Diagnose auf den Körper tätowieren

Meat Tags: Diagnosen auf den Arm tätowieren?

Mit den sogenannten meat tags hält ein neuer Trend Einzug in Deutschlands Tätowierszene:
Mehr und mehr Patienten lassen sich Diagnosen, Allergien oder Verfügungen an exponierte Körperstellen tätowieren. Was auf den ersten Blick ziemlich clever klingt, macht bei genauerer Betrachtung wenig Sinn. Wir sagen euch, weshalb.

Meat tags kommen aus dem US-Militär

Die meat tags stammen ursprünglich aus dem US-amerikanischen Militär: Soldaten ließen und lassen sich auch heute noch häufig ihre Blutgruppe und andere medizinisch relevanten Informationen auf den Unterarm tätowieren, sodass im Fall einer Verletzung im Feld zielgerichtet und schnell reagiert werden kann.

Diese Idee wird zunehmend von jüngeren, oft chronisch kranken Menschen übernommen, die aufgrund ihrer Grunderkrankung befürchten müssen, im Alltag zu kollabieren oder schnell auf zielgerichtete medizinische Hilfe angewiesen zu sein.

Beliebt bei Typ-1-Diabetikern ist beispielsweise der Äskulapstab mit dem Schriftzug „Diabetic“. Allergiker lassen sich eine Liste der für sie ungeeigneten Medikamente stechen, Patienten mit chronischen Stoffwechselerkrankungen wie Morbus Addison, Phenylketonurie oder Mukoviszidose verewigen sich ihre Diagnosen unter der Haut.

Gelegentlich findet sich sogar ein Schriftzug mit „DNR“ für „Do not resuscitate“ oder „Nicht reanimieren“ auf der Brust.

Keine Bedeutung in der Notfallversorgung

Was sich aber weder die Tätowierten noch die Tätowierer klar machen: Im Notfall, im Schockraum oder bei einer Reanimation haben solche Tattoos weder eine Bedeutung für die medizinische Notfallversorgung, noch irgendeine juristische Konsequenz. Unter Umständen werden sie nicht einmal gesehen, oder nicht als medizinischer Hinweis erkannt.

Dies gilt insbesondere für Verfügungen oder Hinweise wie „Do not resuscitate“. Nach deutscher Rechtslage muss hierfür eine schriftliche Patientenverfügung vorliegen, die vom Patienten selbst unterschrieben ist, und konkret darlegt, auf welch medizinische Situation und die daraufhin gewünschten Konsequenzen sie sich bezieht.

Besser: Notfallausweis

Für chronische Grunderkrankungen, besondere Blutgruppen oder schwere Allergien empfiehlt es sich immer, einen Notfallausweis im Portemonnaie mitzuführen. Diese Notfallausweise werden von jedem Krankenhaus im Bedarfsfall ausgestellt, sind international anerkannt und nach diesen Dokumenten wird tatsächlich auch gesucht!

Und schließlich bleibt noch zu erwähnen, dass es sich bei medizinischen Diagnosen um sensible, private Informationen handelt. Ob man diese für alle sichtbar auf der Haut tragen möchte, sollte man sich gut überlegen – vor allem da meat tags in Deutschland letztlich doch nur einen dekorativen Wert besitzen.

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Durch | 28.01.2016 | Allgemein | 0 Kommentar

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