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praktischArzt Magazin Warum eigentlich nicht in der Reha starten?

Warum eigentlich nicht in der Reha starten?

MediClin Prof. Dr. Siebler Coverbild
Zuletzt aktualisiert: 26.08.2024
Themen: Karriereplanung
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Warum eigentlich nicht in der Reha starten? Herr Prof. Dr. Mario Siebler, vom Klinikanbieter MediClin, richtet sich in seiner interessanten Mail an alle angehenden Mediziner und gibt Einblicke in das spannende Feld der Reha:

 

Von: Prof. Dr. Mario Siebler

Gesendet: 29.03.2017

Dringlichkeit: hoch

An: Medizinstudenten und junge Mediziner

Betreff: Warum eigentlich nicht in der Reha starten?

 

Liebe Medizinstudenten und junge Mediziner,

die Reha-Klinik hat gerade bei jungen Medizinern und Medizinstudenten noch einen schlechten Ruf. Das liegt meiner Meinung nach an dem alten  Bild von Reha-Kliniken als Kurklinik und dem Mediziner als „Badearzt“. Es herrscht oft die Meinung, dort fände keine „ richtige“ Medizin oder gar Diagnostik statt, das Aufgabengebiet sei weniger vielseitig und nur begutachtend. Und zuletzt: der Einstieg in die Reha blockiere die Karriere.  Das sehe ich anders.

MediClin Prof. Dr. Siebler

Gut, operieren werden Sie in der Reha nicht, dafür müssen Sie aber genauso Notfälle beherrschen und sich in den Diensten bewähren. Durch die verkürzten Aufenthalte der Patienten im Akuthaus braucht die Rehabilitation im Anschluss oft noch eine gründliche diagnostische Aufarbeitung und pharmakologische Einstellung. Die Reha ist inzwischen die Fortsetzung der Akutbehandlung. Man lernt eine intensive klinische Untersuchung  und eine vollwertige fachspezifische  Funktionsdiagnostik, um die Krankheit zu verstehen, Komplikationen zu vermeiden und eine Prognose abgeben zu können. Reha heißt neben Indikationsstellung zu invasiven Maßnahmen auch, die Mechanismen zu verstehen, welche eine optimale Regenerationsförderung erlauben, bis hin zur Anwendung neuer pharmakologischer Therapien.

Der enge und längere Kontakt zu den Patienten in der Reha hat für Berufsanfänger den entscheidenden Vorteil, dass Sie verschiedenste Krankheitsbilder sehr detailliert kennenlernen. Das Spektrum reicht von Patienten mit Akuterkrankungen, die im Prinzip direkt von der Intensivstation in die Rehabilitation kommen bis zur Nachversorgung seltener Krankheiten.  Sie begleiten die Patienten und sehen den Heilungsprozess und den Erfolg Ihrer Therapie. Wer später Allgemeinmediziner (oder Hausarzt) werden will, ist daher in der Reha genau richtig. Sie lernen die Methoden der Therapeuten und auch das Formularwesen, das gerade als Hausarzt sehr wichtig ist, in der Reha viel besser kennen als in einer Akutklinik.

Langweilig wird Ihnen in der Reha dabei aber sicher nicht. Die Behandlungszahl der Patienten und deren Erkrankungsschwere sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen und haben so manche Akutklinik übertroffen. Kaffeetrinken, Tango und Fango – die Zeiten sind vorbei. Trotzdem ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in der Reha deutlich einfacher. Der Tagesablauf und die Aufnahmen sind geregelter, so dass auch Teilzeitstellen leichter zu realisieren sind.

Die Rückkehr in die Akutklinik sehe ich aus eigener Erfahrung unkritisch, wenn Sie nicht eine Wissenschaftskarriere geplant haben. Viele meiner ehemaligen Assistenzärzte haben inzwischen erfolgreich ihren Facharzt erreicht und sich gut etabliert. Einige Kollegen aus Akuthäusern setzen bei der Facharztausbildung sogar explizit auf ein Rotationsprogramm mit Reha-Kliniken. Die Assistenzärzte lernen die Abläufe in der Reha kennen und können davon auch im Berufsalltag in der Akutklinik profitieren. Meine Empfehlung an die neue Generation der Mediziner ist daher, zu erkennen, dass es auch eine neue Entwicklung in der Rehabilitation gibt. Seien Sie offen für Neues! Schauen Sie mal in die Reha rein!

 

Mit herzlichen Grüßen,

Prof. Dr. Mario Siebler

Chefarzt der Fachklinik für Neurologie

MediClin Fachklinik Rhein/Ruhr

Auf der Rötsch 2

45219 Essen

 

 

Verfasst von: Prof. Dr. Mario Sieber, Chefarzt der Klinik für Neurologie

MediClin Fachklinik Rhein/Ruhr

Facts und Infos

Facharzt Physikalische und Rehabilitative Medizin Facts: (je nach Landesärztekammer sind Variationen möglich):

 

Weiterbildungszeit: 60 Monate, Davon:

  • …sind bis zu 12 Monate in der stationären Patientenversorgung im Gebiet Chirurgie und/oder in Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Neurochirurgie und/oder Urologie) ableistbar.
  • … sind bis zu 12 Monate in der stationären Patientenversorgung im Gebiet Innere Medizin, Anästhesiologie, Kinder- und Jugendmedizin und/oder Neurologie ableistbar.
  • … und können bis zu 24 Monate im ambulanten Bereich abgeleistet werden.

Untersuchungen: u.a. sind die Durchführung folgender Verfahren in unterschiedlicher Stückzahl nachzuweisen: Erstellung von Rehabilitationsplänen einschließlich deren epikritischer Bewertung, sensomotorische Tests, Leistungs-, Verhaltens- und Funktionsdiagnostiktests, neuropsychologische Tests, rehabilitative Interventionen: z. B. Rehabilitationspflege, Dysphagietherapie, neuro-psychologisches Training, Biofeedbackverfahren, Musik- und Kunsttherapie, rehabilitative Sozialpädagogik, Diätetik, Entspannungsverfahren, funktionsbezogene apparative Messverfahren: z.B. Muskelfunktionsanalyse, Stand- und Ganganalyse, Bewegungsanalyse, Algometrie, Thermometrie

Einsatzbereiche: Rehakliniken und Akutkrankenhäuser.

Besonderheiten: Es bietet sich an, einen Teil seiner Weiterbildungszeit zum Orthopäden, Unfallchirurgen, Neurologen, Allgemeinmediziner etc. in einer Rehaklinik zu verbringen. Diese Zeit kann man sich auf den Facharzt anrechnen lassen und zudem entwickelt man für den Klinikalltag im Akutkrankenhaus einen ganzheitlicheren Blick auf den Patienten. Gute Möglichkeiten in Teilzeit zu arbeiten. Relativ geregelte Arbeitszeiten. Gute work-life Balance. Familienfreundlich. Abwechslungsreiche Betätigungsfelder.

 

 

Weitere Fachbereiche findet ihr hier:

Neurologie: Die Neurologie aus den Augen eines Chefarztes: Ein Erfahrungsbericht

Anästhesie: Mein Arbeitsalltag als Anästhesist

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Veröffentlicht am: 02.02.2024
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