Neues von Frau Sandmann

Post-Narkose-Gespräche

Post-Narkose-Gespräche

Patientenkontakt ist etwas wirklich Schönes. Die Krux am Sandmann-Dasein ist, dass wir Patienten nur in Ausnahmezuständen wach erleben. Vor der Narkose entweder als aufgeregtes Nervenbündel oder von der Prämedikation völlig umgenietet, und nach der Narkose noch halb im Opiatrausch. In ersterem Zustand sind die Gespräche meist eher kurz und unentspannt.

Umso unterhaltsamer sind dafür die post-OP-Dialoge.

Eine kleine Auswahl:

„Geben Sie mir bitte alles, was Sie an Opiaten aufbringen können!“
Ähm – nein. Dass du deinen Wunsch, obgleich mit opiatgeschuldet träger Zunge, so eloquent hervorbringen konntest, sagt mir, dass du bereits genug davon hattest. Und da ich mir für dich wünsche, dass du den kommenden Tag noch erlebst, bekommst du sicherlich nicht, was du eben bestellt hast. Alles Gute für dich!

„Alter! Geiles Zeuch….ich brauch das für zu Hause auch. Ohne Scheiß, ich hab da immer so Einschlafprobleme, deshalb brauch ich den Stoff. Können Sie mir ein Rezept schreiben?!“
Sicherlich. Träum weiter Bro!

„Also…wenn ich jetzt eh in Narkose war, hätten Sie nicht gleich ein paar Falten mit wegmachen können? So ein bisschen Botox ist doch schnell gemacht, oder?“
Buchen Sie bitte beim nächsten Mal unser Luxus-All-inclusive-Premiumpaket! Dann entfernen wir auch gleich den Blinddarm, und sie bekommen 3 Gallensteine zum Preis von zweien geschenkt!

„Heee…ich will noch weiterschlafen! Geben Sie mir nochmal Narkose, das war so schön eben…“
Aber sicher, Schätzchen. Wir fahren dann mal in den Aufwachraum.

„Kann ich meine Hüftprothese sehen?“
In den letzten Stunden haben 7 Menschen alles gegeben, um das Ding reinzudübeln. Glauben Sie mir, die bleibt jetzt da drin!

„Ich muss mal Pipi….“
Du hast nen Katheter. Laufen lassen!

„Halt, halt, STOP! Noch nicht anfangen, ich schlaf doch noch gar nicht!!!“
Liebes…du hast die letzten 3 Stunden geschlafen. Wir wären dann fertig, wenn du es auch bist.

„§!%&)=?  %$!/%)($/$)   )($(§/&(/)  ?!($&$($=  ?“!??“
(Plötzlicher Verlust der Muttersprache zugunsten einer Fremd- oder Phantasiesprache. Kommt vor, geht vorbei.)

„Heidrun, ich sags zum letzten Mal, der Hund kommt nicht ins Bett! Und ich will jetzt Boot fahren.“
So so. Wir werden es Heidrun bestellen.

„Frau Dokta….mir ist voll schwindelich…aber ich schwör ich hab nix getrunken, glaub ich.“
Cheers, das glaub ich auch. Ab in die Heia und ausschlafen!

Liebe Patienten, lieber Hersteller von Fentanyl und Dipidolor: Mein Dank kommt von Herzen. Die Situationskomik, die ihr gemeinsam auf die Beine stellt, trägt oft das Prädikat „made my day“.

Please keep up the good work!

Herzliche Grüße

Frau Sandmann

Einen Kommentar hinterlassen

Finde uns auf Facebook