Schlaf-Studie

Schlafstudie: Wie viel Schlaf ist gesund?

Wie viel Schlaf ist gesund für einen Erwachsenen? Diese Frage beantwortet eine Studie von 31 Forschern mit über 100.000 Teilnehmern in 21 Ländern. Federführend war Dr. Chuangshi Wang von der McMaster University in Kanada. Die Ergebnisse der Mammutstudie erschienen im Dezember 2018 im European Heart Journal. Sie überraschen: Wenig Schlaf ist schlecht, aber viel Schlaf ist nicht unbedingt besser. Wer am Tag sechs bis acht Stunden im Bett liegt, lebt länger.

Zu wenig Schlaf ist ungesund

Für viele ist Schlaf Zeitverschwendung. Als Wachmacher greifen dann viele auf Kaffee zurück.  Viele unterschätzen dabei aber die Folgen von zu wenig Schlaf, die jeder verursacht, wenn das Schlafbedürfnis des Körpers einfach ignoriert wird. Beispielsweise leiden Kurzschläfer häufiger an Übergewicht und den damit einhergehenden Krankheiten wie beispielsweise Diabetes, Gelenkschäden und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Schlafmangel führt aber nicht nur zu einer Konzentrationsschwäche, sondern verlangsamt auch die Reaktionsfähigkeit, wodurch das Unfallrisiko erheblich erhöht wird. Äußerst gefährlich wird es, wenn man in den sogenannten Sekundenschlaf fällt.

Des Weiteren besteht ein Zusammenhang zwischen Müdigkeit und Übergewicht. Die Forscher haben herausgefunden, dass Schlafmangel den Appetit anregt. Das macht Sinn, denn im Wachzustand verbraucht der Körper mehr Energie als im Schlaf. Allerdings steigt der Appetit weiter, als er müsste. Man ersetzt nicht nur die verbrauchten Kalorien, sondern setzt Fett an.

Überlanger Schlaf ist ein Krankheitszeichen

Mehr als acht Stunden Schlaf brauchte etwa jeder fünfte Teilnehmer der Studie. Die Vielschläfer waren im Durchschnitt kränker. In dieser Gruppe war die Wahrscheinlichkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und für Sterbefälle deutlich höher als bei den Normalschläfern und Kurzschläfern. Ebenso stellte man fest, dass die extremen Langschläfer häufiger rauchten und mehr Alkohol tranken. Aber rechnet man diese Risikofaktoren heraus, bleibt der Zusammenhang bestehen: Mehr Schlaf bedeutet mehr Krankheits- und Sterbefälle. Für Dr. Wang und seine Kollegen ist extremes Schlafbedürfnis ein frühes Warnsignal. Viele Krankheiten machen müde. Dazu gehören Depressionen, Schlafapnoe und Krebs. Wenn ein Erwachsener mehr als acht oder gar mehr als zehn Stunden Schlaf pro Tag braucht, steckt vielleicht eine unentdeckte Erkrankung dahinter.

Was sagt die Studie über Nickerchen?

Die Forscher um Dr. Wang fragten in ihrer Studie nach dem nächtlichen Schlaf der Teilnehmer, aber auch nach Nickerchen am Tag. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass der Gesamtschlaf zählt. Wer nachts nur vier oder fünf Stunden ins Bett kommt, kann den Mangel tagsüber ausgleichen und gehört dann zu den Normalschläfern. Wenn man aber nachts die empfohlenen sechs bis acht Stunden schläft, und am Tag noch ein zusätzliches Nickerchen braucht, gehört man zu den Vielschläfern und hat deren erhöhte Krankheitswahrscheinlichkeit.

Die Lehre aus der Mammutstudie

Aus der länderübergreifenden Studie von Dr. Wang und Kollegen kann man zweierlei Lehren ziehen, je nachdem, wie lange man nachts im Bett liegt. Kurzschläfer müssen sich überlegen, ob ihnen der Zeitgewinn den Schlafmangel wert ist. Übergewicht werden sie durch Nickerchen vielleicht schneller los als durch Diäten und Besuche im Fitnessstudio. Inbesondere Schlafstörungen sollten behandelt werden, da Schlafmangel auf Dauer eine große Belastung für die Betroffen ist.

Langschläfer dagegen sollten nicht versuchen, künstlich auf sechs bis acht Stunden zu reduzieren. Stattdessen müssen sie sich fragen, ob die Müdigkeit auf eine Krankheit hindeutet.

15.02.2019

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