Kinderarzt

Kinderarzt – der Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin

Der Kinderarzt ist der Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin. Zu seinen Patienten gehören Neugeborene, Säuglinge, Kleinkinder, Kinder und Jugendliche, von Beginn bis zum Abschluss ihrer körperlichen Entwicklung. Ein Schwerpunkt der Arbeit des Kinderarztes liegt in der Prävention und Vorsorge.

Kinderarzt – Aufgaben und Zuständigkeit

Der Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin befasst sich mit der Erkennung, Behandlung und Nachsorge aller körperlichen, psychischen und psychosomatischen Erkrankungen von Säuglingen, Kleinkindern, Kindern und Jugendlichen. Zu seinen Aufgaben gehören außerdem die Prävention und Rehabilitation entsprechender Krankheiten sowie die Therapie von Entwicklungsstörungen und Behinderungen seiner jungen Patienten. Hinzu kommen der medizinische Bereich vorgeburtlicher (pränataler) Erkrankungen, die Neugeborenenmedizin (Neonatologie) sowie das Fachgebiet Sozialpädiatrie.

Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen verlangen besondere, therapeutische Kenntnisse und Erfahrungen. Zudem sollte der Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, nicht zuletzt, ein Gespür für die Sorgen und den Umgang mit Eltern und Angehörigen haben.

Krankheitsbilder im Bereich der Kinder- und Jugendmedizin

Der Aufgabenbereich, dem ein Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin in seiner täglichen Praxis begegnet, ist vielfältig. Hinzu kommt das breite Spektrum möglicher Erkrankungen und Therapieformen, von denen wir nachfolgend die wichtigsten zusammengestellt haben:

Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom

ADHS gehört mittlerweile zu den häufigsten psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter. Betroffen sind in Deutschland, laut Experten-Schätzungen, rund 500.000 junge Menschen im Alter zwischen sechs und 18 Jahren. Die Aufmerksamkeitsstörunng wirkt sich auf Familie, soziale Kontakte und die Schule aus. Der Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin sucht nach individuellen Therapiemaßnahmen, um so, nicht zuletzt, den Leidensdruck auch innerhalb der Familie zu mindern.

Adipositas

Eine Folge der „Generation Couch-Potato“. Bewegungsmangel und falsche, einseitige Ernährung führen dazu, dass Kinder und Jugendliche oft ihr Normalgewicht überschreiten. Der Kinderarzt unterscheidet zwischen Übergewicht und der Fettsucht. Gemeinsam mit Betroffenen werden Gegenmaßnahmen entwickelt und Betroffene behutsam an neue Essgewohnheiten herangeführt.

Grippaler Infekt

Während es Erwachsene zwei- bis dreimal pro Jahr „erwischt“, können vor allem Kleinkinder durchschnittlich sechs- bis zehnmal jährlich einen grippalen Infekt erleiden. Der Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin lindert die schlimmsten Beschwerden wie Husten (s.a. Hausmittel gegen Husten) und beugt Begleiterkrankungen, wie beispielsweise einer Nasennebenhöhlenentzündung, vor.

Halsschmerzen

Es kratzt und schmerzt im Rachen, und gerade Kinder fühlen sich machtlos gegen die Entzündungszeichen. Der Kinderarzt klärt differentialdiagnostisch, ob es sich um eine Entzündung des Rachens (Pharyngitis), die klassische Mandelentzündung (Angina), oder eine Entzündung des Kehlkopfes (Laryngitis) handelt. Er kann auch erkennen, ob es sich bei den Halsschmerzen um Symptome einer anderen Erkrankung handelt.

Kopflausbefall (Pedikulose)

Kein Grund zum Schämen! Kopfläuse haben nichts mit mangelnder Hygiene zu tun. Die besten Bedingungen finden die Krabbeltierchen in Kindergärten, Kindertagestätten, oder Grundschulen, da sie dort durch den engen Kontakt beim Spielen leicht übertragen werden können. Betroffen sind deshalb vor allem Kinder im Vorschul- oder Grundschulalter. Der Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin findet die geeigneten Mittel und Maßnahmen gegen Kopflausbefall und gibt Tipps zur Vorbeugung.

Keuchhusten (Pertussis)

Eine bakterielle Erkrankung, die seit März 2013 meldepflichtig ist. Der Kinderarzt muss sich in diesem Fall mit einer überaus ansteckenden Infektionskrankheit befassen, die häufig Kinder betrifft, aber nicht mehr zu den klassischen Kinderkrankheiten gehört. Vorbeugung besteht in der rechtzeitigen Impfung, die der Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin durchführt.

Mumps (Parotitis epidemica)

Umgangssprachlich „Ziegenpeter“ genannt, handelt es sich hierbei um eine Virusinfektion, die im Kindesalter zwar harmlos verläuft, sich allerdings auf das Gehör auswirken kann. Aus diesem Grund ist der Kinderarztgefordert, auf die rechtzeitige Impfung hinzuweisen und sie durchzuführen, und, im Falle einer Infektion, Folgeschäden zu vermeiden.

Scharlach

Der Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin hat es hier mit Streptokokken zu tun, Bakterien, die vor allem im Kinder- und Vorschulalter verbreitet sind. Bislang gibt es keine Impfung, so dass sich der Kinderarzt auf die Linderung und Heilung Symptome konzentriert.

Windpocken (Varizellen)

Sie gehören zu den weltweit häufigsten Infektionskrankheiten von Kindern. Der Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin führt die von der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut empfohlene Varizellen-Impfung für alle Kinder im Alter zwischen 11 bis 14 Monaten durch. Seit 2009 werden zwei Impfungen im Abstand von wenigstens vier Wochen vorgenommen.

Drei-Tage-Fieber (Exanthema subitum / Roseola infantum)

Eine hochansteckende, aber harmlose Viruserkrankung. Der Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin konzentriert sich auf die Behandlung der Symptome, wie Fieber und anschließenden Hautausschlag. Betroffen sind vor allem Säuglinge und Kleinkinder im Alter bis zu drei Jahren.

Untersuchungsmethoden / Behandlungsmethoden Kinderarzt

So unterschiedlich die Ansprüche der jungen Patienten sind, so vielfältig sind die Behandlungen und Untersuchungen, die eine Kinderarztpraxis durchführt.

  • Die Früherkennungsuntersuchungen zwischen dem Zeitpunkt der Geburt und dem sechsten Lebensjahr gehören zu den bekanntesten Untersuchungen des Kindesarztes. Die sogenannte U1 bis U9 umfassen insgesamt zehn Termine, in denen der Kinderarzt mögliche Gesundheitsauffälligkeiten und Entwicklungsstörungen erkennt, behandelt, oder ausschließt. Die U-Untersuchungen sind kostenlos, wenn sie in der vorgeschriebenen Zeitspanne erfolgen. Eine Dokumentation erfolgt im gelben Kinderuntersuchungsheft.
  • Die umfassende Impfberatung, die Kontrolle der Abfolge sowie die Durchführung vorgeschriebener Impfungen sind für den Kinderarzt ein wichtiger Bereich der Vorsorge. Gemäß der STIKO-Empfehlungen angewandt, schützen Impfungen vor schweren Erkrankungen.
  • Bei der Kindergartenuntersuchung geht es, neben der regelrechten, körperlichen Entwicklung der kleinen Patienten, vor allem um den sprachlichen und motorischen Entwicklungsstand. Der Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin unterstützt Eltern auf Wunsch bei dieser freiwilligen Kontrolle.
  • Immer mehr Kinder und Jugendliche haben Spaß am Sport. Doch Sportarten können sich negativ auf die Gesundheit und Entwicklung auswirken, oder bedeuten ein Risiko, falls das Kind bestimmte Vorerkrankungen besitzt. Der Kinderarzt stellt im Rahmen einer Tauglichkeitsuntersuchung fest, ob und welcher Sport für seine Patienten am besten geeignet ist.
  • Innere Unruhe, Konzentrationsschwäche und ein gesteigerter Bewegungsdrang können Symptome für ADHS sein. Gemeinsam mit einem Psychologen und den Eltern des Kindes stellt der Kinderarzt die entsprechende Diagnose und entwickelt die bestmögliche Therapie und Hilfe.

Facharztausbildung und -weiterbildung Kinder- und Jugendmedizin

Die erforderlichen Kenntnisse und Facharztkompetenzen erlangt der Kinderarzt, nach dem abgeschlossenen Medizinstudium, durch eine Weiterbildung im Bereich der Kinder- und Jugendmedizin. Die Weiterbildungszeit umfasst insgesamt 60 Monate.

Von diesen müssen sechs Monate innerhalb der intensivmedizinischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen erfolgen, oder können durch Tätigkeiten in anderen Bereichen, wie der Kinder- und Jugendpsychiatrie bzw. einer ambulanten Versorgung mit einer Dauer zwischen zwölf und 24 Monaten angerechnet werden.

Zu den in der Ausbildung vermittelten Kenntnissen und Fähigkeiten zählen folgende:

  • Beurteilung der körperlichen, sozialen, psychischen und intellektuellen Entwicklung des Säuglings, Kleinkindes, Kindes und Jugendlichen
  • Erkennung und koordinierten Behandlung von Verhaltensauffälligkeiten im Kindes- und Jugendalter
  • Gesprächsführung mit Kindern und Jugendlichen und der Gesundheitsberatung und -vorsorge einschließlich ihrer Bezugspersonen
  • Vorsorgeuntersuchungen und Früherkennungsmaßnahmen einschließlich orientierende Hör- und Sehprüfungen

Passende Ausbildungsstellen gibt es direkt bei uns unter Assistenzarzt Stellenangebote Pädiatrie / Kinder- und Jugendmedizin. Alle Jobs in diesem Fachbereich für Facharzt bis Chefarzt gibt es unter Arzt Stellenangebote Pädiatrie / Kinder- und Jugendmedizin.

Kinderärzte in Deutschland

Von den insgesamt über 385.000 Ärztinnen und Ärzten in Deutschland arbeiteten im Jahre 2017, laut Bundesärztekammer, 14.703 als Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin. Von ihnen waren 7.357 als ambulante Ärzte in eigener Praxis, oder Angestellte in fremder Praxis tätig, 6.089 arbeiteten stationär. Die übrigen Fachärzte für Kinder- und Jugendmedizin übten ihren Beruf bei Behörden, Körperschaften, oder in sonstigen Bereichen aus.

Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin – Gehalt

Ein Kinderarzt in Deutschland verdient im Jahr zwischen 50.344 und 122.289 Euro, abhängig von der Arbeitsstelle, der Erfahrung und der Position (Quelle: gehaltsvergleich.com). Zudem ist das Gehalt abhängig vom jeweiligen Bundesland.

Alle ärztlichen Fachbereiche gibt es in unserer großen Übersicht Facharztrichtungen – Medizin Fachgebiete im Überblick.

Durch | 03.08.2018 | Allgemein, Facharzt | 0 Kommentar

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