
Etwa 50 bis 70 % der Erwachsenen in Deutschland erleben im Leben Hämorrhoiden-Beschwerden, jährlich suchen rund 4 % einen Arzt auf – oft mit Blutungen, Juckreiz oder Schmerzen. Frühe Behandlung verhindert Komplikationen wie Thrombosen oder Fissuren. Hier erfährst du alles Wichtige: Symptome, Ursachen, Diagnose, Behandlung (konservativ, operativ) und Hausmittel gegen Hämorrhoiden.
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste in Kürze
- Hämorrhoiden sind natürliche Gefäßpolster, die den Schließmuskel unterstützen – ein Hämorrhoidalleiden entsteht durch Vergrößerung dieser Polster.
- Typische Symptome: Juckreiz, Brennen, hellrote Blutungen, Schmerzen und Fremdkörpergefühl
- Schweregrade: Von harmlosen Fällen (Grad 1-2) bis zu Operationspflichtigen bei Grad 3-4
- Ursachen: Verstopfung, falsche Sitzhaltung, ballaststoffarme Ernährung und schwaches Bindegewebe
- Behandlung: Hausmittel, Medikamente, operative Eingriffe je nach Schweregrad.
Was sind Hämorrhoiden?
Hämorrhoiden sind Gefäßpolster im After, die den Schließmuskel unterstützen und Kontinenz gewährleisten. Sie schwellen beim Stuhlgang an und entspannen danach. Beim Hämorrhoidalleiden vergrößern sie sich durch Alterung, schwaches Bindegewebe oder Pressen – typisch im Alter zwischen 45 und 65 Jahren. Das Auftreten vor dem 30. Lebensjahr ist eher selten.
Innere und äußere Hämorrhoiden - Was ist der Unterschied?
Hämorrhoiden – Schweregrade
Hämorrhoiden werden in 4 Grade eingeteilt. Die Grade 1 und 2 (ca. 90 % der Fälle) sind harmlos und ambulant behandelbar.
| Grad | Beschreibung | Behandlung |
| 1 | Nicht sichtbar/tastbar, nur per Proktoskopie erkennbar. | Hausmittel, Salben. |
| 2 | Treten beim Pressen aus, ziehen sich zurück. | Verödung, Gummibandligatur |
| 3 | Treten aus, manuelles Zurückdrücken nötig. | Ligatur, Operation. |
| 4 | Dauerhaft ausgetreten, nicht zurückschiebbar. | OP (z. B. Laser). |
Hämorrhoiden – Symptome
Oftmals kommen bei Betroffenen mehrere Symptome zusammen, die mit Schmerzen einhergehen und das Wohlbefinden deutlich beeinträchtigen können. Auf folgende Anzeichen sollte man achten:
Häufige Symptome
- Juckreiz
- Brennen
- Blutungen (hellrot)
- Schmerzen beim Stuhlgang
- Schwellungen
- Fremdkörpergefühl
- Stuhlinkontinenz
Dieses Warnsignal sollte man nie ignorieren!
Hämorrhoiden – Ursachen
Wie kommt es eigentlich zu einem Hämorrhoidalleiden? Gewöhnliche Handlungen können dabei bereits Auslöser sein. Im Folgenden stellen wir mögliche Ursachen vor:
- Chronische Verstopfung & starkes Pressen.
- Falsche Sitzhaltung (z. B. langes Sitzen mit Smartphone – Risiko +46 %)
- Ballaststoffarme Ernährung,Übergewicht, Bewegungsmangel
- Genetische Faktoren wie schwaches Bindegewebe oder eine angeborene Blutgefäßwandschäche
- Anwendung von Abführmitteln – machen den Stuhl auf Dauer zu flüssig und verhindern so den normalen Verschlussmechanismus des Afters.
Achtung Mythos: Kaltes Sitzen verursacht keine Hämorrhoiden!
Hämorrhoiden in der Schwangerschaft
Hämorrhoiden – Diagnose
Zu welchem Arzt gehe ich am besten? Wer ist mein erster Ansprechpartner? Da das Problem relativ unspezifisch ist und meistens mit Jucken und Brennen beginnt, empfiehlt sich folgendes Vorgehen:
Zuerst zum Hausarzt für eine Anamnese (z. B. Blut im Stuhl? Ernährung?) inklusive Tastuntersuchung. Evtl. folgt eine Überweisung zum Spezialisten.
Anamnese und körperliche Untersuchung
Es erfolgt zunächst ein typisches Arztgespräch, bei dem alle wichtigen Fragen und Umstände geklärt werden, um eine Diagnose zu stellen. Diese sind:
- Wann sind die Beschwerden aufgetreten?
- Blut im Stuhl?
- Sind Schmerzen und / oder Juckreiz im After vorhanden?
- Wie wird sich ernährt? Wird viel Obst und Gemüse verzehrt?
- Herrscht ein berufsbedingtes, langes Sitzen vor?
Anschließend erfolgt die körperliche Untersuchung, bei der der Magen und der Darmausgang abgetastet wird. Der Arzt tastet hier sowohl den Afterbereich äußerlich als auch den Analkanal innerlich ab. Dies liefert häufig schon entscheidende Hinweise auf Hämorrhoiden. Sollte diese Untersuchung alleine nicht genügen und keine eindeutige Diagnose gestellt werden können, wird man zu einem Facharzt für weitere, klärende Untersuchungen überwiesen. Diese erfolgen dann bei einem Proktologen, Gastroenterologen oder Chirurgen.
Weiterführende Untersuchungen
Weiterführende Untersuchungen werden bei einem Facharzt durchgeführt. Hierzu zählen verschiedene spezielle Formen der Endoskopie:
Hämorrhoiden – Krankheitsverlauf und Prognose
Die Prognose über den Krankheitsverlauf der Hämorrhoiden variiert nach Schweregrad. Sie verbessert sich deutlich, je eher man einen Arzt aufsucht und die Erkrankung im frühen Stadium behandelt. Bei leichten Anzeichen genügt meist schon eine Ernährungsumstellung, Sitzbäder und die Veränderung der Stuhlgang-Gewohnheiten. Jedoch reichen diese Maßnahmen bei ausgeprägtem Hämorrhoidalleiden nicht mehr aus und erfordern die Behandlung eines Facharztes begeben, der nach sorgfältiger Untersuchung entscheidet, ob operiert werden muss. Bei operativen Eingriffen muss sich der Patient auf eine drei- bis vierwöchige Heilungsphase einstellen, in der die Wunde besondere Pflege benötigt.
Sind Hämorrhoiden ansteckend und gefährlich?
Welche Komplikationen können auftreten?
Befinden sich die Hämorrhoiden vor der Afteröffnung kommt es zu Einklemmungen und folglichen Blutgerinnseln, die als blauschwarze Knoten neben dem After erkennbar werden. Sie lösen starke Schmerzen aus, Betroffenen ist es dann kaum noch möglich, zu sitzen.
Ein zu starkes Abreiben mit rauem Toilettenpapier lässt die betroffene Stelle schnell wund werden, wodurch sich eine Analfissur, ein Afterriss, bilden kann. Die empfindliche Afterschleimhaut wird so stark gereizt, dass die Analfalten einreißen. Der wunde Bereich wird dadurch deutlich anfälliger für Bakterien aus dem Stuhl, die weitere Infektionen auslösen können. Sie sind häufig Ursache für Analfisteln und Abszesse.
Was tun bei Hämorrhoiden?
Die Therapie der nHämorrhoiden richtet sich nach den zuvor beschriebenen Graden und den damit verbundenen auftretenden Beschwerden. Zu den verschiedenen Behandlungsmaßnahmen der Leiden zählen Salben und Cremes, Medikamente bis hin zu operativen Eingriffen.
Vor allem im Anfangsstadium kann man noch viel selbst mit Hausmitteln behandeln und lindern – auch wenn ein Arztbesuch prinzipiell immer ratsam ist, um ähnliche Erkrankungen, die nur wie ein Hämorrhoiden wirken, ausschließen zu können.
Hämorrhoiden – Konservative Behandlungsmethoden
Wenn sich das Hämorrhoidalleiden ganz am Anfang befindet, dann ist es das Wichtigste, die Stuhlgewohnheiten zu verändern und nicht mehr zu stark zu pressen. Folgend werden verschiedene konservative Behandlungsmethoden für die Stadien 1 und 2 vorgestellt.
- Analdehner: medizinisches Instrument aus Silikon oder Kunststoff, die die Schließmuskelfunktion wiederherstellen und trainieren
- Sklerosierung (Verödung): Substanz wird in die Schleimhaut über den Hämorrhoiden eingespritzt, um die Gefäßpolster zu verkleben und die Blutzufuhr zu verringern.
- Gummibandligatur: Proktoskop wird eingeführt, um die Gefäßzufuhr in der Schleimhaut deutlich abzubinden; aufgrund der mangelnden Blutzufuhr kommt es zu einem Schrumpfen der Hämorrhoiden
Hämorrhoiden – Operative Behandlung
In fortgeschrittenen Stadien und mit einem anhaltenden Leidensdruck kommt man um einen chirurgischen Eingriff nicht herum:
| Methode | Vorteile | Nachteile |
| HAL-RAR | narbenlos, schmerzarm | leichte Blutung |
| Stapler (Longo) | keine Außenwunde | Nahtprobleme |
| Laser (LHP) | schnelle Heilung | höhere Kosten |
| Hämorrhoidektomie | Komplettentfernung | Schmerzen |
Post-OP: Was sollte man nach der Operation beachten?
Nach der Operation sollte man auf die gute und richtige Pflege der Wunde achten.
- Direkt nach der Operation: schmerzstillenden Salben und Medikamente
- Besonderes Augenmerk auf den Stuhlgang: sollte weich sein und ohne starkes Pressen erfolgen, damit es nicht zu weiteren Schmerzen oder Reizungen der Wunde kommt. Wichtig: ballaststoffreiche Ernährung und ausreichende Flüssigkeitszufuhr
- optimale Wundreinigung mit möglichst mit wohl temperiertem Leitungswasser dreimal am Tag und nach jedem Stuhlgang; anschließend mit einem Tuch oder weichem Toilettenpapier trocken tupfen (auf die gereinigte Wunde kann eine beruhigende Salbe aufgetragen werden, darauf feine saubere Kompresse)
Hämorrhoiden – Salben und Medikamente zur Linderung
In vielen Drogeriemärkten und Apotheken gibt es frei verkäufliche Produkte, die für eine Schmerzlinderung sorgen. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass keine Duftstoffe oder synthetische Stoffe enthalten sind, da diese den empfindlichen Bereich eher reizen als schonen.
Frei verkäuflich:
- Zinksalbe (austrocknend)
- Lidocain (gegen Juckreiz)
- Flavonoide (abschwellend)
- Hamamelis (Kühl lagern!)
Natürlich behandeln: Hausmittel gegen Hämorrhoiden
Es gibt einige Hausmittel gegen Hämorrhoiden, die man, noch vor Salben und Medikamenten, benutzen kann, um die Schmerzen und die Schwellungen zu lindern. So kann die Stelle auch nach erfolgreicher Therapie weiter behandelt werden. Sie wirken zudem wunderbar vorbeugend. Wenn man also schon mal Hämorrhoidalleiden hatte, dann kann das immer mal wieder eine Schwachstelle sein und um diese sollte man sich kümmern.
Bewährt & evidenzbasiert:
- Ballaststoffe: Weizenkleie, Leinsamen, Flohsamen + 2–3 l Wasser/Tag
- Sitzbäder: Kamille, Eichenrinde, Hamamelis (37 °C)
- Quarkwickel, Kühlen (nach Bad)
- Bewegung: Spaziergänge, Yoga – kein Krafttraining
- Analhygiene: Weiches Papier (sanft abtupfen), Bidet nutzen mit lauwarmem Wasser, sanft trockentupfen
- Hämorrhoiden-Kissen für Druckentlastung
- Tipp: Hockpose (Fußhocker)
Hämorrhoiden – Vorbeugung
Um Hämorrhoiden effektiv vorzubeugen, sollte man regelmäßig die Beckenboden-Muskulatur trainieren und auf eine ausgewogene und ballaststoffreiche Ernährung mit ausreichender Flüssigkeitszufuhr achten (Vollkornprodukten, Gemüse und Obst; Joghurt- und Quarkprodukte, Weizenkleie, Leinsamen, indische Flohsamen, Chiasamen und Nüsse). Doch, auch hier gilt: ein gesundes Maß halten, denn zu viele Ballaststoffe können wiederum zu unangenehmen Blähungen führen!
Zusätzlich:
- Bewegung, Gewichtsreduktion, kein langes Pressen/Sitzen
- Beckenbodentraining
Häufige Fragen zum Thema Hämorrhoiden
- Woran merke ich, dass meine Beschwerden wirklich Hämorrhoiden sind?
- Was kann ich bei leichten Hämorrhoiden selbst tun?
- Was passiert bei einer Gummibandligatur genau?
- Was bedeuten HAL und LHP und für wen kommen sie infrage?
Typisch sind Juckreiz, Brennen und helles Blut am Toilettenpapier. Manchmal fühlt es sich wund an, es kann nässen oder beim Sitzen unangenehm sein. Stärkere, plötzlich einschießende Schmerzen sprechen eher für eine Thrombose oder eine kleine Rissbildung. Blut im Stuhl sollte immer ärztlich abgeklärt werden, damit andere Ursachen ausgeschlossen sind. Bei Unsicherheit hilft ein Termin bei der Hausärztin, dem Hausarzt oder in einer proktologischen Praxis.
Sanfte Stuhlgewohnheiten, Ballaststoffe, ausreichend trinken und warme Sitzbäder sind ein guter Anfang. Wichtig ist, nicht zu pressen und dem Toilettengang Zeit zu geben. Ballaststoffreiche Ernährung und genug Flüssigkeit halten den Stuhl weich. In einer Übersicht wurden mit zusätzlicher Ballaststoffzufuhr spürbare Verbesserungen der Beschwerden beobachtet Cochrane 2010. Wenn die Beschwerden bleiben oder stärker werden, lassen Sie sich ärztlich beraten.
Ein kleines Gummiband schnürt innen am Knoten die Blutversorgung ab. Die Ärztin oder der Arzt setzt das Band oberhalb der schmerzempfindlichen Zone. Das Gewebe fällt nach einigen Tagen ab und vernarbt. Studien berichten bei passenden Fällen über hohe Erfolgsraten im Bereich über achtzig Prozent Long-term outcome and efficacy of endoscopic hemorrhoid ligation 2011. Welche Methode für Sie passt, klären Sie am besten individuell in der Praxis.
Beides sind Verfahren, die die Blutversorgung der Knoten verringern und das Gewebe schonen. Bei HAL bindet die Ärztin oder der Arzt zuführende Gefäße ab. Bei LHP wird das Gewebe mit einer Laserfaser von innen geschrumpft. Ob so ein Verfahren passt, hängt von Ausprägung und Beschwerden ab. Lassen Sie sich dazu in einer proktologischen Praxis individuell beraten.
Weitere Krankheiten
1. L. Lehmeyer: Anamnese und Untersuchung, Urban & Fischer, 1. Auflage, 2005
2. F. H. Mader, H. Weißgerber: Allgemeinmedizin und Praxis, Springer Medizin Verlag, 5. Auflage, 2007
3. J. R. Siewert: Basiswissen Chirurgie, Springer Medizin Verlag, 2007
4. W. Piper: Innere Medizin, Springer Medizin Verlag, 2007
5. Bundesgesundheitsministerium: Hämorrhoiden: Symptome, Diagnose, Therapie. www.gesund.bund.de/haemorrhoiden (letzter Zugriff: 22.01.2026)
6. IQWiG: Vergrößerte Hämorrhoiden (Hämorrhoidalleiden). www.gesundheitsinformation.de/vergroesserte-haemorrhoiden-haemorrhoidalleiden.html (letzter Zugriff: 22.01.2026)
7. Hämorrhoiden, https://enddarmzentrum-essen.de/erkrankung/haemorrhoiden/ (letzter Zugriff: 03.02.2026)
8. Proktologie & Chirurgie, Praxis München Wittig und Bayer, Ursache und Symptome, https://proktologie-chirurgie.de/symptome/ (letzter Zugriff: 03.02.2026)

