Hausarzt Vergütung

Hausarzt Gehalt: Was verdient ein Hausarzt pro Patient?

Ganz gleich, ob in angestellter Position oder in eigener Praxis, Mediziner gehören in den üblichen Gehaltsstatistiken, die verschiedene Berufe vergleichen, stehts zu den Top-Verdienern. Doch ist dies wirklich so? Sind Mediziner überbezahlt? Was verdient ein Hausarzt pro Patient und ist dies gerechtfertigt? Mit dieser Frage beschäftigt sich der folgende Beitrag.
Hausarzt Gehalt – wie viel verdienen Allgemeinmediziner?

Die Arzthonorare der GKV

Die Arzthonorare der gesetzlichen Krankenkassen werden pro Bundesland von den kassenärztlichen Vereinigungen definiert. Dies führt zu regionalen Honorarunterschieden, oftmals mit einer großen Intransparenz verbunden. Die Begründung liegt darin, dass ein Arzt in Bayern anders bezahlt wird als in Brandenburg. Genauso verdienen in ein und demselben Bundesland beispielsweise Internisten, Chirurgen und Radiologen unterschiedliche Beträge pro Patienten, auch bei Durchführung gleicher Untersuchungen.

Laut Jörg Weidenhammer, Geschäftsführer des Instituts für Gesundheits-System-Forschung (igsf), sind „Honorare hauptsächlich Ausdruck der Macht der jeweiligen Facharztgruppe in der Kassenärztlichen Vereinigung“. Die Komplexität des Systems führt dazu, dass auch die Hausarzt Vergütung in diesem Artikel nur grob abgeschätzt werden kann.

Vergütung Hausarzt – Besuchspauschale pro Patient

Über die gesetzliche Krankenversicherung funktioniert die Bezahlung des Hausarztes zunächst über sogenannte Besuchspauschalen. Die Krankenkassen errechnen dazu Kopfpauschalen, welche pro Bundesland und pro Facharztrichtung wie beschrieben unterschiedlich sind.

Diesen Betrag zahlen sie für die Behandlungen pro Versicherungsnehmer. Der Hausarzt erhält pro Patienten und Quartal einen Pauschalbetrag, unabhängig vom Umfang der Behandlung und von der Anzahl der Patientenbesuche. Es ist also zunächst unerheblich, ob der Patient nur einmal oder zehn Mal kommt oder wie aufwändig und kostenintensiv die Untersuchungen oder Behandlungen sind. Für das laufende Quartal wird die Pauschale nur einmal ausbezahlt. Die Pauschale ist vom Alter des Patienten abhängig:

Vergütung Hausarzt nach Besuchspauschalen (GKV)

  • bis zum vollendeten 4. Lebensjahr: 40,80 Euro
  • bis 18. Lebensjahr: 33,64 Euro
  • bis 54. Lebensjahr: 30,66 Euro
  • bis 75. Lebensjahr: 36,39 Euro
  • ab 76. Lebensjahr: 41,03 EUR

Die genaue Höhe des Honorars ist letztendlich von den erbrachten Leistungen des Hausarztes und der Anzahl seiner Patienten abhängig.

Gesprächspauschale – eine zusätzliche Pauschale für Hausärzte

Die Gesprächspauschale ist eine Sonderpauschale für niedergelassene Hausärzte. Sie deckt sogenannte problemorientierte Gespräche im Zusammenhang mit lebensverändernden Erkrankungen ab. Pro 10 Minuten erhält der Hausarzt für diese Gespräche eine Pauschale in der Höhe von 9,59 Euro. Sie ist pro Quartal jedoch auf 50 Prozent der behandelten Patienten begrenzt.

Chronikerpauschale und Demenzpauschale

Neben der Besuchspauschale gibt es noch zusätzliche Pauschalen, die dem niedergelassenen Hausarzt ausgezahlt werden können. Dazu zählt beispielsweise die Chronikerpauschale. Sie gilt für chronisch kranke Patienten und soll den erhöhten Mehraufwand abdecken. Um die Chronikerpauschale zu bekommen, muss die chronische Krankheit des Patienten dokumentiert werden. Zudem ist es eine Voraussetzung, dass er regelmäßig medizinisch behandelt wurde. Für den ersten Besuch des chronisch kranken Patienten erhält der Hausarzt zusätzlich zur Besuchspauschale pro Quartal einmal 13,85 Euro. Für den zweiten Besuch wird pro Quartal zusätzlich eine weitere Pauschale von 4,26 Euro bezahlt. Für weitere Besuche im gleichen Quartal erhält der Hausarzt kein Geld mehr. Es kommt jedoch nicht selten vor, dass chronisch kranke Patienten ihren Hausarzt jede Woche einmal oder sogar noch häufiger aufsuchen.

Für die Betreuung von Demenz-Patienten gibt es eine weitere Sonderpauschale, die pro Quartal bei 16,94 Euro liegt. Für die Betreuung von Palliativpatienten (unheilbar Kranke) erhalten Hausärzte pro Konsultation in der eigenen Praxis eine Sonderpauschale in der Höhe von 16,94 Euro und für die Konsultation im Haus- oder Heimbesuch 13,21 Euro. In der Betreuung von Palliativpatienten besteht das Ziel nicht darin, dass dem Leben mehr Tage gegeben werden. Es geht in erster Linie darum, den Tagen des Patienten mehr Leben zu geben.

Weitere Einzelleistungen, für die der Hausarzt ein Honorar erhält
Außerhalb der übrigen Pauschalen kann der Hausarzt noch verschiedene Einzelleistungen abrechnen:

  • Wundnaht oder kleiner operativer Eingriff: 6,07 Euro
  • Lungenfunktionsprüfung: 6,39 Euro
  • Schilddrüsenultraschall: 9,06 Euro
  • Ultraschall Bauch: 16,73 Euro
  • einzelne Impfung, beispielsweise Grippe: 7,67 Euro
  • Kombinationsimpfung: 15,34 Euro
  • Demenztest bei über 70 Jährigen: 13 Euro
  • Belastungs-EKG: 21,31 Euro
  • Hausbesuch: 22,59 Euro
  • Vorsorgeuntersuchung alle 2 Jahre: 32,28 Euro

Hausarzt Honorar – Gesamtvergütung pro Patient

Die Vergütung eines niedergelassenen Hausarztes setzt neben den hier nicht im Detail behandelten Vergütungen durch Privatversicherte vorwiegend aus den jeweiligen Zahlungen der gesetzlichen Kassen zusammen. Laut KBV Honorarbericht verdienten Allgemeinmediziner und Internisten pro Behandlungsfall (also Patient pro Quartal) zwischen 57,90 Euro (Hamburg) und 70,72 Euro (Thüringen). Die gesamten Honorarumsätze pro Quartal betragen zwischen 45.181 Euro (Hamburg) und 68.471 Euro (Sachsen-Anhalt).

Wichtig: die Vergütung stellt nicht das Gehalt, sondern den Umsatz des Hausarztes dar. Davon müssen noch Kosten für Praxismiete, Nebenkosten, Personal und Ausstattung der Praxis finanziert werden.

Mehr unter:

Vergleich Gehalt Facharzt pro Fachrichtung – wie viel verdient ein Arzt mit eigener Praxis?

Arzt Gehalt in der Klinik

Quellen

kbv.de (Honorarbericht der kassenärztlichen Vereinigungen)

helmut-beermann.de

hausärztemangel.info

07.12.2018

1 Kommentar

  1. Walter Günther 28.05.2019 um 8:10 - Antworten

    Kein Wunder dass unser geachteter und verehrter Hausarzt mit seinem 12-Stunden-Tag inzwischen tausende von Patienten betreuen muss, um auch nur annähernd an die Vergütung eines Beamten im gehobenen Dienst zu kommen, von denen die Mehrzahl keine 10% seiner Leistungen erbringen. Kein Wunder dass unser Gesundheitssystem den Bach runter geht und die Pharma Industrie immer größere Margen verzeichnen kann. Die schnelle Tablette an Stelle des persönlichen Arzt-Patientengespräches, rückt weiter vor……kein Wunder!

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