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praktischArzt Magazin Interview: Einblick in den Arbeitsalltag in der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Klinikum am Weissenhof

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Interview: Einblick in den Arbeitsalltag in der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Klinikum am Weissenhof

Titelbild Interview Schlüter Van Aaken
Zuletzt aktualisiert: 27.04.2026
Themen: Klinik-Karriere
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Wie gestaltet sich der Arbeitsalltag in einer Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie und wo liegen die Besonderheiten in diesem Fachbereich? Das berichten Dr. Tina Schlüter und Dr. Claas van Aaken, die Chefärzte der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie am Klinikum am Weissenhof in Weinsberg, im Interview mit praktischArzt.

Warum haben Sie sich für diesen Fachbereich entschieden? Was fasziniert Sie daran?

Dr. Claas van Aaken: Während meiner Schul- und Studentenzeit habe ich viel Jugendarbeit gemacht, was mir große Freude bereitet hat. So wuchs in mir der Wunsch, meine medizinische Laufbahn und die Jugendarbeit miteinander in Einklang zu bringen. Direkt nach meinem Medizinstudium sammelte ich erste Erfahrungen im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie und habe es nie bereut. Für mich ist das der vielfältigste medizinische Fachbereich.

Dr. Tina Schlüter: Ich komme aus dem Bereich der Kinderheilkunde und wusste schon während meines Studiums, dass ich gerne mit Kindern und Jugendlichen arbeiten möchte. Ich habe dann an einer Kinderklinik gearbeitet. Allerdings hatte ich das Gefühl, dass ich mir nicht ausreichend Zeit für die einzelnen Patienten/-innen nehmen konnte. Und das genau das hat mir dann die Arbeit in der Kinder- und Jugendpsychiatrie gegeben. Denn hier geht es viel um Gespräche, Beziehungsaufbau und ähnliches und das braucht ausreichend Zeit.

Wie gestaltet sich der Arbeitsalltag in Ihrem Fachbereich und welches Leistungsspektrum bieten Sie an?

Dr. Claas van Aaken: Der Arbeitsalltag in unserer stationären Kinder- und Jugendpsychiatrie ist vergleichbar mit dem auf einer Krankenhausstation – allerdings oft etwas besser planbar als in der Somatik. Natürlich besteht ein Unterschied, ob man auf der Intensivstation arbeitet oder auf einer Therapiestation im Einsatz ist. Unsere Assistenzärzte/-innen führen Einzelgespräche und Untersuchungen mit Patienten/-innen wie auch Familientermine durch, setzen Medikamente an und tauschen sich mit den Betreuenden aus. Unser Fachbereich ist generell sehr teamorientiert.

Die Arbeit in der ambulanten Kinder- und Jugendpsychiatrie sieht vor allem die Begleitung von Patienten/-innen nach Abschluss der Behandlung vor. Auch dort ist eine enge Vernetzung des Personals elementar.

Dr. Tina Schlüter: Die Arbeit in unseren Tageskliniken ist ähnlich gut planbar, wie das auch im stationären oder ambulanten Bereich möglich ist. Als Besonderheit bieten wir außerdem eine stationsäquivalente Behandlung an. In dieser sucht unser Team die Patienten/-innen Zuhause auf und führt die Behandlungen entsprechend vor Ort durch.

Für mich ist das besondere an der Kinder- und Jugendpsychiatrie die Arbeit in einem multiprofessionellen Team. Wir Ärzte/-innen arbeiten Hand in Hand mit Menschen unterschiedlichster Berufsgruppen.

Welche Eigenschaften muss ein/e Nachwuchsmediziner/in mitbringen, um in diesem Fachbereich zu arbeiten?

Dr. Claas van Aaken: Wir sind immer auf der Suche nach interessierten und motivierten Nachwuchsmedizinern/-innen. Denn unser Fachbereich ist stark gewachsen. Wir haben unsere Bettenzahl in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt und unsere tagesklinische Bettenzahl von acht auf 59 erhöht. Und dieser Prozess des Ausbaus setzt sich fort: Daher ist die Kinder- und Jugendpsychiatrie ein Fach der Zukunft!

Neue Kollegen/-innen sollten offen, kontaktfreudig sein und Diplomatie besitzen. Außerdem sollte man sich als Teamplayer verstehen und die sogenannten Soft-Skills beherrschen. Natürlich ist auch eine Freude an der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen wichtig. Da Sprache ein wichtiges Instrument für unsere Arbeit ist, muss man außerdem über sehr gute Sprachkenntnisse in Deutsch verfügen.

Warum sollte sich ein/e Nachwuchsmediziner/in für Ihre Klinik entscheiden? Was zeichnet Sie im Vergleich zu anderen aus?

Dr. Tina Schlüter: Wir sind, gemessen an den tagesklinisch-stationären Plätzen, die größte Klinik in Baden-Württemberg und bieten ein entsprechend breites Behandlungsspektrum an. Daher können junge Ärzte/-innen bei uns auch entsprechend vieles lernen. Unseren beiden Klinikbereiche sind sehr eng verzahnt, das erachte ich als weiteren Vorteil.

Dr. Claas van Aaken: Man sollte noch erwähnen, dass wir ein großartiges Team sind und alle sehr harmonisch zusammenarbeiten. Außerdem sind wir personell gut aufgestellt und haben da keine Engpässe. Dadurch, dass wir ein Chefarzt-Duo sind, haben wir als Chefärzte die Möglichkeit, noch enger am operativen Geschäft zu sein und auf die Bedürfnisse unserer Mitarbeiter/innen eingehen zu können.

Wie gestaltet sich der idealtypische Werdegang in Ihrer Abteilung?

Dr. Claas van Aaken: Wir verstehen uns als große Kinder- und Jugendpsychiatrische Klinik, die alle Versorgungsmöglichkeiten in diesem Fachbereich bietet. Und wir freuen uns über Bewerbungen von Ärzten/-innen in jeglichem Stadium.

Junge Kollegen/-innen setzen wir zu Beginn verstärkt auf unseren Regelstationen ein, da dort mehr Zeit für Anleitung und Rücksprache bleibt. Anschließend bietet sich eine Rotation in den Bereich „Sucht“ oder eine Tagesklinik an. Gegen Ende der Facharztausbildung bietet sich dann ein Einsatz in der Institutsambulanz oder unserem Notfallversorgungsteam an.

Unser Team besteht mittlerweile aus vielen Ärzten/-innen, die bei uns ihre Facharztweiterbildung absolviert haben und dann bei uns geblieben sind – teilweise in leitender Funktion. Das freut uns sehr, da wir uns stets darum bemühen, unseren Mitarbeitern/-innen langfristige Entwicklungsangebote zu machen.

Welche Weiterbildungsmöglichkeiten und Arbeitszeitmodelle bieten Sie an?

Dr. Tina Schlüter: Wir verfügen über die komplette Weiterbildungsermächtigung, es können also die vollen fünf Jahre während der Weiterbildung bei uns verbracht werden – sofern man das möchte. Daran können sich verschiedene Zusatzausbildungen anschließen, beispielsweise zur systemischen Therapie oder anderen speziellen Therapieverfahren. Wir sind grundsätzlich immer offen, wenn Mitarbeiter/innen mit Weiterbildungswünschen auf uns zukommen.

Uns ist Familienfreundlichkeit sehr wichtig und daran richten wir auch unsere Arbeitszeitmodelle aus. Daher gibt es bereits verschiedene Formen bei uns im Haus, sei es nun ein Teilzeitmodell, eine schrittweise Wiedereingliederung nach der Elternzeit oder anderes. Auch hierbei gehen wir möglichst flexibel auf die individuellen Bedürfnisse und Wünsche der Mitarbeiter/innen ein.

Welche Ziele haben Sie für Ihren Fachbereich in den kommenden Monaten und Jahren?

Dr. Claas van Aaken: Ich hatte es ja zuvor schon angesprochen: Bei uns in der Kinder- und Jugendpsychiatrie werden die Behandlungskapazitäten weiter ausgebaut. Da planen wir eine Erweiterung speziell die Behandlung von Jugendlichen betreffend. In Planung sind aktuell eine Anorexie-Station sowie eine jugendforensische Klinik.

Dr. Tina Schlüter: Auch die stationsäquivalente Behandlung werden wir weiter ausbauen, um so mehrere Landkreise in Baden-Württemberg versorgen zu können. Grundsätzlich ist es unser Anspruch, uns immer weiter zu modernisieren.

Zu den Personen:

Dr. Tina Schlüter und Dr. Claas van Aaken leiten als Chefärztin und Chefarzt die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie am Klinikum am Weissenhof in Weinsberg.

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Redaktion
Sebastian Ofer
Sebastian Ofer
Chefredakteur
Veröffentlicht am: 05.10.2022
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