
Der Umgang mit aggressiven Patienten/-innen und Angehörigen ist für Ärzte/-innen belastend: Ein Drittel der Beschäftigten in Arztpraxen und Kliniken werden mit Ausrastern, Beleidigungen und Provokationen konfrontiert. Auch innerhalb der Ärzteschaft wird der Ton immer rauer und nicht immer gelingt es Ärzten/-innen, sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Dies zeigt eine aktuelle Online-Befragung. Mehr dazu im folgenden Beitrag.
Unangemessenes Verhalten von Ärzten/-innen
Manche Patienten/-innen sowie deren Angehörigen können durch aggressives Verhalten und Beschimpfungen negativ auffallen. Vor allem von Ärzten/-innen wird dann korrektes und professionelles Verhalten erwartet. Nicht immer gelingt es Ärzte/-innen, ruhig und sachlich zu bleiben und wertungsfrei zu kommunizieren. Aus dem aktuellen Medscape-Report „Ärztliches Fehlverhalten 2022“ geht hervor, wie verbreitet das Fehlverhalten von Ärzten/-innen im Berufsalltag sowie im Privatleben ist.
An der Online-Umfrage nahmen 1.144 Ärzte/-innen aus Deutschland im Zeitraum von Ende Oktober bis Mitte Dezember 2021 teil. Beobachtet wurde ein hohes Maß an Fehlverhalten gegenüber Kollegen/-innen, Patienten/-innen und sogar im Freundeskreis.
30 Prozent der Befragten gaben an, bereits selbst Erfahrungen mit Fehlverhalten am Arbeitsplatz gemacht zu haben, 37 Prozent der Befragten gaben an, Fehlverhalten im Job beobachtet zu haben. Weiteren 24 Prozent ist unangemessenes Verhalten von Ärzten/-innen auch außerhalb des Arbeitsplatzes aufgefallen und 21 Prozent beobachteten solches zudem in sozialen Medien.
Fehlverhalten beobachtet oder selbst erlebt? Im Folgenden ein Überblick zu den Ergebnissen der Umfrage:
In diesem Zusammenhang fällt auf: Vor allem am Arbeitsplatz kam es zu unangemessenem Verhalten.
Die häufigsten Fehltritte von Ärzten/-innen
Unangemessenes Verhalten hat viele Gesichter: hierzu zählen unter anderem, sich lustig zu machen, zu beleidigen, rassistische Ausdrücke zu äußern und/oder sexistische Äußerungen zu machen. Der Umfrage zufolge werden folgende Fehltritte von Ärzten/-innen genannt:
- 76 Prozent der Ärzte/-innen haben bereits erlebt, dass sich Kollegen/-innen über Patienten/-innen lustig machen oder diese verunglimpfen
- fast genauso oft kommt es wohl zu Mobbing von Kollegen/-innen oder medizinischem Personal (72 Prozent)
- jede/r Zweite bemängelt rassistische Ausdrücke (57 Prozent), sexistisches Verhalten (54 Prozent) und Alkohol sowie Drogenkonsum (44 Prozent) bei ärztlichen Kollegen
- 32 Prozent der Ärzte/-innen haben Lügen über Zeugnisse erlebt
- 29 Prozent der Ärzte/-innen haben Handgreiflichkeiten gegenüber Kollegen/-innen oder Patienten/-innen erlebt
- Jede/r Fünfte berichtet von Versuchen, Patienten/-innen zu daten (19 Prozent)
- Jede/r Sechste berichtet vom Begehen einer Straftat (16 Prozent)
Im Fehlverhalten dominieren die Männer mit einem Anteil von 75 Prozent während 21 Prozent der Frauen unangemessene verbale Äußerungen machen. Die verbalen Übergriffe bleiben zum Teil sogar unbeachtlich: bei verbalen Übergriffen wagen nur etwa knapp die Hälfte der Befragten, den/die Chef/in darauf anzusprechen.
Der Ton am Arbeitsplatz wird rauer
Der Report „Ärztliches Fehlverhalten 2022“ legt offen, dass der Ton am Arbeitsplatz rauer wird. Positiv zu erwähnen ist, dass zwei Drittel der Befragten (63 Prozent) kein unangemessenes Verhalten vom/-n Chef/in kennen.
Insgesamt wird allerdings von einem Viertel der Befragten bemängelt, dass sich die Situation sowohl in der Arbeit (22 Prozent) als auch außerhalb des Jobs (26 Prozent) zum Schlechteren verändert habe. Die höhere Arbeitsbelastung im Rahmen der Corona-Pandemie könnte Grund hierfür sein.











