Mehr Ärzte Weniger Pfleger

Gesundheitswesen: Mehr Ärzte in Kliniken, aber weniger Pfleger

Deutschland gilt immer noch als ein Land, das in der medizinischen Versorgung seiner Bürger einen hohen Standard gewährleistet. Doch dieser Standard könnte bald sinken, denn in Deutschland sind immer weniger Pfleger tätig – und das bei steigendem Pflegeaufwand. Dies bekommen immer mehr Patienten zu spüren.

Steigende Patientenzahlen in den Kliniken

Das Statistische Bundesamt teilte mit, dass die Zahl der Krankenhauspatienten von 14,6 Millionen im Jahr 1991 auf 19,5 Millionen im vergangenen Jahr anstieg. Das macht einen Zuwachs von 34 Prozent. Gleichzeitig stieg die Zahl der Krankenhausärzte von etwa 95.000 auf gut 158.000, was einem Zuwachs von ca. 60 Prozent entspricht – eine Zahl die beruhigen könnte, wenn die Zahl der Krankenpfleger und Krankenschwestern sich entsprechend auch erhöht hätte. Jedoch sinkt diese in den letzten Jahren. Kurzum: In deutschen Krankenhäusern kommen auf immer mehr Patienten immer weniger Pflegepersonal.

Das ärztliche Personal, das im Jahr 1991 noch einen Anteil von 10,9 Prozent der Krankenhausangestellten ausmachte, bringt es mittlerweile (2016) auf einen Satz von 18 Prozent, Tendenz steigend. Dagegen meldete das Bundesland Berlin alleine nach einer aktuellen Erhebung des Senats einen Bedarf von etwa 47.000 Pflegern und Pflegehilfskräften.

Sinkende Aufenthaltsdauer der Patienten

Immer weniger Pfleger kümmern sich um immer mehr Patienten. So ist es wenig verwunderlich, dass sich die Verweildauer in Krankenhäusern in den letzten Jahren drastisch reduziert hat. Betrug die durchschnittliche Liegezeit eines Kranken im Jahr 1991 noch 7,3 Tage, so hat sich dieser Wert mittlerweile fast halbiert. Eine bessere technische Ausstattung und eine präzisere Diagnostik mögen hier zwar einen positiven Einfluss zeigen, doch lässt sich kaum leugnen, dass auch immer mehr wirtschaftliche Zwänge und ein dramatischer Personalmangel über die Verweildauer eines Krankenhauspatienten entscheiden.

Immer mehr alte Patienten

Eugen Brysch, Stiftungsvorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz kommentierte diese Zahlen vor dem Hintergrund des demografischen Wandels. Immer mehr Krankenhauspatienten seien chronisch krank, pflegebedürftig und in fortgeschrittenem Alter. „Jeder Sechste ist mit über 80 hochbetagt und die Hälfte der Patienten ist über 60 Jahre alt„, warnte Brysch. Trotz erhöhten Pflegeaufwands würden diese Patienten immer schneller entlassen, um den Mangel an Pflegekräften zu überdecken. Von einer neuen Bundesregierung erwartet Brysch die Einführung einer verbindlichen und nachprüfbaren Personaluntergrenze in deutschen Krankenhäusern, damit nicht weiterhin immer mehr Patienten auf immer weniger Pfleger treffen.

Der Stiftungsvorstand kritisierte, dass sowohl die Kliniken als auch die Gesundheitsminister des Bundes und der Länder den demografischen Wandel bisher weitgehend ignoriert haben. Aus wirtschaftlichen Gründen sei die Zahl der Pflegekräfte in den letzten Jahren kontinuierlich reduziert worden, sodass die Arbeitsbelastung der Pflegekräfte seit 1991 um über ein Drittel gestiegen ist.

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Durch | 07.05.2018 | Allgemein | 0 Kommentar

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