Die Initiative DEVELOPmed.aid

Famulatur in Burkina Faso / Westafrika – ein Hilfsprojekt entsteht

Lena Katharina Müller – Gründerin von der Hilfsinitiative DEVELOPmed.aid – teilt mit uns ihre eindrucksvollen und tragischen Erfahrungen, die sie in Afrika machen konnte.

Wir finden ihr Engagement und ihre Initiative einfach spitze! Folgend findet ihr den Bericht von Lena über die Famulatur in Westafrika.

Während meines ersten Semesters in der Universitätsklinik habe ich mich entschlossen, einen Teil meines Krankenpflegepraktikums in Westafrika zu absolvieren. Ich hatte mich bereits einige Jahre bei der Nichtregierungsorganisation Terre des Femmes im Bereich Aufklärungsarbeit gegen weibliche Genitalverstümmelung engagiert und konnte hierüber bereits Kontakte nach Burkina Faso knüpfen. Für mein Krankenpflegepraktikum kam daher die Gynäkologie der Universitätsklinik Yalgado Ouédraogo besonders in Frage, da hier über ein von Terre des Femmes gefördertes Projekt Frauen mit Problemen nach der weiblichen Beschneidung kostenfrei behandelt werden konnten.

Nachdem ich mich um die notwendigen Impfungen, die Malariaprophylaxe und das Visum gekümmert hatte, packte ich einige medizinische Lehrbücher und ein deutsch französisches Wörterbuch ein und flog also tatsächlich in die Hauptstadt von Burkina Faso: Ouagadougou.

Der erste Tag

Mein erster Tag in der Klinik begann mit einer kleinen Führung durch das Krankenhaus und einer Einführung in das Gesundheitssystem, das sich natürlich sehr deutlich von unserem deutschen unterscheidet: Es gibt kein staatliches Versicherungssystem. Dies bedeutet, dass Patienten für ihre Medikamente und Infusionen selbst aufkommen müssen. Außerdem fehlen einige wichtige Versorgungsmöglichkeiten: Krankenwägen, eine Herzchirurgie und eine plastisch-rekonstruktive Chirurgie waren nicht vorhanden.

Auf meiner Station, der Geburtenstation, konnte ich trotz des späten Dienstbeginns gleich am ersten Tag noch eine Geburt miterleben. In den folgenden Wochen durfte ich bei den Geburtsvorgängen assistieren, lernte sehr viele Basisuntersuchungstechniken und verlor nach und nach ein wenig meine Scheu, Patientinnen zu untersuchen. Die Schwestern und Ärzte waren sehr nett und aufgeschlossen und ich habe mich gut integriert gefühlt. Besonders die Medizinstudenten haben mir viel erklärt und auch etwas Nachhilfe im medizinischen Französisch gegeben.

Harte Momente

Dennoch gab es immer wieder harte Momente, die für das Personal vor Ort eher Routine waren, mich jedoch teilweise nächtelang den Schlaf kosteten. Momente, die mir ganz klar die Augen geöffnet haben, für die Ungerechtigkeit unserer Welt. Einer dieser Momente war in der zweiten Woche meines Praktikums. Eine sehr junge, werdende Mutter aus einem der ärmsten Viertel der Stadt wartete bereits seit Tagen auf einem Stuhl im Warteberich auf ihre Behandlung. Da kein Bett frei war, saß sie mit mehreren Patientinnen in einer Ecke des Geburtstraumes und wartete. Im Laufe des Vormittags wurde sie bewusstlos und fiel vom Stuhl auf den Boden. Als sie notfallmäßig auf eine Liege gehoben und untersucht wurde, war es für ihr Kind bereits zu spät. Sie hatte die letzten Tage auf Geld ihres Ehemannes gewartet, damit sie ihre Behandlung bezahlen konnte.

Diese und weitere ähnliche Erfahrungen nahm ich mit nach Deutschland und erzählte Familie und Freunden davon. Im Laufe des nächsten Jahres gründete ich daraufhin gemeinsam mit einigen Kommilitonen und Kommilitoninnen den Verein DEVELOPmed.aid. Seitdem sammeln wir über unsere Homepage www.developmedaid.org und über Veranstaltungen an der Uni Spenden, mit denen wir medizinische Behandlungen in Burkina Faso ermöglichen. Auf diese Weise können wir Menschen, die ansonsten keine Chance auf Heilung hätten, helfen wieder gesund zu werden.

Lena von DEVELOPmed.aid

Gerne könnt ihr mir bei Fragen schreiben : lena@developmedaid.org

Meine Famulatur in Kürze

Land: Burkina Faso, Westafrika
Sprache : Französisch
Fach : Gynäkologie
Klinik : Universitätsklinik Yalgado Ouédraogo ( https://chuyobf.org/)
Kosten : ca. 2000 Euro (Flug, Visum, Gelbfieberimpfung, Malariaprophylaxe, Literatur, insbesondere „Obstetrics unplugged“ und Unterkunft). Eine Studiengebühr gibt es nicht.

Famulatur im Ausland

Weitere Famulaturberichte im Ausland und alle Infos findest Du auf unserer Seite Famulatur im Ausland.

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