PJ Bericht Innere Medizin In Deutschland

PJ Innere Medizin | Bericht zum praktischen Jahr – Ablauf und Inhalt

Das PJ Tertial im Fachbereich Innere Medizin ist in Deutschland eines von drei PJ Tertialen und gehört neben der Chirurgie zu den Pflichttertialen. Folgend ein Bericht über das praktische Jahr in der Inneren Medizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Bewerbung für das praktische Jahr in der Inneren Medizin

Als Medizinstudentin /-student an der LMU München ist das Bewerbungsverfahren für das praktische Jahr in der Medizin ist sehr einfach. Man schreibt der zuständigen PJ Beauftragten eine Mail und kann sich hierfür ein Empfehlungsschreiben ausstellen lassen. Dieses Empfehlungsschreiben erhöht die Chancen genommen zu werden, hat aber absolut nichts mit der Qualifikation des Bewerbers zu tun. Gleichzeitig muss man sich als Student der LMU über das Online Portal auch für diese Klinik bzw. Abteilung bewerben und bekommt in den allermeisten Fällen auch den Platz.

Auch externe Studierende können das praktische Jahr im Rahmen der PJ Mobilität an einem Lehrkrankenhaus der LMU München absolvieren. Der genaue Ablauf der Bewerbung ist direkt auf der Uni Homepage Bewerbung ohne Wechsel an die LMU beschrieben. Der Zeitpunkt der Bewerbung für die einzelnen PJ Tertiale ist uns LMU Studenten vorgegeben, nämlich im letzten Semester vor dem PJ. Auch hier wieder, externe Studierende sollten sich hierzu auf der LMU Seite informieren, damit die Fristen nicht verpasst werden.

Die Ludwig-Maximilians-Universität München besitzt zwei Standorte, die ca. eine halbe Stunde Geh- und Fahrzeit, auseinanderliegen. Das spielt insofern eine Rolle, als dass während des PJ-Tertials z.B. Fortbildungen (EKG Kurs etc.) am anderen Standort angeboten wurden, aber man nicht einfach mehrere Stunden fehlen darf. Somit ist die Möglichkeit um Fortbildungen durchführen zu können leider eingeschränkt. Auch fallen PJ Fortbildungen sehr oft aus oder werden verkürzt, da von Seiten der Ärzte zu wenig Zeit vorhanden ist.

Ablauf und Tätigkeiten im praktischen Jahr in der Inneren Medizin

Das praktische Jahr in der inneren Medizin wurde zu acht Wochen in der kardiologischen Abteilung verbracht, davon eine Woche auf die Intermediate Care Station, auf welcher Patienten waren, die noch nicht fit genug für eine Normalstation sind, aber dennoch zu fit, um auf eine Intensivstation zu müssen. Sie werden am Monitor überwacht und in der Regel nicht beatmet. Sofern man das ganze Tertial in dieser Abteilung absolviert, ist es vorgesehen, dass man noch zwei Wochen in die Nothilfe rotiert.

Zum Tagesablauf: Dienstbeginn ist um kurz vor 8 Uhr mit der Frühbesprechung, in der es im Großen und Ganzen darum geht wie viele geplante Aufnahmen die jeweiligen Stationen haben und wie viele freie Betten zur Verfügung stehen. Um ca. 8:20 ging es dann zurück auf die Station, wo es dann Sache der PJler ist das ganze Blut abzunehmen (verlinken), neue periphervenöse Zugänge zu legen, teilweise auch EKGs zu schreiben (sofern sie nicht in der Ambulanz geschrieben und ausgewertet wurden), organisatorische Dinge am Telefon zu erledigen (Blutwerte nachbestellen, Befunde bei Hausärzten anfordern, Untersuchungen anmelden etc.) und auch Aufklärungen durchzuführen.

Die Ärzte haben in dieser Zeit die Visite vorbereitet und neue Befunde ausgedruckt. Wenn man schnell ist, kann man zur Visite mitgehen, was sehr sinnvoll ist, weil es ansonsten sein kann, dass einen die Patienten zu ihrem weiteren Behandlungsverlauf etwas fragen, das bei der Visite ausgemacht wurde und man selbst als PJler aber nichts davon mitbekommen hat. Wenn viel zu tun ist, kann es auch schon mal sein, dass man die Visite versäumt, weil gleich nach den morgendlichen Blutabnahmen die ganzen Patientenaufnahmen zu machen sind. Die Aufnahmen werden irgendwann zur Routine, da die meistens Patienten entweder für eine TAVI, einen Herzkatheter oder wegen eines Mitralklappenclippings kommen. Somit wird man natürlich mit zunehmender Erfahrung auch immer schneller.

Tagsüber ist man für die Pflege natürlich Ansprechpartner Nummer Eins, wenn beispielsweise nochmal zusätzliches Blut abgenommen werden musste oder eine Paravasation aufgetreten ist. Die Visite dauert meistens sehr lange. Sie beginnt um 9 Uhr und endet zwischen 12 und 13 Uhr.  Es wurde sich sehr viel Zeit für die Patienten genommen und die Oberärztin ist an vielen Tagen zur Visite mitgegangen oder stand zumindest für alle Fragen zur Verfügung.

Leider ist keine Betreuung von eigenen Patienten möglich, auch nicht wenn schon die Famulatur an der LMU München absolviert wurde oder die medizinische Doktorarbeit dort geschrieben wird. Generell arbeitet man aber sehr überwacht und nach klaren Vorgaben. Sofern mal etwas Zeit ist, darf man nachmittags auch mal in das Herzkatheter Labor und dort bei den interventionellen Verfahren (Rhythmologie, TAVIs, Mitralklappenclippings oder beim Herzkatheter) oder im Echo zuschauen. Meistens ist dort aber so viel los, dass die Ärzte wenig Zeit hatten viel zu erklären.

Natürlich war es auf Station auch möglich kleine invasive Eingriffe am Patienten, wie z.B. eine Pleurapunktion oder einen Aszites zu punktieren, durchzuführen.

Praktisches Jahr an einer großen Uniklinik

Man kann sich vorstellen, dass die Uniklinik riesig und demzufolge auch der ganze Betrieb sehr unüberschaubar ist. Man ist auf seiner Station und macht seine Sachen. Ob man vieles lernt, hängt einerseits von sich selbst ab und davon wie viel Einsatz man zeigt und andererseits natürlich auch von den Ärzten auf Station, wie routiniert sie sind und wieviel Kapazität sie für einen Studenten haben, der hin und wieder die eine oder andere Frage stellt.

Generell ist sowohl das Klima unter den Ärzten, den Studenten und der Pflege sehr gut. Es hat Spaß gemacht dort zu arbeiten, auch wenn der Lernerfolg nicht überragend war. Auf der anderen Seite hat man natürlich hier mit speziellen kardiologischen Krankheitsbildern zu tun, die man an peripheren Häusern nicht hat, was schon auch sehr spannend ist. Interessant und toll ist es auch, dass man hier Patienten von Beginn bis zur Entlassung auf seiner Station betreuen kann und somit ein ganz anderes Verhältnis zu Ihnen aufbaut. An kleinen Häusern ist es oft so, dass die Patienten mit unklaren Beschwerden kommen, Diagnostik gemacht und zur Therapie dann an ein größeres Haus geschickt werden.

Somit würde ich sagen, dass eine Uniklinik für Studenten, die wissen was sie wollen und sich vor allem vorstellen können später selber an einer Uniklinik zu arbeiten, durchaus zu empfehlen ist. Es stellt selbstverständlich auch eine Möglichkeit war sich die Abteilung, sofern man später dort arbeiten möchte, anzuschauen und sich schon mal mit Fleiß, Wissen und Engagement präsentieren zu können. Eine Liste der größten Unikliniken Deutschlands zeigt Euch, wo Ihr Euch bei Interesse bewerben könnt.

Wer von vornherein sagt, dass ihm die Uni zu groß ist und eine breitere Innere Medizin kennenlernen will, ist hier auf jeden Fall falsch und sollte an ein peripheres, kleineres Haus gehen. Es kann einem auch im PJ passieren, dass man die ganzen 16 Wochen nur auf der kardiologischen oder gastroenterologischen etc. Station ist und nichts von anderen Teilbereichen der Innere Medizin mitbekommt.

Die Ludwig-Maximilians-Universität München

Arbeitszeiten: 8 Uhr morgens bis open end (meistens so zwischen 17-18 Uhr, je nach dem wie engagiert man ist dem Assistenzarzt noch z.B. mit Aufklärungen zu helfen)

Verpflegung: Regelmäßiges Mittagessen möglich. Man bekommt Essensmarken, mit denen man sich ein Menü holen kann, bestehend aus Salat/Suppe, Hauptspeise und Nachtisch. Dauer ca. eine halbe Stunde.

Unterkunft: Es gibt Personalwohnungen, die aber in der Regel nur für Festangestellte gedacht sind und zudem besteht ein Mangel an Wohnungen (man bedenke die Mietpreise in München). Es gibt aber zahlreiche Möglichkeiten für die Zeit eines Tertials/Famulatur auf anderen online Plattformen ein WG Zimmer zu finden.

Bezahlung: Keine. Eine Übersicht zu Kliniken mit PJ Vergütung haben wir für Euch zusammengestellt.

Weitere interessante Erfahrungsberichte:

Famulatur im Ausland inklusive Erfahrungsberichte

PJ im Ausland inklusive Erfahrungsberichte

Famulaturplätze in Deutschland findet Ihr hier: Famulaturbörse

Und PJ-Stellen hier: PJ-Stellen

1 Kommentar

  1. PJler aus Greifswald 18.10.2017 um 20:33 - Antworten

    „Wenn viel zu tun ist, kann es auch schon mal sein, dass man die Visite versäumt, weil gleich nach den morgendlichen Blutabnahmen die ganzen Patientenaufnahmen zu machen sind.“…
    „Interessant und toll ist es auch, dass man hier Patienten von Beginn bis zur Entlassung auf seiner Station betreuen kann und somit ein ganz anderes Verhältnis zu Ihnen aufbaut. An kleinen Häusern ist es oft so, dass die Patienten mit unklaren Beschwerden kommen, Diagnostik gemacht und zur Therapie dann an ein größeres Haus geschickt werden.“
    Widerspricht sich der Autor hier nicht selbst?
    Ich denke, dass man an einem kleineren Haus vielleicht noch mehr den Verlauf mitkriegt, weil man nicht nur an einer Stelle vor sich hin arbeitet, sondern das große Ganze etwas einfacher überschauen kann. Soweit zumindest meine Erfahrung.

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