Schlaftabletten

Schlaftabletten – Risiken? wie gefährlich sind Schlafmittel wirklich?

Schlaftabletten werden immer häufiger verschrieben. Nicht nur gegen echte Schlafstörungen, auch gegen Stress greifen viele abends zum Schlafmittel. Allerdings birgt jedes dieser Präparate seine Risiken: Manche machen süchtig, andere haben schädliche Nebenwirkungen. Grob kann man Schlaftabletten in verschiedene Gruppen einteilen. Jede Sorte hat ihre Nachteile. Das perfekte Schlafmittel gibt es nicht. Aber natürliche Alternativen können beim Einschlafen helfen, sodass man nicht zur Tablette greifen muss.

Antihistaminika: teilweise rezeptfrei, immer mit Vorsicht zu genießen

Antihistaminika sind eigentlich Medikamente gegen Allergien. Aber vier von ihnen verwendet man auch als Schlaftabletten: Diphenhydramin, Doxylamin, Meclozin und Promethazin. Sie machen müde, unterdrücken aber den wichtigen REM-Schlaf. Deshalb fühlt man sich am nächsten Morgen oft nicht erholt, sondern schlapp und unaufmerksam. Die häufigsten Nebenwirkungen von Antihistaminika sind Mundtrockenheit, Magen-Darm-Beschwerden und Kopfschmerzen. Diese vier Schlaftabletten machen zwar nicht abhängig, aber man sollte sie trotzdem nicht öfter als eine Woche lang jeden Abend einnehmen. Das Gehirn gewöhnt sich schnell an Antihistaminika, sodass sie nicht mehr müde machen. Um einzuschlafen, braucht man dann eine höhere Dosis – mit entsprechend mehr Nebenwirkungen.

Benzodiazepine: Nebenwirkungen und Suchtgefahr

Benzodiazepine waren lange das Schlafmittel der Wahl. Zu dieser Gruppe gehören alle, deren Name mit -am aufhört: Nitrazepam, Temazepam, Triazolam, Flurazepam. Sie alle machen abhängig. Deshalb gelten Benzodiazepine als Medikamentengruppe mit der weltweit größten Missbrauchsrate. Setzt man die Schlaftabletten wieder ab, gibt es heftige Entzugserscheinungen.

Die einzelnen Benzodiazepine wirken unterschiedlich schnell und unterschiedlich lang. Jedes hat seinen eigenen Katalog an Nebenwirkungen: Manche beeinträchtigen das Gedächtnis, andere können Panikattacken auslösen. Zwei Dinge haben alle Benzos gemeinsam: Zum einen stören sie das Reaktionsvermögen. Wer ein Benzodiazepin genommen hat, sollte also am nächsten Tag nicht Auto fahren. Aber die gefährlichste Nebenwirkung: Benzodiazepine dämpfen das Atemzentrum im Gehirn. In Kombination mit Alkohol können sie einen Menschen erst einschlafen lassen, dann setzt die Atmung aus. Schnaps und Benzos – diese Kombination hat mehr als ein Selbstmörder verwendet.

Z-Schlafmittel: fast so schlimm wie Benzos

Die Namen dieser Wirkstoffe fangen alle mit Z an: Zopiclon, Zaleplon und Zolpidem. Sie haben die Benzodiazepine inzwischen weitgehend verdrängt und sind zu den meistverschriebenen Schlafmitteln der Welt geworden. Die Z-Medikamente haben ähnliche Nebenwirkungen wie Benzodiazepine: Sie beeinträchtigen das Reaktionsvermögen, können Kopfschmerzen und Sehstörungen auslösen. Sie machen genauso süchtig. Beim Absetzen verursachen sie heftige Entzugserscheinungen. Der einzige Vorteil von Z-Schlafmitteln gegenüber Benzodiazepinen: Man kann sich nicht so leicht damit umbringen.

Barbiturate: inzwischen glücklicherweise aus dem Verkehr

Barbiturate sind in Deutschland seit 1993 nicht mehr als Schlafmittel zugelassen. Mit gutem Grund: Sie unterdrücken den REM-Schlaf und bleiben lange im Blut, sodass man noch am nächsten Tag müde ist. Eine Überdosis, vor allem zusammen mit Alkohol, kann tödlich sein. Deshalb verschreibt man Barbiturate in Deutschland nur noch in Ausnahmefällen: Bei schweren Schlafstörungen, falls kein anderes Schlafmittel geholfen hat.

Der Traum von der perfekten Schlaftablette – und sein Ende

Eine Schlaftablette ohne Risiken und Nebenwirkungen – 1954 glaubte das Pharmaunternehmen Grünenthal, sie gefunden zu haben. Der Wirkstoff Thalidomid beruhigte, entspannte und half beim Einschlafen. Er machte nicht süchtig. Er hatte keinerlei unerwünschte Wirkungen im Tierversuch. Und er war nicht selbstmordgefährlich: Selbst mit großen Mengen konnten Forscher nicht einmal eine Labormaus umbringen. Im Jahr 1957 kamen die Schlaftabletten mit dem Wirkstoff Thalidomid auf den Markt. Ihr Handelsname: Contergan. Vier Jahre lang verschrieben Ärzte das Mittel, unter anderem an schwangere Frauen. Denn Thalidomid half, ganz nebenbei, gegen Morgenübelkeit. Aber in diesen vier Jahren kamen etwa fünftausend Kinder schwer missgebildet zur Welt. Erst im November 1961 nahm Grünenthal sein Präparat vom Markt. Seit der Contergan-Katastrophe scheint der Traum von der perfekten Schlaftablette begraben.

Natürliche Alternativen zu Schlaftabletten

Wenn man abends nicht schlafen kann, ist der ganze nächste Tag im Eimer. Bei der Arbeit schafft man nichts, zu Hause ist man gereizt, und am Abend ist man wieder zu überdreht, um einzuschlafen. Stress und Schlafprobleme werden zum Teufelskreis. Schlaftabletten sind eine schlechte Lösung. Aber es gibt natürliche Wege, um zurück in ein gesundes Schlafmuster zu finden: feste Einschlafzeiten, Schlafhygiene und beruhigende pflanzliche Wirkstoffe.

Schlafhygiene für einen entspannten Abend

Schlafhygiene bedeutet: Alles, was Stress macht, hat im Schlafzimmer nichts zu suchen. Das Handy bleibt draußen, Laptop und Tablet sowieso. Mindestens eine Stunde vor der Einschlafzeit schaltet man sämtliche Bildschirme aus. Jetzt in Ruhe die Zähne putzen, ein Buch lesen, vielleicht ein warmes Getränk, und dann entspannt ins Bett. Die Raumtemperatur im Schlafzimmer sollte auf keinen Fall zu warm sein. Ideal sind 16 Grad. Dünne oder dicke Decke, Fenster offen oder zu? Hier kann man herumprobieren und sich Stück für Stück die perfekte Schlafumgebung schaffen.

Noch ein nicht zu unterschätzender Schlafstörer ist das Abendessen. Zu spät, zu üppig oder zu viel Zucker, und der volle Bauch lässt einen nicht einschlafen. Spätestens drei Stunden vor der Schlafenszeit sollte man deshalb fertig gegessen haben. Und Koffein gibt es abends sowieso nicht mehr: weder Kaffee noch Cola noch Schwarzen Tee.

Kräutertees zum Entspannen

Pflanzliche Wirkstoffe können entspannen und beim Einschlafen helfen. In Kräutertees ist die Dosis gering: Gerade genug, dass es zum Schlafen reicht, aber nicht genug für Nebenwirkungen. Am nächsten Tag ist man fit und ausgeschlafen. Die besten Pflanzen für einen Einschlaftee sind Hopfen, Baldrian, Melisse und Lavendel. Auch eine warme Milch mit Honig ist nicht zu unterschätzen. Verfeinert Zimt und Kardamom, kann sie beruhigen und entspannen

Durch | 25.07.2018 | Allgemein | 0 Kommentar

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