Männergrippe

Männergrippe: Nur ein Mythos?

Wer den Begriff „Männergrippe“ kennt, hat schon vom berühmten Mythos gehört: Männer seien anfälliger für Husten, Schnupfen und Halsschmerzen als Frauen. Warum das so ist, haben nun Immunforscher aus Innsbruck herausgefunden.

Männer produzieren zu wenig Abwehrzellen

Eine Studie der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health kommt zum Schluss: Männer erkälten sich schneller als Frauen. Verantwortlich dafür sei die Verteilung der Sexualhormone, die der menschliche Körper produziert: Östrogen und Testosteron.

Bei einer Erkältung produziert der menschliche Körper Abwehrzellen, die sich in zwei Typen unterscheiden: unspezifische und spezifische Abwehrzellen. Letztere sind verantwortlich für die gezielte Bekämpfung von bestimmten Krankheitserregern. Das Problem bei Männern: zu wenig Östrogen.

Das weibliche Sexualhormon kurbelt die Produktion der spezifischen Abwehrzellen an. Demnach besitzen Männer weniger von den notwendigen Zellen, die sie bei einer Erkältung unterstützen könnten. Sie sind anfälliger und die Regeneration kann länger dauern. In der Regel profitieren Frauen deshalb oft von einer schnellen, effektiven und aggressiven Bekämpfung von ungewollten Bakterien und Viren.

Männergrippe – auch das Erbgut ist Schuld

Männer und Frauen besitzen jeweils zwei Erbanlagen. Während das weibliche X bei der Frau insgesamt zweimal vorkommt, besitzt der Mann ein Y und ein X-Chromosom. Der Vorteil der X-Chromosomen: die Produktion von Östrogen. Demzufolge ist beim männlichen Geschlecht auch das Erbgut dafür verantwortlich, dass Erkältungen länger andauern können.

Wer als Mann einen niedrigen Testosteronspiegel hat, produziert automatisch auch weniger Östrogen. Das macht betroffene Männer besonders anfällig für eine schnelle Infektion, die schwerer zu bekämpfen ist. Demnach kann ein Mann mit viel Testosteron auch besser gegen eine Erkältung ankämpfen, denn dieser profitiert von einer erhöhten Produktion des weiblichen Sexualhormons.

Das hilft bei einer Männergrippe

Haben Husten, Schnupfen und Halsschmerzen zugeschlagen, können unterschiedliche Therapien helfen, um die Erkältung erfolgreich zu bekämpfen. Bekannte Hausmittel sind beispielsweise: viel Flüssigkeit aufnehmen (Wasser und Tee), inhalieren von Wasserdampf und dem Körper reichlich Vitamine zuführen. Die Flüssigkeitsaufnahme hilft dabei, dass die Schleimhäute befeuchtet bleiben und nicht austrocknen. Vitamin C kann dabei helfen, dass ein Infekt kürzer andauert. Hustensaft, Nasenspray oder auch Tabletten gegen Halsschmerzen werden ebenfalls verwendet.

Wer eine Erkältung allerdings schon vorbeugt, muss sich nicht mit den Folgen beschäftigen. Frische Luft und Bewegung, eine nährstoffreiche Ernährung und genügend Schlaf – so lauten die goldenen Regeln. Auf diese Weise erholt sich der Körper vom Alltagsstress und unser Immunsystem ist gegen Krankheitserreger gewappnet.

Tipp: Wenn die Symptome einer Erkältung stärker werden, bleibt nur der Gang zum Arzt, um die Ursachen abzuklären.

Das sollte weder Frau noch Mann tun

Ob bei Männern oder Frauen – eine Erkältung sollte schnellstmöglich auskuriert werden. Ansonsten droht die Gefahr einer Verschleppung. Das bedeutet, dass Erkältungen auch chronisch werden können. Was erkältete Menschen auf keinen Fall tun sollten: die Heizung dauerhaft aufdrehen. Die trockene Luft reizt – die ohnehin schon belasteten – Schleimhäute. Wer Wärme benötigt, legt ein feuchtes Handtuch auf die Heizung. Außerdem hilft etwas Bewegung, um den Körper zu durchbluten und selbst Wärme zu produzieren.

Ein No-Go: schwere körperliche Belastungen. Moderater Sport ist zwar erlaubt. Allerdings sollte man sich bei einer Erkältung schonen und dem Abwehrsystem die Chance geben, dass alle Krankheitserreger erfolgreich bekämpft werden.

Fazit: Begründung für Männergrippe plausibel

Die Schlussfolgerung der Forschung klingt nachvollziehbar: Östrogen hilft bei der Bekämpfung von Krankheitserregern. Männer produzieren weniger von den weiblichen Hormonen und seien Forschern zufolge deshalb anfälliger für einen Infekt.

Übrigens: Das Wort „Männergrippe“ ist keine offizielle Bezeichnung in der Medizin. Vielmehr wird der Begriff humorvoll im Alltag genutzt, um die typischen Merkmale einer Erkältung beim Mann zu beschreiben. Ob Männergippe, Erkältung oder allgemeines Unwohlsein – wer sein Immunsystem stärken will, achtet auf einen ausgeglichenen Lebensstil, Bewegung, frische Luft, eine gesunde Ernährung und genügend Ruhe.

Bildquelle: shutterstock.com/ Marcos Mesa Sam Wordley

27.03.2019
27.03.2019 | Alle Themen | 0 Kommentar

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