
Hebamme werden: als Entbindungspfleger/in (Begriff für Hebammen vor der Reform) steht man der werdenden Mutter vor, während und nach der Geburt bei. Dies gilt auch in schwierigen Situationen wie bei Kaiserschnitt- und Fehlgeburten, denn die Hebammenbetreuung ist in Deutschland per Gesetz für jede Geburt vorgeschrieben. Seit Inkrafttreten des neuen Hebammengesetzes (HebG) 2020 wird die Qualifikation schrittweise vollständig auf ein duales Studium an Hochschulen umgestellt; neue fachschulische Ausbildungen durften nur noch bis 31.12.2022 beginnen und müssen bis 31.12.2027 abgeschlossen sein. Der aktuell einzige Weg in die Ausbildung zu starten, führt über das Hebammenstudium.
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste in Kürze
- Hebammen werden seit 2020 in einem primärqualifizierenden, dualen Bachelorstudium ausgebildet, das je nach Hochschule 6–8 Semester dauert und Theorie mit umfangreicher Praxiserfahrung verbindet.
- Zugangsvoraussetzungen sind in der Regel eine mindestens 12‑jährige Schulbildung (Abitur/Fachabi) oder eine Pflegeausbildung, gesundheitliche Eignung, erweitertes Führungszeugnis und Deutschkenntnisse mindestens auf B2‑Niveau (empfohlen C1).
- Das Hebammenstudium umfasst mindestens 4.600 Stunden, davon jeweils mindestens 2.100 Stunden im hochschulischen und im berufspraktischen Teil; viele Studiengänge setzen praxisnah 2.200 + 2.200 Stunden um.
- Studierende erhalten im dualen Studium ein tarifliches Studienentgelt von derzeit 1.515 EUR brutto/Monat
Ausbildung Hebamme – Studium und Voraussetzungen
Die Zugangsvoraussetzungen für das Hebammenstudium regelt das Hebammengesetz (HebG §7). Demnach müssen Anwärter folgende Punkte erfüllen:
Voraussetzungen Übersicht
- Abitur oder Fachabitur oder: Abschluss einer Ausbildung in einem relevanten Fachbereich, zum Beispiel in der Pflege
- Gesundheitliche Eignung
- Erweitertes Führungszeugnis
- Ausreichende Deutschkenntnisse (mindestens B2-Niveau)
- Teilweise Bescheinigung über ein vierwöchiges Praktikum im Berufsfeld
Entwicklung der Hebammenausbildung
Bis 2019 wurden Hebammen in Deutschland in einer dreijährigen Fachschulausbildung an krankenhausgebundenen Hebammenschulen ausgebildet. Die Ausbildung schloss mit einem Staatsexamen ab und umfasste rund 1.600 Stunden Theorie und 3.000 Praxisstunden in Kreißsaal, Wochenbett, Gynäkologie und außerklinischer Geburtshilfe.
Mit dem Hebammenreformgesetz und der Neufassung des Hebammengesetzes, die am 1. Januar 2020 in Kraft traten, wurde die Qualifizierung vollständig akademisiert: Seitdem erfolgt sie als duales Bachelorstudium an Hochschulen mit sechs bis acht Semestern und mindestens 4.600 Studien‑ und Praxisstunden. Neue fachschulische Ausbildungen dürfen seit Ende 2022 nicht mehr beginnen, laufende Kurse laufen bis spätestens Ende 2027 aus. Hintergrund sind EU‑Vorgaben zur Anerkennung von Berufsqualifikationen (u. a. zwölfjährige Schulbildung, höherer Ausbildungsumfang) sowie das Ziel, den Beruf wissenschaftlich fundierter, attraktiver und zukunftsfest zu machen – etwa angesichts komplexerer Geburtsverläufe, Risikomanagement und evidenzbasierter Beratung.
Ausbildung Hebamme – Dauer
Die Ausbildung zur Hebamme in Form des dualen Studiums dauert mindestens sechs Semester (drei Jahre) und höchsten acht Semester (vier Jahre).
Das Studium wir durch eine Bachelorarbeit und mit der Verleihung des akademischen Grades durch die Hochschule abgeschlossen.
Ausbildung Hebamme – Inhalt
Das Hebammenstudium setzt sich zusammen aus 2.200 Stunden für den berufspraktischen Teil und 2.200 Stunden für den hochschulischen Teil.
Auf dem Stundenplan im theoretischen Unterricht stehen Themen aus den Bereichen Anatomie, Ernährungslehre, Hygienelehre, Gynäkologie, Kinderheilkunde, Pharmazie, Psychologie und Sozialpädagogik. Zu den zentralen Lerninhalten zählen der normale und atypische Verlauf von Schwangerschaften, Techniken zur Geburtshilfe und Maßnahmen der Nachsorge, beispielsweise die Rückbildungsgymnastik.
Wichtige Inhalte der Ausbildung
Im Laufe eines Studiums mit sieben Semestern Regelstudienzeit werden insgesamt 210 Leistungspunkte gesammelt. Diese können je nach Hochschule anders aufgeteilt werden. An dem Universitätsklinikum in Leipzig werden die Module beispielsweise wie folgt aufgeteilt:
| Modul | Leistungspunkte | Stunden |
| Biowissenschaftliche Grundlagen | 7 LP | 210 |
| Hebammenhandeln: Schwangerschaft begleiten und reflexive Hebammenarbeit | 6 LP | 180 |
| Einführung wissenschaftliches Arbeiten und Portfolioarbeit | 3 LP | 90 |
| Berufliche Identität entwickeln | 4 LP | 120 |
| Hebammenhandeln: Geburt begleiten und reflexive Hebammenarbeit | 8 LP | 210 |
| Interprofessionelle Kompetenz und Kommunikation | 4 LP | 120 |
| Hebammenhandeln: Familie begleiten und reflexive Hebammenarbeit | 8 LP | 210 |
| Gesundheitsförderung und Prävention | 5 LP | 150 |
| Krankheitsbilder in Bezug auf Schwangerschaft und Geburt | 3 LP | 90 |
| Die schwangere Frau in besonderen Situationen | 5 LP | 150 |
| Die Gebärende in besonderen Situationen und reflexive Hebammenarbeit | 5 LP | 150 |
| Frauen- und Familiengesundheit | 6 LP | 180 |
| Freiberufliche Hebammenarbeit und reflexive Hebammenarbeit | 6 LP | 180 |
| In komplexen Situationen handeln | 5 LP | 150 |
| Internationale und aktuelle Themen im Berufsfeld | 3 LP | 90 |
| Wahlpflichtmodul | 2 LP | 60 |
| Die Familie in besonderen Situationen | 6 LP | 180 |
| Wissenschaftliches Arbeiten und qualitative Forschungsmethoden | 4 LP | 120 |
| Netzwerke und Kooperation und reflexive Hebammenarbeit | 6 LP | 180 |
| Hebammenhandeln im Berufsfeld: Theorie-Praxis-Transfer und reflexive Hebammenarbeit | 6 LP | 180 |
| Bachelorarbeit | 10 LP | 300 |
Im praktischen Teil des Studiums werden pro Semester insgesamt 420 Stunden in der dazugehörigen Einrichtung geleistet. Diese Stunden werden folgendermaßen aufgeteilt:
| Praktikum | Leistungspunkte | Stunden |
| 1. Semester | ||
| Pränatalmedizin Teil I | 2 LP | 60 |
| Geburtsmedizin Teil I | 8 LP | 240 |
| Wochenbett Teil I | 4 LP | 120 |
| 2. Semester | ||
| Geburtsmedizin Teil II | 10 LP | 300 |
| Wochenbett Teil II | 4 LP | 120 |
| 3. Semester | ||
| Wochenbett Teil III | 4 LP | 120 |
| Geburtsmedizin Teil III | 4 LP | 120 |
| Freiberufliche Hebammenarbeit Teil I | 6 LP | 180 |
| 4. Semester | ||
| Pränatalmedizin Teil II | 1 LP | 30 |
| Geburtsmedizin Teil IV | 8 LP | 240 |
| Neonatale Medizin | 5 LP | 150 |
| 5. Semester | ||
| Freiberufliche Hebammenarbeit Teil II | 6 LP | 180 |
| Gynäkologie | 3 LP | 90 |
| Geburtsmedizin Teil V | 5 LP | 150 |
| 6. Semester | ||
| Freiberufliche Hebammenarbeit Teil III | 6 LP | 180 |
| Geburtsmedizin Teil VI | 8 LP | 240 |
| 7. Semester | ||
| Geburtsmedizin Teil VII | 11 LP | 330 |
| Praxiseinsatz | 3 LP | 90 |
Hebamme – Gehalt in der Ausbildung
Wer das duale Studium Hebammenwissenschaft bei einem kommunalen Arbeitgeber, beispielsweise in einem kommunalen Krankenhaus, absolviert, erhält während der gesamten Studiendauer eine einheitliche Vergütung von 1.515 Euro monatlich. Die Vergütung richtet sich dabei nach dem Tarifvertrag für Studierende in dualen Hebammenstudiengängen im kommunalen öffentlichen Dienst (TVHöD). In einer privaten Einrichtung oder in einer Einrichtig in kirchlicher Trägerschaft kann das Gehalt geringer ausfallen, ist jedoch oft ähnlich.
Der Beruf Hebamme – Aufgaben und Tätigkeiten
Hebammen stehen zwei Möglichkeiten offen: das Angestelltenverhältnis und die Freiberuflichkeit.
Der klassische Arbeitsort ist das Krankenhaus, alternativ ist auch eine Anstellung in einem Geburtshaus möglich. Das Angestelltenverhältnis gilt jedoch aufgrund von Bereitschafts- und Schichtdiensten sowie schlechter Bezahlung als wenig attraktiv. Deshalb sind rund 80 Prozent der Hebammen freiberuflich tätig. Sie arbeiten auf selbstständiger Basis als Beleghebammen in Krankenhäusern, in Geburtshäusern, in der Geburtsvorbereitung oder Wochenbettbetreuung.
Im Jahr 2022 arbeiteten rund 10.000 Hebammen festangestellt in Kliniken. Von den restlichen 18.500 Hebammen, arbeiteten nur etwa 4.200 Hebammen auch tatsächlich Geburtshilfe an. Der Großteil widmet sich ausschließlich der Vor- und Nachsorge. Grund dafür ist vor allem die Berufshaftpflichtversicherung. Sie ist grundsätzlich für jede Hebamme Pflicht – und mit einem erheblichen finanziellen Aufwand verbunden, wenn Geburtsbegleitung angeboten wird. Der umfangreiche Versicherungsschutz kostet rund 8.000 Euro pro Jahr. Bietet eine Hebamme hingegen nur Geburtsvorbereitungskurse und Nachsorge an, reicht eine kleinere und deutlich günstigere Variante des Versicherungsschutzes.
Einen klassischen Arbeitsalltag kennt die Hebamme nicht, schließlich lassen sich Geburten und Geburtsverläufe nicht planen. Flexibilität ist für Hebammen daher ein Muss, auch wenn es im Angestelltenverhältnis geregelte Arbeitszeiten gibt. Ihre Aufgabe ist es eine Schwangere von der Ankunft auf der Entbindungsstation bis zum Verlassen der Klinik nach der Geburt zu begleiten, Komplikationen des Geburtsverlaufs zu erkennen und Mutter und Kind nach der Entbindung zur Seite zu stehen.
Die Freiberuflichkeit kann dagegen ganz anders aussehen. Neben Hausbesuchen bei Schwangeren und der Durchführung von Kursen zur Geburtsvorbereitung, Nachsorge und Rückbildung gehören auch zahlreiche administrative Tätigkeiten zum Alltag einer freiberuflichen Hebamme (Abrechnung mit den Krankenkassen, eigene Buchhaltung, Anmietung von Räumlichkeiten, Werbung etc.). Einfacher und kostengünstiger gelingt es, wenn sich mehrere Freiberuflerinnen zu einer kleinen Gemeinschaftspraxis zusammenschließen.
Hebamme Gehalt
Für Berufseinsteiger sind die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt gut. Bundesweit gibt es unterversorgte Gebiete, in denen Hebammen händeringend gesucht werden. Vor allem auf den Nordseeinseln herrscht Notstand. Trotz des Bedarfs ist das Einstiegsgehalt einer Hebamme im Angestelltenverhältnis nicht üppig, es liegt monatlich bei rund 2.900 bis 4.400 Euro brutto.
Zuschläge für Nacht-, Sonn- und Feiertagsarbeit sowie Überstunden können dazukommen. Staatliche und kirchliche Einrichtungen orientieren sich beim Gehalt am Tarifvertrag, private Einrichtungen legen eigene Löhne fest.
Nach erfolgreich absolviertem Studium, werden tariflich entlohnte Hebammen in die Gehaltsgruppe „Pflege“ im Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVöD) – und somit in die Entgeltgruppe P11 eingeordnet. Da in der entsprechenden Entgeltgruppe keine Stufe 1 vorhanden ist, beginnen Berufseinsteiger auf der zweiten Stufe.
Gültig von 01.05.2026 bis 31.03.2027
Entgeltgruppe Stufe 1 Stufe 2 Stufe 3 Stufe 4 Stufe 5 Stufe 6 P 16 5240,04 € 5415,90 € 5983,76 € 6645,71 € 6937,70 € P 15 5132,29 € 5293,23 € 5695,60 € 6177,16 € 6361,06 € P 14 5013,53 € 5170,59 € 5563,22 € 6096,68 € 6194,02 € P 13 4894,78 € 5047,94 € 5430,82 € 5707,28 € 5778,68 € P 12 4657,22 € 4802,61 € 5166,04 € 5389,29 € 5493,13 € P 11 4419,71 € 4557,30 € 4901,27 € 5129,69 € 5233,54 € P 10 4184,40 € 4312,38 € 4675,42 € 4850,63 € 4960,96 € P 9 3992,39 € 4184,40 € 4312,38 € 4558,59 € 4662,42 € P 8 3701,21 € 3862,80 € 4075,58 € 4247,92 € 4488,98 € P 7 3510,30 € 3701,21 € 3998,33 € 4149,59 € 4305,40 € P 6 3012,49 € 3187,41 € 3363,47 € 3737,95 € 3833,41 € 4013,41 € P 5 2907,18 € 3146,33 € 3216,62 € 3334,09 € 3422,22 € 3629,25 €
Freiberuflich kann das Gehalt deutlich höher ausfallen, wenn eine Hebamme Vollzeit arbeitet und gut plant. Dann ist ein Monatsverdienst von rund 6.458 Euro möglich. Jedoch kommen dort auch höhere Kosten hinzu, zum Beispiel für die Berufshaftpflichtversicherung.
Ausführlichere Information gibt es in der Übersicht Hebamme Gehalt.
Weitere interessante Ausbildungsberufe im Gesundheitswesen gibt es in der kompletten Übersicht medizinische Berufe.




