Wie gut sind deutsche Krankenhäuser

Wie gut sind deutsche Krankenhäuser im internationalen Vergleich?

Der Ruf der deutschen Krankenhäuser

Deutsche Krankenhäuser genießen international einen hervorragenden Ruf – auf nationaler Ebene wird jedoch gerne an ihnen herumkritisiert. Zu teuer, zu ineffizient, zu träge sollen sie sein.
Doch wie schneiden deutsche Krankenhäuser im internationalen Vergleich ab? Wir haben sie für euch unter die Lupe genommen.

250.000 Medizintouristen

Mehr als 250.000 Medizintouristen kommen jedes Jahr nach Deutschland, um sich hier behandeln zu lassen – Tendenz steigend. Vor allem wohlhabende Patienten aus Russland oder den Arabischen Emiraten vertrauen ihre Gesundheit lieber einem deutschen Krankenhaus an, als sich in der Heimat behandeln zu lassen. Das spricht für die Qualität der ärztlichen Versorgung in Deutschland.

Versorgung im internationalen Vergleich

Und wenn man ehrlich ist, geht es uns Deutschen mit unserem Gesundheitssystem gar nicht schlecht: Mit 2,03 Fachärzten und 1,48 Allgemeinärzten pro 100.000 Einwohnern sind Deutschlands Bürger deutlich besser versorgt als der Durchschnittsbürger der OECD-Mitgliedsstaaten.

Auch was die Anzahl der Krankenhaus- und Intensivbetten angeht, liegt Deutschland vorn.
Die Mehrzahl der Deutschen lebt nur 10 Autominuten vom nächsten Krankenhaus entfernt, und
in wenigen Ländern der Welt werden Patienten in Notaufnahmen so schnell behandelt wie bei uns. Auch von der zeitnahen Terminvergabe für elektive Operationen können viele Patienten unserer Nachbarstaaten nur träumen: Weniger als 4 Wochen wartet der Durchschnittspatient in Deutschland auf einen OP-Termin.

Anders als in vielen anderen Ländern ist in Deutschland der Zugang zu Gesundheitsleistungen solidarisch und gut strukturiert. Durch die Pflichtversicherung ist gewährleistet, dass jedem Patienten die notwendige Therapie zur Verfügung steht – dabei spielen Gesundheitszustand und monetäre Interessen keine Rolle. Die Versorgungskette Prävention – Diagnostik – Therapie – Rehabilitation funktioniert in Deutschland.

Effizienz deuscher Krankenhäuser

Dabei sind deutsche Krankenhäuser sehr effizient: Die Kosten pro Fall sind in Deutschland mit rund 4.000 € ausnehmend niedrig. In Vergleichsnationen wie den Niederlanden, Kanada oder Japan kostet ein Fall durchschnittlich das Doppelte, in den USA sogar mehr als das Dreifache.
Das erklärt, weshalb in Deutschland lediglich 28% der Kosten des Gesundheitssystems auf den Krankenhaussektor entfallen: In Frankreich und Großbritannien sind es jeweils rund 40%.
Als Anteil des Bruttoinlandsprodukts ausgedrückt gibt Deutschland 3,7% des BIP für Krankenhäuser aus – eine Zahl, die seit Jahren stabil ist, und dabei noch unter der Zahl unserer Nachbarländer liegt, die 4% oder mehr ihres BIP in ihre Krankenhäuser investieren.
Im Vergleich mit anderen OECD-Ländern gehen Deutsche verhältnismäßig häufig ins Krankenhaus. Dass die Zahlen dennoch so positiv dastehen erklärt sich durch die dünne Personaldecke:

Pro 1.000 Einwohner nur knapp 10 Krankenhausmitarbeiter

Pro 1.000 Einwohnern haben wir knapp 10 Krankenhausmitarbeiter, die deren Versorgung gewährleisten. Das bedeutet: Deutschlands Krankenhäuser haben bereits viel unternommen, um ihre Effizienz zu steigern. Trotz einer strengen Budget-Politik leisten sie eine qualitativ hochwertige Versorgung. Die Konsequenz daraus ist aber auch, dass in der Zukunft keine große Effizienzsteigerung mehr zu erwarten ist. Übertreibungen in der Personaleinsparung führen zwangsläufig zu einer Minderung der Versorgungsqualität. Bleibt zu hoffen, dass Gesundheitspolitiker und Klinikdirektionen dies im Hinterkopf behalten.

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Durch | 19.09.2016 | Allgemein | 1 Kommentar

1 Kommentar

  1. Bart Holdy 23.06.2017 um 15:49 - Antworten

    Schöner Artikel, aber in der Praxis nicht zutreffend.
    Wie Sie aus dem Verhältnis Ärzte pro Tsd. Einwohner zu dem Ergebnis kommen, dass die Behandlung qualitativ gut ist, geschweige denn Rückschlüsse auf die Behandlung an Kliniken führen können ist sehr interessant. Können Sie dies genauer ausführen?
    Das die Behandlung in Kliniken mehr vom „Quality Management“ und MDK bestimmt werden als von den Ärzten und das der ausländische Scheich eine ausführliche Diagnostik beim obersten Chefarzt bekommt die dem deutschen gesetzlich-versichertem Bürger dank der „Geiz“-tagegeldpauschale vorenthalten wird zeigt wohin die Reise geht.
    Deutschland ist auf dem besten Weg zum medizinischen Entwicklungsland. Richtige Diagnostik nur noch den Wohlhabenden. Aber glücklicherweise gibt es ja noch die Psychosomatik für alle anderen.

    Wer finanziert in diesem Land eigentlich grösstenteils die *evidenz*-basierte Forschung? Oder andersrum, warum wird `praktische Evidenz nicht in Forschungsprojekten unterstützt (Stichwort: Methadon in der Krebstherapie oder Ibuprofen bei Alzheimer).

    Dieses Krankensystem ist kaputt und krank. Mit lobpreisenden Artikeln wie diesem ändern Sie leider nichts daran und Statistik und BWL heilt in der Praxis niemanden.

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