Ins Studium einklagen

Studienplatz einklagen – Noch immer möglich!

Wahrscheinlich sind fast alle Blogleser von praktischArzt bereits mitten im Medizinstudium oder haben dieses bereits beendet. Für zukünftige Kollegen wurden allerdings erst vor einigen Tagen die Zulassungsbescheide für das Studium verschickt. Der Numerus Clausus für den Einstieg in die Humanmedizin lag erneut bei 1,0 oder entsprechend schlechterer Abitursnote bei ca. 12 Wartesemestern.

 

Klar ist, dass bei bundesweit 45.000 Bewerbern für 9.000 Studienplätze die meisten leer ausgehen und weiter auf einen Studienplatz warten müssen.

 

Schon seit Jahren gibt es die Möglichkeit einen Studienplatz in der Humanmedizin einzuklagen und von dieser Methode wird auch weiterhin Gebrauch gemacht. Aktuell griff Focus online das Thema auf und erklärt, warum eine Klage überhaupt möglich ist bzw. was man dabei beachten muss.

 

Möglich mache eine Klage erst der Artikel 12 des Grundgesetzes, der das Recht auf eine freie Berufswahl garantiert.

Grundvoraussetzung für eine Klage ist, dass sich der Kläger zuvor regelgerecht für das Medizinstudium beworben und eine Absage erhalten hat.

Damit eine Klage erfolgreich sein kann, muss der Kläger einen formlosen Kapazitätsantrag an die Universität stellen, dass  man sich für einen Studienplatz außerhalb der festgelegten Aufnahmekapazität bewirbt. Im Endeffekt wirft man der Universität vor, dass nicht alle Plätze über das reguläre Aufnahmeverfahren besetzt wurden und die Uni nicht alle Ressourcen und Kapazitäten ausgenutzt hat.

Die Universität wiederum muss diesen Vorwurf widerlegen. Das Gericht prüft, ob die Hochschule Kapazitäten richtig berechnet hat und falls nicht, muss Sie ggf. weitere Studienplätze freigeben.

 

Um die Chancen für eine Klage zu erhöhen, werden häufig Anträge an mehrere Universitäten gestellt. Hiermit verbunden sind allerdings auch höhere Kosten. Viele Anwälte haben sich mittlerweile auf Studienplatzklagen spezialisiert und es fallen für den Kläger pro Universität Kosten von ca. 1000-1500 Euro an. Insgesamt werden so schnell 10.000-20.000 Euro fällig.  Hier zeigt sich, dass ein möglicher Start in das Medizinstudium über den Anwalt nur gut betuchten Abiturienten möglich ist.

 

Außerdem hat man trotz hoher Kosten keine Garantie, dass die Klage erfolgreich ist. Im Internet findet man über die Erfolgschancen keine  gesicherten Informationen. Auf manchen Seiten ist von einer 3-prozentigen Chance die Rede das Studium über den Rechtsweg zu beginnen.

Mittlerweile lassen sich viele Universitäten ebenfalls von Anwälten rechtlich vertreten, um den Ansturm der Klagewilligen entgegenzuwirken.  Dabei scheinen die Unis unterschiedlich gut gerüstet zu sein.

 

Laut Focus online gingen z.B. in den letzten drei Jahren an der Ludwig-Maximillians-Universität München pro Semester 600-700 Kapazitätsanträge ein.  Da die Uni allerdings alle Kapazitäten erfüllte, war keine Klage erfolgreich.

 

 

Was denkt ihr über das Thema „Studienplatz einklagen“? Ist es erschreckend genug, dass manch einer in Deutschland aufgrund der Ausbildungssituation sich überhaupt einklagen muss oder findet ihr diese „Auslese“ der Studenten gut für den Standort Deutschland und daher Klagen aus unpassend?

 

 

Quelle: Focus Online (Montag 18.08.2014)

Bildnachweis: Joe Gratz via photopin cc

1 Kommentar

  1. doc grobi 24.08.2014 um 13:59 - Antworten

    Ein NC von 1,0 garantiert nicht, dass die Glücklichen, die einen Studienplatz erhalten haben, auch tatsächlich für den Beruf als Arzt/ Ärztin auch geeignet sind. Zeigt es doch nur, dass diese Leute hervorragend Lernen können und aus einem bildungsführenden Elternhaus stammen.
    Wieviele Begabte warten auf die Chance eines Medizinstudienplatzes? Der NC ist schon lange nicht mehr das entscheidende Kriterium, um die Spreu vom Weizen zu trennen, sondern eher ein Eignungstest für das Studienfach Medizin.
    Neben der Klage, und mir sind Leute bekannt, die dabei erfolgreich waren, hat man noch die Möglichkeit des Losverfahrens.
    Die Chancen stehen hier besser als beim Lotto. Auch ich habe so neben anderen Glücklichen meinen Studienplatz ergattert. Mein Abischnitt lag bei 1,8. Das Physikum absolvierte ich mit der Note 2. Für mich steht fest, der Zusammenhang zwischen der überdurchschnittlichen Abiturnote und der Wahl zu einem Studium bilden keinen Garant dafür ein guter Arzt/ Ärztin zu werden. An alle, die jetzt noch auf einen Platz mit Herzblut warten, weil bei ihnen nicht 1,0 auf dem Zeugnis steht: Durchhalten!

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