
Traditionell gilt der Arztberuf als Berufung, bei dem kaum Zeit für das Privatleben bleibt. Die junge Ärztegeneration setzt die Prioritäten anders, wie eine Umfrage der apoBank und DocCheck Research zeigt. Demnach wünschen sich angestellte Ärztinnen und Ärzte eine bessere Work-Life-Balance und sehen flexible Arbeitszeiten als eine der wichtigsten Zusatzleistungen. Nur Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten finden die befragten Mediziner noch wichtiger.
Prioritäten der Ärzteschaft bei den Zusatzleistungen
Die Mehrheit der befragten Ärztinnen und Ärzte findet flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeit zum mobilen Arbeiten sehr wichtig. Bei den männlichen Ärzten wünschen sich 66 Prozent genau das vom Arbeitgeber. Bei den Ärztinnen sind es 78 Prozent. Nur den Punkt Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten sehen beide Gruppen unter den Zusatzleistungen als noch wichtiger an (Frauen: 87 Prozent, Männer: 81 Prozent). Das zeigt für Ramona Krupp, die Leiterin der Umfrage, ganz klar, dass in der jungen Ärzteschaft der Wunsch nach einer besseren Work-Life-Balance und Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf für Frauen wie für Männer heutzutage wichtig ist. Arbeitgeber können mit mehr Flexibilität bei der Arbeitszeit motivierte Ärztinnen und Ärzte für ihre Praxis oder Klinik gewinnen und an sich binden. Denn Wunsch und Wirklichkeit beim Thema flexible Arbeitszeiten klaffen weit auseinander und Stellenangebote mit flexibler Arbeitszeit sind bei angehenden und erfahrenen Ärztinnen und Ärzten begehrt.
Flexible Arbeitszeiten: Teilzeitanstellungen vor allem von Ärztinnen besetzt
Mit dem Anstieg der Ärztinnen und Ärzte, die in der ambulanten Versorgung angestellt sind, ist auch der Anteil der Teilzeitanstellungen gestiegen. Insgesamt sind unter den Hausärztinnen und Hausärzten 36 Prozent in Teilzeit tätig. Bei den Fachärztinnen und Fachärzten sind es 44 Prozent. Dabei zeigen sich klare Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Unter allen in Teilzeit tätigen Humanmediziner sind 69 Prozent weiblich und nur 31 Prozent männlich. Aufgeschlüsselt auf Haus- und Fachärzte ergibt sich folgendes Bild:
Quelle: „Gehaltsstudie: Arbeiten in der ambulanten Humanmedizin“, DocCheck Reseach
Bei den männlichen Hausärzten ist nur etwa ein Viertel (27 Prozent) in Teilzeit tätig. Bei den Hausärztinnen arbeitet fast jede Zweite (47 Prozent) in Teilzeit.
In der Fachärzteschaft ergibt sich bei den Männern ein ähnliches Bild, 24 Prozent sind teilzeitbeschäftigt. Bei den Fachärztinnen sind Teilzeitanstellungen noch populärer als bei ihren niedergelassenen Kolleginnen. Demnach arbeiten nur 38 Prozent der Fachärztinnen in Vollzeit, während 62 Prozent in Teilzeit tätig sind.
Flexible Arbeitszeiten: Fachrichtungen mit hohem Teilzeitanteil
Die Quote der Teilzeitanstellungen ist demnach insbesondere in Fachbereichen mit hoher Frauendichte hoch. Allen voran sind das die Pädiatrie und die Gynäkologie. Unter allen Fachärzten, die in Teilzeit arbeiten, kommen 22 Prozent aus der Pädiatrie und 20 Prozent aus der Gynäkologie.
Insgesamt sind Teilzeitanstellungen in der Pädiatrie am beliebtesten. Nur 34 Prozent aller Kinderärztinnen und Kinderärzte sind in Vollzeit beschäftigt und 66 Prozent arbeiten in Teilzeit. Ähnlich ist es in der Gynäkologie, wo 62 Prozent der Gynäkologinnen und Gynäkologen in Teilzeit tätig sind und nur 38 Prozent in Vollzeit arbeiten. Zum Vergleich: In der Urologie sind nur 44 Prozent in Teilzeit tätig, in der Dermatologie sind es nur 41 Prozent, bei den Chirurgen/Orthopäden 35 Prozent, unter den HNO-Ärzten 34 Prozent und bei den Augenärzten lediglich 24 Prozent.
Besonders weiblich geprägte Fachbereiche wie die Gynäkologie (Frauenanteil liegt bei 80 Prozent) haben eine deutlich höhere Teilzeitquote als Fachbereiche mit geringer Frauenquote wie zum Beispiel die Chirurgie (Frauenanteil liegt bei 16 Prozent).
Für diejenigen, die bereits in Teilzeit arbeiten, sind flexible Arbeitszeiten sogar wichtiger als das Gehalt. Lediglich für 27 Prozent der befragten Ärztinnen und Ärzte in Teilzeit spielt das Gehalt eine sehr wichtige Rolle. Wichtiger ist ihnen die Möglichkeit, Privatleben und Beruf zu vereinbaren.
Details zur Umfrage
Die Umfrage mit dem Titel „apoBank-Gehaltsstudie Humanmedizin 2021 – Spezial zu Teilzeit“ wurde im Zeitraum 8. Dezember 2020 bis 16. März 2021 von der apoBank und DocCheck Research durchgeführt. Online befragt wurden insgesamt 700 Ärztinnen und Ärzte, die ambulant angestellt sind. Darunter befanden sich 350 Haus- sowie 350 Fachärzte aus den Bereichen Augenheilkunde, Chirurgie und Orthopädie, Dermatologie, Gynäkologie, HNO, Pädiatrie und Urologie. Aus dem Datenpool wurde eine repräsentative Sichtprobe gezogen, die der gesamten Ärzteschaft in Deutschland entspricht.













