Auslandsfamulatur in Australien

Famulatur in Australien

Ein Erfahrungsbericht von Emine

5-wöchiger Famulatur-Aufenthalt in Gefäßchirurgie am Royal Prince Alfred Hospital in Sydney, Australien (August bis September 2015).

Motivation

Das Royal Prince Alfred Hospital (RPAH) gehört als Universitätsklinikum zur Central Clinical School der Sydney Medical School der University of Sydney. Es ist eines der ältesten und renommiertesten Universitätskliniken in Australien. Der hohe Standard in der Patientenversorgung und Erfolge in der Forschung brachten mit der eigenen Dokumentationsserie, in welchem der Klinikalltag dargestellt wird, ein hohes Ansehen.

Nach meiner Famulatur in Istanbul war mir klar, dass ich auf jeden Fall noch einmal ins Ausland gehen wollte. Diesmal sollte es ein englischsprachiges Land werden. Außerdem hatte ich einige positive Berichte gelesen, weshalb ich mich für eine Famulatur in Australien in der Gefäßchirurgie in Sydney entschied.

Vorbereitung

Man sollte sich bereits 1,5 Jahre vorher um die schriftlichen Formalitäten kümmern. Ms. Duriye Varol, Elective Coordinator, die sowohl für australische, als auch ausländische Studierende verantwortlich ist, koordiniert die Formalitäten.

Anfangs zahlt man 100 $ Elective fees. Danach werden nochmal 1200 $ für 5 Wochen verlangt, da man sich an der Sydney University einschreiben muss. Normalerweise benötigt man ein „Studentenvisum“, welches als Famulant aber nicht notwendig ist, solang man weniger als 3 Monate im Krankenhaus famuliert oder an einer Universität eingeschrieben ist, sodass ein Touristenvisum ausreicht. Neben Impfnachweisen, werden ein Polizeiliches Führungszeugnis, ein International Criminal Record Check und ein Versicherungsnachweis benötigt. Auf der Homepage der University of Sydney sind alle wichtigen Unterlagen zu finden (https://sydney.edu.au/medicine/central/electives/index.php).

Flugtickets sollte man mindestens ein Monat im voraus buchen, da sonst mit hohen Preisen zu rechnen ist.

Leider gab es keine Auskunft über Wohnheimplätze, sodass ich mich privat um ein Wg-Zimmer kümmern musste. In Australien werden die Mieten wöchentlich gezahlt. Hierbei sollte man mit mindestens 300$/Woche rechnen, wenn man ein einigermaßen ordentliches Zimmer haben möchte. Es gibt aber auch günstigere Hostels, in denen mehrere Personen ein Zimmer teilen.

Sprache, Klima und Verkehrsmittel

Für den Klinikalltag reicht ein Kurs in „Medical English“ vollkommen aus. Während der Famulatur lernt man die fachspezifischen Abkürzungen und Begriffe intensiver.

Der australische Winter ist sehr ungewohnt. Während es morgens 5-10 °C waren, hatte man mittags Frühlingstemperaturen bis zu 22°C und jede Menge sonnige Tage.

Sydney verfügt über ein sehr gut ausgebautes öffentliches Verkehrssystem. Von der Central Train Station aus kann man alle Ecken Sydneys mit Bus und Bahn problemlos erreichen. Mit der Opal Card, welche man in allen Convenience Stores mit Geld auffüllt, kann man Busse, Bahnen und Fähren nutzen. Fahrscheine werden ab Ende des Jahres komplett abgeschafft.

Arbeitstag

Der Arbeitstag im Vascular Surgery Department beginnt jeden Tag, außer montags und freitags um 7 Uhr mit der Visite. Im Gegensatz zu Deutschland werden hier nicht nur Patienten auf Station, sondern alle Gefäßpatienten im ganzen Haus untersucht. Dadurch kann die Visite 2 Stunden dauern. Neben den Ärzten war auch jederzeit eine „Wundexpertin“ der Krankenschwestern dabei.

Nach der Visite geht man als Student meistens in den OP und kann je nach Operation assistieren. Bei Eingriffen im „Hybridtheater“, in dem nur nicht-invasiv gearbeitet wurde, war eine Assistenz nicht möglich.

Montags finden keine OP’s statt, stattdessen werden die Patienten dem Consultant vorgestellt. Ausserdem findet das „Radio-Meeting“ statt, in dem Röntgenbilder der Patienten besprochen werden.

An der Medical School gibt es für Studenten einen Aufenthaltsraum mit eigenem Spint. Darüber hinaus kann man den PC-Raum mitbenutzen. Jeden Tag werden verschiedene Themen im Studentenunterricht besprochen, an welchen man sich auch beteiligen kann. Im “Vascular Surgery Course” stellen jeweils zwei Studenten einen Fall vor.

Im RPAH oder ganz Australien wird kein Kittel getragen. Herren tragen Hemd mit Hose und Damen Rock oder Hose und Bluse.

In Australien beginnt man nach dem Universitätsabschluss als „ Intern“ zu arbeiten, während man ein Jahr lang auf verschiedenen Stationen tätig ist. Danach beginnt die Assistenzarztzeit, in der man als “Resident” oder „Medical Officer“ bezeichnet wird. Die nächste Stufe ist der „Registrar“, welcher als einziger außer dem Consultant Operationen alleine durchführen darf. Als letztes gibt es den “Consultant”, welcher dem Oberarzt in Deutschland entspricht.

 Zur körperlichen Untersuchung ist zu erwähnen, dass während der Visite hauptsächlich Pulse getastet, Wunden untersucht und je nach Indikation Duplexsonographie durchgeführt wird. Man darf Anamnesen erheben, Blut abnehmen, Nadeln legen und Patienten untersuchen.

Hier auf Station kann man sich als Student nach der Visite den Tagesablauf selbst einteilen. Wenn man Interesse an der Chirurgie hat, ist es kein Problem den restlichen Tag im OP zu verbringen. Im OP hielt man Haken, übernahm die Hautnaht und konnte seine Anatomiekenntnisse auffrischen.

Für das Mittagessen ist es am günstigsten sich selbst etwas mitzubringen. Andernfalls gibt es eine Kafeteria in der Klinik oder die Studentische Kafeteria in der man für 10 $ pro Tag Snacks und Kaffee erhält.

Meistens ist man um 13 oder 14 Uhr fertig, manchmal auch früher und kann diese Gelegenheit für ein Sightseeing nutzen.

Zudem hatte ich die Ehre im OSCE der Studierenden im 1. Klinischen Jahr zu assistieren und einen Patienten zu simulieren. Dies war eine sehr gute Chance, um Medizinstudenten in einer Mündlich- Praktischen Prüfung zu beobachten und zu beurteilen.

Sydney

Sydney ist eine sehr belebte und grosse Stadt mit einer sehr grossen Vielfalt an Attraktionen und Besichtigungsmöglichkeiten. Sehenswert sind unter anderem Sydney Opera House, Harbour Bridge, Royal Botanic Garden, Down Town, Darling Harbour und die Blue Mountains.

 Man konnte bereits am Flughafen erleben, wie offen, hilfsbereit und warmherzig die Menschen sind. Die Stadt bietet zudem eine immense Vielfalt an Kulturen an.

Fazit

Diese Famulatur in Australien war ein sehr gutes Erlebnis. Sie gab mir die Möglichkeit nicht nur als Touristin unterwegs zu sein, sondern auch in den Arbeitsalltag der Australischen Ärzte hineinzusehen.

Solch eine Famulatur kann ich nur weiterempfehlen!

Ort und Klinik

Krankenhaus: Royal Prince Alfred Hospital

Adresse: Missenden Rd, Camperdown NSW 2050, Australien

Abteilung: Gefäßchirurgie

Zeitraum: 24:08- 25.09. 2015

praktischArzt sagt Danke an Emine!

Weitere Famulatur und PJ-Berichte im Ausland findest Du auf unserer Seite Famulatur im Ausland.

Alle weiteren Informationen gibt es in unseren Übersichtsartikeln zur Famulatur und zum praktischen Jahr.

Einen Kommentar hinterlassen

Finde uns auf Facebook