Neues von Frau Sandmann

Tage in Butter – wer kennt sie nicht?

Es gibt Tage, an denen läuft alles wie geschmiert. Auch wenn das OP-Programm morgens furchterregend ausschaut. Dann laufen die Einleitungen alle pünktlich an, die Pflege ist gut gelaunt, die Patienten freundlich und kooperativ, die Operateure in Schwung – da kann so eine Hüfte auch mal in 90 Minuten fertig werden. Zackige Wechsel, PDKs und Arterien, die sitzen….einfach alles in Butter.

Und dann gibt es so Tage, da läuft einfach gar nichts. Da wird ein schönes Freitags-Programm schon dadurch verhunzt, dass der erste Patient einfach nicht auftaucht. So kürzlich geschehen: Wir standen ewig in einer gähnend leeren Einleitung und blickten in die Röhre. Das OP-Management beteuerte steif und fest, der Patient sei abgerufen. Der Transport beteuerte, der Patient sei abgeliefert. Nur: Bei uns war er nie aufgetaucht. Kurz bevor ein Suchtrupp durchs Haus gejagt wurde, kam der Fehler ans Tageslicht. Ein böser Computer hat den Patienten als transportiert abgehakt, obwohl er nie abgeholt wurde. Dieser lag nämlich noch immer fröhlich in seinem Bettchen auf der Station und studierte die Bildzeitung.

Aber auch wenn Patienten glücklich bei uns ankommen und an die Schleusentür klopfen, heißt das noch lange nicht, dass nichts mehr schiefgehen kann. Denn wie Murphys Law besagt: Irgendein fieser Humbug kann sich immer zwischen dich, deinen Patienten und eine schöne Narkose werfen.
Patient auf den falschen Tisch aufgelegt, beispielsweise. Im besten Fall führt das zum Herauskarren, Ausschleusen und erneuten Einschleusen des Patienten. Im schlimmsten Fall wird ein bereits narkotisierter, voll instrumentierter, abgewaschener und abgedeckter Patient von 5 wenig begeisterten Menschen von einem Tisch auf den anderen gebettet – und das passiert IMMER nur mit den Patienten der Statur „Vollschlank Plus“.

Ebenfalls weit oben in der Verzögerungs-Shitlist steht: Der fehlende Papierkram.
Am Tag vor einer OP nehmen sich die stets viel beschäftigte, junge Sandmänner und ihre Kollegen aus den operativen Fächern Zeit, Geduld und Liebe, um ihre Kundschaft über alle Eventualitäten und Gefahren des Eingriffs aufzuklären. Die Zettel, die solche Gespräche beurkunden, sind quasi heilig. Ohne die passiert nämlich gar nichts. Jedoch scheint es in jedem Krankenhaus irgendwo einen kleinen Kamin zu geben, in dem Nacht für Nacht ein paar dieser heiligen Zettel verbrannt werden. Denn am Morgen sind sie wie von Geisterhand verschwunden. Das führt dann zum bereits oben genannten Rückzugskommando (Abbruch, Rauskarren, Ausschleusen) und zu einem verhunzten Tagesablauf.

Aber schließlich und endlich durchschreitet man das Jammertal der Fehlplanungen und OP-Zeit-Überziehungen nie allein: Es ist immer gleich ein ganzes OP-Team mitgefangen und mitgehangen. Und das ist auch das Gute daran. Irgendwann ist nämlich der absolute Tiefpunkt der Stimmung erlangt und überwunden. Danach rettet sich die Saal-Laune meist in Ironie und gemeinschaftliches Abkotzen, und am Ende des Tages hat man den Rotz gemeinsam durchgestanden. Das schweißt zusammen, denn: Geteiltes Leid ist halbes Leid.

Herzliche Grüße,

Frau Sandmann

 

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