Auslandserfahrungen in Paris

Medizinstudium Auslandssemester: Paris – ein Erfahrungsbericht

Paris Université V (WS 2013/2014)

In meinem achten klinischen Semester wollte ich für 6 Monate ins Ausland. Da ich gute Französisch-Kenntnisse hatte und zudem das Leben in einer europäischen Metropole und die medizinische Ausbildung an einer international angesehenen Universität kennenlernen wollte, bewarb ich mich um einen Platz an der Université Paris Descartes Sorbonne Paris Cité in Paris, Frankreich.

Vorab informierte ich mich über die Dauer der Trimester, die aber zum deutschen System kompatibel sind (Oktober-März). Nach Abschluss des Semesters in Frankreich blieb jedoch keine Zeit mehr für Famulaturen oder Blockpraktika, da das Semester in Deutschland bereits im April wieder begann. Vorbereitung: Ich hatte mich direkt bei der Universität beworben und schickte daher meine Unterlagen an dem Koordinator, dem sehr netten und kompetenten Berater des International Office des medizinischen Fachbereichs:

  • Eine Photokopie des Personalausweises
  • Einen Impfnachweis über Diphterie, Tetanus, Tuberkulose, Polio und Hepatitis B
  • Eine Immatrikulationsbescheinigung der Universität
  • Einen französischen Sprachnachweis (B2; TEF oder TCF
  • Ein Empfehlungsschreiben der Universität (bestenfalls des Dekans)
  • Eine Photokopie der Krankenversichertenkarte
  • Eine zivilrechtliche Erklärung (kann man in Paris vor Ort ausfüllen)
  • Zudem eine Liste mit 7 Vorschlägen für die Praktika (stages), z.B. Génétique humaine, Orthopédie, Ophtalmologie, Psychothérapie, Neurologie, Urologie et Médecine psychosomatique etc.)

Ankunft:

Mit dem Thalys ging es Mitte September für günstige 35€ von Köln Hbf nach Paris Gare du Nord. Ich suchte dann nach Wohnungen über wg-gesucht.de, CIUP, fusac.fr und den Erasmus-Gruppen in facebook.

Ich wohnte erst kurz zur Untermiete, im Hostel oder nutzte Couchsurfing und fand dann nach 2 Wochen eine Wohnung für ca. 750€/Monat im 13. Arrondissement, in direkter Nähe zu den beiden Krankenhäusern, was für Pariser Verhältnisse extremst glücklich ist. Ich habe mit einem schon arbeitenden Franzosen in dieser 2-er WG zusammengewohnt.

Eine sogenannte „Chambre de bonne“ kostet auch meist um die 600-700€, besteht aber nur aus einem kleinen Zimmer im 6. Stock ohne Aufzug mit Toilette/Dusche im Hausflur. Mit Glück kann man natürlich auch günstigere Zimmer bekommen. Einige wohnten auch für 300-400€ im Wohnheim. Paris ist insgesamt sehr teuer mit hohen Lebenshaltungskosten.

Studium:

Pro Stage bekommt man nur 1 Woche Urlaub zugesprochen. Feiertage gibt es daher nicht, Wochenenden sind aber frei.

Meine beiden 3-monatigen Kurse („Stage“) umfassten zum einen den Aufenthalt in der Urologie an dem Saint-Joseph Krankenhaus und zum anderen am Hôpital Européen Georges-Pompidou in der orthopädischen Chirurgie und Traumatologie.

Da die beiden Stages sich gänzlich voneinander unterschieden (Mit Hinblick auf Organisation, Tests, Anspruch an den Studenten etc) nenne ich nur kurz den Ablauf:

Der Ablauf:

Um ca. 7h30 Staff mit Patientenbesprechung

Ab 8h30 entweder Visiste/Salle de Service oder Consultation oder Bloc (opératoire). Man rotiert alle 2 Wochen zum jeweils anderen Bereich.

Ca. 14h Feierabend (Manchmal schon um 12h, manchmal erst um 16h bzw. sogar 20h)

Die Aufgaben:

Zu den Aufgaben des Studenten zählten u.a.:

  • Patientenvorstellung vor dem Chefarzt, Assistenzärzten, Chirurgen etc. mit Erklärung des Grundes des Besuchs, des Krankenverlaufs und der Behandlung der einzelnen Patienten.
  • Konsile der Ärzte beantragen, recherchieren und Verschreiben von Rezepten und Verordnungen (ordonnances).
  • Den Patienten die Medikamente und Untersuchungen erklären (z.B. ECBU-Examen cytobactériologique des urines, etc..
  • Die Patientenakten sortieren, aktualisieren und Informationen für die Ärzte suchen.
  • Bei der Visite mitschreiben, etc.

Zudem umfasst ein großer Aufgabenbereich die Mitarbeit im OP, wobei es oft schwer ist, die Ausdrücke für die unbekannten Instrumente von einem nuschelnden Chirurgen hinter 2 OP-Masken zu verstehen (z.B: Faraboeuf (entspricht etwa Roux-Haken), etc.). Im OP hat man dann u.a. Haken gehalten, Instrumente angereicht und Wunden vernäht.

Im Normalfall arbeitet man zu dritt: einem Arzt, einem Assistenzarzt (Interne) + Student (Externe). Es wurde oft viel erklärt zu der Vorgehensweise bei der OP.

Verdienst:

Man erhält die Hälfte der Kosten für das Navigo (Metrokarte) sowie ca. 150€ monatlich vom Krankenhaus, mit steigendem Semester immer mehr Geld (DCEM1-4), daher ist es ratsam, sich für ein hohes Semester anzumelden, also bestenfalls DCEM4.

Freizeit:

Die Wochen waren teilweise sehr anstrengend. Eine Garde, also  Bereitschaftsdienst/ Nachtdienst hatte ich nicht und ich kannte nur wenige Austauschstudenten, die dies auch gemacht haben.

Der Eintritt in Discos kostet teilweise um die 15-20€, meist sind 1-2 Freigetränke (Consommation, Consos) enthalten. Ein Bier (0,5l) kostet um die 6€-8€.

Wichtiger Guter Tipp: Auf www.mistergoodbeer.com findet man eine Karte mit günstigen HappyHour-Kneipen. Unter www.sortiraparis.com findet man viele interessante Angebote., wie zB der Fête des Vendanges de Montmartre (Verkostung lokaler Weine, Käse und Saucissons direkt am Sacré-Coeur).

Fazit:

Paris ist eine sehr aktive Stadt, die meiner Meinung nach alles bietet, sei es universitär, kulturell, gastronomisch, etc. Die Universität ist anspruchsvoll und ich habe viel gelernt. Mit guten bis sehr guten Sprachkenntnissen wird man hier keine Probleme haben, so dass auch trotz der hohen Kosten für Unterhalt ein sehr aufregender Aufenthalt bevorsteht.

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