Nicht Krankenversichert Ohne Krankenversicherung Zum Arzt

Nicht krankenversichert – Ohne Krankenversicherung zum Arzt

Ein Leben ohne Krankenversicherung ist in Deutschland eigentlich nicht vorgesehen, denn hierzulande ist der Krankenversicherungsschutz Pflicht. Dennoch gibt es Situationen, in denen Menschen durchs Raster fallen und nicht krankenversichert sind. Aber was, wenn man in einer solchen Situation krank wird? Kann man einfach ohne Krankenversicherung zum Arzt? Wir erörtern die Optionen.

Nicht krankenversichert: Ein Ausnahmefall

Eigentlich gilt das deutsche Sozialsystem als engmaschig. Ob arbeitslos, krank oder aus anderen Gründen in Not, in jeder Lebenslage gibt es in Deutschland Hilfe. Damit das System funktioniert, müssen alle versichert sein und regelmäßig Beiträge zahlen.

Vor zehn Jahren lag die Zahl derer, die nicht krankenversichert waren, noch bei 200.000. Für ein gut funktionierendes System war diese Zahl zu hoch. Als Gegenmaßnahme verschärfte die Regierung im Jahr 2009 deshalb die Gesetze, die allgemeine Versicherungspflicht wurde eingeführt. Das zeigte zwar Wirkung, doch es gibt immer noch Menschen, die nicht krankenversichert sind. Viele ungewollt und ohne böse Absicht.

Aktuell leben rund achtzigtausend Menschen ohne Krankenversicherung in Deutschland. Dabei handelt es sich keineswegs um Obdachlose oder Illegale, die werden in der Statistik nicht aufgeführt. Aus dem System fallen vor allem Langzeitstudenten, Freiberufler und Unternehmer. Schlicht, weil ihnen die Beiträge über den Kopf wachsen. Auch Migranten aus dem EU-Ausland sind betroffen. Sie dürfen sich legal in Deutschland aufhalten, verlieren nach 90 Tagen allerdings den europäischen Versicherungsschutz und sind nicht mehr krankenversichert.

Ohne Krankenversicherung zum Arzt: Diese Möglichkeiten gibt es

Eine Erkältung lässt sich in der Regel ohne Arztbesuch auskurieren, bei schweren Erkrankungen sieht das anders aus. Kann man dann ohne Krankenversicherung zum Arzt? Ja, mit Einschränkungen. Grundsätzlich wird in Deutschland jede Person behandelt, die an akuten Schmerzen leidet oder lebensbedrohlich erkrankt ist. Das gilt ebenfalls für Personen, die nicht krankenversichert sind. Auch Schwangere und junge Mütter erhalten medizinische Versorgung.

Nicht Krankenversichert Behandlung Selbst ZahlenDennoch ist der Gang in eine nah gelegene Arztpraxis für Menschen ohne Krankenversicherung nicht unkompliziert. Denn bereits an der Rezeption wird die Gesundheitskarte verlangt. Kann diese nicht vorgelegt werden, gibt es nicht immer einen Termin. Grund dafür ist der Bundesmantelvertrag für Ärzte. Der Vertrag regelt, dass Patienten ohne Gesundheitskarte abgewiesen werden dürfen, sofern nicht akut behandelt werden muss. Einige Praxen sind sehr streng, andere vergeben Termine auch an Patienten ohne Gesundheitskarte und erlauben eine Nachreichfrist von bis zu 10 Tagen. Wird die Karte binnen dieser Frist nicht nachgereicht, müssen die Kosten privat beglichen werden. Wer ohne Krankenversicherung zum Arzt geht, wird also wie ein Privatpatient behandelt. Nach dem Arztbesuch kommt die Rechnung per Post nach Hause. Die Kosten richten sich nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ).

Versichert trotz nicht bezahlten Krankenkassenbeiträgen?

Gleiches gilt für Menschen, die ihre Krankenkassenbeiträge nicht bezahlt haben. Sie sind zwar theoretisch weiterhin versichert, der Vertrag mit der Krankenversicherung ruht allerdings. Deshalb haben sie nicht mehr den vollen Versicherungsschutz und erhalten nur eine Notfallversorgung. Eine gesetzliche Regelung darüber, was diese Notfallversorgung enthalten muss, gibt es nicht. Jeder Versicherer hat seine eigenen Regeln.

Eine weitere Möglichkeit, um ohne Krankenversicherung zum Arzt zu gehen, sind Hilfsorganisationen wie etwa die Malteser Migranten Medizin. Ursprünglich richtete sich das Angebot der Malteser Migranten Medizin, die 2001 gegründet wurde, an Menschen, die ohne legalen Aufenthaltsstatus waren. Heute ist der größte Teil der Patienten legal in Deutschland:

  • Deutsche, die nicht krankenversichert sind
  • Studenten, die die Regelstudienzeit überschritten haben
  • EU-Bürger
  • Touristen aus dem Ausland

Besonders in Großstädten wie Köln und München ist der Anteil der deutschen Patienten hoch. Die Malteser Migranten Medizin ist inzwischen in 14 Städten aktiv und bietet kostenlos und anonym Erstuntersuchungen und Notfallversorgung für Menschen ohne Krankenversicherung.

Empfehlenswert: Der Weg zurück ins System

Langfristig nicht krankenversichert zu sein, ist unangenehm. Viele Betroffene leben ständig mit der Angst, dass sie krank werden könnten. Auch, dass hohe Kosten entstehen, wenn man ohne Krankenversicherung zum Arzt muss, macht vielen Nicht-Versicherten Sorgen. Um wieder bedenkenlos zum Arzt gehen zu können, lohnt es sich, den Weg zurück ins Versicherungssystem zu suchen.

Meist ist der Weg in die Krankenkasse, in der man zuletzt versichert war, der beste. Wer noch nie versichert war, für den ist die gesetzliche Krankenversicherung die erste Anlaufstelle. Sie kann je nach Beruf entscheiden, ob eine gesetzliche oder private Krankenversicherung abzuschließen ist. In Deutschland darf niemand von der Krankenversicherung abgelehnt werden, auch nicht aufgrund chronischer Krankheiten oder bestehender Schulden.

Wer seine Beiträge nicht bezahlt hat, muss beim Wiedereinstieg allerdings nachzahlen. Wie viel die gesetzlichen Krankenkassen säumigen Zahlern berechnen dürfen, ist gesetzlich geregelt. Günstig wirkt sich aus, wenn in dem Zeitraum, in dem man nicht bezahlt hat, auch keine Versicherungsleistungen beansprucht wurden. Zudem lassen sich Ratenzahlungen vereinbaren, bis die Schulden in voller Höhe abbezahlt sind. Bestehen Schulden bei einer privaten Krankenversicherung, können in der Regel individuelle Absprachen getroffen werden. Aber auch in diesem Fall müssen die Schulden abgetragen werden, um wieder den vollen Versicherungsschutz nutzen zu können.

Der Gang zurück ins System mag zwar lang und schwierig wirken, dennoch ist es langfristig der richtige Weg, um nicht mehr ohne Krankenversicherung leben zu müssen.

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Durch | 07.07.2017 | Allgemein | 0 Kommentar

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