Weiterbildung Alternative Medizin

Manuelle Medizin, Naturheilkunde, Homöopathie und Akupunktur – Wege in die Alternative Medizin

Die Alternative Medizin wird häufig auch als Komplementärmedizin bezeichnet. Sie soll aber keine Alternative zur klassischen Medizin darstellen, sondern sie ergänzen. Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es zahlreiche alternative Verfahren, für die medizinische Evidenz gefunden wurde. Viele werden inzwischen sogar an Universitäten gelehrt. Wissenschaftlich anerkannte Therapieverfahren sind zum Beispiel der Einsatz von Johanniskraut in der Therapie von leichten bis mittelschweren Depressionen oder die Akupunkturtherapie von chronischen Schmerzen.

Weiterbildungsmöglichkeiten für Ärzte und Medizinstudenten

Immer mehr Menschen vertrauen auf den ganzheitlichen Ansatz der Alternativen Medizin. Ihr postulierter Vorteil ist die Therapie ohne Nebenwirkungen. Allerdings gibt es viele alternative Diagnostik- und Therapieverfahren, die ohne wissenschaftliche Evidenz auskommen und über deren Wirksamkeit heftig gestritten wird. Die beliebtesten Weiterbildungsmöglichkeiten für Ärzte in der Alternativen Medizin sind die Manuelle Medizin/ Chirotherapie, Naturheilverfahren, Homöopathie und Akupunktur. Heilpraktiker nutzen diese Verfahren ergänzend zu ihrem sonstigen Diagnostik- und Therapieangebot.

Wer Arzt ist, darf aber nicht gleichzeitig als Heilpraktiker tätig sein und sich als solcher bezeichnen. Denn um Menschen mit Alternativer Medizin zu behandeln, ist eine Approbation zum Arzt oder eine Heilpraktiker-Lizenz nötig.

Alternative Medizin für angehende Ärzte

Im Artikel Medizinstudium – Voraussetzungen, Inhalt, Ablauf, Bewerbung wird der Weg bis zur ärztlichen Approbation ausführlich beschrieben. Wer aber auch im Bereich der Alternativen Medizin praktizieren möchte, muss einen weiten Weg bis zur tatsächlichen Tätigkeit in Kauf nehmen. Allerdings bieten viele Universitäten in Deutschland die Alternative Medizin als Teil ihres Curriculums an. So können Medizinstudierende bereits frühzeitig einen großen Einblick in die Alternative Medizin gewinnen:

An der medizinischen Fakultät der Otto von Guericke Universität Magdeburg werden insgesamt 10 Stunden Vorlesungen in den Bereichen Klassische Naturheilverfahren, Homöopathie, Anwendung der Naturheilverfahren, Traditionell Chinesische Medizin und Anthroposophische Medizin angeboten. Zusätzlich steht ein 90- minütiges Seminar auf dem Stundenplan, dessen Inhalt prüfungsrelevant ist. Wer noch tiefer in die Thematik einsteigen möchte, kann zusätzlich die Wahlfächer Traditionell Chinesischer Medizin (TCM) und Homöopathie belegen.

Auch an der Technischen Uni München und der Charité in Berlin ist die Komplementärmedizin und Naturheilkunde ein Teil des Querschnittsfaches Rehabilitation, Physikalische Medizin, Naturheilverfahren.

Am Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf haben sich Studenten zum Studentischen Arbeitskreis Akupunktur und Traditionell Chinesische Medizin zusammengeschlossen. Dabei wird das Projekt von den Dozenten des HanseMerkur Zentrums für Traditionell Chinesische Medizin unterstützt.

Fest steht: das Angebot der Universitäten hat in den letzten Jahren zugenommen. Ob das darauf zurückzuführen ist, dass Alternative Medizin tatsächlich eine höhere Akzeptanz in der Schulmedizin bekommt oder ob, wirtschaftliche Überlegungen dahinter stehen, ist fraglich.

Weiterbildung nach der Approbation

Neben dem Angebot an Universitäten ist auch das Weiterbildungsangebot für Ärzte in Alternativer Medizin groß.  Die Vergabe der Zusatzbezeichnungen erfolgt in der Regel durch die Landesärztekammern. Sie legen Voraussetzungen für die Weiterbildung fest, bestimmen Richtlinien für die Weiterbildungsdauer und -inhalte und nehmen die Prüfungen ab. Aber nicht alle Anbieter erfüllen diese Voraussetzungen. Daher ist es wichtig, sich vor der Weiterbildung bei den zuständigen Landesärztekammern zu informieren.

Die Kurse werden meist berufsbegleitend angeboten. Nebenbei können auch CME-Punkte (Contienued Medical Education) für die fachärztliche Fortbildungspflicht gesammelt werden.

Manuelle Medizin/Chirotherapie:

Für die Weiterbildung manuelle Medizin/ Chirotherapie werden laut Weiterbildungsordnung der Landesärztekammern 320 Stunden benötigt. Die Kurse bestehen aus 120 Stunden Grundkurs und 200 Stunden Aufbaukurs. Bestandteile der Weiterbildung sind grundlegende Anatomiekenntnisse, Diagnostikverfahren, Mobilisations- und Manipuliationstechniken. Damit Erlerntes ausreichend vertieft werden kann, sollen zwischen Grund- und Aufbaukurs mindestens drei Monate liegen. Am Ende der Weiterbildung wird die Zusatzbezeichnung „Manuelle Medizin/ Chirotherapie” durch eine Prüfung erlangt.

Naturheilverfahren:

Die Zusatzbezeichnung Naturheilverfahren wird nach 160 Stunden und einer 12-wöchigen Praxis Hospitation vergeben. Als Alternative zur Hospitation kann ein 80-stündiges Fallseminar besucht werden. Inhaltlich werden klassische Themen aus der Phytotherapie, Mind-Body-Medizin, Ernährung und Bewegung vermittelt. Auch komplementäre Methoden, wie das Ausleiten mit Blutegeln oder die Neuraltherapie sind in die Weiterbildung integriert. Dabei werden je nach Ausbildungsinstitut verschiedene Schwerpunkte gesetzt.

Homöopathie:

Damit die Zusatzbezeichnung “Homöopathie” erlangt werden kann, müssen vier Kurse von jeweils 40 Stunden besucht werden. Anschließend erfolgen 100 Stunden Supervision, in der verschiedene Fälle und deren Behandlung mit den verschiedenen Mitteln der Homöopathie besprochen werden. Nach der Supervision darf die Prüfung zur Zusatzbezeichnung Homöopathie bei den Landesärztekammern angetreten werden.

Die 100 Stunden Supervision können auf 300 Stunden erweitert werden. Im Anschluss wird dann das Homöopathie-Diplom vergeben. Hierbei handelt es sich um einen zusätzlichen Nachweis über umfangreiche Kenntnisse in der Homöopathie. Die Vergabe erfolgt unabhängig von den Landesärztekammern. Stattdessen wird das Diplom vom Deutschen Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) vergeben. Es ist nur für 5 Jahre gültig und muss anschließend erneuert werden.

Akupunktur:

Bei den verschiedenen Weiterbildungsmöglichkeiten in der Akupunktur kann schnell der Überblick verloren gehen. Grundsätzlich erfolgt die Weiterbildung in mehreren Abschnitten, die aufeinander aufbauen. Sie kann in enger Verknüpfung zur Lehre der Traditionell Chinesischen Medizin erfolgen, muss sie aber nicht.

Fachärzte, die in der direkten Patientenversorgung tätig sind, werden für die Grundausbildung zugelassen. Zunächst wird in 140 Stunden theoretischem Unterricht das A-Diplom erworben. Allerdings ist man danach noch nicht automatisch für die Prüfungszulassung qualifiziert. Hierfür müssen weitere 60 Stunden zur praktischen Akupunkturbehandlung und 20 Stunden Fallseminare besucht werden. Insgesamt sind es 200 Stunden Weiterbildung, auf die eine Prüfung der zuständigen Landesärztekammern für die Zusatzbezeichnung Akupunktur folgt. Es ist gesetzlich geregelt, dass die Dauer der Grundausbildung mindestens zwei Jahre betragen muss. Weitere Lizenzen, wie das B-Diplom oder der Meister der Akupunktur können im Anschluss an die Grundausbildung erlangt werden. Insgesamt müssen nochmals 350 Stunden für das B-Diplom und 430 Stunden für den Meister der Akupunktur gesammelt werden. Ähnlich wie beim Homöopathie-Diplom erfolgt die Anrechnung der Weiterbildungen von der Deutschen Ärztegesellschaft für Akupunktur (DÄGfA) und nicht von den Landesärztekammern.

Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Akupunktur können nach einer zusätzlichen Weiterbildung in psychosomatischer Grundversorgung und 80 Stunden Weiterbildung in spezieller Schmerztherapie eine Abrechnungsgenehmigung der gesetzlichen Krankenkassen beantragen. Anschließend dürfen sie gesetzlich versicherte Patienten mit chronischen Knie- und Lendenwirbelsäulenschmerzen behandeln.

Traditionell Chinesische Medizin:

Für alle, die sich zusätzlich in der Traditionell Chinesischen Medizin weiterbilden wollen, empfiehlt sich der „Meister der Ost-Asiatischen Medizin“. Dieser wird in 300 Unterrichtseinheiten vermittelt und basiert auf dem „Meister der Akupunktur“.

Eine andere Herangehensweise bietet sich beim berufsbegleitenden Master-Studiengang der Traditionell Chinesischen Medizin. In Hamburg kann in Zusammenarbeit mit der der Shanghai TCM-Universität der Master of Medicine-Major TCM erlangt werden. Die angegebene Regelstudienzeit beträgt 6 Semester. Jährliche Praktika in China sind in den Studienablauf fest integriert.

Auch an der Technischen Universität München wird ein Masterstudiengang in Traditionell Chinesischer Medizin angeboten. Der Studiengang richtet sich an approbierte Ärzte, die berufsbegleitend studieren möchten. Im sechsten Semester wird eine Masterarbeit geschrieben. Anschließend erfolgt die Vergabe eines Master of Science.

Weitere Angebote gibt es von der Universität Heidelberg in Kooperation mit der Universität Porto und der Chinesischen Naturheilkunde Akademie e.V. in Kulmbach, die mit der Universität Guangxi in China zusammenarbeitet.

06.03.2019

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