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praktischArzt Magazin Wirtschaftliche Probleme in Arztpraxen

Wirtschaftliche Probleme in Arztpraxen: Das sind die häufigsten Gründe

Wirtschaftliche Probleme In Arztpraxen Das Sind Die Haeufigsten Gruende
Zuletzt aktualisiert: 23.05.2025
Themen: Praxisfinanzen
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Arztpraxen sind auch Wirtschaftsbetriebe. Der ökonomische Aspekt wird nicht selten von Praxisinhabern vernachlässigt, die Medizin steht im Vordergrund. Praxen sind aber – entgegen gängiger Vorstellung – keine Selbstläufer. Jährlich gibt es mehrere Dutzend Insolvenzen und manche Arztpraxis läuft mehr schlecht als recht. Erkenntnis der Ursachen ist der erste Schritt zur Besserung der Situation.

Mehr Ertrag als Aufwand und mehr Einnahmen als Ausgaben – und zwar nicht nur vorübergehend, sondern nachhaltig und dauerhaft: das sind die betriebswirtschaftlichen Mindestanforderungen an einen tragfähigen Praxisbetrieb. Werden diese Anforderungen über längere Zeit nicht erfüllt, droht die wirtschaftliche Schieflage. Einige Problemursachen sind struktureller Natur und lassen sich nachträglich nur schwer korrigieren, andere sind einfacher zu beheben. Wir nennen nachfolgend die häufigsten Gründe für wirtschaftliche Probleme in Arztpraxen.

1. Arztpraxen „zu teuer erkauft“

Beim Praxiskauf erwirbt man nicht nur Räumlichkeiten und Ausstattung, sondern auch „immaterielle Güter“ wie Lage, Patientenstamm oder eine eingespielte Organisation. Der Alt-Inhaber möchte natürlich so gut wie möglich verkaufen. Oft werden unter Hinweis auf den „immateriellen Wert“ überhöhte Kaufpreise verlangt. Lässt man sich als Käufer darauf ein, wird dem eigenen Praxisbetrieb von Anfang eine schwer abzutragende finanzielle Last aufgebürdet. Ähnliches gilt bei überhöhten Praxismieten. Daher: den Markt vorher checken und eine Praxis fundiert bewerten – ggf. mit Hilfe von Experten.

2. Altlasten übersehen

Dieser Punkt betrifft Haftungsrisiken. Hier gibt es oft „Unwägbarkeiten“ beim Eintritt in eine Gemeinschaftspraxis. Denn der Status des „Spätgekommenen“ entbindet nicht automatisch von der (Mit-)Haftung für Altlasten – zum Beispiel Haftung für Berufsfehler der Kollegen. Bei einer Gemeinschaftspraxis haften die beteiligten Ärzte zunächst gesamtschuldnerisch – unabhängig davon, wer einen Schaden zu vertreten hat. Für nachträglich Eingestiegene gelten nur unter bestimmten Bedingungen Ausnahmen. Daher sollten Haftungsrisiken vorher geklärt sein.

3. Falscher Standort von Arztpraxen

Bei Standortentscheidungen sind Ärzte bedingt frei. Standortwahl ist nur in offenen Planungsbereichen möglich, in gesperrten setzt der eigene Praxisbetrieb in der Regel die Übernahme einer bestehenden Praxis voraus. Patientenstruktur und (relevante) Ärztedichte vor Ort sind wichtige Parameter für einen guten Standort. Viele Patienten bedeuten noch nicht automatisch hohe Umsätze und solide Erträge, das sollte man berücksichtigen. Andere Standortfaktoren sind gute Erreichbarkeit, verkehrsgünstige Lage, Parkmöglichkeiten im Umfeld usw.

4. Fehler bei Investition und Finanzierung

Jede Praxis benötigt Investitionen, um technisch und ausstattungsmäßig „up to date“ zu bleiben. Werden Investitionen vernachlässigt, macht sich das auf Dauer negativ bemerkbar. Der Ruf der Praxis leidet, das Risiko von Geräteausfällen und Betriebsstörungen wird größer und die Wirtschaftlichkeit verschlechtert sich. Investitionen sollten immer solide finanziert sein, sonst drohen zusätzliche Risiken. Das größte Investment ist der Praxiskauf. Ohne Kredite geht es meist nicht, aber eine gesunde Eigenkapitalbasis ist auch wichtig. Und die Praxis muss genug abwerfen, um den Kapitaldienst leisten zu können.

5. Abrechnungsfehler und vernachlässigte Fortbildung

Investitionen in korrekte Abrechnung – Personalschulung, Abrechnungssoftware – lohnen sich fast immer. Abrechnungsfehler können unnötigen Gewinnverzicht bedeuten, nachträgliche Korrekturen sind aufwändig und schlimmstenfalls drohen sogar Regressforderungen. Genauso abträglich ist versäumte eigene Fortbildung. Wer hier als niedergelassener Arzt nachlässig ist, riskiert Kassensanktionen und Einbußen bei den Honorareinnahmen, im Extremfall sogar den Verlust der Zulassung. Fortbildung sollte auch im ärztlichen Selbstverständnis keine Frage sein.

6. Zu wenig Privatpatienten in Arztpraxen

Eine reine „Kassenpraxis“ bietet zwar eine sichere Einnahmenbasis, für einen wirklich rentablen Praxisbetrieb reicht das aber vielfach nicht. „Mehrwert“ wird vor allem von Selbstzahlern und Privatpatienten generiert. Um diese Klientel muss man sich aber aktiv bemühen, denn sie ist nicht so zahlreich und heiß umkämpft. Hier ist auch Marketing gefragt, wobei die Grenzen durch das Berufs- und Wettbewerbsrecht zu beachten sind. Erfolgreiches Marketing verlangt entsprechende Angebote – individuelle und exklusive Gesundheitsleistungen für besondere Patientengruppen.

7. Organisationsmängel, fehlendes Teamwork, unzufriedene Patienten

Wirtschaftliche Probleme sind oft das Resultat, wenn es in Arztpraxen „nicht rund läuft“. Uneffektive Abläufe, hohe Personalfluktuation, Konflikte im Praxisteam und schwierige Arbeitsbedingungen können den Praxiserfolg nachhaltig beeinträchtigen. Hier sind Organisationstalent und Führungsqualitäten des Praxisinhabers gefragt. Im Mittelpunkt sollte stets der zufriedene Patient stehen. Unzufriedenheit spricht sich schneller rum als jeder Behandlungserfolg. Eine solcher „Multiplikatoreffekt“ ist immer schlecht.

8. Fehlendes Risikomanagement und Controlling

Nur wer seine Zahlen kennt, kann Fehlentwicklungen rechtzeitig identifizieren und wirksam gegensteuern. Ohne Risikomanagement und Controlling ähnelt der wirtschaftliche Praxisbetrieb einem „Blindflug“. Dass die „Absturzgefahr“ dadurch größer wird, leuchtet unmittelbar ein. Sicher ist nicht jeder Arzt ein geborener Controller und Zahlenfetischist. Wer sich nicht selbst damit befassen kann und will, sollte diese Aufgabe in kompetente fremde Hände geben – zum Beispiel an Steuerberater. Aber einen Überblick über die wirtschaftliche Situation und wesentliche Veränderungen sollte man schon haben.

Oft treten wirtschaftliche Probleme in Arztpraxen gerade in den ersten Jahren nach Gründung bzw. Übernahme auf. Später ist die Praxis etabliert, das Risiko wird wesentlich geringer und ein Aus kommt nur noch selten vor. Selbstverständlich sollte man auch dann das Ökonomische im Blick behalten. Vor(aus)sicht ist immer besser als eine unangenehme Überraschung.

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Veröffentlicht am: 16.08.2023
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