Famulatur Irland

Famulatur in Irland in Dublin

Im Ausland famulieren ist für viele Medizinstudenten eine interessante Option, um das Studium mit einem Auslandsaufenthalt zu verbinden – hierzu zählt auch die Famulatur in Irland. Folgend ein interessanter Bericht aus einer Famulatur in Irland im Sommer 2016 am Mater Misericordiae University Hospital in Dublin im Fachbereich der Endokrinologie.

Motivation zur Famulatur in Irland

Ich wollte die Gelegenheit nutzen, ausländische Gesundheitssysteme und vor allem den Krankenhausalltag im Ausland schon während meines Studiums kennenzulernen. Ich finde es nicht nur interessant, die Arbeitsbedingungen und -abläufe im Ausland kennenzulernen, sondern erhoffe mir gleichzeitig Anregungen für das Arbeiten in Deutschland. So entschied ich mich schließlich Ende 2015 dafür, meine Famulatur in Irland zu absolvieren, da ich Land und Leute ins Herz geschlossen hatte. Außerdem konnte ich so die Gelegenheit wahrnehmen, mein „Medical English“ aufzubessern.

Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Ms Louise Melia (lmelia@mater.ie) ist die für Famulaturen zuständige Ansprechpartnerin im Mater, ich kontaktierte sie ca. sechs Monate im Vorfeld meiner Famulatur. Auf diese Famulaturanfrage hin informierte sie mich über den Bewerbungsablauf. Die Bewerbung im Mater umfasst neben einem auszufüllenden Bewerbungsformular einen Dean’s Letter, der mir vom International Office meines Fachbereichs angestellt wurde, ein Empfehlungsschreiben (dies stellte mir mein Doktorvater aus), Impfnachweise (aktueller anti-HBsAg-Titer) und ein polizeiliches Führungszeugnis. Daneben sind 100 Euro Studiengebühren pro Monat ab dem ersten Tag zu zahlen. Famulaturen in Irland sind generell nur in den Sommermonaten und somit während der Semesterferien der irischen Medizinstudenten möglich.

Es wird kein Visum benötigt und Dublin wird von vielen Städten aus Deutschland direkt angeflogen. Vor dem Aufenthalt habe ich zusätzlich eine Unfallversicherung („Kompakt – weltweit“) abgeschlossen (6€/Monat), über die Mitgliedschaft im MB hat hatte ich bereits eine Auslandskrankenversicherung für Famulaturen im Ausland (FAMAUS); die über MB/HB laufende Haftpflichtversicherung für Studenten ist auch weltweit gültig.

Dadurch, dass die irischen Studenten im Sommer frei haben, findet man über die Uni-Plattformen (UCD, TCD) relativ einfach eine Wohnung zur Zwischenmiete.

Das Krankenhaus

Das Mater Misericordiae University Hospital ist eines der größten Krankenhäuser Irlands und umfasst alle gängigen Abteilungen. Verpflegung muss selbst gezahlt werden (es gibt keine Studentenpreise und besonders Lebensmittel sind im Irland im Vergleich zu Deutschland deutlich teurer) und die Unterkunft muss man sich wie gesagt auch selbst organisieren. Man wird einem Consultant der jeweiligen Abteilung zugeordnet und läuft dann in seinem Team mit.

Ablauf der Famulatur in Irland

Ich famulierte einen Monat in der endokrinologischen Abteilung des Maters und begleitete das Endocrinology-Team, das aus einem Registrar, einem SHO und zwei Interns bestand. Interns sind vergleichbar mit PJlern, allerdings sind sie bereits approbiert, sodass sie alle ärztlichen Tätigkeiten ausüben dürfen. Sie rotieren nach ihrem Studium ein Jahr lang (in vier Quartale eingeteilt – mit festen Grenzen wie beim PJ) durch je zwei chirurgische und zwei internistische Stationen. Sie können Vorlieben bezüglich Stadt, Krankenhaus und Station äußern und werden dann nach Noten zentral eingeteilt. SHOs stehen am Anfang, Registrars am Ende ihrer Facharztweiterbildung.

Meine Zeit in der Endokrinologie bestand vor allem aus Visiten, die zumeist den gesamten Vormittag in Anspruch nehmen. Das liegt vermutlich vor allem auch daran, dass die endokrinologischen Patienten über alle Stationen (Wards) des Uniklinikums (Haupt- und Nebengebäude) inklusive Intensivstation verstreut liegen. Jeden Mittwoch begleitete ein Oberarzt die Visite. Nachmittags besuchte ich die endokrinologischen Clinics (dazu unten mehr) oder folgte den Interns z.B. zu anstehenden Untersuchungen. Die morgendliche Blutentnahme wird nicht von Ärzten vorgenommen, sodass ich selbst kein einziges Mal stechen musste. Ich wurde während meiner Zeit in der Endo immerzu angehalten, möglichst viel selbst zu machen: eigenständig Patienten untersuchen, Anamnesen erhaben und Patienten vorstellen. Die Oberärztin nahm sich einmal die Woche Zeit für die Elective Students und wir durften zwei Patienten ausführlich vorstellen und wurden im Anschluss korrigiert.

In Irland gibt es generell keine niedergelassenen Fachärzte. Dies hat zur Folge, dass die Teams der entsprechenden Fachabteilungen spezifische Clinics anbieten (in meinem Fall eine endokrinologische und eine diabetologische, an je einem Nachmittag pro Woche) und in diesem Rahmen Outpatients behandeln, die auf Überweisung ihres General Practitioners/GPs (Hausarztes) oder im Anschluss an Krankenhausaufenthalte an die jeweilige Clinic verwiesen werden. Die Clinics waren für mich sehr lehrreich und ermöglichten es mir, neben dem Krankenhausalltag eines Endokrinologen auch den eines niedergelassenen Facharztes in diesem Gebiet kennenzulernen.

Post call nahm das Endocrinology-Team im Übrigen alle internistischen Patienten auf, die sich am vergangenen Tag und in der Nacht im ED (Notaufnahme) vorgestellt hatten und stationär wurden. So bestand das Patientenklientel keineswegs nur aus diabetischen Füßen, sondern deckte das gesamte internistische Spektrum ab.

Land & Leute

Irland hält natürlich eine Vielzahl an touristischen Attraktionen bereit (Trinity College Dublin; die irischen Nationalsportarten Gaelic Football und Hurling im Croke Park; den Phoenix Park und natürlich viele gemütliche Irish Pubs, vor allem auch außerhalb des Touristenstadtteils Temple Bar). An Wochenenden sind Ausflüge wie zum Beispiel nach Galway und zu den Cliffs of Moher, nach Belfast oder in die Wicklow Mountains gut umsetzbar. An dieser Stelle möchte ich jedoch keine weiteren Empfehlungen aussprechen, nur so viel: Irland bietet für jeden Geschmack das passende Ziel! Einfach nachfragen, die Iren sind immerzu hilfsbereit und freundlich!

Famulatur in Irland – eine lohnende Auslandserfahrung

Ich kann eine Famulatur im Mater Misericordiae University Hospital nur weiterempfehlen! Jedem, der gerne in ein anderes Gesundheitssystem und die irische Kultur kennenlernen und gleichzeitig vom irischen Teaching profitieren will, möchte ich diese Famulatur nur wärmstens ans Herz legen.

Bei der Famulaturplanung sollte man sich über die horrenden Lebenshaltungskosten in Irland und vor allem in Dublin im Klaren sein. Im Vergleich zu Deutschland sind vor allem auch die Lebensmittelpreise inklusive der Essenspreise im Krankenhaus (ohne Studentenrabatt) deutlich höher.

Karin, Medizinstudentin an der Goethe-Universität in Frankfurt/Main, 10. Semester

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