Hebamme

Hebamme – Ausbildung, Beruf und Gehalt

Hebamme werden: als Entbindungspflegerin steht man der werdenden Mutter vor, während und nach der Geburt bei. Dies gilt auch in schwierigen Situationen wie bei Kaiserschnitt- und Fehlgeburten, denn die Hebammenbetreuung ist in Deutschland per Gesetz für jede Geburt vorgeschrieben. Alles zur Ausbildung wie Voraussetzungen, Inhalte und Dauer sowie Infos zum Berufsalltag und Gehalt im folgenden Artikel.

Inhalt

Ausbildung Hebamme – Voraussetzungen

Wer sich für den Beruf der Hebamme beziehungsweise des Entbindungspflegers entscheidet, muss eine komplexe Ausbildung durchlaufen. Sie findet an einer der derzeit 58 Hebammenschulen in Deutschland statt, die an Krankenhäuser angegliedert sind. Der Ausbildungsbeginn liegt traditionell im Herbst. Die Zugangsvoraussetzungen regelt das Hebammengesetz (HebG §7). Demnach müssen Anwärterinnen und Anwärter folgende Punkt erfüllen.

Voraussetzungen Übersicht

  • Mindestalter 17 Jahre
  • Verfügung über einen Realschulabschluss oder alternativ
  • Verfügung über einen Hauptschulabschluss und eine abgeschlossene mindestens zweijährige Berufsausbildung

Darüber hinaus wird die gesundheitliche Eignung vorausgesetzt.

Ausbildung Hebamme – Dauer

Die Ausbildung zur Hebamme dauert insgesamt drei Jahre und schließt mit einer staatlichen Prüfung (Staatsexamen) ab.

Sie besteht aus einem praktischen, einem schriftlichen und einem mündlichen Teil. Nach erfolgreichem Abschluss darf die Berufsbezeichnung Hebamme getragen werden.

Die Ausbildungszeit verkürzt sich auf zwei Jahre, wenn im Vorfeld bereits eine Ausbildung zur Krankenschwester oder eine Ausbildung zur Kinderkrankenschwester absolviert wurde.

Ausbildung Hebamme – Inhalt

Die Ausbildung zur Hebamme setzt sich zusammen aus 1.600 Theoriestunden und 3.000 Praxisstunden. Zu Beginn der Ausbildung überwiegt der theoretische Unterricht. Im Verlauf der Ausbildung ändert sich das Verhältnis zugunsten des praktischen Unterrichts.

Auf dem Stundenplan im theoretischen Unterricht stehen Themen aus den Bereichen Anatomie, Ernährungslehre, Hygienelehre, Gynäkologie, Kinderheilkunde, Pharmazie, Psychologie und Sozialpädagogik. Zu den zentralen Lerninhalten zählen der normale und atypische Verlauf von Schwangerschaften, Techniken zur Geburtshilfe und Maßnahmen der Nachsorge, beispielsweise die Rückbildungsgymnastik.

Wichtige Inhalte der Ausbildung

  • Grundlagen der Hebammentätigkeit (160 Stunden)
  • Allgemeine Krankheitslehre (40 Stunden)
  • Erste Hilfe (30 Stunden)
  • Praktische Geburtshilfe (150 Stunden)
  • Schwangerenbetreuung (80 Stunden)
  • Neugeborenenpflege (50 Stunden)
  • Arzneimittellehre (30 Stunden)
  • Organisation und Dokumentation Krankenhaus (50 Stunden)

Praktische Kenntnisse werden im Arbeitsalltag des angegliederten Krankenhauses erworben. Dafür durchläuft jede angehende Hebamme mehrere Stationen, darunter den Kreißsaal, die Wochenstation, die Neugeborenenstation, den Operationssaal, die operativen und nichtoperativen Pflegestationen sowie die Kinderklinik. Darüber hinaus absolvieren Azubis ein Pflichtpraktikum in einem Geburtshaus oder bei einer freiberuflich tätigen Hebamme.

Pflichtstundenzahlen Hebamme Ausbildung Klinik

Abteilung Stundenzahl
Entbindungsabteilung 1440
Wochenstation 480
Neugeborenenstation 480
operative Station 160
nichtoperative Station 160
Kinderklinik 160
Operationssaal 120

Hebamme – Gehalt in der Ausbildung

Während der Ausbildung erhalten angehende Hebammen und Entbindungspfleger ein Ausbildungsgehalt. Es ist gestaffelt und erhöht sich mit jedem Ausbildungsjahr. In Einrichtungen öffentlicher und kirchlicher Träger orientiert sich die Ausbildungsvergütung an den Regelungen und Tarifverträgen des öffentlichen Dienstes und beträgt in etwa:

Ausbildungsjahr Gehalt Ausbildung
1. Ausbildungsjahr 950 – 1.140 Euro
2. Ausbildungsjahr 1.000 – 1.200 Euro
3. Ausbildungsjahr 1.100 – 1.300 Euro

Einrichtungen privater Träger legen eigene Azubi-Gehälter fest, die oftmals tiefer sind als die zuvor genannten.

Hebamme – Studium

Eine recht neue Entwicklung ist das Hebammenstudium, das zumeist unter der englischen Bezeichnung Midwifery läuft. Seit 2009 gibt es in Deutschland neben dem Bachelor- auch die Möglichkeit zum Masterstudium (Bachelor of Science of Midwifery und European Master of Science in Midwifery).

An der Hochschule erlangt eine Hebamme den theoretischen Unter- und Überbau der Hebammenkunde. Hintergrund der Akademisierung ist, dass der Hochschulabschluss für Hebammen fast überall in Europa bereits Standard ist.

Während des Studiums absolvieren die Studentinnen und Studenten die Hebammenausbildung analog an einer Hebammenschule. Das Bachelorstudium schließt mit der akademischen Abschlussprüfung und der stattlichen Hebammenprüfung ab. Für bereits examinierte Hebammen verkürzt sich die Studiendauer.

Update 2020: Eine gesetzliche Neuregelung aus dem Jahre 2019 sieht vor, dass Hebammen ihren Beruf nur noch per Studium erlernen können. Damit ändern sich auch die Voraussetzungen für den Beruf: während bisher ein Abschluss mit mittlerer Reife ausreichend war, ist zukünftig eine zwölfjährige Schulbildung oder alternative eine abgeschlossene Ausbildung in einem Pflegeberuf Voraussetzung. Anschießend erfolgt ein drei- bis vierjähriges duales Studium, was nach der staatlichen Prüfung zum Bachelor-Titel führt. Auch während dem Dualen Studium wird durchgängig eine Vergütung gezahlt.

Der Beruf Hebamme – Aufgaben und Tätigkeiten

Hebammen und Entbindungspflegern stehen zwei Möglichkeiten offen: das Angestelltenverhältnis und die Freiberuflichkeit.

Der klassische Arbeitsort ist das Krankenhaus, alternativ ist auch eine Anstellung in einem Geburtshaus möglich. Das Angestelltenverhältnis gilt jedoch aufgrund von Bereitschafts- und Schichtdiensten sowie schlechter Bezahlung als wenig attraktiv. Deshalb sind rund 80 Prozent der Hebammen freiberuflich tätig. Sie arbeiten auf selbstständiger Basis als Beleghebammen in Krankenhäusern, in Geburtshäusern, in der Geburtsvorbereitung oder Wochenbettbetreuung.

Nur etwa 2.500 der insgesamt 23.000 Hebammen in Deutschland arbeiten tatsächlich in der Geburtshilfe. Der Großteil widmet sich ausschließlich der Vor- und Nachsorge. Grund dafür ist vor allem die Berufshaftpflichtversicherung. Sie ist grundsätzlich für jede Hebamme Pflicht – und mit einem erheblichen finanziellen Aufwand verbunden, wenn Geburtsbegleitung angeboten wird. Der umfangreiche Versicherungsschutz kostet rund 8.000 Euro pro Jahr. Bietet eine Hebamme hingegen nur Geburtsvorbereitungskurse und Nachsorge an, reicht eine kleinere und deutlich günstigere Variante des Versicherungsschutzes.

Einen klassischen Arbeitsalltag kennt die Hebamme nicht, schließlich lassen sich Geburten und Geburtsverläufe nicht planen. Flexibilität ist für Hebammen daher ein Muss, auch wenn es im Angestelltenverhältnis geregelte Arbeitszeiten gibt. Ihre Aufgabe ist es eine Schwangere von der Ankunft auf der Entbindungsstation bis zum Verlassen der Klinik nach der Geburt zu begleiten, Komplikationen des Geburtsverlaufs zu erkennen und Mutter und Kind nach der Entbindung zur Seite zu stehen.

Die Freiberuflichkeit kann dagegen ganz anders aussehen. Neben Hausbesuchen bei Schwangeren und der Durchführung von Kursen zur Geburtsvorbereitung, Nachsorge und Rückbildung gehören auch zahlreiche administrative Tätigkeiten zum Alltag einer freiberuflichen Hebamme (Abrechnung mit den Krankenkassen, eigene Buchhaltung, Anmietung von Räumlichkeiten, Werbung etc.). Einfacher und kostengünstiger gelingt es, wenn sich mehrere Freiberuflerinnen zu einer kleinen Gemeinschaftspraxis zusammenschließen.

Hebamme Gehalt

Für Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger sind die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt gut. Bundesweit gibt es unterversorgte Gebiete, in denen Hebammen händeringend gesucht werden. Vor allem auf den Nordseeinseln herrscht Notstand. Trotz des Bedarfs ist das Einstiegsgehalt einer Hebamme im Angestelltenverhältnis nicht üppig, es liegt monatlich bei rund 2.000 bis 2.900 Euro brutto.

Zuschläge für Nacht-, Sonn- und Feiertagsarbeit sowie Überstunden können dazukommen. Staatliche und kirchliche Einrichtungen orientieren sich beim Gehalt am Tarifvertrag (TVöD), private Einrichtungen legen eigene Löhne fest. Mit der Berufserfahrung steigt auch das Einkommen und liegt bei kirchlichen und öffentlichen Arbeitgebern zwischen 2.700 und 3.660 Euro brutto.

Freiberuflich kann das Gehalt deutlich höher ausfallen, wenn eine Hebamme Vollzeit arbeitet und gut plant. Dann ist ein Jahresumsatz zwischen 40.000 und 50.000 Euro möglich. Bisher schlägt sich leider ein akademischer Abschluss in der Bezahlung weder im Angestelltenverhältnis noch in der Freiberuflichkeit positiv nieder.

Ausführlichere Information gibt es in der Übersicht Hebamme Gehalt.

Weitere interessante Ausbildungsberufe im Gesundheitswesen gibt es in der kompletten Übersicht medizinische Berufe.