MRT Studie

MRT Studie: Vergrößertes Hirn bei Depressionen

Depressionen gehören zu den häufigsten psychiatrischen Erkrankungen weltweit. Doch noch immer ist nicht vollständig geklärt, wo genau die Ursachen für eine Depression liegen. Eine Studie des Max-Planck-Instituts (MPI) und des Universitätsklinikums Leipzig liefert nun neue Hinweise: Demnach ist bei Depressionserkrankten eine Hirnregion vergrößert, die zur Stresskontrolle verantwortlich ist.

Auf der Suche nach Ursachen für die Depression

Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht davon aus, dass im Jahr 2015 rund 322 Millionen Menschen weltweit von einer Depression betroffen waren. Das entspricht ganzen 4,4 Prozent der Weltbevölkerung. Die Deutsche Depressionshilfe schätzt, dass in Deutschland im Laufe eines Jahres etwa 8,2 Prozent aller Erwachsenen an einer depressiven Störung erkranken, rund 5,3 Millionen Menschen. Obwohl Depressionen so weit verbreitet sind, ist noch immer weitgehend unklar, was sie eigentlich auslöst. Bislang geht die Wissenschaft davon aus, dass eine Kombination aus Veranlagung und Umweltfaktoren für die Entstehung einer depressiven Störung verantwortlich ist. Forschungsergebnisse weisen zudem darauf hin, dass bei vielen Betroffenen das körpereigene Stresssystem nicht mehr richtig funktioniert. Ihr Hirn schüttet zu viel des Stresshormons Cortisol aus.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften sowie des Universitätsklinikums Leipzig haben nun möglicherweise den Grund dafür identifiziert. Mit Hilfe der hochauflösenden Magnetresonanztomografie (MRT) haben die Wissenschaftler die Gehirne von 84 Probanden untersucht. Mit speziellen Fragebögen und Interviews ermittelten sie zuvor die Schwere der vorliegenden Depression. Bei der Untersuchung stellte sich heraus, dass Depressionserkrankte einen vergrößerten Hypothalamus aufweisen.

Hirnregion ist im Schnitt um 5 Prozent größer

Der Hypothalamus liegt im Zwischenhirn. Ihm kommen viele Aufgaben zu: Der Hypothalamus koordiniert den Salz- und Wasserhaushalt des Körpers und den Blutdruck und ist darüber hinaus eine wichtige Schaltzentrale für den Hormonhaushalt. Im Hypothalamus gebildete Hormone regen unter anderem die Hirnanhangdrüse dazu an, das adrenocorticotropen Hormon (ACTH) zu produzieren. ACTH wiederum stimuliert die Nebennierenrinde zur Produktion des Stresshormons Cortisol. Bei gesunden Menschen hat der Hypothalamus etwa die Größe eines Ein-Cent-Stücks. Bei Depressionserkrankten und bei Personen mit bipolarer Störung ist er um durchschnittlich 5 Prozent größer. Laut MPI-Wissenschaftlern ist die Hirnregion umso größer, je schwerer die Krankheit ist. Medikamente wie Antidepressiva würden sich nicht auf die Vergrößerung auswirken.

Noch ist nicht klar, welche Rolle dem vergrößerten Hypothalamus genau bei der Entstehung einer Depression oder bipolaren Störung zukommt. Bisherige Studienergebnisse haben jedoch bereits gezeigt, dass diese Hirnregion bei depressiven Menschen aktiver ist. Diese höhere Aktivität könnte zu einer Volumenzunahme führen. So könnte es dazu kommen, dass bei depressiven Menschen das Stresssystem selbst dann auf Hochtouren läuft, wenn eigentlich gar keine Stresssituation vorliegt.

Das Stresshormon Cortisol sorgt dafür, dass der Körper in stressigen Situationen mehr Energie bereitstellen kann. Ist der Gefahrenmoment vorüber, reguliert sich der Cortisolgehalt im Blut wieder. Bei Depressionserkrankten ist aber genau dieser Regulierungsmechanismus gestört. Ihr Stresssystem verhält sich immer so, als würden sie sich gerade in einer akuten Gefahrensituation befinden.

21.11.2018
21.11.2018 | Allgemein, Facharzt | 0 Kommentar

Einen Kommentar hinterlassen