Studenten werden immer jünger

Minderjährige Medizinstudenten: Es wird immer jünger

Deutschlands Studierende werden immer jünger: Noch nie waren so viele Minderjährige immatrikuliert wie jetzt. Doch woran liegt das? Kann man in einem so zarten Alter überhaupt schon reif fürs Studieren sein?
Und welche Schwierigkeiten können sich dadurch ergeben? Wir sagen es euch!

Ursprung im G8-Abitur

Seit der Einführung des schnellen G8-Abiturs in Deutschland sind Abiturienten im Schnitt ein Jahr jünger, wenn sie die Schule verlassen.

Wer dazu noch um den Stichtag herum geboren wurde, besonders früh eingeschult wurde, eine Klasse übersprungen hat oder eine Schnellläuferklasse absolvierte, kann bei der Immatrikulation durchaus deutlich jünger als 18 Jahre sein.

Eine Herausforderung, nicht nur für die jungen Menschen, sondern auch für die Eltern und für die Universitäten.

Eltern sind immer dabei

Da die minderjährigen Studenten nicht geschäftsfähig sind, müssen sie von ihren Eltern zur Immatrikulation begleitet werden. Weder einen Mietvertrag noch einen Telefonvertrag dürfen die Teenager alleine abschließen. Die meisten Universitäten lösen dieses Problem, indem sie die Eltern eine Generaleinwilligung unterzeichnen lassen. Danach dürfen die Studierenden alle studiumsbezogenen Handlungen selbst vornehmen.

Zahlreiche Fakultäten bieten mittlerweile einen Elterntag oder spezielle Informationsveranstaltungen für Eltern an. Diese sind häufig verständlicherweise besorgt um den Nachwuchs, der nun doch gefühlt zu früh das heimatliche Nest verlässt.
Dozenten und Professoren müssen sich zunehmend darauf einstellen, Mails oder Anrufe von Eltern minderjähriger Studierender zu bekommen, die eine schulische Betreuung einfordern und sich regelmäßig nach den Leistungen ihrer Kinder erkundigen.

Herausforderungen im Alltag

Doch auch für die Studierenden selbst kann der neue Lebensabschnitt eine große Herausforderung bedeuten. Liegt die Wunschuni nicht zufällig in Pendelreichweite zum Elternhaus, muss ein unabhängiges und eigenständiges Leben geführt werden. Das erfordert Reife und ein gewisses Organisationsgeschick. Kochen, Putzen, Waschen, Einkaufen und Amtsgänge gehören plötzlich zum Alltag.
Sich in einer neuen Stadt zurechtfinden, neue Freundschaften schließen, Anschluss finden oder sich in einer WG einleben sind ebenfalls Teil davon.

Je nach Studiengang kommen auch Belastungen auf die jungen Menschen zu, denen sie unter Umständen noch nicht gewachsen sind: In der Medizin sind das beispielsweise der Kontakt zu schwer kranken Patienten, die Konfrontation mit der Präp-Leiche, ein harscher Umgangston unter Kommilitonen, ein Dozent mit hohen Erwartungen oder der allgemeine Leistungsdruck im Studium.

Auch in der Freizeitgestaltung kann ein zu junges Alter Studierende vor Gewissensentscheidungen stellen: Semesterpartys und andere Feiern müssen sie laut Jugendschutzgesetz müssen um 24 Uhr verlassen. Harten Alkohol dürfen sie ebenso wenig konsumieren.

Es fehlt ein wertvolles Jahr

Experten und Universitäten sind sich einig: Entwicklungspsychologisch fehlt den jungen Studierenden ein wertvolles Jahr. Wer ein gutes Abitur in der Tasche hat, besitzt zwar meist auch ein gewisses soziales und organisatorisches Geschick, dennoch darf man nicht vergessen, dass es sich bei den minderjährigen Studierenden fast noch um Kinder handelt.

Und schließlich zieht sich das junge Alter der Studierenden durch das ganze Studium. Einem 27jährigen Medizinabsolventen nimmt man die Rolle des Assistenzarztes wohl ab – bei einem 23jährigen kann das ganz anders aussehen.

Bei allem Ehrgeiz um eine früh begonnene, sehr gute Ausbildung und um verbesserte Chancen auf dem Arbeitsmarkt sollte man diese Fakten nicht vergessen. Schließlich soll das Studium auch nicht als eine zu früh erzwungene Etappe im Lebenslauf in Erinnerung bleiben – sondern als eine der schönsten Zeiten im Leben.

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