Frauenquote In Chefarzt Positionen

Frauenquote für Chefarzt Positionen – sinnvoll oder nicht?

Der Frauenanteil im Medizinstudium liegt bei fast 70 Prozent. Schon 1997 ist die Frauenquote im Medizinstudium bei über 50% gewesen. Doch nur wenige Frauen kommen letztendlich in einer Führungsposition als Chefärztin an. Woran liegt dies? Ist die Einführung einer Frauenquote nötig und sinnvoll? Dem sind wir in diesem Artikel nachgegangen.

Frauenquoten in Führungspositionen in Wirtschaft und Politik

Bereits in der Politik und in der Wirtschaft wurden in Deutschland Frauenquoten umgesetzt. Dies betrifft vor allem Leitungs- und Führungspositionen.

Für den öffentlichen Dienst wurde im Jahre 2001 das Bundesgleichstellungsgesetz beschlossen. Dieses Gesetz soll Benachteiligungen von Frauen (auf Grund des Geschlechts) bei der Stellenbesetzung beseitigen sowie Familienfreundlichkeit fördern, d.h. die Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Familie verbessern. Das Gesetz sieht für die Dienststellen des Bundes vor, Gleichstellungsbeauftragte zu bestellen, welche wiederum die Gleichstellung von Mann und Frau sicherstellen sollen. Auch verpflichtet das Gesetz zu einer geschlechtsneutralen Ausschreibung von Stellen (z.B. gesucht wird ein/e Chefarzt/ Chefärztin) sowie die Bevorzugung von Frauen bei der Stellenbesetzung, wenn die gleiche berufliche Qualifikation der Bewerber vorliegt und Frauen in einem Bereich unterrepräsentiert sind.

Frauenquoten in die freie Wirtschaft zu bringen, hat etwas länger gedauert. Im Jahr 2011 haben sich Bundestagsabgeordnete aller Parteien (Berliner Erklärung) zusammengesetzt und die Frauenquote von 30% in allen Aufsichtsräten von Unternehmen zu fordern. Der Grund: nur ca. 15% der Aufsichtsratspositionen in den deutschen Top 200 Unternehmen waren mit Frauen besetzt. Selbst 2015 waren laut DIW (Institut für Wirtschaftsforschung) von 877 Vorstandssitzen der 200 größten Unternehmen in Deutschland lediglich 47 Positionen durch Frauen besetzt.

Was lange währt, wird endlich gut? Bis zum 01. Januar 2016 hat es dann gedauert, bis eine Geschlechterquote verabschiedet und realisiert wurde, im Rahmen des Gesetzes für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst. Seitdem gilt eine Geschlechterquote von 30 Prozent für neu zu besetzende Aufsichtsratsposten in etwa 108 großen, börsennotierten Unternehmen sowie für Aufsichtsgremien des öffentlichen Dienstes mit mindestens drei Positionen. Daneben sind etwa 3500 weitere Unternehmen verpflichtet, sich eigene Zielgrößen zu stecken.

Frauenquoten auch für Chefarzt Positionen?

Die Frauenquoten in Führungspositionen in der Medizin ist auch heute noch erschreckend gering. So sind beispielsweise in Hessen 58 % der Medizinstudenten weiblich. Laut Landesärztekammer Hessen liegt die Quote der Chefärztinnen allerdings nur bei 12,5 %. Von den wichtigsten klinischen Lehrstühlen sind deutschlandweit nur 10% mit Medizinerinnen besetzt. Beispielsweise in Greifswald und Homburg/Saar ist nicht einziger Lehrstuhl mit einer Frau besetzt. Während es bei Oberarztpositionen zu einer erfreulichen Entwicklung kam und mittlerweile ca. 30 % – 35 % mit Frauen besetzt sind, stagniert die Quote von Chefärztinnen seit Jahren unter 10% und die Toppositionen sind zu 90% mit Männern besetzt.

Der deutsche Ärztinnenbund (DÄB) fordert seit einiger Zeit eine Frauenquote in der Medizin. Im Jahre 2013 wurde von einem Zusammenschluss von Ärztinnen und Wissenschaftlerinnen, Medizinstudentinnen und Frauen die Aktion „ProQuote Medizin – mehr Frauen an die Spitze“ ins Leben gerufen, welche vom DÄB unterstützt wird. Diese fordert, dass mindestens 40 Prozent der Führungspositionen in der Medizin und so auch der Dekanate, der medizinischen Fachgesellschaften und Berufsverbände mit Frauen besetzt werden.

Diesbezüglich gab uns Frau Prof. Dr. med. Gabriele Kaczmarczyk, Vizepräsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes e.V. (DÄB) vor einiger Zeit ein Interview. Demnach sei einer der Gründe, warum es so wenigen Chefärztinnen gibt, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie: „Eines von vielen Hindernissen, das ich oben schon beschrieben habe ist, dass bei den Frauen der Karriereknick oft pünktlich mit dem ersten Kind einsetzt. Wenn der Vater nicht in Elternzeit geht, bleiben auch viele Ärztinnen ganz traditionell zu Hause und finden günstigstenfalls viel später wieder in den Beruf zurück.“ Als Lösungsansatz sieht sie zum Beispiel Job Sharing Modelle. Also ein Jobsharing für Chefpositionen, um beispielsweise auch während der Elternzeit auf Halbtagsbasis als Chefärztin arbeiten zu können.

Dies bestätigte auch Jan Stanslowski, Mitglied des Vorstands und Arbeitsdirektor bei den Sana Kliniken, in einem Interview, auf die Frage warum Frauen seltener in Leitungspositionen kommen: „Das liegt häufig an tradierten Organisationsstrukturen, die es besonders Frauen erschweren, in einer Phase, in der sie Beruf und Familie verbinden, wichtige Karriereschritte zu unternehmen. Hier ist auch das Arbeitszeitmodell zu nennen, wir haben 365 Tage abzudecken, 24 Stunden pro Tag. Ein Teil der sehr, sehr talentierten Ärztinnen stößt irgendwann an die Grenze ihrer Organisationsfähigkeit. Männliche Kollegen, die nach wir vor selten eine große Rolle in Familien übernehmen, sind weitaus seltener betroffen.“

Viele Kliniken haben sich bereits dem Thema angenommen und erste Schritte unternommen. Hierzu zählen familienfreundlichere, flexiblere Arbeits- und Dienstpläne oder die Einrichtung von Kindergärten (die auch abends geöffnet sind) oder spezielle, individuelle Agreements, die auf die persönliche Situation eingehen. Dennoch scheint dies nicht auszureichen laut Frau Prof. Dr. med. Gabriele Kaczmarczyk, „Solange es so ist, dass Medizinerinnen in Führungspositionen und in der Wissenschaft unterrepräsentiert sind, wird eine Quote gebraucht“.

Wie seht Ihr eine Frauenquote für Chefarzt Positionen?

Ist es möglich, Chefarzt Positionen mit über 40% von Chefärztinnen zu besetzen? Welche Vor- und Nachteile können entstehen, die im Artikel nicht betrachtet wurden? Welche Maßnahmen von den Kliniken sind nötig, um die Quote der Chefärztinnen zu erhöhen?

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1 Kommentar

  1. Norbert Reuther 29.04.2017 um 17:15 - Antworten

    “ In Deutschland gibt es eine spürbare medizinische Unterversorgung kranker Menschen.“
    heißt es in einem Artikel der FAZ vom 06.03.2017. Ursächlich führt der Autor diese Unterversorgung auf den Anteil von „etwa 65 Prozent“ Frauen an allen Medizinstudenten zurück. Offensichtlich nimmt nur ein unzureichender Teil der ausgebildeten Ärztinnen eine regelmäßige Erwerbstätigkeit auf. Außerdem tendieren Frauen scheinbar weit öfter dazu, statt der anstrengenden Arbeit am Patienten einen geregelten Job in der Forschung anzunehmen.

    Vorweg ein Disclaimer:
    Es geht mir nicht darum die Leistungen und Fähigkeiten der individuellen Frau herabzusetzen, die einzelne Frau sollte sich auch von meiner Kritik nicht persönlich angesprochen fühlen. Aber,
    scheinbar sind Frauen als statistische Gruppe grade dabei den medizinischen Karren mächtig in den Dreck zu fahren.
    Innerhalb dieser statistischen Gruppe scheint frau sich nicht darüber klar zu sein, dass das Recht auf eine teure, solide Ausbildung auch mit einer Verantwortung gegenüber der Gesellschaft kommt.
    Eine Quote die Frauen über Ansehen des Geschlechts Zugang zu gut dotierten Positionen gewähren soll bedeutet de facto noch mehr Rechte, und noch weniger Verantwortung für Frauen.
    Die generelle feministische Forderung nach immer mehr Rechten und immer weniger Verantwortung für Frauen kann besonders in der Medizin, Feuerwehr, Polizei und Militär, etc. gefährlich im Einzelfall auch lebensbedrohlich werden.

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