Eine Bilanz über die Studiengebühren

Studiengebühren: Eine Bilanz

Seit einem Jahr sind wieder alle deutschen Universitäten von den Studiengebühren befreit. Nach ihrer Einführung im Jahr 2006 war Niedersachsen im Wintersemester 2014/2015 das letzte Bundesland, das sie wieder abgeschafft hat.

Zeit für ein Bilanz: Was haben die Studiengebühren eigentlich gebracht? War es Schikane der Studierenden, eine Schnapsidee der Regierung, oder hatten sie doch eine Daseinsberechtigung?

Sinkende Neuimmatrikulationen

Eines zeigte sich von Anfang an deutlich: Die  neuen Gebühren trafen die Studierenden empfindlich, und diese wussten ihre Konsequenzen zu ziehen. Nach Einführung der Studiengebühren sank die Zahl der Neuimmatrikulationen in den betroffenen Bundesländern um durchschnittlich etwa 5% ab. In den Bundesländern, die keine Studiengebühren eingeführt hatten, stieg sie dagegen überproportional an. Insgesamt aber waren die Studierendenzahlen im Zeitraum der Studiengebühren in Deutschland rückläufig. Besonders junge Frauen und Abiturienten aus bildungsfernen Familien entschieden sich aufgrund der Studiengebühren explizit gegen ein Studium.

Die Vorwürfe

Besonders von Seiten der Studierendenvertretungen wurden Studiengebühren scharf kritisiert. Die Vorwürfe: Die Gebühren führen zu einem unsolidarischen und antisozialen Bildungsverhalten, verstärken soziale Ungleichheit und wälzen gesellschaftliche Kosten auf Einzelne ab.

Aus denselben Gründen sprach sich die Vereinte Dienstleistungsgesellschaft ver.di sowie die Parteien SPD, Linke, die Grünen und die Freien Wähler gegen Studiengebühren aus.

Von der Hochschulrektorenkonferenz sowie von den Parteien CDU/CSU und FDP wurden die Studiengebühren begrüßt. Man erhoffte sich mehr finanzielle Mittel für Lehrmittel und für die Lehre, und dadurch eine Verbesserung derselben. Studierenden sollte durch die Gebühr eine größere Einflussmöglichkeit auf die Qualität der Lehre gewährt werden.

Nicht mehr Gewinn

An vielen Orten stellte sich leider heraus: Die Mehreinnahmen durch Studiengebühren brachten den Universitäten nicht mehr Gewinn, da gleichzeitig an anderer Stelle die Zuschüsse durch die Länder gekürzt wurden. Oft wurden Studiengebühren auch zweckentfremdet oder für unzulässige Projekte verpulvert, wie das Beispiel der Uni Saarland zeigt: Hier sollte das Geld in den Ausbau der Universitätsgebäude gesteckt werden. Andere Universitäten finanzierten damit ihre Heizkostenrechnung, stopften mit den Studiengebühren ihre Haushaltslöcher oder bezahlten damit ihre Angestellten, anstatt sie direkt in eine Verbesserung der Lehre fließen zu lassen.

Die Studenten atmen auf

Fragt man die Studierenden, weiß keiner so genau, wo das Geld eigentlich geblieben ist oder welche Projekte damit verwirklicht wurden. Eine deutliche Verbesserung der Lehrbedingungen konnten wohl die wenigsten feststellen, denn während sie fleißig Gebühren zahlten, waren an vielen Universitäten weiterhin die Hörsäle und Kursräume so hoffnungslos überfüllt, dass viele Studenten auf dem Boden sitzend der Vorlesung lauschen mussten, oder gar nicht erst teilnehmen konnten.

Schlussendlich konnten die Studierenden nach zähem Ringen aufatmen, als die Gebühren wieder abgeschafft wurden. Es überwiegt die Erleichterung, dass hierzulande Bildung wieder frei zugänglich ist, und noch keine amerikanischen Verhältnisse herrschen, wo sich nur die Reichen und Begünstigten ein Studium leisten können.

 

Dennoch ist auch ohne Studiengebühren das Studium für viele Studenten finanziell eine Herausforderung. Wer wenigstens in seiner Famulatur oder seinem PJ etwas dazu verdienen möchte, sollte unsere beiden folgenden Artikel nicht verpassen:

Famulatur Ranking

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Bildnachweis: 223/365 – my bank sucks via photopin (license)

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