Famulaturbericht Österreich Vorarlberg

Famulatur Österreich: Erfahrungsbericht über die Allgemeinchirurgie

Die Famulatur in Österreich im Medizinstudium habe ich direkt nach dem Physikum in der Allgemeinchirurgie gemacht. Damals dachte ich noch, dass ich später auf jeden Fall ein chirurgisches Fach machen möchte – dies hat sich dann im Laufe des Studiums geändert.

Generell muss ich sagen, dass ich jedem eine Famulatur in der Inneren Medizin und einem chirurgischen Fach raten würde (die anderen beiden Famulaturen sind ja ohnehin vorgegeben), auch wenn er/sie schon ganz sicher weiß was er/sie später für ein Fach machen möchte. Es schadet nie über den Tellerrand hinauszuschauen und manchmal passiert es ja doch, dass man nach einem Praktikum, Famulatur etc. ein Fach, von dem man vorher dachte es sei langweilig, ziemlich begeistert ist.

Famulatur Österreich – die Klink und Bewerbung

Ich habe mich damals für Österreich, genauer gesagt für das Bundesland Vorarlberg und da für das Krankenhaus der Stadt Dornbirn, entschieden. Die Entscheidung an sich war nicht schwierig, denn es ist meine Heimatstadt. Ich kannte die Station bereits vom Pflegepraktikum und habe somit natürlich von dem einen oder anderen Pluspunkt profitiert. Es ist ein kleines Krankenhaus mit 300 Betten und acht Fachrichtungen (Innere, Allgemeinchirurgie, Tageschirurgie, Gynäkologie und Geburtshilfe, Orthopädie und Unfallchirurgie, Radiologie, Anästhesie und Intensivmedizin, Kinder – und Jugendheilkunde).

Prinzipiell ist die Anmeldung in allen Krankenhäusern in Österreich im Bundesland Vorarlberg recht einfach. Man schreibt die Person, die für Studenten und Famulaturen/PJ Tertiale zuständig ist, an und fragt nach freien Plätzen. Eine echte Bewerbung wurde nicht gefordert. Ich musste bei der allgemeinchirurgischen Famulatur lediglich das Physikumszeugnis zeigen.

Da ich in München studiere, musste ich die Praktikumsbestätigung dann im Anschluss bei meinem Prüfungsamt anerkennen lassen, was nie Probleme gemacht, sondern lediglich zehn Euro kostet. Der Vorteil ist auch, dass man in Dornbirn, aber auch in allen Landeskrankenhäusern bereits ab vier Wochen Famulatur ein kleine Famulatur Vergütung bekommt. Grundsätzlich ist es so, dass das Krankenhaus in Dornbirn der Stadt gehört und die restlichen vier Krankenhäuser von der Krankenhausbetriebsgesellschaft Vorarlberg betrieben werden. Für uns als Famulanten oder PJ Studenten spielt das keine Rolle.

Aufgaben in der Allgemeinchirurgie Famulatur

Prinzipiell läuft es in allen Krankenhäusern gleich ab. Was ich vorwegsagen kann: Bei uns wurden für eine relativ kleine Station viel zu viele Studenten eingeteilt. Natürlich habe ich diesen Aspekt bei der ersten Famulatur nicht bedacht, jetzt würde ich bei der Bewerbung fragen wieviele weitere Studenten noch auf Station sind. Denn: Sind es zu viele Studenten, steht man sich im Weg und der Lernerfolg bleibt teilweise aus.

Zu den Aufgaben zählte natürlich das tägliche Blutabnehmen, was vor allem am Anfang des klinischen Abschnitts sehr wichtig und elementar ist (hier sind chirurgische Stationen oft besser, da die Patienten meist jünger und nicht multimorbid und damit leichter zu stechen sind als auf internistischen Stationen), Zugänge für Patienten mit bevorstehenden Operationen oder Infusionstherapien legen und Aufnahmen machen. In meinen Augen ist das A und O zu Beginn des klinischen Abschnittes, dass man jemanden hat, der einem zeigt wie man einen Patienten aufnimmt. Dabei kommt es nicht unbedingt auf die Schnelligkeit an, sondern eher, dass ich anhand von der Anamnese schon einmal erkennen kann in welche Richtung es geht und dann die klinische Untersuchung auch dementsprechend anpassen kann. Meistens sind jedoch die Stationsärzte so im Stress, dass sie nur wenig Zeit für solche Sachen haben und dann heißt es: Learning by doing. Je öfter man etwas macht, desto besser und schneller kann man es.

Grundsätzlich war es natürlich immer möglich mit in den OP zu gehen und dort zu assistieren. Es kam nicht selten vor, dass ich bei kleineren Eingriffen mit dem Oberarzt alleine am Tisch stand. Kleiner Tipp: ist man chirurgisch interessiert, sollte man jeweils am Tag davor auf den OP Plan schauen, um sich eventuell schon zu Hause auf eine OP vorbereiten zu können. Alleine durch zuschauen bei der OP weiß man meistens nicht was der Operateur macht. War mal auf der Station weniger los oder wurde im OP niemand gebraucht, konnte man natürlich jederzeit in die Endoskopie oder in die Ambulanz gehen. In der Röntgenbesprechung mit dem Radiologen war man auch immer willkommen.

Eigenständig arbeiten durfte ich natürlich noch nicht, dies habe ich aber auch von der ersten Famulatur nicht erwartet. Man wird selbstverständlich am Anfang gefragt wo man sich im Studium befindet, damit sie auch einschätzen können für welche Tätigkeiten sie einen einsetzen können.

Wie gesagt, ich fand es bei mir ein bisschen schade, dass so viele Studenten für die allgemeinchirurgische Station eingeteilt wurden. So hat man sich manchmal doch übers Blutabnehmen und Zugänge legen gestritten, weil wir alle am Anfang standen und wir einfach üben wollten. Allerdings kenne ich es aus anderen Praktika genau andersrum, dass man der einzige Student auf Station ist und somit für alles zuständig ist, auf das die Assistenten keine Lust haben. Darunter fallen dann meistens eben Blutabnahmen, Zugänge legen und Aufnahmen machen. Wenn man Pech hat, nehmen diese Tätigkeiten einen Großteil des Tages in Anspruch, sodass man dann auch nicht bei interessanten Eingriffen dabei sein kann. Man sieht, es ist immer etwas Glück auch dabei!

Arbeitsbedingungen in kleinen Häusern in Österreich besser

Im Vergleich zu anderen Häusern, muss man ganz klar sagen, dass die Bedingungen in einem kleinen Haus deutlich besser sind. Dienstbeginn war täglich um 7 Uhr. Dabei ging es mit der Visite los, die recht kurz war, weil die Fach- und Oberärzte nachher in den OP sind. Entweder ist man dort mitgegangen oder man hat den jungen Assistenten bei der Stationsarbeit geholfen (siehe oben).  Mittagessen war regelmäßig möglich und man bekommt auch eine Mitarbeiterkarte, mit der man dann das Essen billiger bekommt. Ehrlicherweise muss ich sagen, dass es in Österreich im Krankenhaus Dornbirn das beste Krankenhausessen gab, das ich bisher erlebt habe. Dienstende war gegen 16 Uhr, sodass noch genügend Zeit blieb sich die schöne Natur in der Umgebung anzuschauen.

Dienstwohnungen sind grundsätzlich vorhanden, da ich aber zu Hause gewohnt habe, weiß ich nun nicht, ob diese nur für Festangestellte sind oder auch für Praktikanten. Am besten einfach gleich bei der Bewerbung nachfragen.

Ich glaube, dass es für den Anfang gar nicht schlecht ist sich ein kleines Haus auszusuchen. Bei der ersten Famulatur geht es nicht darum möglichst coole, große und interessante OPs zu sehen, denn wie groß ist die Wahrscheinlichkeit bei der ersten Famulatur mit einer richtigen Aufgabe bei einer Whipple OP am Tisch zu stehen?! Ich glaube es geht viel mehr um die Grundlagen, ums „erstmal reinkommen“ und die Basics zu lernen und vielleicht mal etwas nähen zu dürfen. Da bringt einem ein riesen Haus nicht viel, wenn man dafür nicht beachtet wird und nur auf der Station eingeteilt ist. Das Klima am Krankenhaus Dornbirn fand ich super, sowohl unter den Ärzten und der Pflege als auch interdisziplinär. Man fühlt sich sehr schnell willkommen und zum Team gehörend, was man nicht bei jedem Praktikum erfahren wird.

Fazit Allgemeinchirurgie Famulatur in Österreich

Alles in allem würde ich sagen, dass es eine gute erste Famulatur war. Hätte ich sie zu einem späteren Zeitpunkt im Studium gemacht, hätte ich mir mehr erwartet aber man merkt im Laufe des Studiums, dass man immer mehr machen darf, je weiter man im Studium ist.

Generell kann ich jedem, der nicht nur die Zeit absitzen will, den Tipp geben Interesse zu zeigen. Je mehr die Ärzte merken, dass es einen tatsächlich interessiert und man was lernen möchte, desto eher sind sie gewillt sich die Zeit zu nehmen, um einem etwas zu zeigen.

Abgesehen vom medizinischen bietet das Bundesland Vorarlberg und besonders die Stadt Dornbirn durch die Nähe zum Bodensee und den Bergen perfekte Voraussetzungen für die Freizeitgestaltung, sowohl im Sommer, als auch im Winter.

Weitere interessante Erfahrungsberichte:

Famulatur im Ausland inklusive Erfahrungsberichte

PJ im Ausland inklusive Erfahrungsberichte

Famulaturplätze in Deutschland findet Ihr hier: Famulaturbörse

Und PJ-Stellen hier: PJ-Stellen

1 Kommentar

  1. ASK 16.10.2017 um 9:13 - Antworten

    Hallo,

    sehr interessant, wie du über deine Ansichten zu diesem Thema und auch den bisherigen berichtest. Gerne mehr davon und noch weiterhin viel Erfolg!

    Gruß
    Michael

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