
Der Begriff Resilienz bedeutet psychische Widerstandsfähigkeit und beschreibt die Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne langfristige Beeinträchtigung zu überstehen. Vor allem im Arztberuf, der zu den besonders gesundheitsgefährdenden Tätigkeiten gehört, ist Resilienz bedeutsam. Tipps, wie Ärzte/-innen Resilienz erlernen und ihren Schutzschild gegen Stress stärken können, ist dem folgenden Beitrag zu entnehmen.
Inhaltsverzeichnis
Resilienz: Definition
Der Begriff Resilienz kommt aus dem Lateinischen resilire, übersetzt zurückspringen, abprallen, nicht anhaften und stellt einen Zustand der psychischen Widerstandsfähigkeit, psychischen Elastizität und Anpassungsfähigkeit dar. Resiliente Menschen verfügen über die Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne langfristige Beeinträchtigung zu überstehen, indem sie auf Probleme bzw. Veränderungen mit Anpassung ihres Verhaltens reagieren.
Stress im Arztberuf: Präventivhandlungen zur Resilienzförderung
Ein/e Arzt/Ärztin zu sein, ist eine Aufgabe, die den ganzen Einsatz erfordert: Ärzte/-innen erbringen täglich hochanspruchsvolle Dienstleistungen unter schwierigsten Rahmenbedingungen. Dadurch werden sie nicht nur belastet und psychophysisch vulnerabel, sondern müssen sich auch darin behaupten, diese fachlichen, psychophysischen, sozialen und organisationalen Herausforderungen möglichst kompetent zu bewältigen.
Die Resilienz ist an dieser Stelle von zentraler Bedeutung und wichtig im Umgang mit den spezifischen Widrigkeiten, Belastungen und Herausforderungen des Arztberufs. Ziel ist nämlich, dass man trotz allem physisch sowie psychisch gesund bleibt und die Freude am Beruf nicht verloren geht.
Aus Studien geht hervor, dass sich die Resilienz aktiv beeinflussen lässt. Im Rahmen einer Interviewstudie haben Ärzte/-innen aus verschiedenen Fachgebieten mitgeteilt, welche Faktoren dazu beitragen, ihre eigene Resilienz subjektiv zu stärken.
Diese sind, aufgelistet in Kürze:
- die Gratifikation aus der Arzt-Patienten-Beziehung
- der Rückhalt aus der Familie und dem Freundeskreis
- regelmäßige Freizeitaktivitäten (Sport, Kultur, Entspannungspraktiken, etc.)
- der Austausch mit Kollegen/-innen und die gegenseitige Unterstützung innerhalb des Netzwerkes
- eine bewusste Arbeitsbegrenzung
- Selbstreflexion und eine gelungene Selbstorganisation
- ein funktionierendes Fehlermanagement
- die Erfahrung der Sinnhaftigkeit des eigenen Handelns
- die Anerkennung/Wertschätzung durch Außenstehende
- ein hohes Selbstwertgefühl
Jeder Mensch verfügt über eine individuelle Toleranzgrenze für Stress: Während die einen nämlich schon mit mäßigem Druck nicht umgehen können, können Andere auch in schwierigen Situationen dem Druck gewachsen sein. Die oben genannten Präventivhandlungen fördern die Resilienz und können dazu beitragen, ein Schutzschild gegen Stress aufzubauen. Im Arztberuf kann der Erwerb und die Weiterentwicklung der Resilienz einen „Überlebensvorteil“ darstellen.
Resilienz stärken, um Burnout zu verhindern
Im Arztberuf ist das Burnout-Syndrom ein weit verbreitetes Problem. Die schlechten Arbeitsbedingungen wie 24-Stunden-Dienste, durchgearbeitete Nächte, Bereitschaftsdienste, lange Operationen und der einhergehende Mangel an Freizeit gefährdet die Berufsgruppe besonders. Assistenzärzte/-innen stellen eine besondere Risikogruppe dar: Ihnen wird von Beginn ihrer ärztlichen Tätigkeit unentwegt vermittelt, Leistung erbringen zu müssen.
Es ist wichtig, über eine gute Resilienz zu verfügen, damit Ärzte/-innen nicht dazu geneigt sind, die eigenen Grenzen der Belastbarkeit zu überschreiten. Der hohe Anspruch an die eigene Kompetenz und Erreichbarkeit gefährdet sie, sodass viele Ärzte/-innen das eigene Wohlbefinden zugunsten einer optimalen Patientenversorgung vernachlässigen bzw. ignorieren. Ihnen sollte bewusst sein, dass die Perfektion in der Behandlung der Patienten/-innen nicht zu erreichen ist und sie eben keine „Halbgötter/-göttinnen in Weiß“ sind. Eine gesunde Work-Life-Balance stärkt zudem die Resilienz im Arztberuf.
Resilienz: Die sieben Säulen der Resilienz
Als Arzt/Ärztin sollte verinnerlicht bzw. klar gemacht werden, dass Resilienz als Vorteil für die eigene beruflich zufriedenstellende Tätigkeit anzusehen ist und zu einer geringeren Belastung für die eigene Gesundheit beitragen kann. Daher benötigt Resilienz-Training die Eigeninitiative.
Folgende sieben Säulen sind für die mentale Widerstandskraft unabdingbar:
- Optimismus: Versuchen, optimistisch zu bleiben – auch in Lebenskrisen (sich nicht unterkriegen lassen, nicht aufgeben)
- Akzeptanz: Akzeptieren der momentanen Situation als „vorübergehend schicksalhaft“ und anschließend mit der Problemlösung in überlegten Stufen beginnen (wichtig: das Ablehnen der Krisensituation ist kontraproduktiv, weil unnötig Kräfte verbraucht werden, die zur Problemlösung genutzt werden könnten)
- Lösungsorientierung: Der Begriff „Krise“ wird mental zum Begriff „Herausforderung“ „umfunktioniert“. Für dieses Umfunktionieren sind die Punkte 1 (Optimismus) und 2 (Akzeptanz) Voraussetzung. Hierdurch lässt sich auch in einer belastenden Situation innere Ruhe einkehren, die handlungsfähig macht und für ein lösungsorientiertes Denken förderlich ist.
- Opferrolle verlassen: Die Opferrolle macht ohnmächtig und sollte nicht zugelassen werden. Es sollte realitätsbezogen darüber nachgedacht werden, welchen Anteil man an der jetzigen Situation hat. Dadurch öffnet man den Blick nach vorn. Sich selbst bedauern, sei lähmend-kontraproduktiv.
- Verantwortung übernehmen: Verantwortung übernehmen durch ein selbstkritisch-realistisches Einschätzen („an der eingetretenen Situation bin ich mit beteiligt“). Kontraproduktiv: langanhaltende Schuldgefühle oder das Zuschreiben von Schuld.
- Netzwerkorientierung: Wichtig ist, sich auf Krisen mental vorzubereiten und sich hierfür ein Netzwerk an vertrauensvollen Personen „aufzubauen“. Der aufmerksame und taktvolle Umgang miteinander hilft. Selbstbewusstsein entsteht, das auch „um Hilfe bitten“ erleichtert. Auch kann eine stabile und innige Partnerbeziehung wie „ein Fels in der Brandung“ werden. Kontraproduktiv: sich in Krisensituationen zurückzuziehen; die Folge: lähmende Vereinsamung und Depression mit Kräfteverzehr.
- Zukunftsplanung: Resilienz verlangt Planungsvermögen, das bedeutet: Vorausschauendes Krisenmanagement gibt Sicherheit. Auch in positiven Zeiten empfiehlt es sich, darüber nachzudenken, wie man aus Krisensituationen herauskommt.
Tipps, Resilienz zu trainieren
Beim Resilienz-Training sollte jede/r Arzt/Ärztin den persönlichen Weg finden. Es gibt nämlich nicht „den einen Weg“, diesen muss jede/r für sich selbst finden. Folgende Tipps können helfen, die Resilienz zu trainieren.
Akzeptanz, dass leben Wandel bedeutet und der zuversichtliche Umgang mit Krisen
In jedem Leben gibt es Höhen und Tiefen. Die Achtsamkeit hierfür ist ein Weg, die Akzeptanz aufzubauen. Achtsamkeit trägt dazu bei, Krisen zu bewältigen, ohne dabei in einem Strudel aus negativen Gedanken und Gefühlen zu versinken. Eine akzeptierende Haltung schult zudem die zuversichtliche Einstellung und fördert den Optimismus.
Glaube an die eigenen Fähigkeiten und das Fällen von Entscheidungen
Insbesondere in stressigen Arbeitssituationen ist es wichtig, sich seinen Stärken bewusst zu werden. Der Glaube an die eigenen Fähigkeiten hilft nämlich, zuversichtlich zu bleiben. Zudem sollte man sich ins Gedächtnis rufen, welche Krisen man in der Vergangenheit schon gemeistert hat. Ein sogenanntes Erfolgstagebuch, worin jeden Abend notiert wird, was an dem Tag gut gelungen ist, kann nützlich sein, um die eigenen Kompetenzen nicht zu vergessen und als Nachschlagewerk dienen, sich in Krisenzeiten auf die eigenen Fähigkeiten zu besinnen. Hierdurch wird auch die Fähigkeit gestärkt, ganz bewusst Entscheidungen zu treffen, um Probleme zu lösen, wodurch Eigenverantwortung im Leben übernommen und Resilienz trainiert wird.
Eigenschaft, aktiv nach Hilfe zu suchen (Problemlösung)
Nicht jedes Problem muss man allein lösen. Auch die Eigenschaft, aktiv nach Hilfe zu suchen, erhöht die Resilienz. Hilfreich kann auch sein, darüber nachzudenken, wie an andere Menschen in solch einer Lage reagieren würden.













