Sportmedizin

Weiterbildung Sportmedizin – die Zusatzbezeichnung für sportbegeisterte Fachärzte

Ärzte in der Sportmedizin betreuen eine Vielzahl unterschiedlicher Patienten. Sowohl Profis im Hochleistungssport wie Fußball, Handball oder Turnen als auch Freizeitsportler und Couch-Potatos profitieren von dem sportlichen Fachwissen der ausgebildeten Mediziner.

Inhalt

Neben der Vereinsbetreuung stehen Ärzte mit einer Weiterbildung in Sportmedizin für generelle Leistungschecks bei Freizeitsportlern zur Verfügung. Auch Menschen, die zunächst nichts mit Sport zutun haben, ihr Leben jedoch aktiver gestalten möchten, gehören zu ihrem Klientel. Viele Sportmediziner sind zum Beispiel in der Rehabilitation tätig und helfen Menschen nach einer Verletzung wieder auf die Beine zu kommen.

Meist sind die Ärzte selbst begeisterte Sportler und möchten einen Teil ihres Hobbys in den Beruf einbringen. Neben der behandelnden Tätigkeit, die bei vielen Facharztrichtungen im Vordergrund steht, spielt die Prävention eine große Rolle.

Der Weg in die Sportmedizin

Wer bereits vor Beginn eines Studiums von der Arbeit als Sportmediziner träumt, hat einen langen Weg vor sich. Der Bachelor / Master Studiengang Sportwissenschaften stellt die kürzere Variante dar. Allerdings wird im Anschluss keine ärztliche Approbation erlangt.

Um tatsächlich als Arzt in der Sportmedizin tätig zu sein, muss ein sechs jähriges Studium der Humanmedizin abgeschlossen werden. Im Anschluss erfolgt eine circa fünf jährige Facharztausbildung in der unmittelbaren Patientenversorgung. Erst im Anschluss kann die Weiterbildung zum Sportmediziner erfolgen. Vom Beginn des Studiums bis zur ärztlichen Tätigkeit als ausgebildeter Sportmediziner sind daher 13 bis 14 Jahre einzuplanen.

Aufgaben in der Sportmedizin

Die Sportmedizin vereint das Facharztwissen aus verschiedenen Fächern und Disziplinen, die mit Sport in Verbindung stehen. Es beinhaltet viele Untersuchungs- und Behandlungsmethoden der Inneren Medizin und Orthopädie. Demnach wird es als sogenanntes Querschnittsfach bezeichnet.

Untersuchungsmethoden

Sportmediziner arbeiten häufig präventiv. Zu den alltäglichen Aufgaben niedergelassener Sportmediziner gehören die sportmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen. Viele Krankenkassen haben ihre Relevanz schon jetzt erkannt und beteiligen sich an den Kosten, oder übernehmen sie sogar komplett.

Das Angebot richtet sich an alle Sportler, die sehr anspruchsvolle und risikoreiche Sportarten wie Klettern oder Gleitschirmfliegen ausüben möchten. Auch Menschen mit vielen Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus oder der Koronaren Herzkrankheit nehmen das Angebot in Anspruch. Für die Teilnahme an Herzsportgruppen wird meist eine sportmedizinische Vorsorgeuntersuchung vorausgesetzt. Ebenso besteht bei einem sehr fortgeschrittenen Diabetes die Möglichkeit einer Blutzuckerentgleisung. Daher wird die ärztliche Untersuchung unbedingt empfohlen.

Bei der Vorsorge wird Auskunft über die körperliche Grundvoraussetzung für die Ausübung einer Sportart gegeben. Sie besteht aus:

  • einer Anamnese (vor allem auf Vorerkrankungen und Risikofaktoren bezogen)
  • der Erhebung der anthropometrischen Daten (Größe, Gewicht, Körperfett)
  • einer Ganzkörperuntersuchung (mit orthopädischem Schwerpunkt auf die Beweglichkeit und Stabilität der Gelenke und Muskeln)
  • der Durchführung von Ruhe-EKG und Ruhe-Blutdruck
  • einem Belastungs-EKG auf dem Ergometer (Fahrrad oder Laufband)

Zusätzlich kann ein Leistungscheck durchgeführt werden. Er beinhaltet eine Laktat-Leistungsdiagnostik zur Beurteilung der Ausdauerleistungsfähigkeit. Zusätzlich werden die Kraft- und Bewegungskoordination untersucht.

In größeren sportmedizinischen Einrichtungen stehen neben den klassischen Bestimmungsmethoden zahlreiche neue Verfahren zur Verfügung. Die Knochendichtemessung (Osteodensitometrie) dient zur individuellen Ermittlung eines Frakturrisikos. In Kombination mit der Dual-Röntgen-Absorptiometrie (DXA-Scan), in der durch Röntgenstrahlung die Körperzusammensetzung aus Fett- und Muskelmasse bestimmt wird, können grundlegende Aussagen über den Gesundheits- und Ernährungszustand getroffen werden.

Behandlungsmethoden

Die Behandlungsmethoden in der Sportmedizin sind so vielfältig wie das Patientenkollektiv und beinhalten Aspekte zahlreicher Fachrichtungen. Daher bieten viele Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Sportmedizin nicht alle Behandlungsmethoden an. Sie konzentrieren sich meist auf diejenigen, die mit ihrem Facharzt in Verbindung stehen.

1. Erste Hilfe

Maßnahmen der ersten Hilfe beinhalten das Anlegen blutstillender Verbände, Reinigen von Wunden und Einrenken von Gelenken. Auch die richtige Lagerung und der Verweis auf eine Weiterbehandlung gehören zur ersten Hilfe.

2. Versorgung von akuten und chronischen Verletzungen

Leichte Verletzungen, die durch falsche oder übermäßige Beanspruchung entstehen, werden meist mit Verbänden, Schienen und Gipsverbänden ruhig gestellt. Sportmediziner verwenden zur Behandlung auch kinesiologische Tapes.

Ärzte mit chirurgisch-orthopädischer Ausbildung hingegen können sogar kleine operative Eingriffe selbst durchführen. Sie müssen dafür nicht zwingend im Krankenhaus arbeiten, sondern können ambulant operieren oder Belegarzt-Betten nutzen.

Auch alternative oder moderne Behandlungsverfahren wie Akupunktur, Eigenbluttherapie körpereigenen Wachstumsfaktoren, Elektrotherapie oder Stoßwellenbehandlungen haben einen Platz in der Sportmedizin.

3. Rehabilitation

Zu den Behandlungsmethoden der Rehabilitation gehören Sport-, Bewegungs- und Trainingstherapie. Dabei haben Sportmediziner meist nur verordnende und überwachende Aufgaben. Bei der Thermotherapie und Elektrotherapie werden die Ärzte auch selbst tätig.

Tätigkeitsbereiche eines Sportmediziners

Fachärzte für Orthopädie sind für die Verletzungen des Bewegungsapparates zuständig. Neben der operativen Vor- und Nachsorge kümmern sie sich um klassische chronische Sportverletzungen wie den Tennisarm (Epicondylitis humeri radialis oder lateralis).

Internisten beschäftigen sich dagegen eher mit der Physiologie des Körpers. Hierzu gehören die Leistungschecks, aber auch physiologische Veränderungen, die durch Sport entstehen können. Dazu gehören zum Beispiel die Veränderung des Pulses oder Blutdrucks.

Mit einer Facharztausbildung für Rehabilitative Medizin fällt die gesamte Nachsorge von Verletzungen in den Zuständigkeitsbereich.

Fachärzte für Allgemeinmedizin werden häufig sowohl für internistische als auch für orthopädische Tätigkeiten eingesetzt.

In der Profisportbetreuung sind Sportmediziner nicht nur für die Prävention und Behandlung von Verletzungen zuständig. Sie übernehmen die Funktion eines Hausarztes und entscheiden schon bei kleinen Infektionen, ob eine Trainingspause nötig ist. Da sie für die grundlegende Gesundheit der Sportler zuständig sind, arbeiten sie eng mit Trainern, Ernährungsberatern und Physiotherapeuten zusammen.

Zusatzqualifikation Sportmedizin

Bei der Ausbildung zum Sportmediziner handelt es sich aber nicht um eine Facharztausbildung, sondern um eine Zusatzqualifikation. Laut der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP) sind folgende Voraussetzungen nötig:

  • eine abgeschlossene Facharztausbildung in einem Bereich der unmittelbaren Patientenversorgung
  • 240 Stunden theoretische Weiterbildung in Kursen (kann durch eine 12-monatige, ganztägige Arbeit in einer sportmedizinischen Einrichtung ersetzt werden)
  • 120 Stunden ausgeübte sportärztliche Tätigkeit in einem Sportverein oder in einer vergleichbaren Einrichtung, die innerhalb eines Jahres erfolgt

Die 240 Stunden theoretische Weiterbildung werden durch den Besuch von 15 Zweitageskursen (ZTKs) vermittelt. Jeder Kurs behandelt einen eigenen Aspekt der Sportmedizin. Sie sind von ZTK 1 bis ZTK 15 durchnummeriert. Allerdings müssen sie nicht komplett bei einem Anbieter absolviert werden, sondern können in unterschiedlicher Reihenfolge belegt werden.

Alternative Fortbildungsvarianten

Sportliche Interessen und Theorie

Als Ergänzung zu den klassischen Fortbildungsvarianten können in der Sportmedizin eigene sportliche Interessen mit der Theorie verbunden werden. Während einer einwöchigen Surfreise erfolgt die Weiterbildung in ZTK 12, 15 und 5 (1/2) und beim Skifahren und Snowboarden in St. Moritz werden ZTK 6, 7 und 9 angeboten. Im Sommer werden am Gardasee ZTK 5, 13 und 15 besucht während nebenbei Windsurfen, Segeln, Mountainbike, Tennis und Golf auf dem Programm stehen.

Zusätzlich werden pro Woche 40 bis 48 CME Punkte gesammelt, die auf dem Fortbildungskonto für Fachärzte gutgeschrieben werden. Die einwöchigen Kurse können sogar offiziell als bezahlter Urlaub angerechnet werden.

Bei einigen Landesärztekammern wie im Freistaat Bayern und der bei der Ärztekammer Nordrhein ist die abgeschlossene Facharztausbidung keine Voraussetzung für den Besuch der Kurse. Allerdings muss die Ausbildung bereits begonnen haben.

Ganztägige Tätigkeit

Falls die 240 Stunden durch eine 12-monatige ganztägige Arbeit ersetzt werden sollen, muss die Arbeit sowohl internistische, leistungsphysiologische und kardiologische als auch orthopädische und traumatologische Aspekte beeinhaltet. Falls nur einer der Bereiche abgedeckt wird, können im Anschluss an eine 6-monatige klinische Ausbildung die fehlenden ZTKs besucht werden.

Die 120 Stunden Vereinsbetreuung können parallel zur Kursweiterbildung absolviert werden. Dabei werden Vereine anerkannt, in denen ein systematisches Training der Motorik, Koordination und Kraft in einer oder mehreren Sportarten ausgeübt wird. Darunter zählen beispielsweise Leichtathletik, Fußball oder Schwimmen. Sehr einseitig belastende Sportarten wie Golf, Tischtennis oder Schießsport werden meist nicht anerkannt.

Weiterhin müssen mindestens drei verschiedene Gruppen von Sportlern betreut werden. Also beispielsweise Kinder, Rehabilitationssportler und Leistungssportler.

Außerdem sollte die Arbeit inhaltlich in drei der folgenden Gebiete erfolgen:

  • sportärztliche Untersuchungen
  • Erste Hilfe bei Sportverletzungen
  • Trainingsbetreuung
  • Wettkampfbetreuung
  • Sportmedizinische Weiterbildung der Trainer

Alle gesammelten Leistungen müssen bescheinigt werden und werden zur Prüfungsanmeldung bei der zuständigen Landesärztekammer vorgelegt.

Falls die 240 Stunden durch eine 12-monatige ganztägige Arbeit ersetzt werden sollen, muss die Arbeit sowohl internistische, leistungsphysiologische und kardiologische als auch orthopädische und traumatologische Aspekte beinhalten. Falls nur einer der Bereiche abgedeckt wird, können im Anschluss an eine 6-monatige klinische Ausbildung die fehlenden ZTKs besucht werden.

Berufschancen und Gehaltsaussichten

Bei der Zusatzbezeichnung Sportmedizin handelt es sich nicht um eine Facharztausbildung. Daher berechtigt der Titel nicht dazu, bestimmte Leistungen abzurechnen, die andere Ärzte nicht abrechnen dürfen.

Allerdings können sich in der Klinik neue Berufschancen ergeben und für niedergelassene Ärzte kann der Titel eine Vergrößerung des Patientenstammes bedeuten. Vor allem Allgemeinmediziner, die hauptsächlich ältere Menschen behandeln, können durch die Zusatzbezeichnung das Durchschnittsalter ihrer Patienten senken und ihre Arbeit abwechslungsreicher gestalten.

Derzeit ist im Gespräch, ob die Sportmedizin, als eine eigenständige Facharztausbildung, auch in Deutschland eingeführt werden soll. Denn in der DDR gab es bereits den Facharzt für Sportmedzin und viele andere europäische Länder bieten diese Qualifikationsmöglichkeit direkt nach dem Medizinstudium an. Allerdings wurde die Bezeichnung aus der DDR 1990 abgeschafft und die Facharzttitel aus anderen Ländern der EU werden in Deutschland nicht anerkannt.

Die Verdienstmöglichkeiten für Sportmediziner sind abhängig von ihrer Facharztqualifikation. Orthopäden verdienen meist mehr als Allgemeinmediziner.

Bei niedergelassenen Sportmedizinern ist vor allem die eigene Reputation von großer Bedeutung. Die Gehaltsaussichten sind von der Anzahl an Patienten abhängig. Niedergelassene Ärzte könne durch zufriedene Patienten und deren Weiterempfehlungen ihren Patientenstamm stark vergrößern.

Sportmediziner im Krankenhaus erhalten je nach ihrer Erfahrung, ein vertraglich festgelegtes Gehalt nach dem Tarifvertrag.

03.05.2019

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