt von Physiotherapeuten von ca. 27.000 Euro Brutto.

Das Einstiegsgehalt liegt bei privaten Einrichtungen deutlich (bis zu 40 %) unter den Einstiegsgehältern, die sich an Tarifverträgen orientieren.

Träger der Einrichtung Gehalt von Gehalt bis
Öffentliche Einrichtung mit Tarifvertrag 2.125 € 2.500 €
Private Einrichtung 1.496 € 2.161 €

Gerade in diesem Beruf herrscht eine sehr große Spanne zwischen der Art des Arbeitgebers, so dass man bei privaten Einrichtungen wie kleinen Praxen oftmals bis zu 40 % nur von dem verdient, was man bei einer Einrichtung, die sich am öffentlichen Tarifvertrag orientiert, verdienen kann.

Gehalt von Physiotherapeuten nach Art der Einrichtung

Die folgenden Tabellen Zeigen bundesweite Durchschnittsgehälter von etwa 2269 Euro auf.

Wir beleuchten daher einerseits die hohen Gehaltsmöglichkeiten des Tarifvertrags des öffentlichen Rechts und Gehaltsdurchschnitte je Bundesland nach Umfragen der Bundesagentur für Arbeit und des Lohnspiegels.

Bei dem Tarifvertrag kann man mit etwas Berufserfahrung durchschnittlich 2.958 Euro Brutto im Monat verdienen. Nach zusätzlichen Weiterbildungen und Qualifikationen sogar in höheren Entgeltgruppen bis zu durchschnittlich 3.279 Euro.

Wider Umfragen und Analysen der Bundesagentur für Arbeit arbeitet ein großer Teil der Physiotherapeuten aktuell für Gehälter um 2269 Euro Brutto im Monat. Die Gründe für diese Gehaltsunterschiede werden in den abschließenden Kapiteln des Artikels behandelt.

Träger der Einrichtung Gehalt von Gehalt bis
Öffentliche Einrichtung mit Tarifvertrag 3.307€ 4.968 €
Private Einrichtung 2.628€ 3.402 €

Gehaltstabelle für Physiotherapeuten nach dem TVöD

Der Tarifvertrag des öffentlichen Rechts (TVöD) regelt die Einkommensstrukturen für Einrichtungen, die sich diesem Vertrag verpflichten. Als Physiotherapeut wird man in der Regel in der Gehaltsstufe E7 eingeordnet. Diese Entgeltgruppe steigt mit der Berufserfahrung.

Mit zusätzlichen Qualifikationen und Weiterbildungen kann man auch in weitere Entgeltgruppen aufsteigen.

Entgeltgruppe Stufe 1 Stufe 2 Stufe 3 Stufe 4 Stufe 5 Stufe 6
E15 4788,35 5141,23 5481,38 6004,84 6517,61 6854,95
E14 4335,98 4655,42 5025,89 5451,94 5950,88 6293,73
E13 3996,72 4335,42 4685,32 5093,03 5586,51 5842,91
E12 3582,23 3956,45 4407,89 4890,86 5465,08 5734,95
E11 3457,10 3803,91 4119,43 4477,63 4972,55 5242,43
E10 3331,93 3613,93 3915,01 4238,32 4628,44 4749,89
E9 (a) 2926,82 3133,75 3324,85 3748,35 3843,43 4086,04
E8 2769,15 2971,27 3102,32 3231,30 3370,30 3439,92
E7 2598,38 2822,59 2958,18 3089,21 3209,21 3279,17
E6 2549,58 2739,94 2866,46 2990,93 3107,94 3173,47
E5 2445,99 2630,06 2748,57 2873,03 2985,28 3045,87
E4 2329,99 2514,19 2663,27 2755,21 2847,13 2900,97
E3 2293,39 2488,41 2537,24 2642,50 2721,49 2793,85
E2 2122,60 2316,97 2366,14 2432,35 2577,86 2730,08
E1 1903,09 1935,39 1975,78 2013,43 2110,33

Quelle: VKA TVöD ab April 2019

Auch wenn dies eine Orientierung dafür sein kann wie ein Gehalt mit zunehmender Berufserfahrung ansteigt, so muss man beachten, dass nur ein kleiner Teil der Arbeitgeber in Deutschland nach dem Tarifvertrag vergüten. Wie im Absatz vorher beschrieben müssen angehende Physiotherapeuten daher mit bis zu 40 % geringeren Gehältern aktuell rechnen.

Gehalt von Physiotherapeuten nach Bundesland

In diesem Berufszweig gibt es jedoch nicht nur signifikante Unterschiede zwischen der Art der Einrichtung, sondern auch wie in anderen Berufszweigen das Gefälle unter den Bundesländern. Die Bundesagentur für Arbeit bietet mit ihrem Entgeltatlas eine große Wissensdatenbank über verschiedene Gehälter – geschlüsselt nach den Bundesländern.

So ergibt sich laut der Bundesagentur ein Deutschland-Durchschnitt von 2.269 Euro Brutto im Monat. Ganz vorne stehen Baden-Württemberg, Bayern und Hamburg, die monatlich 2.383 bis 2.424 Euro Durchschnittsgehalt aufweisen. Am Ende der Verdienstskala stehen Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachen, wo überall ein Durchschnittsgehalt von unter 1.900 Euro Brutto monatlich ausgewiesen werden.

Physiotherapeut Gehalt Brutto im Jahr nach Bundesland (ca.)

Gehalt Physiotherapeut Erfahrung

Quelle: gehalt.de

Gehalt von Physiotherapeuten im Vergleich zu anderen Ausbildungsberufen

Die folgende Tabelle zeigt das Gehalt von Physiotherapeuten im Vergleich zu anderen Ausbildungsberufen im medizinischen Umfeld.

Zudem fällt auf, dass Frauen laut dem Lohnspiegel im Durchschnitt etwa 10 % weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen.

Medizinische Berufe Gehalt Vergleich

Quelle: WSI-Lohnspiegel-Datenbank – www.lohnspiegel.de

Fachkräftemangel durch unterbezahlte Stellen

In vielen medizinischen Berufsfeldern wird in großen Teilen Deutschlands ein Fachkräftemangel mehr und mehr zu einem Problem. Besonders betroffen sind dabei auch Heilmittelerbringer wie die Physiotherapeuten. Betrachtet man den Berufszweig der Physiotherapeuten, so ist Hamburg statistisch gesehen aktuell in ganz Deutschland tatsächlich das einzige Bundesland mit einer ausreichenden Dichte an Physiotherapeuten. Und das obwohl die Physiotherapie ein wichtiger Pfeiler in der Gesundheitsversorgung ist und etwa jeder Fünfte im Laufe eines Jahres Physiotherapie in Anspruch nimmt.

Grund dafür sind vorwiegend die schlechten Verdienstmöglichkeiten für diese Berufszweige. Jeder Vierte ist laut einer Umfrage unter 1.000 Therapeuten der Hochschule Fresenius in Idstein bereits aus dem Beruf ausgestiegen und besonders stark sind hierbei die Physiotherapeuten betroffen.

Was bedeutet der akute Mangel bei der Physiotherapie?

Der Fachkräftemangel in der Physiotherapie hat spürbare Folgen für den Patienten. Durch die Unterversorgung kommt es zu längeren Wartezeiten auf einen Termin, welche bis zu zwölf Wochen betragen kann. In dieser Zeit bleibt der Patient unbehandelt. Die Heilmittelrichtlinien der Krankenkassen verlangen jedoch eigentlich einen Beginn der Behandlung innerhalb von 14 Tagen.

Durch das fehlende Personal kann ebenfalls die eigentlich benötigte Anzahl an Hausbesuchen für Patienten nicht mehr umgesetzt werden. Und auch Lymphdrainage-Patienten haben es schwerer einen Termin zu bekommen.

In Zeiten des demografischen Wandels und dem immer stärker werdenden Bedarf an Therapie für die alternde Gesellschaft ist diese Entwicklung dramatisch.

Stellen in der Therapie bleiben 135 Tage unbesetzt

Die Arbeitsmarkt-Statistik der Bundesarbeitsagentur vom August 2017 zeigt alarmierende Werte. Statistisch dauert es aktuell im Durchschnitt 135 Tage bis eine Stelle im Therapiebereich neu besetzt ist. Auf 100 offene Stellen gibt es nur 72 Bewerber/innen.

Welche Rolle spielen die gesetzlichen Krankenkassen?

Pro Behandlung werden etwa 18 Minuten von der Krankenkasse kalkuliert. Was jedoch nicht in diese Kalkulation einfließt sind die Tätigkeiten, die neben der reinen Behandlung anfallen. So beispielsweise die organisatorischen Pflichten, Dokumentationen oder beispielsweise die Unterstützung pflegebedürftiger Patienten beim Ent- und Bekleiden. Praxisinhaber kalkulieren in der Regel mit zusätzlichen zehn Minuten Nebentätigkeiten zur Behandlung.

Für die kalkulierten 18 Minuten zahlen Krankenkassen für eine Einzelbehandlung nun zwischen zwölf und fünfzehn Euro.

Daraus resultiert, dass rund jeder zehnte Therapeut aktuell nicht einmal mehr mit der Krankenkasse abrechnen möchte.

Physiotherapie: Viel Arbeit und wenig Geld?

Die knappe Bemessung der Zeit und die geringe Vergütung der Leitungen führt zu einer notwendigen engen Taktung der Patienten. Und dadurch zu einem erhöhten Stressfaktor, der im ungünstigen Falle auch die Qualität der Behandlung in Mitleidenschaft zieht.

Zusätzlich zu der engen Taktung ist ein Physiotherapeut heutzutage gezwungen sich seinen Kunden anzupassen und somit Arbeitsnehmer- und arbeitszeitfreundliche Termine zu vergeben. Dies bedeutet, dass Kunden bereits sehr früh am Tag und sehr spät am Tag zur Behandlung angenommen werden müssen um die nötige Kundenzahl erzielen zu können. Lange Arbeitstage sind damit kaum zu vermeiden.

Wie könnte man die Situation verbessern? Meinung eines Therapeuten

Wir waren mit Ralf Hemken von Therapie 42 in Delmenhorst im Gespräch. Er sieht die Physiotherapie nicht als Kostenfaktor für die Krankenkassen, sondern als Möglichkeit durch gute Behandlung und Vorsorge wesentliche Kosten einzusparen. Hierfür müsse jedoch die Leistung gerecht entlohnt werden um die Fachkräfte (zurückzu)gewinnen und die Behandlung entsprechend auszuführen zu können.

In seinen Augen müsse schon bei der Ausbildung angesetzt werden. „Die Curricula müssen überarbeitet werden, damit ein frisch gebackener Physiotherapeut besser in einer Praxis eingesetzt werden kann. Bis jetzt muss er noch teure Fortbildungen aus eigener Tasche bezahlen, damit er mehr in einer Praxis arbeiten kann.“ , so Ralf Hemken. Hiermit zeigt er die Problematik auf, dass fast die Hälfte der Verordnungen eben solche Zertifikatsleistungen sind, die ein gerade ausgebildeter Physiotherapeut nach aktuellem Curriculum noch nicht ausführen kann und somit in einer Praxis nicht übernehmen kann.

Karriere in der Physiotherapie

Die Physiotherapie ist spannend, abwechslungsreich und ein wichtiger Bestandteil in der Gesundheitsversorgung und Gesundheitserhaltung. Als Physiotherapeut hat man einen direkten Einfluss auf die Genesung der Patienten oder den Erhalt der Lebensqualität. Dies macht diesen Beruf besonders wertvoll für den Physiotherapeuten als auch dessen Patienten.

Wer sich jedoch für die Berufswahl des Physiotherapeuten entschließt muss sich darüber im Klaren sein, dass die Physiotherapeuten durch aktuelle Umstände unter medizinischen Berufen zu den Niedrigverdienern gehören, ein Großteil der Weiterbildungen und -Qualifikationen selbst finanziert werden müssen und man von langen Arbeitszeiten ausgehen kann um sich finanziell abzusichern. Die Perspektive auf große Gehaltssprünge ist in diesem Beruf verhältnismäßig gering.

Mit praktischArzt als Karriereportal für Mediziner bietet nicht nur Stellenangebote für Fachärzte, sondern auch viele nützliche Informationen rund um alle medizinischen Berufe und die Karriere in der Gesundheitsversorgung.

Quellen:

NDR: Akuter Mangel bei der Physiotherapie

Interview mit Ralf Hemken, Therapie 42 in Delmenhorst