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praktischArzt Magazin Ambulante Versorgung in Gefahr: Jedes Jahr gibt es zu wenige Medizinstudienplätze

Ambulante Versorgung in Gefahr: Jedes Jahr gibt es zu wenige Medizinstudienplätze

6.000 Medizinstudienplätze Fehlen
Zuletzt aktualisiert: 20.01.2021
Themen: News
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Die medizinische Versorgungsleistung könnte schon bald stark gefährdet sein, denn in Deutschland fehlen Medizinstudienplätze. Laut statistischen Berechnungen fehlen pro Jahr bis zu 6.000 Studienplätze, wenn die derzeitige Versorgung nicht zusammenbrechen soll. Wird dem nicht entgegengesteuert, ist der Ärztemangel bis 2035 stark spürbar. Denn ältere Humanmediziner gehen in den Ruhestand und es kommen nicht genügend junge Ärzte nach.

Medizinstudienplätze fehlen

Die Akademisierung ist in den letzten Jahrzehnten ein großes Thema in Deutschland geworden. Immer mehr junge Leute entscheiden sich für Abitur und Studium, Lehrstellen bleiben unbesetzt. Doch der häufig gewählte Weg an eine Universität bedeutet nicht, dass die jungen Erwachsenen vermehrt an der medizinischen Fakultät landen.

In Deutschland zeichnet sich vielmehr das Bild ab, dass es Jahr für Jahr zu wenig Medizinstudenten gibt. Untersucht wurde das vom Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi). Laut der Studie “Bedarfsprojektion für Medizinstudienplätze in Deutschland” fehlen zwischen 3.000 und 6.000 Studierende hierzulande und das jedes Jahr. Die kleinere Zahl fußt auf der Annahme, dass 92 Prozent der Studierenden erfolgreich einen Facharztabschluss machen. Die Angabe 6.000 orientiert sich an der Quote, dass 75 Prozent das Studium beenden.

Nach einem erfolgreichen Studium der Medizin ist zudem nicht gesagt, dass alle eine aktive Rolle bei der Patientenversorgung anstreben. Manche bleiben auch in der Forschung, an einem Lehrstuhl oder arbeiten für Unternehmen. So kristallisiert sich allmählich eine Versorgungslücke heraus. Die ambulante Versorgung, die derzeit weitestgehend flächendeckend gegeben ist, kann daher vermutlich ab 2035 nicht mehr aufrechterhalten werden.

Zuwanderung deckt fehlende Medizinstudienplätze nicht ab

Jedes Jahr kommen medizinische Fachkräfte nach Deutschland und leisten einen wesentlichen Beitrag zur Versorgung. Im Schnitt sind es jährlich 1.639 Ärztinnen und Ärzte, die sich für ein Arbeiten in Deutschland entscheiden. Das federt die wachsende Lücke jedoch nicht ab. Das Zi hat berechnet, dass es bei dem derzeitigen Mangel der Studienplätze jedes Jahr 3.600 Nettozuwanderungen bedürfte, um die Patienten auch 2035 noch angemessen zu versorgen.

Daher spricht sich die Studie dafür aus, dass die Bundesländer sofort handeln müssen. Zuwanderung kann nur mittelfristig helfen. Damit das Versorgungsniveau nicht sinkt, muss die Ausbildungskapazität zunehmen. Derzeit sind es im Schnitt 11.000 Medizinstudienplätze, die jährlich zur Verfügung stehen. Eine Erhöhung bereit 2020 von mindestens 30 und besser 50 Prozent ist wichtig. Dann würde es circa 15 Jahre (Studium, praktisches Jahr, gegebenenfalls Doktorarbeit, erste Anstellung) dauern, bis Patienten dieses Plus an Versorgung im Alltag spüren.

Weniger Niederlassungen, weniger Wochenstunden

Der innere Widerstand, sich für eine Niederlassung mit eigener Praxis zu entscheiden, ist in zehn Jahren stark gewachsen. Auch das geht aus der Studie deutlich hervor. 2007 waren nur circa 5.600 Mediziner zugleich Angestellte. 2017 hat sich dieser Wert auf 31.477 versechsfacht. Das spüren Patientinnen und Patienten bei der ambulanten Versorgung vor Ort: Es mangelt an Arztpraxen in ihrer Nähe.

Zudem ist die Zahl der Wochenstunden von durchschnittlich 50 auf 40 Stunden gesunken. Es bedarf daher bereits heute mehr Ärzte, um das Versorgungsniveau überhaupt halten zu können. Das verschlechtert die Situation der mangelnden Studienplätze zusätzlich.

Praktizierende Ärztinnen und Ärzte entlasten

Wer derzeit in der Patientenversorgung aktiv ist, sollte mehr Raum bekommen, um für diese auch Zeit zu haben. Die Forderung lautet, Verwaltungsaufgaben von den Schultern der Mediziner zu nehmen, damit die Betreuungstätigkeit intensiver wird.

Hilfreich wäre es zudem, Anreize für Niederlassungen zu schaffen. Viele entscheiden sich gegen eine Praxiseröffnung, da finanzielle Unsicherheit und familiäre Aspekte die Idee nicht attraktiv genug machen. Die Angst vor einer Insolvenz muss bestmöglich abgefedert und zugleich muss die Selbstständigkeit als Arzt oder Ärztin sowie Zeit mit der Familie gut vereinbart werden können.

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Redaktion
Jana Swientek
Jana Swientek
Redakteurin
Veröffentlicht am: 29.05.2019
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