Krankmeldung Arbeitgeber

Krankmeldung Arbeitgeber – ab wann? wie richtig?

Jeder kennt es, man wird morgens wach mit einer starken Grippe und kann nicht zur Arbeit gehen. Eine Krankmeldung beim Arbeitgeber ist angebracht. Viele Menschen wissen jedoch nicht, wie sie sich bei Krankheit korrekt verhalten. Denn es gibt dabei einige wichtige Dinge zu beachten. Werden Fehler gemacht und man hält sich nicht an die Regeln, droht Ärger wie eine Abmahnung durch den Arbeitgeber. Was gibt es eigentlich bei einer Krankmeldung zu beachten? Wann ist eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung korrekt?

Inhalt

Krankmeldung Arbeitgeber – umgehend mitteilen

Viele Arbeitnehmer denken, man müsse sich erst ab dem dritten Krankheitstag beim Arbeitgeber krankmelden. Dies ist nicht korrekt. Ganz im Gegenteil. Im Entgeltfortzahlungsgesetz § 5 ist der Zeitpunkt der Krankmeldung wie folgt geregelt: „Der Arbeitnehmer ist verpflichtet, dem Arbeitgeber die Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer unverzüglich mitzuteilen.“

Das Wort unverzüglich wird dabei von Fachanwälten ausgelegt als vor Beginn der Arbeitszeit. Das heißt wenn beispielsweise der Arbeitsbeginn eines Schichtarbeiters auf 6 Uhr morgens fällt, sollte er den Arbeitgeber spätestens um kurz vor 6 informiert haben, dass er heute seiner Arbeitstätigkeit nicht nachgehen kann.

Krankmeldung – ab wann muss dem Arbeitgeber eine AU vorgelegt werden?

Bei der Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) für den Arbeitgeber greift die nun bei vielen bekannte Frist von drei Tagen. Ist ein Arbeitnehmer länger krank als drei Tage, d.h. ab dem vierten Krankheitstag, ist er dem Arbeitgeber gegenüber in der Nachweispflicht.

Die Nachweispflicht verlangt, dass man dem Arbeitgeber einen Krankenschein vorlegt, den so genannten „gelben Schein“. Diese erhält der Arbeitnehmer in der Regel von seinem Hausarzt in 3-facher Ausführung:

  • Ausführung zur Vorlage beim Arbeitgeber
  • Ausführung für Versicherte
  • Ausführung zum Verbleib beim Arzt

Dem Arbeitgeber muss also am vierten Tag der Krankheit die Krankmeldung vorliegen. Auch dies ist im § 5 des Entgeltfortzahlungsgesetz geregelt: „Dauert die Arbeitsunfähigkeit länger als drei Kalendertage, hat der Arbeitnehmer eine ärztliche Bescheinigung über das Bestehen der Arbeitsunfähigkeit sowie deren voraussichtliche Dauer spätestens an dem darauffolgenden Arbeitstag vorzulegen.“ Ob ein Arzt krankschreiben muss und wie lange, darüber wird informiert im Artikel: Krankschreibung – ab wann und wie lange?

Es reicht also nicht, wie einige Menschen vermuten, am dritten oder am vierten Tag der Krankheit zum Arzt zu gehen und sich krankschreiben zu lassen, sondern dem Arbeitgeber muss am vierten Tag der Krankenschein vorliegen. Wenn diese zum Beispiel per Post an den Arbeitgeber geschickt wird, sollte diese also am besten am zweiten und spätestens am dritten Krankheitstag verschickt werden.

Darf der Arbeitgeber ab dem ersten Tag einen AU verlangen?

Das Gesetz regelt jedoch nicht alles zur Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung endgültig, was man meinen könnte. Denn der Arbeitgeber darf eine frühere Krankmeldung durch Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung verlangen. Abweichende Regelungen müssen im Arbeitsvertrag festgelegt werden. Diese sind möglich und stärker als das Gesetz. Der Arbeitgeber darf im Arbeitsvertrag ab dem ersten Tag einen Nachweis einfordern und der Arbeitnehmer muss diesem dann nachkommen. Dabei gibt es auch keine Regeln oder Voraussetzungen. Der Arbeitgeber darf eine solche Regel grundlos festlegen. Dies wurde durch ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes bestätigt (Aktenzeichen 5 AZR 886/11).

Krankmeldung 3-Tage Frist – auch Wochenende zählt

Krankmeldung 3 TageEin weiterer weit verbreiteter Irrglaube ist es, dass bei der 3-Tage Frist der Krankmeldung in Form der AU nur Arbeitstage zählen. Dies ist falsch. Es gelten bei der Fristberechnung die Kalender Tage und nicht die Arbeitstage. Das heißt, sowohl Samstag und Sonntag sowie Feiertage werden mitberechnet.

Nun könnte man natürlich an einem Mittwoch erkranken, sowie Donnerstag und Freitag weiterhin krank sein und dadurch der vierte Tag auf einen Samstag fallen. In einem solchen Fall muss die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung jedoch erst montags vorgelegt werden, da diese nur an Arbeitstagen vorgelegt werden muss.

Krankmeldung per E-Mail

Die Krankmeldung kann dem Arbeitgeber am ersten Tag vor Arbeitsbeginn per E-Mail oder Fax zugestellt werden. Besser ist der direkte persönliche Weg und eine Information des Arbeitgebers per Telefonat.

Krankmeldung ArbeitDenn die Fürsorgepflicht, dass der Arbeitgeber die Nachricht erhält, liegt beim Arbeitnehmer und nicht wie man vermuten könnte beim Arbeitgeber. Insofern ist ein Telefonat immer der sicherste und beste Weg. Damit hat der Arbeitnehmer die vollständige Garantie, dass der Arbeitgeber rechtzeitig informiert wurde.

Die später folgende Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung kann direkt beim Arbeitgeber abgegeben werden oder per Post versendet werden. Auch E-Mail (Scan) oder Fax sind zulässig. Verlangt der Arbeitgeber jedoch anschließend das Original, muss der Arbeitnehmer dies unverzüglich vorlegen.

Krankmeldung Vorlage und Muster

Erfolgt die Krankmeldung per E-Mail (oder Post), sollte man sich kurz fassen und direkt auf den Punkt kommen.

Folgende Vorlage kann entsprechend als Muster genutzt werden.

„Guten Morgen Herr / Frau Musterchef,

ich bin leider heute krank und kann daher nicht zur Arbeit kommen. 

Ich werde umgehend einen Arzt aufsuchen und Ihnen anschließend mitteilen, wie lange ich krankgeschrieben bin sowie die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zukommen lassen.

mit freundlichen Grüßen,

Michael Mustermacher“

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Krankmeldung Muster PDF

Krankmeldung Muster Word

Damit hat man wie zuvor beschrieben seine Anzeigepflicht beim Arbeitgeber erfüllt.

Wichtig: über die Art der Krankheit muss der Arbeitgeber nicht informiert werden, mehr dazu im nächsten Absatz.

Muss der Arbeitgeber in der Krankmeldung über die Krankheit informiert werden?

Manche Menschen denken, man müsste dem Arbeitgeber begründen warum man krank ist oder die Krankheit mitteilen. Dies ist in den meisten Fällen nicht richtig. Grundsätzlich muss man dem Vorgesetzten nicht mitteilen, welche Krankheit man hat.

Ein Irrglaube ist es jedoch, man müsste dem Arbeitgeber die Krankheit nie mitteilen. Ausnahmen gelten, wenn die Krankheit für den Arbeitgeber direkt betrifft und für betriebliche Abläufe relevant ist. Dies ist der Fall, wenn man eventuell schon Kollegen angesteckt hat oder der Arbeitgeber Schutzmaßnahmen für eine eventuelle Ansteckung treffen muss.

Wenn der Arbeitgeber an der Arbeitsunfähigkeit zweifelt und dies begründen kann, darf er den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) hinzuziehen, um den Angestellten zu untersuchen.

Wie wird die Krankmeldung korrekt verlängert?

Ein Krankenschein vom Arzt ist immer nur für eine bestimmte Dauer ausgestellt. Was passiert, wenn man nun länger erkrankt?

Hier wird zu Unrecht vermutet, dass der erste Tag nach Ablauf des Krankenscheins als neuer Krankheitsbeginn gilt und der gleiche Ablauf wie zuvor beschrieben von vorne beginnt. Der ursprüngliche Krankenschein muss verlängert werden. Die Verlängerung muss dabei am letzten Tag der Gültigkeit der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung erfolgen.

Das heißt, der Arbeitnehmer muss wiederum spätestens am letzten Tag der Krankmeldung den Arbeitgeber informieren sowie den Hausarzt aufsuchen, sich eine neue Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausstellen lassen und diese dem Arbeitgeber wiederum rechtzeitig zustellen.

Trotz Krankmeldung arbeiten?

Darf man trotz Krankmeldung arbeiten? Dies fragen sich viele, wenn man sich trotz gelbem Schein nach zwei Tagen schon wieder fit fühlt. Die Antwort lautet: Grundsätzlich darf man trotz Krankmeldung arbeiten.

Trotz Krankmeldung ArbeitenEine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung stellt kein Arbeitsverbot dar. Ein Arzt kann bei der Ausstellung der AU auch nur schätzen, wie lange ein Mitarbeiter krank und somit arbeitsunfähig ist. Somit darf man auch früher wieder arbeiten. Etwas wie eine Gesundschreibung gibt es jedoch nicht und man ist auch nicht dazu verpflichtet, früher wieder Arbeiten zu gehen.

Insbesondere bei ansteckenden Krankheiten macht es sogar Sinn weiterhin daheim zu bleiben, auch wenn man sich wieder gesund fühlt. Hier sollte man trotz Krankmeldung vor Ablauf des Krankenscheins nicht arbeiten gehen, um die Arbeitskollegen nicht anzustecken. Mehr dazu unter Arbeiten trotz Krankschreibung – erlaubt oder nicht?

Darf man das Haus verlassen, wenn man arbeitsunfähig ist?

Dass man das Haus bei Krankmeldung nicht verlassen darf, ist ein weit verbreiteter Irrglaube. Was jedoch eine Rolle spielt, ist die Art der Krankheit und was man tun darf.

Grundsätzlich gilt die Regel, dass Arbeitnehmer alles tun dürfen, was der Genesung der Krankheit dient und die Krankheit nicht noch schlimmer macht. Denn nicht jede Krankheit erfordert Bettruhe und ein Spaziergang an der frischen Luft hat noch niemandem geschadet. Dies gilt zum Beispiel bei einer Krankschreibung bei Burnout.

Hier sollte man den gesunden Menschenverstand gebrauchen. Es ist nicht unbedingt angebracht, wenn man mit grippalem Infekt krankgeschrieben ist, die Arbeitskollegen abends in der Stammkneipe zum Bierchen zu treffen.

Krankmeldung im Urlaub – darf man im Urlaub eine Krankmeldung einreichen?

Viele Menschen denken, Urlaub ist Urlaub und keine Krankmeldung ist möglich. Dies ist nicht korrekt. Man darf sich grundsätzlich auch im Urlaub krankmelden und es ist somit möglich die Urlaubstage zu retten. Jedoch gelten hier gesonderte Regelungen.

Auch hier muss der Arbeitgeber umgehend informiert werden, jedoch muss man auch zwingend am ersten Urlaubstag zum Arzt gehen und dem Arbeitgeber dies durch ein ärztliches Attest belegen. Nicht alle Atteste aus dem Ausland genügen dabei nicht den deutschen gesetzlichen Nachweispflichten. Wichtig ist es dabei darauf zu achten, dass das Attest nicht nur die Krankheit dokumentiert, sondern die Arbeitsunfähigkeit. Dies ist der entscheidende Aspekt, denn nur wer arbeitsunfähig ist kann seine Urlaubstage retten. Auch interessant: bereits Krankgeschrieben – darf man Urlaub machen?

Fazit: So macht man es richtig

Zusammenfassend lässt sich sagen: wer krank ist, sollte sich korrekt verhalten. Wichtig ist es, den Arbeitgeber direkt am ersten Tag über die Abwesenheit zu informieren, am besten durch einen Telefonanruf. Anschließend sollte man kurzfristig einen Arzt aufsuchen und innerhalb der vorgeschriebenen gesetzlichen Frist dem Arbeitergeber eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorlegen. Ist man länger krank, muss man den Arbeitgeber wiederum am vor dem Ablauf der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung informieren und diese vom Hausarzt verlängern lassen. Wer sich daran hält und keinen Aktivitäten nachgeht, die die Krankheit verschlimmern, hat keine Probleme zu befürchten.

Durch | 25.05.2018 | Allgemein | 9 Kommentare

9 Kommentare

  1. Sendel 08.03.2018 um 16:41 - Antworten

    Da ich abnehme , dass der Großteil der Krankenkassen, bzw. der Arbeitgeber über eine e-mail-Adresse verfügen, ist es mir etwas unverständlich wieso eine kranke Person gezwungen wird, sich durch Schnee, Eis, und Unwetter zu schleppen, um Formalien, die sich recht einfach erledigen liessen, indem der Arzt der Kasse die Krankschreibung und die diese dem Arbeitgeber übermittelt, was dem Gesundungsprozeß dienlich wäre.

  2. Mario 01.06.2018 um 11:05 - Antworten

    Das heisst also, wenn ich am ersten Tag vor der Arbeit eine E-Mail schicke und spätestens am vierten Tag einen Krankenschein einreiche, bin ich auf der sicheren Seite?

  3. Tim 02.06.2018 um 7:49 - Antworten

    Hallo,
    wie sieht es aus wenn man am Wochenende krank wird, muss ich dann am Wochenende meinen Chef anrufen?

    • praktischArzt 03.06.2018 um 7:52 - Antworten

      Hallo Tim,
      du musst deinen Chef vor dem Arbeitsbeginn informieren.
      Wenn du am Wochenende nicht arbeitest, musst du deinen Chef auch nicht am Wochenende informieren.
      Jedoch musst du ihm dann am Montag vor Arbeitsbeginn über deine krankheitsbedingte Abwesenheit in Kenntnis setzen, am besten per E-Mail oder Telefon.
      beste Grüße,
      das Team von praktischArzt

  4. conni 13.06.2018 um 19:14 - Antworten

    Mein Chef behauptet nach über einem Monat nun, nie den gelben schein erhalten ,zu haben. Wurde per Post als Brief geschickt und ich lese, überall, dass selbst Einschreiben nicht rechts-sicher beweisen, dass er den gelben Schein erhalten hat… unfassbar … nun muss man sich krank persönlich hinschleppen zur Abgabe und hoffen eine Abgabebestätigung zu bekommen. Nicht jeder hat jemanden, der die für ihn den Krankenschein abgeben kann.

    • praktischArzt 14.06.2018 um 13:00 - Antworten

      Hallo Conni,

      jeder Chef reagiert natürlich anders.
      Wir sind jedoch der Meinung, dass insbesondere ein Übergabe-Einschreiben rechts-sicher sein sollte.
      Zusätzlich solltest Du einen Zeugen dabei haben, wenn Du den Krankenschein in den Briefumschlag packst.

      beste Grüße,
      das Team von praktischArzt

  5. Kevin 15.06.2018 um 8:33 - Antworten

    Guten Morgen praktischArzt,

    ich bin gestern morgen zum Arzt gegangen, da ich krank war und um mir einen Krankenschein zu holen.
    Meinen Arbeitgeber habe ich über die Abwesenheit erst nach dem Arztbesuch informiert.
    Ist dies ok?
    vielen Dank,
    Kevin

    • praktischArzt 16.06.2018 um 17:49 - Antworten

      Hallo Kevin,
      Du musst den Arbeitgeber per Telefon oder E-Mail vor Arbeitsbeginn informieren (Krankmeldung).
      Danach kannst Du zum Arzt geben und dem Arbeitgeber den gelben Schein zukommen lassen (Krankenschein).
      beste Grüße,
      das Team von praktischArzt

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