Medizinische Informatik

Als Arzt in die Medizinische Informatik

Die Medizinische Informatik ist heutzutage nicht mehr wegzudenken. Von der digitalen Patientenakte zu bildgebenden Verfahren und Datenbanken wie PubMed. Es ist nicht zu übersehen, dass die digitale Revolution die Medizin erreicht hat. Um sich den ständig wachsenden Chancen und Anforderungen der technischen Entwicklungen anzupassen, entstand die Medizinische Informatik. Als sogenanntes Querschnittsfach kommt fast kein medizinischer Fachbereich ohne sie aus. Was wäre die Radiologie ohne Bildgebung? Die Chirurgie ohne elektronischen OP-Plan und OP-Monitoring? Oder die Forschung ohne Datenbanken, auf die innerhalb von Sekunden zugegriffen werden kann?

Im selben Tempo wie die Anforderungen der digitalen Revolution entstanden, entwickelte sich der Berufszweig des Medizinischen Informatikers. Nachdem 1970 der Begriff Medizinische Informatik das erste Mal in einer deutschen Fachzeitschrift aufkam, wurde zwei Jahre später bereits der erste Studiengang in Deutschland eingeführt. Etwa 50 Jahre später gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sich in der Medizinischen Informatik aus- und weiterbilden zu lassen. Für informatikbegeisterte Mediziner oder medizininteressierte Informatiker scheint dieser wachsende Markt spannende Berufschancen zu bieten.

Inhalt

Was sind die Aufgaben in der Medizinischen Informatik?

Die Medizinische Informatik setzt sich aus zahlreichen Teilgebieten zusammen. Von der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V (gmds) sind folgende Teilbereiche definiert:

  • Medizinische Informatik
  • Medizinische Biometrie
  • Epidemiologie
  • Medizinische Dokumentation
  • Medizinische Bioinformatik und Systembiologie

Auch wenn die Fachbereiche getrennt aufgelistet sind, beinhalten sie alle Elemente der Medizinischen Informatik. Sie wird als Instrument zur Verarbeitung von Informationen, Daten, Wissen und Algorithmen eingesetzt.

Patientenversorgung

Diese Informationen sind für die Qualität der Patientenversorgung von großem Nutzen. Elektronische Patientenakten garantieren die Darstellung der medizinischen Geschichte eines Patienten. Darüber hinaus ermöglichen sie die bestmögliche Behandlung. So ermöglicht die Medizinische Informatik in Notfallsituationen eine schnelle Kommunikation zwischen Ersthelfern und Krankenhäusern. Außerdem implantierte medizinische Geräte wie Schrittmacher und Defibrillatoren überwacht und kontrolliert werden.

Diagnose und Therapie

Auch für diagnostische und therapeutische Zwecke ist die Medizinische Informatik nicht mehr wegzudenken. Computergesteuerte Bildgebung, -verarbeitung und Biosignalbefundung werden bei der Suche nach krankhaften Veränderungen im Körper eingesetzt. Zu den am häufigsten eingesetzten zählen Röntgenaufnahmen, Computertomographie (CT) und die Magnetresonanztomographie (MRT).

In der Therapie ist die Medizinische Informatik zum Beispiel eng mit der Strahlentherapie verknüpft. Denn mithilfe der bildgestützten Strahlentherapie ist eine genaue Ausrichtung auf die Bestrahlungsfelder erst möglich. Und für interventionelle Verfahren hat sich inzwischen sogar ein eigener Fachbereich in der Radiologie, die interventionelle Radiologie, etabliert.

Forschung

Außerdem können auf Grundlage der Medizinischen Informatik riesige Datenmengen für Forschungszwecke genutzt werden. Dabei ist es die Aufgabe Medizinischer Informatiker diese Daten aufzubereiten und sinnvoll miteinander zu verknüpfen. Denn mit jedem Patienten entstehen neue Informationen, die sich positiv auf die gesamte Qualität der Patientenversorgung auswirken können. Die Wahl des Arztes, Blutdruckwerte, Blutwerte, Bildgebung, die Diagnose, welche Therapie wirkt und wie die Nachsorge abläuft. Der Informationsgehalt pro Behandlung ist enorm. Inzwischen können sogar komplette Genanalysen dank der medizinischen Informatik durchgeführt werden. Die dabei entstehende Datenmenge bietet viel Potenzial für die Forschung.

Die Liste der Einsatzbereiche und Aufgaben medizinischer Informatiker ist riesig und entwickelt sich stetig weiter. Neue Technologien und Trends sind derzeit der Einsatz von Assistenzrobotern für Pflegezwecke und während Operationen, Big Data Analyse zur Auswertung riesiger Datenmengen, künstliche Intelligenz und Biotech (die Kombination aus Zellen, Organismen und Zellen mit Technologie).

Welche Wege in die Medizinische Informatik gibt es?

So vielfältig wie das Fach sind auch die Wege in die Medizinische Informatik. Zur Auswahl stehen:

  • Bachelor und Master Studiengänge an Universitäten und Fachhochschule
  • eine klassische Ausbildung zum Informatiker mit der medizinischen Informatik als Teilgebiet oder zusätzliches Zertifikat
  • das Medizinstudium, an das im Anschluss eine Weiterbildung zum medizinischen Informatiker erfolgt

Bachelor / Master Studiengang Medizinische Informatik

Aufbau und Inhalte der Studiengänge, die unter dem Namen Medizinische Informatik angeboten werden, unterscheiden sich von Hochschule zu Hochschule.

Die Ausbildungsdauer beträgt zwischen 6 und 8 Semestern. Dabei werden die meisten Studiengänge in Vollzeit angeboten. Allerdings gibt es auch berufsbegleitende Teilzeitmodelle. Und einige Hochschulen bieten duale Studiengänge an oder integrieren ein komplettes Praxissemester in den Studienaufbau. Am Ende des Bachelor Studiengangs steht die Anfertigung einer Bachelorarbeit.

Je nachdem wie praktisch oder theoretisch die Ausbildung gestaltet ist, können verschiedene Abschlüsse erlangt werden. Beim Bachelor of Science steht die Theorie im Vordergrund, während der Bachelor of Engineering praktischer ausgerichtet ist.

Die Inhalte des Bachelor-Studiengangs sind zunächst unspezifisch. Im anschließenden Master-Studiengang erfolgt dann anhand verschiedener Wahlmodule eine Spezialisierung. In der Regel wird nach 5 Semestern die Masterarbeit erstellt. Anschließend erfolgt die Verleihung des des Master of Sciences oder Master of Arts.

Fernstudiengänge für Berufserfahrene

Sowohl Bachelor als auch Master Studiengänge können als Fernstudium belegt werden. Neben den klassischen Abschlüssen, die zwischen 8 Semestern im Bachelor- und 5 Semester im Master- Programm dauern, werden zahlreiche Zertifikatslehrgänge angeboten. Diese richten sich hauptsächlich an Informatiker mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung und reichlich praktischer Erfahrung. Ein Fernstudium ist meist aber mit hohen Kosten verbunden. Je nach angestrebtem Abschluss liegen die Kosten zwischen 1.500 Euro und bis zu 12.500 Euro.

Auch mit einer ärztlichen Approbation kann die Weiterbildung zum Arzt mit der Zusatzbezeichnung Medizinische Informatik erfolgen. Jedoch muss dafür keine abgeschlossene Facharztausbildung vorliegen. Es sind aber mindestens zwei Jahre klinische Tätigkeit gefordert. Danach folgt, je nach Vorgabe der zuständigen Landesärztekammer, eine circa 1-jährige spezifische Weiterbildung zum medizinischen Informatiker. Die Weiterbildungszeit kann abgeleistet werden als:

  • 12-monatige Weiterbildung in einer Einrichtung mit angeschlossener Patientenversorgung

oder:

  • 360 Stunden Kurs-Weiterbildung
  • 480 Stunden Praktikum oder Projektarbeit bei einem Weiterbildungsbefungten

Während der Ausbildung werden alle Teilgebiete der medizinischen Informatik vermittelt. Zusätzlich sind betriebswirtschaftliche, rechtliche und gesundheitspolitische Themen im Curriculum integriert. Im Anschluss an die Weiterbildung erfolgt eine Prüfung bei der zuständigen Landesärztekammer.

Allerdings darf der Titel Medizinische Informatik nur in Kombination mit der Bezeichnung Arzt getragen werden. So sollen Verwechslungen mit studierten medizinischen Informatikern ausgeschlossen werden.

Welche Berufschancen gibt es in der Medizinischen Informatik?

Mit einer abgeschlossenen Ausbildung stehen einem Medizinischen Informatiker eine Vielzahl verschiedener Berufe zur Verfügung. Potenzielle Arbeitgeber sind:

  • Krankenhäuser
  • Arztpraxen
  • Behörden
  • Gesundheitsämter
  • Krankenkassen
  • kleine Unternehmen (Start-ups)
  • Forschungseinrichtungen
  • Pharmaindustrie
  • Medizintechnik-Hersteller
  • Unternehmensberatungen

Dabei werden häufig flexible Arbeitszeitmodelle geboten. Teilzeit- und Gleitzeitkonzepte sind keine Seltenheit. Bei vielen Arbeitgebern besteht sogar die Möglichkeit von Zuhause zu arbeiten. Auch die Möglichkeit der Selbstständigkeit kann in Erwägung gezogen werden. Dabei werden Freelancer meist über mehrere Wochen oder Monate bei Projekten eingesetzt.

Wie hoch ist das Gehalt eines Medizininformatikers?

Das durchschnittliche Einstiegsgehalt wird mit circa 3.125 Euro brutto angegeben. Die weiteren Gehaltsaussichten sind abhängig vom Arbeitgeber. Meist zahlen große Unternehmen, wie in der Pharmaindustrie, höhere Gehälter als kleine Praxen oder Krankenhäuser. Grundsätzlich ist der Verdienst in der freien Marktwirtschaft höher als an staatlichen Krankenhäusern oder im Öffentlichen Dienst.

Mit wachsender Berufserfahrung steigen die Löhne stark an. Monatliche Gehälter von 6.000 Euro brutto sind keine Seltenheit und spitzen Löhne werden mit 8.000 Euro angegeben.

22.04.2019

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